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Nachdem ich nun den kompletten thread gelesen habe, muss ich ja nun mal feststellen, dass noch nicht wirklich hilfreiche Beiträge dabei sind. An Dich Jennifer: Es wäre natürlich sinnvoller, erst einmal in den gängigen Schwedenforen zu suchen und zu lesen, bevor Du Dich selbst in die Schussbahn begibst. Es gibt, und das hast Du ja nun schon gemerkt, auch leider immer eine Menge Rabauken, die sich mit Freude auf solche Themen stürzen und erst mal die Leute runter putzen. Aber, und das muss leider auch so gesagt werden, ist in diesen Aussagen auch ein wahrer Kern enthalten.
Nun konkret von mir, so wie ich die Situation einschätze. Es wurde bereits mehrfach angesprochen: Der Hauptknackpunkt bei Euch beiden ist die nicht vorhandene Ausbildung. Auch Schweden ist ein Industriestaat in fortgeschrittener Entwicklung, in dem immer mehr Arbeitsplätze, die keine qualifizierte Ausbildung erfordern, in Billiglohnländer verlagert werden. Klar, werden auch hier die LKW weiter benötigt, aber die Anzahl der Transporte ist doch erheblich zurück gegangen. Vielleicht mal eine Zahl, die das ganz gut illustriert: SCANIA hat im letzten Jahr etwa 90% (!) weniger LKW verkaufen können. Einfach weil Speditionen weltweit die Bestellungen gestrichen haben, da der Bedarf nicht mehr da ist. Gleiches gilt auch für Schweden.
Die Wohnungssituation: Für eine Familie mit 4 Kindern eine Unterkunft zu finden, die man nicht käuflich erwirbt, grenzt schon an ein Wunder. Schweden ist in seinem Wohnungsmarkt überhaupt nicht mit D. zu vergleichen und selbst einzelne Menschen mit geringen Ansprüchen haben es schwer, eine größere Nasszelle mit Kochplatte anzumieten. Sicherlich kann Dein Mann allein rüber gehen und findet (unter der Hand für recht viel Geld) erstmal eine Bleibe. Aber ihr müsst ja auch über den nächsten Schritt nachdenken. Und der bedeutet, nochmal 5 Leute in einer Mietwohnung unterzubringen, die dazu noch nicht mehr als 500 - 600,- € kosten darf. Im Grossraum Stockholm ist diese Annahme leider absolut unrealistisch. und soweit ich dies mitbekommen habe, gilt das auch für den rest Schwedens. Als Alternative bliebe also nur, auf einem völlig überhitzten Immobilienmarkt ein Dauerwohnrecht zu erwerben. Das kostet richtig Geld, ist aber natürlich von der Lage im Land abhängig. Auf dem Land kann man vielleicht ein Reihenhaus schon für 50 - 80.000,-€ erwerben. In der Großstadt dürfte sich diese Summe schnell mit 3 oder 4 multiplizieren.
Die Kita/Dagis/Förskol-Situation: Diese ist in Schweden natürlich um Klassen besser als in D., gar keine Frage. Nichts desto trotz kann es passieren, dass man sich eine Weile gedulden muss, bis denn alle Kinder einen Platz haben. Unter Umständen sind diese auf mehrere in der Kommune verteilt, so dass das Bringen und Abholen seinen Teil Zeit in Anspruch nimmt. Dazu kommen in ländlichen Gebieten auch schnell Fahrwege von 50-60 Kilometern in einer Richtung, die auch Ihren Teil des Tages beanspruchen. Und die Kita ist auch hier nicht kostenlos, wenn auch bei weitem nicht so teuer, wie in D., kommen aber doch noch mal an die 280,-€ für alle 4 Kinder dazu, die im Haushaltsbudget vorhanden sein müssen.
Ökonomie: Um einer Auswanderung eine realistische Chance einzuräumen (soll sie nicht schon am fehlenden Geld scheitern), sollte man schon etwas auf der hohen Kante haben, das man im ersten Jahr ins Haushaltsgeld zuschießen kann, um das fehlende 2. Einkommen etwas auszugleichen. Die langen Wege auf dem Land machen auch ein 2. Auto erforderlich. Auch dies kostet Geld im Unterhalt (rechne mal mit 250,-€ pro Auto an Benzin, Steuern und Versicherung). Ich denke, 50.000,-€ als Reserve sind nicht zuviel Geld eher konservativ geschätzt. Man darf dabei auch nicht vergessen: Bis Ihr alle hier registriert seid und ein Aufenthaltsrecht habt, dauert das seine Zeit. Bis das erste Mal Kindergeld kommt (welches mit 105,-€ deutlich unter dem in D. liegt) kann durchaus ein Jahr ins Land gehen, wie auch mehrere Forumbeiträge zu berichten wissen und ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann).
Fazit aus meiner Sicht: Verbessert mit Hilfe des Arbeitsamtes Eure Ausbildungssituation, bleibt unter der Zeit am Ball und schreibt immer mal wieder Bewerbungen in S. auf geeignete Stellen, nutzt ggf. stattfindende Bewerbungsgespräche als Übung, fahrt oft nach S. in den Urlaub, um in Kontakt mit der Sprache zu kommen (das Hörverständnis bekommt Ihr nur vor Ort), entscheidet Euch für eine Region, wo ihr in Kontakt mit der Sprache und den Leuten kommen könnt (Dialekte gibt es nicht zu knapp in Schweden, gerade Südschweden und Skåne sind für Ihren Dialekt berüchtigt) und auch evtl. in Frage kommende Arbeitgeber im Urlaub ansprechen könnt. Und plant vom jetzigen Zeitpunkt aus mindestens noch 3 eher 4 Jahre ein, bis Ihr den Schritt machen könnt, dann habt Ihr deutlich bessere Chancen, als dies jetzt kurzfristig anzugehen.
Ich wünsche Euch auf jeden Fall die nötige Ruhe, alles zu durchdenken und egal, wie ihr Euch entscheidet, viel Erfolg bei dem Weg, den Ihr wählt!
_________________ Ein Optimist ist in der Regel ein Zeitgenosse der ungenügend informiert ist. (John B. Priestley)
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