Traditionell oder zu religiös?

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Traditionell oder zu religiös?

Beitragvon svenska-nyheter » 8. Juni 2012 14:16

Der Juni ist der Monat, in dem in Schweden die Sommerferien beginnen. Für die Schüler hierzulande endet das Schuljahr mit einer Abschlussfeier, die traditionell in der Kirche stattfindet. Doch seit Staat und Kirche in Schweden getrennt sind, verbietet das Schulgesetz jegliche religiösen Einflüsse.

(Die Tickermeldung musste auf Wunsch von sr.se stark gekürzt werden. Wir bitten um Verständnis.)

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(Diese Schweden-Nachricht stammt von SR International. Nachdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden.)

Tulipa
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Re: Traditionell oder zu religiös?

Beitragvon Tulipa » 10. Juni 2012 10:50

Schulschlussfeiern in einer Kirche sind wohl immer viel feierlicher und schöner als z.B. in einer Turnhalle. Ich finde den Streit darum oft lächerlich, in vielen Orten zerfleischen sich die Interessengruppen regelrecht deswegen.

Bin ich froh, dass bei uns die (immer sehr schöne) Feier traditionell und bei jedem Wetter im Aussengelände der Schule stattfindet.

Mich wundert aber, dass bei all dem Wichtigtun wegen irgendwelcher eventuell schädlicher Einflüsse sich das Königshaus überhaupt nicht darum zu scheren scheint. Viel deutlicher und offener religiös konnte z.B. die Taufe der kleinen Estelle (war immerhin auch ein Staatsakt) ja kaum sein.

LG
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Re: Traditionell oder zu religiös?

Beitragvon HeikeBlekinge » 10. Juni 2012 17:18

Da stimme ich dir zu Tulipa!
Aber ich denke das Königshaus hält sich heute aus solchen Fragen heraus.

Bei uns sollte vor ein paar Jahren die Abschlussfeier auch von der Kirche weg verlegt werden. Die Elternproteste waren aber gross und so blieb alles beim alten. Sogar eindeutig Kinder/Familien die nicht den christlichen Glauben angehören kommen an diesem Tag in die Kirche.
Wenn also niemand ein Problem damit hat, ist doch gut!
Manchmal denk ich die Schweden machen schon ein Problem aus einer Sache bevor es ueberhaupt zu einem werden können könnte ;-)

lg
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Re: Traditionell oder zu religiös?

Beitragvon Mark » 11. Juni 2012 12:38

Es gibt in Schweden noch mehr Orte zum Feiern als Kirchen und Turnhallen, doch darum es gar nicht im Artikel.

Schulfeiern in religiösen Gebäuden sind erlaubt, wenn die Betonung auf Beisammensein und nicht auf "religiösen Traditionen" liegt. Wenn ein lutheranischer Priester nicht widerstehen kann Kinder zu segnen und zum Beten aufzufordern, wie in dem beschriebenen Fall, dann hat er die Grenze einer schulischen Veranstaltung überschritten. Vielleicht können sich christliche Eltern das so vorstellen: Die Abschlussfeier finden in einer hübschen Mosche statt und der muslimische Geistliche versucht Kinder zu seinen religiösen Idealen näher zu rücken, das verursacht Konflikt.

/M

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Re: Traditionell oder zu religiös?

Beitragvon Tulipa » 11. Juni 2012 22:08

hmmm, welche zum Feiern geeigneten Orte meinst du denn?

Wir wohnen jetzt schon im zweiten schwedischen Dorf (erst Småland, nun Halland), bei beiden gibt es in etlichen km Umkreis keine grösseren Räumlichkeiten. Hier ist die Kirche ca. 10 km entfernt und schon von näher gelegenen Schulen belegt. Unsere Turnhalle fasst gerade so alle Schüler aber keine Eltern, deswegen schon seit Schulgründung immer die Freiluftlösung.

Eine Feier in einer Moschee fände ich zugegebenermassen weder in Schweden noch in Deutschland für meine Kinder toll. Würden wir aber in ein muslimisches Land ziehen und unsere Kinder auf örtliche Schulen schicken, wäre eine Teilnahme daran für uns selbstverständlich. Ich käme nicht auf die Idee, etwas anderes zu fordern sondern fände es im Gegenteil peinlich, wenn aus Rücksicht auf uns etwas an lokalen Traditionen geändert würde.

In einem unserer Nachbardörfer kam es im letzten Jahr zu anonymen Morddrohungen gegen die Rektorin, die wie all die Jahre vorher in der Kirche feiern wollte. So ziemlich alle ausländischen Andersgläubigen (=etliche Moslems) des Dorfes haben sich daraufhin deutlich von dieser Gewalt distanziert und sich für Beibehaltung der Gepflogenheiten ihres neuen Heimatlandes ausgesprochen.

LG
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Re: Traditionell oder zu religiös?

Beitragvon Tulipa » 11. Juni 2012 22:19

Hallo nochmal Mark,

eben bin ich ja nicht auf deinen letzten Punkt eingegangen.
Warum sollte ein Pfarrer seine Kirche als reines Gebäude, ohne die damit verbundene Botschaft zur Verfügung stellen? Und seine Worte nicht selbst wählen dürfen?
Ich will jedenfalls keinen Besuch bei uns daheim, der unsere Lebensweise ablehnt und der die Themen vorschreibt, über die wir reden.

LG
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Re: Traditionell oder zu religiös?

Beitragvon Mark » 12. Juni 2012 00:22

Deine Fragen wurden bereits im Artikel beantwortet, das schwedische Schulgesetz verbietet religiöse Einflussnahme.

Wird ein Gebäude missbraucht um Kinder und Jugendliche mit religiösen Anschauungen zu indoktrinieren, kann es nicht für schulische Veranstaltungen verwendet werden. Wobei die Eignung weniger mit dem Gebäude zu tun hat, als mit dem Verantwortlichen einer Kirche der sich nicht an die Abmachungen hält. Schweden ist ein Land mit Einwohnern die mehrheitlich nicht religiös sind, eins der am wenigsten religiösen Ländern der Welt, dementsprechend sind die Traditionen und Feiern.

Viele Grüsse,
/M

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Re: Traditionell oder zu religiös?

Beitragvon Petergillarsverige » 12. Juni 2012 07:23

Ich möchte jetzt mal etwas Toleranz einfordern. In einer Kirche darf man doch wohl über Glaube, Jesus und Gott reden. Hier im "christlichen Abendland", und Schweden gehört dazu, braucht man sich wirklich nicht vor einem Bibelvers oder Segen zu fürchten.
Umgekehrt: Wenn Christen ihre Kinder in die Schule schicken, ist das kein ideologiefreier Raum. Da gibt es Lehrer die vom Christentum nichts halten. Die christlich geprägten Kinder müssen das aber auch aushalten. Das Starke unserer "Trennung von Staat und Kirche" ist die gegenseitige Toleranz. Zum Glück gehen Kinder christlicher Familien in staatliche Schulen. So eine richtig feierliche Abschlussfeier in einer Kirche ist etwas was Kinder erleben müssen. Das Leben ist nicht nur Schlabber-Look.

Es gibt Länder in denen die Religion vom Staat eingefordert wird. Mit den bekannten Nebenerscheinungen. Das haben wir hier zum Glück nicht.
Ich bin selber dagegen Kinder zu taufen, ich halte das auch für unmöglich, weil die Taufe dem Glauben folgt. Dennoch solche würdevollen Momente wie jetzt der Gottesdienst um Estelle gehören dazu und auch wer nicht dahinter steht, erlebt, dass es sinnvoll ist sich einem Höheren gegenüber verpflichtet zu wissen.
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

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Re: Traditionell oder zu religiös?

Beitragvon Mark » 12. Juni 2012 09:37

Es ist doch so, dass jedem frei steht sein Leben zu gestalten und in seiner Freizeit Veranstaltungen zu besuchen die er möchte.

Reden wir mal einen Moment über religiöse Toleranz und Traditionen. Wusstest du dass es bis 1951 in Schweden verboten war aus dem Christentum auszutreten? Bis 1996 Kinder automatisch getauft wurden falls ein Elternteil der Staatskirsche angehört? Im Jahr 2012 Kinder und Jugendliche zu einem Gottesdienst zu zwingen, wird sehr wahrscheinlich auf Kritik stossen.

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Re: Traditionell oder zu religiös?

Beitragvon knut245 » 12. Juni 2012 09:55

Fragen wir doch mal so: wer hat denn die Kirchen gebaut und unterhält sie? Ist es die Gemeinde allein, ohne staatliche Zuschüsse, dann ist es ihr Gebäude und sie hat alles Recht, dort in allen Veranstaltungen ihr Thema anzubringen. Ich nehme aber an (ohne es zu wissen), dass auch in S (wie in D) massiv staatlich subventioniert wird. Daraus würde ich dann schon eine Berechtigung ableiten, die Räumlichkeiten auch mal zu nichtkirchlichen Zwecken nutzen zu dürfen (besonders dann, wenn kein anderer geeigneter Raum vorhanden ist). Und dann muss eine schulfremde Indoktrination auch nicht hingenommen werden. Wer etwas über die christlichen Themen erfahren will, für den gibt es wöchentlich den Gottesdienst.
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.


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