Sozialbehörde: Tamiflu nach Verfallsdatum weiter einsetzen

Hier diskutieren wir Nachrichten, News, Nyheter aus und über Schweden. Alles was neu & interessant ist! Von TT, DagensNyheter, Expressen u.a.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/land-leute/ak ... achrichten
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Benutzeravatar
svenska-nyheter
-bot-
Beiträge: 16218
Registriert: 9. Juli 1998 17:00

Sozialbehörde: Tamiflu nach Verfallsdatum weiter einsetzen

Beitragvon svenska-nyheter » 2. Dezember 2009 10:00

Die Sozialbehörde hat der Regierung vorgeschlagen, vorhandene Antiviral-Medikamente gegen Grippe, Tamiflu, auch nach Ablauf des Verfallsdatums weiter einzusetzen. „Wenn das so durchgeführt wird, wie wir es vorschlagen, können die Präparate verwendet werden, genau als ob der Patient ein ganz frisches Medikament verabreicht bekommt“, erklärte der Leiter der Seuchenschutzabteilung der Sozialbehörde, Anders Tegnell.


>>ganzer Artikel

(Mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden)

Sumac
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 544
Registriert: 25. August 2009 06:42
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Sozialbehörde: Tamiflu nach Verfallsdatum weiter einsetzen

Beitragvon Sumac » 2. Dezember 2009 11:33

Nach Berechnungen der Behörde kommt es für den Staat billiger, die aus der Weiterverwendung erwachsenden Schadenersatzverpflichtungen für eventuelle Nebenwirkungen zu übernehmen,

das darf nicht wahr sein, das ist einfach eine schweinerei, mit dieser aussage, wird nicht an den menschen gedacht, sondern nur an das wirtschaftliche..

wozu nur gibt es dieses verfalldatum??

Benutzeravatar
Skogstroll
Schweden Guru
Schweden Guru
Beiträge: 1385
Registriert: 30. August 2006 11:42

Re: Sozialbehörde: Tamiflu nach Verfallsdatum weiter einsetzen

Beitragvon Skogstroll » 2. Dezember 2009 11:53

Die Mediziner und Pharmazeuten mögen mich berichtigen, aber das Verfallsdatum gibt es
1. Damit der Hersteller sich absichert, und
2. Damit der Hersteller mehr verkauft.

Die ganze Panik um die Schweinegrippe ist schon spannend. Da werden erst Riesenmengen Tamiflu eingekauft, die nicht nur irgendwann verfallen. Das Medikament verkürzt nach Aussage mancher Experten den Krankheitsverlauf gerade mal um vielleicht zwei Tage. Ausserdem haben viele Viren mittlerweile sogar eine Resistenz dagegen entwickelt.

Dann kommt der Impfstoff. Der hat aber solche Nebenwirkungen, dass er die Leute, die sich in meiner Umgebung haben impfen lassen, mindestens einen Tag ausser Gefecht gesetzt hat. Motiviert wird die Impfung gern mit Abwendung des wirtschaftlichen Schadens, der durch die Krankheit entstehen würde. Nur wo liegt der Unterschied, wenn keiner geimpft wird und deshalb 10% der arbeitenden Bevölkerung 10 Tage lang ausfallen, oder wenn 100% geimpft werden und alle je einen Tag ausfallen?
(Man könnte die Leute natürlich nur freitags impfen, aber das kriegen die VC nicht auf die Reihe.)

Gäbe es die Schweinegrippe nicht, müsste man sie glatt erfinden, jedenfalls aus Sicht der Pharmaindustrie. Der Staat hat erst tonnenweise ein wenig wirksames Medikament eingekauft, das jetzt langsam verfault, und dann auch noch Impfstoff für neun Millionen Menschen, den viele gar nicht haben wollen und der am Ende wohl auch entsorgt werden muss. Das ist das ideale Konsumentenverhalten schlechthin.

Da hat jemand ganze Lobbyarbeit geleistet!

Skogstroll

Samweis
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 358
Registriert: 8. April 2009 12:51
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Sozialbehörde: Tamiflu nach Verfallsdatum weiter einsetzen

Beitragvon Samweis » 2. Dezember 2009 13:19

Hallo Skogstroll,

man mag ja die Arbeit der WHO, der nationalen Gesundheitsbehörden und Gesundheitsministerien kritisieren - das ist das Los aller, die sich mit der "Sicherheit" anderer Menschen befassen und für diese Entscheidungen treffen sollen.
Aber das ganze Bemühen als ein Produkt der Lobbyarbeit abzuqualifizieren, ist vielleicht doch etwas zu einfach?
Skogstroll hat geschrieben:Die Mediziner und Pharmazeuten mögen mich berichtigen, aber das Verfallsdatum gibt es
1. Damit der Hersteller sich absichert, und
Das Verfallsdatum ist nicht von den Herstellern erfunden worden und wird auch nicht von diesen vorgegeben. Es wird bei der Arzneimittelzulassung festgelegt (aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse). Dabei kann die Zulassungsbehörde durchaus unter dem Antrag des Herstellers bleiben, was den Hersteller ganz und gar nicht freuen dürfte (siehe unten).
Natürlich dient das Datum der Absicherung. Der Industrie, der Behörde - und des Patienten!
Skogstroll hat geschrieben:2. Damit der Hersteller mehr verkauft.
Na ja, ganz so ist es ja nicht.
Dummerweise wird das Zeugs nämlich auch beim Hersteller schlecht. Oder im Großhandel. Oder in den Apotheken, die die Arzneimittel dann an den Großhandel zurückgeben. Das ist ein ziemlich schlechtes Geschäft für den Hersteller, der diese Arzneimittel zurücknehmen und rückabrechnen muss. Zumal er in vielen Ländern die Auslieferung einer Charge bereits Monate vor dem Verfallsdatum einstellen muss. Da hätte er schon viel lieber ein längeres Verfallsdatum, um mehr zu verkaufen. )*

Allerdings bestünde für die Schweden als Alternative zur Haltbarkeitsverlängerung ja noch die Möglichkeit, über den Tellerrand hinauszuschauen. Möglicherweise vergammelt in Schweden gerade das Kinder-Tamiflu, das anderen Orts dringend gesucht wird?

Viele Grüße

Samweis

P.S.: )* Natürlich auch kein beliebig langes. Für jede hergestellte Charge muss er schließlich Rückstellproben bis einige Zeit nach dem Verfallsdatum lagern.

hansbaer

Re: Sozialbehörde: Tamiflu nach Verfallsdatum weiter einsetzen

Beitragvon hansbaer » 2. Dezember 2009 13:31

Skogstroll hat geschrieben:Die Mediziner und Pharmazeuten mögen mich berichtigen, aber das Verfallsdatum gibt es
1. Damit der Hersteller sich absichert, und
2. Damit der Hersteller mehr verkauft.


und 3. Damit Medikamente, die nicht mehr gut sind, auch nicht mehr benutzt werden. Oder?

Man stelle sich vor, es gäbe kein Verfallsdatum - dann würden sich alle über Berichte empören, dass das Zeug doch tatsächlich schlecht werden kann.

Dann kommt der Impfstoff. Der hat aber solche Nebenwirkungen, dass er die Leute, die sich in meiner Umgebung haben impfen lassen, mindestens einen Tag ausser Gefecht gesetzt hat.
[...]
Motiviert wird die Impfung gern mit Abwendung des wirtschaftlichen Schadens, der durch die Krankheit entstehen würde. Nur wo liegt der Unterschied, wenn keiner geimpft wird und deshalb 10% der arbeitenden Bevölkerung 10 Tage lang ausfallen, oder wenn 100% geimpft werden und alle je einen Tag ausfallen?
(Man könnte die Leute natürlich nur freitags impfen, aber das kriegen die VC nicht auf die Reihe.)


Der letzte Stand des Smittsskyddsinstitutet ist, dass nach gut 1,9 Millionen Impfungen 1300 Personen Nebenwirkungen gemeldet haben, davon die Minderheit schwere. Das sind also 0,07 Prozent aller geimpften - selbst wenn man eine enorme Dunkelziffer voraussetzt, kommt man kaum über 1 Prozent hinaus.
Das dazu hochzustilisieren, dass jeder einen Tag ausfällt, ist eine ziemliche Übertreibung.

Ich habe mich selbst impfen lassen, und so auch einige andere aus meinem Umfeld. Eine war mit Grippesymptomen einen Tag zuhause - der Rest hatte (wie bei jeder Impfung) Schmerzen im Arm und das wars.

Es fällt jedenfalls nicht jeder einen Tag aus, und wenn 10% der Bevölkerung unerwartet ausfallen, wäre das in der Tat ein erheblicher Schaden.

Sumac
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 544
Registriert: 25. August 2009 06:42
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Sozialbehörde: Tamiflu nach Verfallsdatum weiter einsetzen

Beitragvon Sumac » 2. Dezember 2009 13:59

ähm nochmal kurz darauf hingewiesen,
es geht nicht ums spritzen ja oder nein, es geht um den einsatz von über dem verfalldatum hinaus bestehende chargen.


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Neuigkeiten“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 14 Gäste