Statistik der Wartezeiten für Krebsbehandlungen in Schweden

Tipps und Infos, Fragen und Antworten, Kultur - Menschen - Studium - Leben: Alles über Schweden!
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/land-leute
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Volker
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 708
Registriert: 27. Februar 2007 19:43

Statistik der Wartezeiten für Krebsbehandlungen in Schweden

Beitragvon Volker » 20. Januar 2014 17:25

Hallo zusammen,

hier die Statistik nach Län: http://pejl.svt.se/val2014/koer-i-cancervarden/

Sollte es mich erwischen, setze ich mich ins Flugzeug und lasse mich in Deutschland behandeln. Es geht ja ums Überleben. Zudem ist alleine schon das unnötig lange Warten auf die Untersuchungsergebnsisse eine Tortur. Ansonsten ist für mich das System inzwischen eine einzige Katastrophe. Ein Patient in Schweden wurde erst 15 Monate nach seinem Verdacht wegen Hautkrebs behandelt.

Die Wartezeiten waren dank der Genügsamkeit der Schweden schon immer etwas länger in Schweden, aber war die vor 10 Jahren auch so lange?

dalarna
Teilnehmer
Teilnehmer
Beiträge: 47
Registriert: 5. August 2010 12:40
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Statistik der Wartezeiten für Krebsbehandlungen in Schwe

Beitragvon dalarna » 27. Januar 2014 16:44

Volker hat geschrieben:Hallo zusammen,

hier die Statistik nach Län: http://pejl.svt.se/val2014/koer-i-cancervarden/

Sollte es mich erwischen, setze ich mich ins Flugzeug und lasse mich in Deutschland behandeln. Es geht ja ums Überleben. Zudem ist alleine schon das unnötig lange Warten auf die Untersuchungsergebnsisse eine Tortur. Ansonsten ist für mich das System inzwischen eine einzige Katastrophe. Ein Patient in Schweden wurde erst 15 Monate nach seinem Verdacht wegen Hautkrebs behandelt.

Die Wartezeiten waren dank der Genügsamkeit der Schweden schon immer etwas länger in Schweden, aber war die vor 10 Jahren auch so lange?


Genau richtig!!! Ich weiß es verda... genau. Das könnt Ihr mir glauben.

Speedy
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 616
Registriert: 20. März 2009 11:38
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Statistik der Wartezeiten für Krebsbehandlungen in Schwe

Beitragvon Speedy » 27. Januar 2014 18:00

...leider ist es nicht so einfach nach D zu fliegen fuer eine OP ausser man hat eine Deutsche KV. Ansonsten muss man sich die Behandlung von der schwedischen KV genehmigen lassen und das ist nicht einfach. Oder man bezahlt selbst. Diese Erfahrung habe ich schon hinter mir.

Gruss Speedy

Benutzeravatar
Auswanderer
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 599
Registriert: 16. Oktober 2006 21:59

Re: Statistik der Wartezeiten für Krebsbehandlungen in Schwe

Beitragvon Auswanderer » 28. Januar 2014 11:31

Volker hat geschrieben:Sollte es mich erwischen, setze ich mich ins Flugzeug und lasse mich in Deutschland behandeln.


Wenn etwas so grundsätzlich wichtig im Land so grundsätzlich falsch läuft, stellt sich die Frage, warum man in dem Land wohnt.

Außerdem setzt eine Behandlung in Deutschland eine deutsche Krankenversicherung oder sehr viel Geld voraus. Meine Krebsbehandlung hat sicher an die Million gekostet.
Alla dessa dagar som kom och gick, inte visste jag att det var livet.

---Stig Johansson

Volker
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 708
Registriert: 27. Februar 2007 19:43

Re: Statistik der Wartezeiten für Krebsbehandlungen in Schwe

Beitragvon Volker » 28. Januar 2014 12:52

Die meisten Menschen können sich nicht aussuchen, in welchem Land sie wohnen. Und die meisten Menschen wollen ihre Heimat auch nur ungern verlassen. In drei Jahren kann die Situation in Schweden wieder anders aussehen und wer weiß, wie dann die Situation in Deutschland aussieht. Bei Herzerkrankungen sehen die Behandlungsmöglichkeiten in Schweden zum Beispiel derzeit sehr gut aus. Es kommt eben darauf an, an was man erkrankt und leider weiß man das nicht so genau, was auf einem zukommt. Die meisten kennen aber ihre Risiken einigermaßen. Im September ist Reichstagswahl und dann wird sich wahrscheinlich einiges in der Sozialpolitik ändern. Die Umfragen für die derzeitige bürgerliche Regierung sehen schlecht aus. Die Nachrichten bringen fast jeden Tag Negativschlagzeilen über die derzeitige Sozialpolitik.

Die schwedische f-kassa übernimmt auf Antrag sehr wohl die Behandlungskosten im Ausland, wenn diese nicht höher sind als in Schweden:

https://www.forsakringskassan.se/wps/po ... VAXomsBY!/

Wie lange die Bearbeitungszeiten sind, ist unklar. Wer risikofreudig ist, kann auch nach der Behandlung im Ausland um Erstattung bitten. Kennt jemand konkrete Fälle, wie derzeit die f-kassa solche Fälle behandelt?

Prostata-Krebs ist die häufigste Krebsform beim Mann. Eine Prostata-Operation kostet derzeit etwa 10.000 Euro. Es gibt tatsächlich Schweden, die das Geld aus der eigenen Tasche zahlen und sich in einer schwedischen Privatklinik behandeln lassen. Dieser Tage kam ein TV-Bericht in den Nachrichten über einen Lastwagenfahrer, der eben diese Operation selbst bezahlt hat. Wir können uns schon denken, welche Parteien er im September auf jeden Fall nicht wählen wird.

Man kann auch in Schweden eine Zusatzkrankenversicherung abschließen, meisten geht das über den Arbeitgeber und seit 2007 dürfen auch nichtprivate Krankenhäuser solche Patienten schneller behandeln. Etwa 500.000 sind schon zusatzversichert. Die Tendenz ist steigend. Es entwickelt sich also ein Zweiklassen-System, das Nachteile für die Normalversicherten bringt, denn wenn ein Privatpatient vorgelassen wird, muss ein normal versichterter Patient länger warten. Die meisten Schweden sehen das alles als einen unhaltbaren Zustand an, der höchstwahrscheinlich auch wieder abgschafft wird.

Die ansonsten so ruhigen Schweden können sich derzeit sehr gut über die derzeitigen Miseren an den Schulen, im Gesundheitswesen und in der Altenpflege aufregen. Dabei wird dann manchmal sogar die Stimme lauter, und das bedeutet viel in Schweden.

Benutzeravatar
Auswanderer
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 599
Registriert: 16. Oktober 2006 21:59

Re: Statistik der Wartezeiten für Krebsbehandlungen in Schwe

Beitragvon Auswanderer » 29. Januar 2014 20:38

Volker hat geschrieben:Die meisten Menschen können sich nicht aussuchen, in welchem Land sie wohnen. Und die meisten Menschen wollen ihre Heimat auch nur ungern verlassen.


Richtig. Aber hier im Forum sind viele, die sich Schweden, vielleicht zu blauäugig, ausgesucht haben. Und am Anfang die Behauptung, wenn es darauf ankommt, dann findet die Behandlung in Deutschland statt.

Zu den Zeiten von Erlander und Palme war Schweden wirklich ein fortschrittliches Land. Was ist bloß passiert, und warum?
Alla dessa dagar som kom och gick, inte visste jag att det var livet.



---Stig Johansson

Volker
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 708
Registriert: 27. Februar 2007 19:43

Re: Statistik der Wartezeiten für Krebsbehandlungen in Schwe

Beitragvon Volker » 29. Januar 2014 21:32

Es geht hier wirklich nicht um Blauäugigkeit sondern um den Überlebenswillen. Wer auwandert, geht immer Risiken ein. Selbst bei bester Vorbereitung gibt es immer noch Überraschungen. Schweden ist zudem ein Land in ständiger Veränderung. Auch vor 30 Jahren, als ich Schweden zum ersten Mal kennenlernte, war es nicht Bullerbü. Und wie in 10 oder 20 Jahren Deutschland oder Schweden aussieht, weiß auch niemand genau.

Behauptungen stelle ich hier keine auf, sondern nur Überlegungen, was ich bzw. jemand anderes in einer prekären Situation unternehmen würde, um aus der Situation das Beste zu machen.

Manche Voruntersuchungen und Krebsbehandlungen sind im Anfangsstadium für viele noch finanziell aus eigener Tasche in den Griff zu bekommen. Das ist dann eine Risikoabschätzung. Soll der Betroffene warten und deshalb ein erhöhtes Risko eingehen oder soll er sich gleich in Deutschland (oder anderswo im Ausland) behandeln lassen und hoffen, dass ihm von der f-kassa wenigstens nachträglich ein Teil erstattet wird? Wiewiel ist einem das eigene Leben eigentlich wert? Das sind makabare Gedanken, wenn es um das eigene Bankkonto - oder besser gesagt das egeine Leben - geht. Ich wünsche niemanden sich solche Gedanken machen zu müssen.

Aber: Viele Gesundeitssysteme fangen bei steigendem Kostendruck sich schon die Frage zu stellen, was zum Beispiel eine Krebsbehandlung noch kosten darf. Dabei werden die Behandlungskosten mit dem Gewinn an Lebensqualität aufgerechnet. In Deutschland scheint diese Frage noch unethisch zu sein. In Großbritannien entscheidet aber das Gesundheitssystem schon lange darüber, ob der Patient überhaupt noch eine Behandlung bekommst. Da geht es nicht darum, wann der Patient die Behandlung bekommt, sondern ob er sie überhaupt noch weiterhin bekommt. Dabei dreht es sich um Summen, für welche die wenigsten Patienten selbst aufkommen können. Es wird dann nach Aktenlage und einem Punktesystem entschieden, ob der Patient noch ein halbes Jahr länger leben darf oder nicht. So ähnlich ist das beispielsweise schon in Großbritannien und ähnliche Vorüberlegungen beginnen schon in Deutschland. Dazu ist der folgende Artikel des Deutschlandfunk wirklich lesenwert:

http://www.deutschlandfunk.de/priorisie ... _id=270214

Vielleicht ist es zu blauäugig sich auf lange Sicht zu sehr auf das deutsche Gesundheitswesen zu verlassen. Ich bin kein Hellseher. Eines ist sicher. Die Kosten im Gesundheitswesen der wohlhabenden Staaten werden in unabsehbarer Zeit immer weiter und weiter steigen und die Patienten werden in Zukunft mit Entscheidungen konfrontiert, die bisher ein Tabu waren.


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Schweden“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste