Über das deutsche Wesen

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ekorre
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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon ekorre » 1. Februar 2011 22:22

Hej Wiebke!

...ich glaube, da sind wir ganz einer Meinung!
Jedes Land hat Vor- und auch Nachteile. Da muss man eben sehen, was für einen selbst am Besten ist. Ich hoffe, dass ich den Rest meines Lebens im "richtigen" Land verbringen werde. Leider habe ich gerade gar keine Ahnung, welches das ist.
Also bemühe ich mich gerade um ein Jahr unbezahlten Urlaub (was wahrscheinlich geht) und probiere es einfach mal aus. Ist zwar alles nicht so einfach, aber ich glaube, ich muss das jetzt versuchen.
Danach weiss ich mehr... auch, was ich vermisse...
Und ich bringe gerne irgendwelche deutsche Lebensmittel mit nach Schweden und erfreue dort meine Freunde (Schweden und Deutsche) damit!
...genauso wie ich mir manchmal Blåbärssoppa nach Deutschland mitbringen lasse!
Wenn das das einzige Problem wäre, wäre doch alles wunderbar.... :-)
Lg, Reg

PS: Nörgeln kann ich auch, klar! Aber tatenlos über Jahre hinweg über dieselbe Sache nörgeln, kann ich nicht!

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Imrhien
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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon Imrhien » 2. Februar 2011 09:23

Hej Ekorre,
ich hoffe, dass Du nicht wie ich gestrickt bist. Denn dann gibt es das richtige Land vielleicht nicht. Irgendwo in meiner Ahnenlinie muss es Zigeuner gegeben haben. Obwohl die alle vom selben Fleck kommen...
Trotzdem. Mich treibt es immer um. Nach ein paar Jahren, hab ich es satt. Also, nicht mal, dass ich unglücklich wäre oder was so schlecht wäre, dass es nicht auszuhalten ist. Nein nein. Das hatten wir bisher nie. Aber es ist eben so, dass ich dann nach einigen Jahren gerne was Neues sehen möchte. Die einzige Stadt in der ich das nicht hatte, Karlsruhe. Daher träum ich davon, dass ich da im Alter wieder lande. Oder in ein paar Jahren. Ansonsten war ich immer nach drei Jahren soweit, dass ich meine Fühler ausstrecken wollte. Nun wird vielleicht der eine oder andre rechnen und denke: die sind doch jetzt drei Jahre in Schweden? Ja stimmt. Und ich merke schon wie es zieht... Dummerweise will ich hier nicht weg. Noch nicht. Also bleiben wir und ich hab trotzdem irgendwo in mir die kleine Sehnsucht nach was anderem. Ich denk manchmal, dass ich wie die Reisemaus bin :)
Noch wollen wir nicht weg, wer weiss ob wir für immer bleiben? Aber darüber möchte ich nicht nachdenken und kann ich auch nicht, sonst pack ich morgen Koffer. So lange ich die Option habe zu gehen, bin ich glücklich und werde ich womöglich sogar bleiben. Aber ich weiss, dass mich die Abenteuerlust wieder packt und dann muss ich sehen wie ich das anders löse. Veloleicht suche ich deshalb immer wieder weitere Arbeitsstellen und habe drei Kinder, damit es nicht langweilig wird :)
Mein neustes Projekt nennt sich Tourismusguide in einer Silbermine. Das ist gut :) Viele Menschen treffen, jetzt erst mal wochenlang auf Ausbildung gehen und dann unter Tage arbeiten. Allerdings nur als Nebenjob, hab ja noch die Deutschkurse und das Büro. Hehe, langweilig wirds nicht.
Vielleicht findest Du ja den Platz an dem Du bleiben willst. Das finde ich schön auch wenn es für mich passt.

Grüsse
Wiebke

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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon knut245 » 2. Februar 2011 10:18

Mal ein Wort zu den nörgelnden Touristen: wer zum ersten Mal irgendwo ist, darf nörgeln - wenn es ganz anders ist, als er es sich vorgestellt hat. Allerdings sollte man eher über sich selbst nörgeln, man hätte sich ja besser informieren können. Wer trotzdem wiederkommt, hält besser die Klappe. Hat ihn ja keiner gezwungen ;-)

Was ich im Urlaub aber gar nicht mag: Deutsche treffen. Nicht weil die irgendwie peinlich wären - klar gibts peinliche, aber es gibt auch peinliche Touristen aus anderen Ländern und selbst peinliche Eingeborene. Sondern weil Urlaub für mich immer auch eine kleine Flucht ist und ich absichtlich in die "exotische" Welt eintauche. Da stören Deutsche nur, die mich an zuhause erinnern, und was dann alles wieder losgeht, wenn der Urlaub vorbei ist. Deswegen mache ich auch nie Urlaub in Deutschland, auch wenn es bei uns wirklich schöne Ecken gibt. Aber es ist mir zu normal, und wenn mich beim Bäcker jeder versteht, habe ich gar kein Urlaubsfeeling.

Viele Grüße
H
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.

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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon Pink_Panther » 3. Februar 2011 06:33

Mark hat geschrieben:So sind sie halt die Deutschen: Es wird gemotzt über die ESC-Gewinnerin Lena

.........

Anders gefragt, wie erlebt ihr das Deutsche Wesen: Sind die Deutschen in erster Linie depressiv, neidisch, besserwisserisch und unsozial geworden?

/Mark


Das ist harmlos gegen das was manche Schweden über ihren König ablassen:

http://www.schwedentor.de/forum/viewtopic.php?f=5&t=21088

Die Schweden (jetzt verallgemeinere ich auch) sind keinen Deut besser. Ausserdem muß man, denke ich, zwischen Nörgelei und Kritik unterscheiden.
Nörgelei ist, wenn nichts recht ist. Wenn sich aber - auch wenn man es wiederholt tut - über gewisse Misstände beschwert, dann ist das für mich Kritik. Meine Vorredner haben ja schon einige solche Dinge genannt. Das was man vielleicht als typisch deutsch betrachten kann, ist die Tatsache, dass wir uns nicht mit gewissen Dinge so einfach abfinden. Das schlechte Gesundheitssystem z.B. Oder das schlechte Bildungssystem. Wir verstehen einfach nicht, wie man mit solchen Dingen leben kann und sind frustriert darüber.

/Paul

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Mark
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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon Mark » 3. Februar 2011 10:27

Wir sind also Menschen und verhalten uns alle mehr oder wenig gleich, denn auch die Schweden sagen nicht zu allem okay. Wie kommt es eigentlich dass Schweden für Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bekannt sind? Ein Missverständniss oder mag es vielleicht daran liegen dass Deutsche nicht besonders freundlich zu ihren Mitmenschen sind?

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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon sommarida » 3. Februar 2011 10:31

Hej!
Mark hat geschrieben:Wir sind also gleich, denn auch die Schweden sagen nicht zu allem okay. Wie kommt es eigentlich dass Schweden für Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft bekannt sind? Ein Missverständniss oder mag es vielleicht daran liegen dass Deutsche nicht immer freundlich zu ihren Mitmenschen sind?


Das kann wohl daran liegen, dass Deutsche eher direkt sind und Schweden eher nicht, wobei ich nicht alle, hier wie da, über einen Kamm scheren will.

hälsningar
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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon Mark » 3. Februar 2011 10:34

Hej Sommarida. Gibt es kulturelle Unterschiede die du siehst, zb im Verhalten von Menschen aus Schweden, Deutschland und Italien... wenn man mal von der Sprache absieht?

jms

Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon jms » 3. Februar 2011 10:37

War da nicht mal ein Sprichwort


am Deutschen Wesen soll die Welt genesen ...oder so ....


und nun geht die Diskussion erst richtig los

sommarida
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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon sommarida » 3. Februar 2011 11:53

Mark hat geschrieben:Hej Sommarida. Gibt es kulturelle Unterschiede die du siehst, zb im Verhalten von Menschen aus Schweden, Deutschland und Italien... wenn man mal von der Sprache absieht?

Hej Mark!
Die Frage kann ich so nicht beantworten. Kulturelle Unterschiede und Unterschiede im Verhalten von Menschen gehen für mich nicht so zusammen.
Kultur ist für mich Traditionen, Theater, Freizeit etc.
Das Verhalten von Menschen liegt für mich im Ursprung des Einzelnen selbst, seine Erziehung, seine Kindheit, seine Werte etc
Ich merke oft, dass ich viel direkter meinen schwedischen Freunden und Kollegen gegenüber bin als diese selbst. Ein Beispiel: Eine Kollegin färbte sich die Haare von holzaschedunkel auf blond. Für mich sah das sehr "daneben" aus, es passte nicht zu ihrem Teint, sie ist sommersprossig und ziemlich blass. Und ich sagte zu ihr, nachdem sie mich gefragt hatte, wie es geworden ist: Jag vet du, jag tycker inte att det var lyckat. Du ser förfärligt ut. Was ich natürlich auch mit ihrem Teint begründete. Meine schwedischen Kollegen sagten mehr oder weniger: Men gu´så snyggt det blev, allerdings sagten ihre Gesichtsausdrücke was anderes. Meine Kollegin bedankte sich auf jeden Fall für meine Ehrlichkeit und kam am nächsten mit ihrer alten Haarfarbe wieder. Da meinten alle einheitlich att det var så mycket bättre :)
Das meinte ich mit eher direkt und eher nicht.
Mit Italienern kann ich das nicht vergleichen, habe nur ein paar getroffen letzten Sommer.
Ich finde allerdings, dass Finnen mir in meiner Direktheit sehr nahe kommen. Dabei fiel mir auf, dass ich zu Finnen sagen kann: nein, so will ich das nicht haben, mach das lieber so. Und das gilt und wird gemacht und stört nicht das Verhältnis zwischen uns. Wenn ich das zu einem Schweden sage, fühlt er sich meist persönlich betroffen und fragt mitunter später, ob ich ihn nicht mag.
Ich will noch ausdrücklich betonen, dass das ganz subjektive, also meine eigenen, Erfahrungen sind und ich niemals alle Deutschen, Schweden, Finnen etc über einen Kamm schere. Ich habe für mich aber sehr schnell gelernt, meine Direktheit abzuwägen, der Situtation anzupassen und fahre sehr gut damit.

hälsningar
Ida
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Re: Über das deutsche Wesen

Beitragvon emilie » 3. Februar 2011 13:25

hej,
wir werden im sommer für längere zeit eine niederländische studentin bei uns beherbergen. in ihrer ersten kontakt-mail erklärte sie, dass sie sich schon auf den aufenthalt in einer typisch deutschen familie freue. auf meine frage, was sie sich denn vorstelle unter typisch deutsch, wußte sie so recht nichts zu antworten.
und ich wußte es auch nicht, wir werden es sie herausfinden lassen, wie typisch deutsch wir sind.
wenn ich mir gedanken über das deutsche wesen mache, fällt das im moment recht negativ aus. ich glaube ein ganz schlechter wesenszug ist, wie schon erwähnt, das ewige nörgeln. ich kann ganz schlecht mit dieser permanenten, oft unbegründeten unzufriedenheit umgehen. alles ist ganz schrecklich in d. man sieht immer eher die nachteile, anstatt mit dem guten der situation zu beginnen. und nach meiner meinung stöhnen am meisten die, denen es noch wirklich gut geht.
das finde ich doof. doof finde ich auch, dass zum beispiel die vielgelobte deutsche pünktlichkeit doch ziemlich den bach runtergeht und es neuerdings als beinahe schick gilt, immer und überall zu spät zu kommen.
wir schimpfen auch viel auf die politiker (die mehrheit hat sie gewählt), fühlen uns permanent benachteiligt, vom staat abgezockt und so weiter. das missempfinden mancher ist so groß, dass er das land verlassen will, anstatt in d mitzuarbeiten, dass es wieder besser wird.
alle schimpfen über die schulreform, finden alles ganz schrecklich, was in der schule passiert. wenn man aber genauer hinsieht, kümmern sich noch nicht mal die eltern. aus erfahrung kann ich sagen, dass ich in der schule bei versammlungen oft mit dem lehrer vor leeren rängen sitze. mitarbeit ist nicht, weil alle so viel "wichtigere" dinge zu tun haben.
es fehlt so der kampfgeist, der zusammenhalt, dieses wir gefühl, das muss irgendwo auf der strecke geblieben sein, oder war es nie da?
das sind meine persönlichen eindrücke, sicher sehen das viele wieder anders.und natürlich ist nicht jeder so, sonst hätte ich vielleicht auch schon meine koffer gepackt. :lol:
lg
emily


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