Schweden Forum

Schwedisch-Freunde unter sich: Das beliebte Schwedenforum vom Schweden-Tor. Diskussionen und Tipps zu Schweden und Lappland, zu Urlaub und Reise, zum Auswandern, Arbeiten und Studieren.

Schweden
Aktuelle Zeit: 26. Mai 2012 03:32

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Schweden und Norwegen - Fähre, Urlaub, Reisen & Meer

Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 24 Beiträge ] 
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 1. Februar 2011 16:47 
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Benutzeravatar

Registriert: 4. Mai 2004 19:57
Beiträge: 707
Wohnort: Lund
So sind sie halt die Deutschen: Es wird gemotzt über die ESC-Gewinnerin Lena, beispielsweise über ihre Aussprache, obwohl sie ein hervorragendes Englisch im Vergleich zum deutschen Durchschnitt spricht. Dass sie mit ihrem Lied gewonnen hatte vor einem Jahr und hübsch aussieht kann man ihr zwar nicht direkt verübeln, aber es gibt genug die sich trotzdem beschweren... nach dem Motto so gut ist sie auch wieder nicht und soll sich bloß nichts einbilden. In Ägypten findet gerade eine Volksrevolution statt, ach denen geht es noch schlechter, na da kann man ja beruhigt sein.

Es kommt in Deutschland scheinbar immer weniger darauf an dass man selbst oder mit anderen Spaß hat, sondern mehr dass man allen mitteilt wie schlimm das eigene Leben sei. Dabei ist der Fokus häufiger auf reden, weniger auf anfassen und verbessern. Eins der beliebtesten Themen wenn sich mehrere Deutsche in Schweden treffen ist was alles schlechter ist in Schweden, darüber wurde bei uns letzten Sommer solange diskutiert dass eine Schwedin kommentierte, ihr habt die Möglichkeit das Land zu verlassen wenn es denn so schlimm sei. Tja sie hat Recht, für Außenstehende ist leidenschaftliches Gemotze um Kleinigkeiten und persönliche Ansichten unerträglich. Vielleicht lebe ich schon zulange im Ausland, ich frage mich wie weit diese Art eine Deutsche Krankheit ist? Ich glaube es ist ein bekanntes Vorurteil in Deutschland dass man es dem Nachbarn (oder Verwandten und Kollegen) nicht gönnt wenn er etwas Schönes oder Erfolg hat. Wir haben im Forum auch schon erwähnt dass es kein ausgesprochen positives Erlebnis ist, wenn man deutsche Touristen in Schweden anspricht. Hallo auch aus Deutschland - Knurrrr! Wir sind scheinbar die einzige Nation die ihre Landsleute in der Fremde weniger mögen als andere.

Wie erlebt ihr Deutschland nach ein paar Jahren in Schweden, wo lebt ihr zufriedener?

Anders gefragt, wie erlebt ihr das Deutsche Wesen: Sind die Deutschen in erster Linie depressiv, neidisch, besserwisserisch und unsozial geworden?

/Mark


Nach oben
  Profil Website besuchen  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 1. Februar 2011 17:40 
Alter Schwede
Alter Schwede
Benutzeravatar

Registriert: 5. Oktober 2006 10:29
Beiträge: 2204
Wohnort: Järna
Hej Mark,
nun, dann werde ich mal als erste in die(kommende) Schlangengrube werfen.
Zu Lena: Ich mochte sie im letzten Jahr nicht, mochte das Lied nicht und habe auch für sie nicht gestimmt. Mein Mann war vollkommen von den Socken und hat für sie gestimmt. Ich fand auch die Entscheidung, ein zweites Mal anzutreten eher schlecht, denn wievielen ist es denn wirklich geglückt mehr als einmal zu gewinnen? Da fällt mir eigentlich nur Johnny Logan ein, der 1980 und 1987 gewonnen hat. Dazu kommt, dass die Jahre davor die Mehrheit entscheiden konnte, wer zum Grand Prix fährt, heute darf man max. das Lied wählen...irgendwie nicht sehr nett. Man wird sehen, gewinnt Deutschland "gut" wenn nicht, dann nicht...ist mir persönlich eigentlich egal. Wie geschrieben, wirkliche Weltkarrieren entstehen kaum mehr aus der Geschichte.

Ägypten: Es geht diesen Leuten tausendmal schlechter als uns. Ich habe das Elend in Hurghada gesehen, es war furchtbar. Umso mehr ist es wichtig, dass diese Revolution wirklich erfolgreich ist, das Land reformiert wird und in eine bessere Zukinft schauen kann. Meine Befürchtung ist, dass die Islamische Bruderschaft an Macht gewinnt und ElBaradei sie nicht im Griff haben wird. Einen zweiten "Gottestaat" braucht die Welt nicht, der Iran meistert die "Angst-mache-Strategie" sehr gut allein..Achtung Ironie

Deutsche Touris in Schweden: kommt einfach auf den Mensch drauf an. Nur weil jemand zufällig den gleichen Pass besitzt, muss er mir nicht automatisch sympatisch sein. Manchmal ist ne´Menge "Fremdschämen" dabei, da bleibt man lieber stumm und outet sich nicht.
So mache ich es nicht nur in Schweden, sondern auch in anderen Ländern. Ich habe umgekehrt sehr viele sympatische und nette Menschen kennengelernt, z.B. in Ägypten, zu denen wir auch weiterhin Kontakt haben. Es kommt einfach auf die Chemie an, entweder sie stimmt oder sie stimmt nicht.

Nörgeln und Motzen: Die Deutschen nölen und nörgeln gerne, es ist einfach so. Wahrscheinlich liegt es uns einfach in den Genen. Und nur weil man freiwillig hier lebt, hat man nicht einfach alles gut zu heissen. Sorry, auch den Schweden liegt es mittlerweile frei woanders zu leben, sollte es ihnen nicht passen. Aber einfach sagen: Klappe halten, du Ausländer"...sorry, geht garnicht. Ach übrigens: die Schweden jammern auch gerne...nur so in den Raum gestellt;-)

Ich lebe in Schweden zufriedener, teilweise ruhiger, aber nur bedingt stressfreier.
Warum die Deutschen so sind wie sie sind? Nun vielleicht durch die Gechichte, durch 2 Weltkriege und die daraus entstehende Geschichte. Ich weiss nicht, wie es vor der Wende in Westdeutschland war, aber ich glaube, die DDR-bürger haben auch gerne gejammert, mal begründet und mal unbegründet...Brot gab es übrigens immer, Bananen weniger :D

Unterm Strich: Es gibt viele Motz-Deutsche, die bekommen schon eine Krise, wenn das Wasser im Roten Meer im Februar keine 35 grad hat und es gibt Deutsche, die geniessen einfach ihr Leben, meckern und nörgeln auch mal, aber sind eigentlich ganz nette verträgliche Menschen.

Grüsse JANA, hat auch ihre Motz-Tage :twisted:

_________________
Man muss 1000 Dinge machen um zu beweisen wie toll man ist.. Aber nur einen Fehler begehen, um nichts mehr wert zu sein !


Nach oben
  Profil E-Mail senden  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 1. Februar 2011 17:51 
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied

Registriert: 18. September 2010 17:46
Beiträge: 103
Wohnort: Närke/Schweden
Ich empfinde das nicht so. Das mag aber auch daran liegen, dass ich mich mit Menschen umgebe, die mir zusagen und mit denen ich mich gut verstehe. Da spielt es keine Rolle ob Deutscher oder Schwede.
Ebensowenig reagiere ich bissig, wenn ich hier in Schweden andere Deutsche treffe. Ob ich Kontakt aufnehme hängt auch hier von der jeweiligen Situation ab, nicht von der Nationalität.

"Das deutsche Wesen" ist für mich etwas ebenso nichtexistent wie "das schwedische Wesen". Es gibt sicherlich Verhaltensunterschiede im Alltag, der schwedische Kodex unterscheidet sich vom deutschen in einigen grundlegenden Dingen. Dennoch ist mir diese Art der Kategorisierung fremd, ich sehe eher Menschen als Staatsangehörigkeiten.

Auch das Diskutieren von "besser" oder "schlechter" habe ich in der von Dir beschriebenen Art so noch nicht erlebt. Auch ich spreche mit meinen hiesigen deutschen Bekannten über den Alltag und natürlich kann dabei auch mal Negatives zur Sprache kommen. Aber dass jemand "alles Scheiße" findet oder grundsätzlich in Frage stellt, habe ich noch nicht erlebt. Schließlich hat man ja freiwillig die Entscheidung getroffen, hier zu leben.

Wie ich persönlich Schweden nach einigen Jahren erlebe? Rundum positiv. Ich bin der Liebe wegen hergezogen, niemand hat mich dazu gezwungen. Natürlich lief nicht immer alles rund und geradeaus, aber wann tut es das schon? Ob ich hier zufriedener bin? Nein, ich bin hier ebenso glücklich wie in Deutschland. Und Neid und Missgunst gibt es hier wie dort.

Gruß von Lussekatt :smt006

_________________
http://schwedenblog.bestofscandinavia.se - Leben in Schweden


Nach oben
  Profil E-Mail senden Website besuchen  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 1. Februar 2011 18:28 
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Benutzeravatar

Registriert: 11. Dezember 2010 22:51
Beiträge: 180
Wohnort: Stockholm
Hej!

Entschuldigt, dass ich meinen Senf dazugebe, obwohl ich (noch) nicht in Schweden lebe...

Auch ich weigere mich, irgendwelche Verhaltenweisen oder Ansichten als "typisch deutsch" zu bezeichnen. Allerdings habe ich bei meinen letzten beiden Schweden-Reisen immer wieder mal gestaunt:

Ich bestreite meine Reisen mit irgendwie selbst gelerntem Schwedisch. Und ich bin wirklich kein sprachlicher Überflieger, eher einfach ein neugieriger gerne (schwed.) Krimis lesender Mensch. Schwedische Gespräche waren für mich immer eine spannende, aber durchaus schweisstreibende Tätigkeit... Vokabelgesuche, Grammatikgefehlere.... Hilfee! Keineswegs ein "lockerer Zeitvertreib". (Aber Spass gemacht hat´s natürlich.)
Trotzdem ist es immer wieder passiert, dass mich Schweden gefragt haben, wo ich denn wohne... also "Wo in Schweden denn eigentlich?" Wollten nicht glauben, dass ich bloss im Urlaub mal vorbeikomme...

Daraus schliesse ich, dass die deutsche "Koloniebildung" in Schweden sehr ausgeprägt sein muss. In Småland fiel es mir zum Beispiel besonders auf. Dort scheinen die deutschen Auswanderer oft mehr oder weniger unter sich zu leben und auch nach Jahren nicht viel mehr als das Schwedisch zu sprechen, was man bei ICA so braucht. Das ist ja nun grundsätzlich nicht schlimm. Das muss jeder so machen wie er es für richtig hält. Ich werde es aber sicherlich sehr anders machen.

Allerdings wundere ich mich hier im Forum auch manchmal wie viele Leute dem deutschn Bier, dem deutschen Brot, der deutschen Wurst, dem deutschen Quark etc nachtrauern. Diese Beiträge klingen wirklich manchmal recht unzufrieden. Vielleicht muntert es Euch auf, wenn ich Euch sage, dass ich hier in Deutschland Ekströms Blåbärssoppa, Pågens längtan, Filmjölk und Bregott vermisse! Es gibt eben nicht überall alles zu kaufen! Dann muss man eben im Urlaub dass besonders geniessen, was einem zu Hause im Alltag (egal ob chweden oder Deutschland) fehlt. Und man kann sich ja immer für besondere Anlässe ein paar Fläschchen mitbringen.
Bin mal gespannt, was ich dann so vermissen werde, wenn ich nach Stockholm ziehe. Ihr dürft mich dann gerne auslachen, falls ich dann anfange "typisch deutsch" zu nörgeln. Ich hoffe aber, dass das nicht passieren wird!
;-P

Många hälsningar,
Regina


Nach oben
  Profil E-Mail senden  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 1. Februar 2011 18:34 
Alter Schwede
Alter Schwede
Benutzeravatar

Registriert: 5. Oktober 2006 10:29
Beiträge: 2204
Wohnort: Järna
das mit dem Brot und der Wurst wird man erst dann wirklich verstehen, wenn man es nicht täglich haben kann. Es fehlt mir einfach, ist aber kein Grund wieder nach Deutschland zu gehen.
Ich habe die ganze Sache übrigens vor unserem Umzug nach Schweden auch nicht verstanden und unter "Unzufriedenheit" abgelegt. Ich habe eine Freundin, die 25 Jahre in Schweden lebt, hier glücklich verheiratet ist und Kinder hat..dem deutschen Brot weint sie heute noch hinter her.
Und die Wurst? Naja, bin durch meine Thüringer Herkunft einfach besseres gewöhnt und lechze einfach nach diesem Stück Kindheitserinnerungen.

JANA
Nachtrag: In Stockholm sieht es übrigens gut aus mit halbwegs vernünftigen Brot. Es gibt ein deutsches brothaus, die sehr lecker backen, in Järna hat eine Bäckerei aufgemacht, die im Steinofen backen und Sålta Kvarn gibt es auch noch...wann willst du denn nach Stockholm ziehen?

_________________
Man muss 1000 Dinge machen um zu beweisen wie toll man ist.. Aber nur einen Fehler begehen, um nichts mehr wert zu sein !


Nach oben
  Profil E-Mail senden  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 1. Februar 2011 18:48 
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Benutzeravatar

Registriert: 11. Dezember 2010 22:51
Beiträge: 180
Wohnort: Stockholm
Naja, vielleicht gehöre ich auch einfach zu den Menschen, die dem Essen recht wenig Bedeutung beimessen....
Ich esse tatsächlich nur sehr wenig Brot und eigentlich nie so richtiges "deutsches" vom Bäcker. Da fällts mir sicher leicht, ganz drauf zu verzichten.
Wer es natürlich so richtig gerne hat, der hat es in Schweden echt schwer. Freunde von mir (Schweden) backen ihr Brot daher selbst und lechzen auch nach deutschem Brot. So kanns gehen.
Alkohol trinke ich eigentlich gar nicht, und Fleisch esse ich kaum.
Ich fürchte eher, dass mir andere Sachen in Schweden fehlen werden. Ich weiss bloss noch nicht genau was. Hoffentlich überwiegen dann aber die positiven Seiten von Schweden. Aber das werde ich nur herausfinden, wenn ich wirklich nach Schweden ziehe. Und wie´s aussieht, kann ich im Sommer tatsächlich umziehen (erst mal für ein Jahr)!
Många hälsningar,
Reg

PS: @jana: Ich fahre Anfang April sehr wahrscheinlich nach Stockholm. Soll ich Dir ein paar Thüringer mirbringen? Mache ich doch gerne.... Du wohnst doch in Järna (also südl. Södertälje)?


Nach oben
  Profil E-Mail senden  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 1. Februar 2011 18:58 
Alter Schwede
Alter Schwede
Benutzeravatar

Registriert: 5. Oktober 2006 10:29
Beiträge: 2204
Wohnort: Järna
Jap, Järna ist südlich von Södertälje, klein und fein. Warum fragst du, zieht es dich in unsere kleine Stadt??

Essen ist in unserer Familie sehr wichtig, bin mit einem Koch verheiratet, kommt also einfach daher. Es muss gesund sein, schmecken und sättigen.
Wir haben auch schon selber Sauerteig angesetzt oder uns welchen aus München schicken lassen, aber irgendwie wird es nichts.

Alkohol? Mein Mann liebt sein Münchner Bier, meine Schwester trinkt gern mal ein Glas Rotwein und ich habe eine Flasche Baileys im Kühlschrank, die fast Altertumswert hat...2 Jahre alt, mind.


Es gibt schon Sachen, die mir hier in Schweden fehlen: Sauerkirschen im Glas als Beispiel..ist zumindest hier kaum zu bekommen. Eine Freundin hat mal welche im ÖoB bekommen, das Glas für 25,-kr... :shock: aber die Schwarzwälder Kirschtorte war genial.
Was dir fehlen wird, kommt ganz auf dich an, meist sind es Kleinigkeiten.

LG JANA

_________________
Man muss 1000 Dinge machen um zu beweisen wie toll man ist.. Aber nur einen Fehler begehen, um nichts mehr wert zu sein !


Nach oben
  Profil E-Mail senden  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 1. Februar 2011 19:06 
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Benutzeravatar

Registriert: 11. Dezember 2010 22:51
Beiträge: 180
Wohnort: Stockholm
:D Ich fragte hauptsächlich wegen der Würstchen-Lieferung! :P
Järna läge also auf meinem Weg nach Stockholm. Vad bra!
Also musst Du nur noch rechtzeitig die Bestellung aufgeben.
Lg, Reg

PS: Die Sache mit den Kirschen klingt für mich schon wesentlich besorgniserregender als Bier, Wurst, Brot... :P Aber daran solls nicht scheitern!


Nach oben
  Profil E-Mail senden  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 1. Februar 2011 20:22 
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied

Registriert: 8. Januar 2008 13:10
Beiträge: 282
Wohnort: Schweden/Småland
@ janaquinn:
Wie habt Ihr den Sauerteig angesetzt? Ich backe selber mit Sauerteig und finde, dass es gut wird (auf alle Fälle behauptet das die Familie sowie Freunde :D ). Gröberes Brot, gerne mit Körnern. Falls Du Willst, maile ich Dir gerne mein Rezept zu ;)

Gruss
Nanna


Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 1. Februar 2011 20:31 
Alter Schwede
Alter Schwede
Benutzeravatar

Registriert: 6. Dezember 2006 11:31
Beiträge: 3154
Wohnort: Västerås
Hej,
erst mal zum Thema:
Ich bin typisch deutsch. Warum auch nicht? ich bin doch Deutsche! Dafür brauche ich mich nicht schämen und muss aber auch nicht stolzer sein als andere. Ich nörgel gerne. Ja manchmal schon. Na und?
Heisst aber nicht, dass ich nicht glücklihc bin. Man kann auch sagen, wenn ich sonst keine Sorgen habe, ist doch alles in Butter. Ja, manches hier in Schweden stört mich. Das Gesundheistssystem, manche sagen auch das den-Arzt-treff-Vermeidungssystem stört mich. Auch stört mich vielerorts die Schule, also, dass nach dem Langsamsten geschaut wird. Ja, manches stört mich. Aber manches stört mich auch in Deutschland. Dort hab ich ebenso gejammert oder gemeckert.
Und ich mach was dagegen, wenn es geht. Ich versuche nicht nur zu jammern, sondern da wo ich kann, zu ändern. In Deutschland wie in Schweden. Und ehrlich? Manchmal tut es einfach gut sich so schön schlecht zu fühlen. Nicht ernsthaft schlecht. Einfach nur mal hängen lassen.
Im Grunde bin ich aber ein positiver Mensch, sonst würde ich wohl kaum jeden Tag aufstehen und mich an meinen drei Kindern und meiner 3 Arbeitsstellen erfreuen. Das Leben bringt seine Probleme mit sich und jeder hat seine Päckchen zu tragen. Aber man kann es auch geniessen. Trotz gejammer hin und wieder.

Dann: Wir sind übrigens nicht allein damit. In Deutschland kenne ich einige Ausländer, die auch über Ihr Leben dort jammern und schimpfen. Und es gibt Schweden, die auch in Deutschland oder der Schweiz leben und dort jammern. Eine Deutsche erzählte mir gerade am Wochenende, dass sie in der Schweiz in einem Laden eine Schwedin gehört hat, die da auf schwedisch total abgelästert hat. Die machen das auch, nicht nur wir.

Nur zu Ekorre. Als ich noch im Urlaub in Schweden war, ist mir aufgefallen, dass mir was fehlen könnte. Wie Jana sagt, das merkt man erst, wenn man hier lebt. Aber manche haben da auch weniger das Problem. Das ist aber das was ich oben meinte. Ich jammer dann auch gerne mal auf hohem Niveau. Eben, wenn ich sonst keine Probleme hab :)
Ich vermisse dann eben die Wurst und gehe zu Lidl. Aber das finde ich auch nicht schlimm. Ich weiss ziemlich sicher, dass ich, wenn ich in Deutschland leben würde, vieles aus Schweden vermissen würde. Das ist nun so. Ich denke, das ist der Preis davon, dass ich hier lebe. Ich werde für immer Schweden vermissen, wenn ich weggehe, so wie ich nun Deutschland vermisse. Das heisst nicht, dass ich hier sitze und traurig bin. Ich will auch nicht hier weg. Aber wenn ich nun nach Frankreich ginge oder England, was gar nicht unwahrscheinlich ist bei uns, dann würde ich dort sitzen und darüber jammern was in Deutschland und in Schweden besser ist :) Aber ich würde ebenso die tollen Dinge dort wahrnehmen. So wie jetzt auch. Ob das typisch deutsch ist? Glaub nicht. MEin schwedischer Bekannter, der in England lebte, hatte das auch. Und der Ami den ich hier kenne und die Japanerin... eigentlich haben alle was zu meckern wenn ich es recht überlege.... So lange es ausgewogen bleibt ist doch gut.

Grüsse
Wiebke


Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 1. Februar 2011 23:22 
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied
Benutzeravatar

Registriert: 11. Dezember 2010 22:51
Beiträge: 180
Wohnort: Stockholm
Hej Wiebke!

...ich glaube, da sind wir ganz einer Meinung!
Jedes Land hat Vor- und auch Nachteile. Da muss man eben sehen, was für einen selbst am Besten ist. Ich hoffe, dass ich den Rest meines Lebens im "richtigen" Land verbringen werde. Leider habe ich gerade gar keine Ahnung, welches das ist.
Also bemühe ich mich gerade um ein Jahr unbezahlten Urlaub (was wahrscheinlich geht) und probiere es einfach mal aus. Ist zwar alles nicht so einfach, aber ich glaube, ich muss das jetzt versuchen.
Danach weiss ich mehr... auch, was ich vermisse...
Und ich bringe gerne irgendwelche deutsche Lebensmittel mit nach Schweden und erfreue dort meine Freunde (Schweden und Deutsche) damit!
...genauso wie ich mir manchmal Blåbärssoppa nach Deutschland mitbringen lasse!
Wenn das das einzige Problem wäre, wäre doch alles wunderbar.... :-)
Lg, Reg

PS: Nörgeln kann ich auch, klar! Aber tatenlos über Jahre hinweg über dieselbe Sache nörgeln, kann ich nicht!


Nach oben
  Profil E-Mail senden  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 2. Februar 2011 10:23 
Alter Schwede
Alter Schwede
Benutzeravatar

Registriert: 6. Dezember 2006 11:31
Beiträge: 3154
Wohnort: Västerås
Hej Ekorre,
ich hoffe, dass Du nicht wie ich gestrickt bist. Denn dann gibt es das richtige Land vielleicht nicht. Irgendwo in meiner Ahnenlinie muss es Zigeuner gegeben haben. Obwohl die alle vom selben Fleck kommen...
Trotzdem. Mich treibt es immer um. Nach ein paar Jahren, hab ich es satt. Also, nicht mal, dass ich unglücklich wäre oder was so schlecht wäre, dass es nicht auszuhalten ist. Nein nein. Das hatten wir bisher nie. Aber es ist eben so, dass ich dann nach einigen Jahren gerne was Neues sehen möchte. Die einzige Stadt in der ich das nicht hatte, Karlsruhe. Daher träum ich davon, dass ich da im Alter wieder lande. Oder in ein paar Jahren. Ansonsten war ich immer nach drei Jahren soweit, dass ich meine Fühler ausstrecken wollte. Nun wird vielleicht der eine oder andre rechnen und denke: die sind doch jetzt drei Jahre in Schweden? Ja stimmt. Und ich merke schon wie es zieht... Dummerweise will ich hier nicht weg. Noch nicht. Also bleiben wir und ich hab trotzdem irgendwo in mir die kleine Sehnsucht nach was anderem. Ich denk manchmal, dass ich wie die Reisemaus bin :)
Noch wollen wir nicht weg, wer weiss ob wir für immer bleiben? Aber darüber möchte ich nicht nachdenken und kann ich auch nicht, sonst pack ich morgen Koffer. So lange ich die Option habe zu gehen, bin ich glücklich und werde ich womöglich sogar bleiben. Aber ich weiss, dass mich die Abenteuerlust wieder packt und dann muss ich sehen wie ich das anders löse. Veloleicht suche ich deshalb immer wieder weitere Arbeitsstellen und habe drei Kinder, damit es nicht langweilig wird :)
Mein neustes Projekt nennt sich Tourismusguide in einer Silbermine. Das ist gut :) Viele Menschen treffen, jetzt erst mal wochenlang auf Ausbildung gehen und dann unter Tage arbeiten. Allerdings nur als Nebenjob, hab ja noch die Deutschkurse und das Büro. Hehe, langweilig wirds nicht.
Vielleicht findest Du ja den Platz an dem Du bleiben willst. Das finde ich schön auch wenn es für mich passt.

Grüsse
Wiebke


Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 2. Februar 2011 11:18 
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied

Registriert: 26. Juni 2010 14:53
Beiträge: 86
Wohnort: 96049 Bamberg
Mal ein Wort zu den nörgelnden Touristen: wer zum ersten Mal irgendwo ist, darf nörgeln - wenn es ganz anders ist, als er es sich vorgestellt hat. Allerdings sollte man eher über sich selbst nörgeln, man hätte sich ja besser informieren können. Wer trotzdem wiederkommt, hält besser die Klappe. Hat ihn ja keiner gezwungen ;-)

Was ich im Urlaub aber gar nicht mag: Deutsche treffen. Nicht weil die irgendwie peinlich wären - klar gibts peinliche, aber es gibt auch peinliche Touristen aus anderen Ländern und selbst peinliche Eingeborene. Sondern weil Urlaub für mich immer auch eine kleine Flucht ist und ich absichtlich in die "exotische" Welt eintauche. Da stören Deutsche nur, die mich an zuhause erinnern, und was dann alles wieder losgeht, wenn der Urlaub vorbei ist. Deswegen mache ich auch nie Urlaub in Deutschland, auch wenn es bei uns wirklich schöne Ecken gibt. Aber es ist mir zu normal, und wenn mich beim Bäcker jeder versteht, habe ich gar kein Urlaubsfeeling.

Viele Grüße
H

_________________
iFairy - die App, die Wünsche erfüllt - www.ifairy.de


Nach oben
  Profil E-Mail senden  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 3. Februar 2011 07:33 
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied

Registriert: 1. September 2010 02:15
Beiträge: 249
Wohnort: Jämtland
Mark hat geschrieben:
So sind sie halt die Deutschen: Es wird gemotzt über die ESC-Gewinnerin Lena

.........

Anders gefragt, wie erlebt ihr das Deutsche Wesen: Sind die Deutschen in erster Linie depressiv, neidisch, besserwisserisch und unsozial geworden?

/Mark


Das ist harmlos gegen das was manche Schweden über ihren König ablassen:

http://www.schwedentor.de/forum/viewtopic.php?f=5&t=21088

Die Schweden (jetzt verallgemeinere ich auch) sind keinen Deut besser. Ausserdem muß man, denke ich, zwischen Nörgelei und Kritik unterscheiden.
Nörgelei ist, wenn nichts recht ist. Wenn sich aber - auch wenn man es wiederholt tut - über gewisse Misstände beschwert, dann ist das für mich Kritik. Meine Vorredner haben ja schon einige solche Dinge genannt. Das was man vielleicht als typisch deutsch betrachten kann, ist die Tatsache, dass wir uns nicht mit gewissen Dinge so einfach abfinden. Das schlechte Gesundheitssystem z.B. Oder das schlechte Bildungssystem. Wir verstehen einfach nicht, wie man mit solchen Dingen leben kann und sind frustriert darüber.

/Paul


Nach oben
  Profil E-Mail senden  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 3. Februar 2011 11:27 
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Benutzeravatar

Registriert: 4. Mai 2004 19:57
Beiträge: 707
Wohnort: Lund
Wir sind also Menschen und verhalten uns alle mehr oder wenig gleich, denn auch die Schweden sagen nicht zu allem okay. Wie kommt es eigentlich dass Schweden für Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bekannt sind? Ein Missverständniss oder mag es vielleicht daran liegen dass Deutsche nicht besonders freundlich zu ihren Mitmenschen sind?


Nach oben
  Profil Website besuchen  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 3. Februar 2011 11:31 
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied

Registriert: 15. April 2009 09:25
Beiträge: 147
Hej!
Mark hat geschrieben:
Wir sind also gleich, denn auch die Schweden sagen nicht zu allem okay. Wie kommt es eigentlich dass Schweden für Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bekannt sind? Ein Missverständniss oder mag es vielleicht daran liegen dass Deutsche nicht immer freundlich zu ihren Mitmenschen sind?


Das kann wohl daran liegen, dass Deutsche eher direkt sind und Schweden eher nicht, wobei ich nicht alle, hier wie da, über einen Kamm scheren will.

hälsningar
Ida

_________________
Det ä int så lätt å förklara för nån som int begrip... - Ingemar Stenmark


Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 3. Februar 2011 11:34 
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Benutzeravatar

Registriert: 4. Mai 2004 19:57
Beiträge: 707
Wohnort: Lund
Hej Sommarida. Gibt es kulturelle Unterschiede die du siehst, zb im Verhalten von Menschen aus Schweden, Deutschland und Italien... wenn man mal von der Sprache absieht?


Nach oben
  Profil Website besuchen  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 3. Februar 2011 11:37 
War da nicht mal ein Sprichwort


am Deutschen Wesen soll die Welt genesen ...oder so ....


und nun geht die Diskussion erst richtig los


Nach oben
   
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 3. Februar 2011 12:53 
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied

Registriert: 15. April 2009 09:25
Beiträge: 147
Mark hat geschrieben:
Hej Sommarida. Gibt es kulturelle Unterschiede die du siehst, zb im Verhalten von Menschen aus Schweden, Deutschland und Italien... wenn man mal von der Sprache absieht?

Hej Mark!
Die Frage kann ich so nicht beantworten. Kulturelle Unterschiede und Unterschiede im Verhalten von Menschen gehen für mich nicht so zusammen.
Kultur ist für mich Traditionen, Theater, Freizeit etc.
Das Verhalten von Menschen liegt für mich im Ursprung des Einzelnen selbst, seine Erziehung, seine Kindheit, seine Werte etc
Ich merke oft, dass ich viel direkter meinen schwedischen Freunden und Kollegen gegenüber bin als diese selbst. Ein Beispiel: Eine Kollegin färbte sich die Haare von holzaschedunkel auf blond. Für mich sah das sehr "daneben" aus, es passte nicht zu ihrem Teint, sie ist sommersprossig und ziemlich blass. Und ich sagte zu ihr, nachdem sie mich gefragt hatte, wie es geworden ist: Jag vet du, jag tycker inte att det var lyckat. Du ser förfärligt ut. Was ich natürlich auch mit ihrem Teint begründete. Meine schwedischen Kollegen sagten mehr oder weniger: Men gu´så snyggt det blev, allerdings sagten ihre Gesichtsausdrücke was anderes. Meine Kollegin bedankte sich auf jeden Fall für meine Ehrlichkeit und kam am nächsten mit ihrer alten Haarfarbe wieder. Da meinten alle einheitlich att det var så mycket bättre :)
Das meinte ich mit eher direkt und eher nicht.
Mit Italienern kann ich das nicht vergleichen, habe nur ein paar getroffen letzten Sommer.
Ich finde allerdings, dass Finnen mir in meiner Direktheit sehr nahe kommen. Dabei fiel mir auf, dass ich zu Finnen sagen kann: nein, so will ich das nicht haben, mach das lieber so. Und das gilt und wird gemacht und stört nicht das Verhältnis zwischen uns. Wenn ich das zu einem Schweden sage, fühlt er sich meist persönlich betroffen und fragt mitunter später, ob ich ihn nicht mag.
Ich will noch ausdrücklich betonen, dass das ganz subjektive, also meine eigenen, Erfahrungen sind und ich niemals alle Deutschen, Schweden, Finnen etc über einen Kamm schere. Ich habe für mich aber sehr schnell gelernt, meine Direktheit abzuwägen, der Situtation anzupassen und fahre sehr gut damit.

hälsningar
Ida

_________________
Det ä int så lätt å förklara för nån som int begrip... - Ingemar Stenmark


Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 3. Februar 2011 14:25 
Aktives Mitglied
Aktives Mitglied

Registriert: 6. Februar 2010 15:36
Beiträge: 117
hej,
wir werden im sommer für längere zeit eine niederländische studentin bei uns beherbergen. in ihrer ersten kontakt-mail erklärte sie, dass sie sich schon auf den aufenthalt in einer typisch deutschen familie freue. auf meine frage, was sie sich denn vorstelle unter typisch deutsch, wußte sie so recht nichts zu antworten.
und ich wußte es auch nicht, wir werden es sie herausfinden lassen, wie typisch deutsch wir sind.
wenn ich mir gedanken über das deutsche wesen mache, fällt das im moment recht negativ aus. ich glaube ein ganz schlechter wesenszug ist, wie schon erwähnt, das ewige nörgeln. ich kann ganz schlecht mit dieser permanenten, oft unbegründeten unzufriedenheit umgehen. alles ist ganz schrecklich in d. man sieht immer eher die nachteile, anstatt mit dem guten der situation zu beginnen. und nach meiner meinung stöhnen am meisten die, denen es noch wirklich gut geht.
das finde ich doof. doof finde ich auch, dass zum beispiel die vielgelobte deutsche pünktlichkeit doch ziemlich den bach runtergeht und es neuerdings als beinahe schick gilt, immer und überall zu spät zu kommen.
wir schimpfen auch viel auf die politiker (die mehrheit hat sie gewählt), fühlen uns permanent benachteiligt, vom staat abgezockt und so weiter. das missempfinden mancher ist so groß, dass er das land verlassen will, anstatt in d mitzuarbeiten, dass es wieder besser wird.
alle schimpfen über die schulreform, finden alles ganz schrecklich, was in der schule passiert. wenn man aber genauer hinsieht, kümmern sich noch nicht mal die eltern. aus erfahrung kann ich sagen, dass ich in der schule bei versammlungen oft mit dem lehrer vor leeren rängen sitze. mitarbeit ist nicht, weil alle so viel "wichtigere" dinge zu tun haben.
es fehlt so der kampfgeist, der zusammenhalt, dieses wir gefühl, das muss irgendwo auf der strecke geblieben sein, oder war es nie da?
das sind meine persönlichen eindrücke, sicher sehen das viele wieder anders.und natürlich ist nicht jeder so, sonst hätte ich vielleicht auch schon meine koffer gepackt. :lol:
lg
emily


Nach oben
  Profil E-Mail senden  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 3. Februar 2011 20:51 
Alter Schwede
Alter Schwede
Benutzeravatar

Registriert: 6. Dezember 2006 11:31
Beiträge: 3154
Wohnort: Västerås
Wisst Ihr, ich bemerkt manchmal Dinge an uns oder an mir und überlege ob das typisch deutsch ist. Manches mag schlecht sein, wie nörgeln oder so. Aber vieles davon finde ich auch einfach interessant und spannend. Da frage ich mich dann, warum ist das so und so? Und, ist das echt deutsch oder bin nur ich so?
Eben die Direktheit. In Deutschland war ich nie einer der direktesten Menschen und gerade bei so einem Frisurbeispiel hab ich es schwer, wenn ich die Person nciht wirklcih gut kenne. Daher bin ich auch hier vorsichtig. Trotzdem bin ich eher direkt als manche der Schweden, ich so kenne und treffe. Ich mecker schneller, also wenn ich etwas schlecht finde. Aber das finde ich gar nicht mal schlecht. Denn ich mecker ja nicht ohne Grund und auch nicht böse.
Eine Sache die mir aufgefallen ist: Das Frühstücksbrot. Wir frühstücken erstens mal alle gemeinsam daheim. Das ist uns wichtig. Kann Müsli oder auch Brot sein. Aber eben nicht nur gröt. Manche haben sich hier schon darüber gewundert weshalb wir uns den Stress antun. Die Kinder könnten doch eine halbe Stunde früher im Kindergarten oder der Schule essen? Naja, wir mögen eben die gemeinsam Zeit und gerade auch die Mahlzeiten. Es geht da weniger ums satt werden als die Gemeinsamkeit. Ein Unterschied.
Dann nimmt mein SOhn oft ein Brot mit in die Schule. Er ist da fast allein. Alle haben Obst oder Reiswaffeln oder nichts dabei. Er hat auch immer Obst dabei aber eben oft auch Brot. Das mag er. Und wir finden, dass es ihm nicht schadet, eher gut ist. Er wächst und braucht Energie, er ist oft hungrig. Und da wird er bestaunt weil er Brot isst.
Ein weiterer Unterschied, wir machen keine fredagsmys. Jedenfalls nicht geplant nur weil Freitag ist. Süsses ausser der Reihe wird tabuisiert aber dann am Freitag die Chipstüte auf dem Knie. Und Samstags natürlich die godispåse. Bei uns gibt es Süsses an jedem Tag, was nicht heisst, dass es jeden Tag etwas gibt. Nur, dass der Name des Tages keine Rolle spielt. Eher die gesamte Menge in der Woche und das ist mal mehr und mal weniger.
Das alles sind schon deutliche Unterschiede. Kulturel bedingt. Auch das Thema Alkohol ist ein Beispiel. Wir trinken Alkohol. ja. Und das sogar vor den Kindern! Hier liegen überall Broschüren in denen steht, dass man darüber nachdenken soll was die Kinder fühlen wenn man trinkt. Wenn die Eltern Alkoholiker sind, ja dann ja. Aber wenn ich beim Essen am Sonntag ein Glas Rotwein trinke oder auch mal ein Bier, dann ist das sicher kein Problem für meine Kinder. IM Gegenteil. Sie sehen, dass man das auch in kleinen Mengen trinken kann ohne, dass man betrunken ist. Dass es gefährlich ist mehr zu trinken, das ist klar, dass wir darüber reden. Aber ich habe noch nie (!) einen Schweden auch nur ein Glas normales Bier trinken sehen, wenn Kinder dabei waren. Jedenfalls nicht bei den Feiern hier im Ort. Das machen die vielleicht später, wenn die Kinder daheim sind? ich weiss es nicht.
Das sind jedenfalls ein paar Unterschiede, die mir aufgefallen sind.

Grusse
Wiebke


Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 3. Februar 2011 23:00 
Schwedenfreund
Schwedenfreund

Registriert: 14. August 2008 14:02
Beiträge: 336
Alleine die Tatsache, dass man so viele Beiträge unter dem Titel: das deutsche Wesen schreibt ist doch typisch deutsch :wink:
Falls alles das typisch was hier angeführt wird als typisch deutsch angesehen wird müsste ich eine Vollblutdeutsche sein. Bin ich aber nicht ich hab´nicht mal nen deutschen Pass!


Nach oben
  Profil E-Mail senden  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 4. Februar 2011 14:58 
Alter Schwede
Alter Schwede
Benutzeravatar

Registriert: 6. Dezember 2006 11:31
Beiträge: 3154
Wohnort: Västerås
irni hat geschrieben:
Alleine die Tatsache, dass man so viele Beiträge unter dem Titel: das deutsche Wesen schreibt ist doch typisch deutsch :wink:


Mag sein :)
Ich schäm mich nicht mal dafür. Nee, ich bin gerne deutsch. Wäre ich französisch würde ich wohl sagen, dass ich das gerne bin. Ich bin da mit mir im Reinen. Egal wo ich lebe. Und manche Macken die ich so habe, entschuldige ich einfach mit: "Tut mir leid, das ist typisch deutsch". :)
Obs dann wahr ist, ist mir dabei egal. In Deutschland konnte ich solche Macken auf mein Ursprungsbundesland schieben. Oder darauf wo ich mal lebte für ein paar Jahre. Und in Deutschland sag ich nun gerne, dass das eben in Schweden total normal ist, wenn cih ne Macke hab. Super Ausrede, funktioniert immer :)
Mist, jetzt hab ichs verraten...

Grüsse
Wiebke


Nach oben
  Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Über das deutsche Wesen
BeitragVerfasst: 4. Februar 2011 15:19 
Hej :)

Ja, stimmt, wir deutschen nörgeln gerne!
Aber die ganze Welt hat bestaunt, daß wir nicht auf die Straßen gegangen sind und gegen GRIECHENLAND und andere Länder demonstriert haben wegen der EU-Hilfe!
Wir haben das Geld nicht abgehoben bei den Banken,wir lassen uns ausnehmen....schimpfen nur innerlich...

Wenn die Italiener und Spanier Siesta machen, arbeitet der fleissige Deutsche noch bis spät abends, macht Überstunden die er nicht immer ausbezahlt bekommt, sieht die Kinder spät abends erst .....
Wir arbeiten bis 67 Jahre ab Jahrgang 1965,die Griechen bis 60 Jahre und schenken denen noch Geld...

Daher....ich bin froh, deutscher zu sein und die schwedische Mentalität etwas annehmen, dann bin ich persönlich Zufrieden!

SOMMEN :schwedentor2:


Nach oben
   
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 24 Beiträge ]   

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde [ Sommerzeit ]


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste


Du darfst neue Themen hier erstellen
Du darfst Antworten zu Themen hier erstellen
Du darfst deine Beiträge hier nicht ändern
Du darfst deine Beiträge hier nicht löschen
Du darfst keine Dateianhänge hier erstellen

Suche nach:
Gehe zu: