Straßenverkehr in Schweden - was ist da los?!

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Flomi
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Straßenverkehr in Schweden - was ist da los?!

Beitragvon Flomi » 15. Mai 2018 09:48

Hej!

Ich möchte mal folgende Beobachtung teilen, um zu erfahren, ob das nur mein Eindruck ist oder andere das auch so wahrnehmen:

Das Verhalten im Autoverkehr ist in Schweden immer schlimmer geworden, ich möchte fast sagen: Es fühlt sich an, als hätten die Schweden sich da was von deutschen Autobahnen abgeschaut!

Mein ganz aktueller Eindruck stammt aus einer Kurzreise an der Westküste vergangenes Wochenende, bei der wir von Trelleborg nach Smögen und zurück gefahren sind. Auf der E6 sind dort 110 km/h, auf einigena Abschnitten südl. von Göteborg auch 120 km/h erlaubt. Von jeher halte ich mich in Schweden ziemlich genau an die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten, auf der Autobahn fahre ich maximal (nach Tacho) 10 km/h zu schnell. Nun war es aber so, dass ich damit gefühlt zu den Langsamsten gehörte! Egal, ob 110 oder 120 erlaubt war - die Schweden rauschten mit 120-140 km/h an mir vorbei. War ich gerade dabei, einen LKW zu überholen, wurde mitunter kräftig gedrängelt, einmal sogar durch sehr dichtes Auffahren und wiederholtes betätigen der LIchthupe. Richtig gerast wurde jedoch nicht, keine fuhr schneller, als ca 140 oder vllt mal 150 (wobei, für schwedische Verhältnisse ist das für mich "rasen"). Auch auf den Landstraßen an der Westküste, auf den häufig ein Tempolimit von 70 oder 80 km/h gilt, wurde gern wesentlich schneller gefahren und ich war oft ein Verkehrshindernis.

Ich reise seit über 30 Jahren nach Schweden, seit 1992 fahre ich selbst, davor ist mein Vater gefahren. Früher fanden wir das Reisen in Schweden immer total entspannt: Es wurde selten überholt, zulässige Höchstgeschwindigkeiten oft sogar leicht unterschritten, Riesenabstand gehalten, oft fuhren auf der Landstraße Autos einfach stundenlang hintereinander her, Drängeln auf Autobahnen gab es nicht...

Dies hat sich im Laufe der Zeit verändert, finde ich. Abgesehen vom weiter oben geschilderten ganz aktuellen Eindruck, ist es mir in den letzten Jahren auch z.B. in Lappland häufig passiert, dass ich mit 120 km/h überholt wurde, weniger Abstand gehalten und mehr gedrängelt wurde...

Wie seht ihr das, ist das so? Und wenn ja, woran liegt es? Wurden die Bußgelder gesenkt oder gibt es keine Kontrollen mehr? Und wie damit umgehen - einfach anpassen und auch zu schnell fahren? Oder weiter der Langsamste bleiben?

Viele Grüße Flomi

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Re: Straßenverkehr in Schweden - was ist da los?!

Beitragvon Hexenhäuschen » 15. Mai 2018 10:17

Die gleiche Beobachtung habe ich auch gemacht. Die meisten Schweden wissen, wo die Blitzer stehen (wird ja auch "angekündigt") und ja, es wird kaum kontrolliert. Ich habe bisher nur 1x eine Kontrolle mit Laserpistole gesehen. Die Bußgelder sind meines Wissens nicht gesenkt worden, aber die Chance, erwischt zu werden, ist gering.

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Re: Straßenverkehr in Schweden - was ist da los?!

Beitragvon vibackup » 17. Mai 2018 19:32

Du beschreibst sehr schön, was ich auch empfinde; ich bin seit 1988 regelmäßig als Tourist und seit 2002 fest wohnend in Schweden und genau was du beschreibst ist auch mein Eindruck.
Allerdings ist mein Eindruck, daß sich das nicht auf das Auto fahren beschränkt, sondern Schweden wird generell "europäischer".
Die Reste des folkhemmet, die man 2002 noch gut spüren konnte, zumindest im Bewußtsein der Menschen, sind fort, der eigene Gesellschaftsentwurf hat sich als nicht tauglich erwiesen ("Den som är i skuld..."), und außerdem bekommt Schweden für zwei Dinge, die ihnen mal wichtig waren, Prügel (und leider mit Recht): das total ineffektive Gesundheitswesen und die schlechte Ausbildung liefernde Schule.
Das hier ist sehr ungewöhnlich, aber ein Symptom:
http://www.sls.se/lakarhjalp/
So deutlich wird hier selten Kritik geübt... fehlt nur noch, daß die Lehrer sich in ähnlicher Weise gegen die Steuerung des Schulwesens wenden.
Dass sich sowohl das Karolinska, das Flaggschiff des schwedischen Gesundheitssystems erst durch Macchiarini und jetzt durch das "Nya karolinska" als auch die Svenska akademin gerade selber hinrichten (und damit zwei schwere Institutionen, die den Nobelbpreis austeilen), macht die Sache nicht besser.
In Stockholm werde ich in Läden inzwischen regelmäßig gesiezt; selbst diese kleine Errungenschaft wird über Bord geschmissen. Rexed würde sich im Grabe umdrehen. Und die SD sitzen seit Jahren im Reichstag; in dieser Frage allerdings scheint Schweden nur ein Vorreiter zu sein.
Aber dennoch: aus meiner Sicht verändert sich gerade die Gesellschaft nicht gradweise, sondern relativ schnell, und noch weiß man nur, das der alte Entwurf nicht taugt, aber noch nicht, was man haben will.
Mein Eindruck,

//M


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