soll ich jubeln oder weinen ...Zweifel beim Entspurt

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blue

soll ich jubeln oder weinen ...Zweifel beim Entspurt

Beitragvon blue » 12. Februar 2007 12:15

Hallo Ihr Lieben

Lange schon bin ich ein stiller Leser Eures tollen Forums und habe schon sehr viel Interessantes und wissenswertes für mich erfahren.
Da unsere „Aktion“ immer mehr zum Greifen naht, will ich mich auch mal zu Worte melden :smt024
Wir - das sind 2 Große 40 Jahre, ein Kind 3 Jahre und unser Hund - bekamen letztes Jahre ein Jobangebot einer schwedischen Firma (besser gesagt mein Mann).
Seitdem Grübeln recherchieren und diskutieren wir über die Chance oder Schicksal die Möglichkeit zu nutzen. Wir hatten früher immer mal in Betracht gezogen ins Ausland zu gehen, aber die Idee war mit Geburt des Kindes eigentlich eingeschlafen.

Und nun ist sie da…die große Möglichkeit. Finanziell ist gesorgt aber mir als Mutter und erstmal das Heim und Haus hütende, bleiben noch soviel Fragen. :roll:

Kann ich es meiner Kleinen zumuten, wird sie Spielkameraden finden, werden wir uns jemals heimisch fühlen und somit der Kleinen ein entspanntes Umfeld bieten. Wo genau werden wir landen. Wird es mit der Schule klappen wenn die Eltern nicht 100%tig der Sprache mächtig sind um zu helfen…wie wird in Schweden Nachbarschaft gelebt und Freundschaften gefunden? :hmm:

Ihr merkt mich quälen die Fragen die man sich im keinen Amt- oder Infoblättchen anlesen kann. Ich bin angewiesen auf Erfahrungen eurerseits und hoffe auf kleine Tipps und Erfahrungen speziell natürlich von Familienvätern/Müttern aber natürlich auch sonstigen Alltagsgeschichten aus Eurer Sicht der deutschen Schwedenbegeisterten.

Achso… uns wird es nach Stenungsund führen und wir machen Ende Februar eine kleine Schnuppertour in dieses Gebiet. :smt039

Liebe Grüße
Heike

Volli

Re: soll ich jubeln oder weinen ...Zweifel beim Entspurt

Beitragvon Volli » 12. Februar 2007 12:58

Grüß Dich Heike,

mit einem festen Jobangebot in Schweden hättet ihr wohl eine (die) entscheidende Hürde genommen. Die Sprache zu lernen, ist dann wohl nur noch Fleißarbeit (für euch Erwachsene :D ).

Bin sicher, Du wirst hier noch ne Menge Tipps von bereits Ausgewanderten erhalten, lass es nur Abend werden ... :wink:

Gruß
Volli

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Re: soll ich jubeln oder weinen ...Zweifel beim Entspurt

Beitragvon janaquinn » 12. Februar 2007 13:07

Hej Heike, erstmal Willkommen im netten Schwedenforum, du wirst sehen, es ist nicht nur eine Floskel, es wird gelebt bzw. geschrieben.
Es sind natürlich die üblichen Fragen, die dich "quälen", aber du wirst sehen, es wird wahrscheinlich alles halb so schlimm. Deine Maus ist 3 Jahre alt, das Sprachfenster ist soweit offen, daß sie sehr schnell schwedisch lernen wird, schneller als ihr und sie euch irgendwann berichtigt. Auch haben Kinder die Kunst, Sprachbarrieren spielend zu überwinden, denn das ist Gottseidank in allen Ländern der Welt gleich, alle Kinder spielen gleich und haben unendlich viel Phantasie. Sie wird sich sehr sehr schnell einleben, auch wenn sie am Anfang etwas verunsichert sein wird, aber das ist normal, wäre sie auch, wenn ihr in eine andere Stadt ziehen würdet. Aber Kinder sind stärker als wir alle glauben, wir müssen ihnen nur die Möglichkeit geben, ihre innere Stärke zu erkennen und müssen ihnen Freiheit geben, die Flügel auszubreiten und sie fliegen lassen.

Ob ihr euch heimisch fühlen werdet, könnt ihr euch nur selber beantworten:
Seid ihr bereit euch komplett, mit ganzen Herzen und vorallem dem Kopf euch auf ein neues, anderes Leben einzulassen?
Wir werden selber in nur wenigen Wochen nach Stockholm umsiedeln, und auch bei mir treten solche Fragen auf, aber ich werde mich einfach so geben wie ich bin, danke Wiebke für deinen Tip, werde den Nachbarn Zeit geben, uns kennenzulernen, danke Elke und Olli, und einfach abwarten. Die Zeit wird es zeigen, wie unsere neuen schwedischen nachbarn uns aufnehmen und wahrscheinlich lachen wir in einigen Monaten über solche Gedanken.
Die Sprache wirst du lernen, denn du kannst in Schweden die Sprachkurse für Einwanderer besuchen, wenn du im Alltag "gezwungen" bist schwedisch zu sprechen, wirst du recht schnell reinkommen. So schwer ist es nicht, die Grammatik ist der deutschen sehr ähnlich und viele Worte sind ähnlich wie im englischen oder deutschen.
Mein Mann ist seit 6 Wochen in Stockholm, sein schwedisch wird besser, nicht so schnell wie er hofft, aber immerhin!
Aus meiner Position sage ich euch, nutzt diese Chance, gebt eurem Kind eine Möglichkeit, die andere Kinder nicht haben. Eines Tages wird es euch sehr sehr dankbar sein,denn eurer Tochter kann die ganze Welt offen stehen.
LG JANA
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blue

Re: soll ich jubeln oder weinen ...Zweifel beim Endspurt

Beitragvon blue » 13. Februar 2007 10:21

Hey Jana und natürlich alle anderen,

danke für Deine aufmunternde Worte. Ich mache mir wirklich fürchterlich krause Gedanken um unsere Lütte.
Langfristig sehe ich es wirklich als totale Verbesserung für unsere Kleine. Wenn ich mich hier in unsere Umgebung umsehe, muss ich leider feststellen, dass die einzige unter normalen Umständen erreichbare Schule schier eine typisch deutsche Katastrophe ist.
Ein Fehler als wir hier vor 3 Jahren hergezogen sind dieses nicht zu beachten.

Aber kurzfristig....? ich habe hier nach langem Suchen so eine zauberhafte Kiga gefunden, dass es mir das Herz bricht diese Phase eintauschen zu müssen, gegen einen Kigaplatz den ich noch nicht habe und der mir vielleicht auch nur in diesen begrenzten Stunden zur Verfügung gestellt wird und soweit ich es verstanden habe kann man ihn sich auch nicht so frei aussuchen wie in Deutschland.

Meine Sorge für die nahe Zukunft ist, keine Spielkameraden zu finden, wie es uns das dörfliche Leben hier bietet, hier geht unsere Kleine mittlerweile alleine auf unsere Spielstraße und trifft dort immer Kinder von 3 - 8 Jahren zum Tollen und Spielen
In Schweden scheinen sich alle Kinder irgendwie in Horten oder Kiga´s aufzuhalten.
Also erschwerte Randbedingungen fürs Kind im Anfangsstadium und das in einem Alter in dem Kinderkontakte doch so wichtig sind.

Irgendwo habe ich mal einen Kommentar von einem Deutschen gelesen, dass er die spielenden Kinder auf der Straße vermisst... für mich eine kleine Katastrophe.
Ich habe bereits Kontakt zu der Ehefrau eines deutschen zukünftigen Arbeitskollegen und obwohl sie mir via Telefon einen äußerst kontaktfreudigen Eindruck macht, berichtete sie mir das sie seit einem 1/2 Jahr in diese offenen Spielgruppen geht aber bisher von niemanden dort eingeladen wurde damit die Kiddi´s mal miteinander spielen können. Unsereins kann ja mal mit gewisse Durststrecken des sozialen Lebens überbrücken aber ein Kind..?

Wie sind diesbezüglich Eure Erfahrungen, wie haben Eure Kinder es durchlebt ... wie sind sie damit umgegangen das auf einmal eine fremde Sprache auf sie einwirkt, man kann es ihnen in diesem Alter noch so schlecht erklären was passiert.

Für mich ist Schweden ein großartiges Abenteuer aber diese Sorgen (vielleicht unbegründet ?) erschweren mir eine Entscheidung.
Darf man nur weil der Papa dann einen schöneren Job hat und weil die Mama sich sosehr auf Schweden freut einem Kind so etwas zumuten?

Entschuldigt meine Verwirrung, wahrscheinlich löse ich bei vielen von Euch nur schmunzeln aus …“mein Gott hat die Probleme“

Trotzdem bitte schreibt mir Eure Erfahrungen

Liebe Grüße
Heike

glada

Re: soll ich jubeln oder weinen ...Zweifel beim Entspurt

Beitragvon glada » 13. Februar 2007 10:56

Meine Erfahrungen beim Umzug nach Schweden mit unseren beiden (damals 4 und 2 Jahre alten) Kinder: Es kommt vor allem auf euch an. Gebt ihr dem Kind die Geborgenheit, ist alles andere kaum ein Problem. Ich sehe das im Rückblick nicht als das Entscheidene an, dass wir die Kinder aus dem Freundeskreis oder überhaupt aus ihrem Alltag gerießen haben. In dem Alter geht es Kindern gut, wenn es ihren Eltern gut geht. Viel mehr wiegt für mich heute, dass Verwandte, wie Oma, Opa, Tante und Onkel nur noch bedingt verfügbar sind. Die Kinder sehen sie im besten Fall ein Mal im Jahr für einige Tage, aber die restliche Zeit...?

In die Vorschulklasse meines Sohnes ist gerade ein Junge aus Litauen eingeschult worden. Es ist interessant zu erleben, wie Kinder Sprachdefizite ausgleichen.
Zu Wahlmöglichkeit des Kindergartens: Wir hatten damals die freie Wahl der Kindergärten im Kreis.

Oliver

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Re: soll ich jubeln oder weinen ...Zweifel beim Entspurt

Beitragvon janaquinn » 13. Februar 2007 11:25

Hej Heike, also noch sind wir nicht in Schweden, aber in 60 Tagen, auf den Tag genau, ENDLICH und ACH DU SCHRECK! Du siehst, meine Gedanken sind eigentlich nicht viel anders, als die deinigen, allerdings viel greifbarer und näher, denn es geht ja bals los.
Ich mache mir keine allzu grossen Sorgen bei meinen Kindern, Yannic ist es wichtig, die Liebe und Zuneigung zu spüren, und Kontakt zu Kindern zu haben, warum das so ist, habe ich in meiner Vorstellung und einigen anderen Threads bereits erzählt. Meine Tochter Taima ist dann gerade mal 17 Monate alt, da ist meine einzige Sorge, daß sie das erste Mal über einige Stunden hinweg von mir getrennt ist und ich sie das erste Mal "teilen" und loslassen muss, aber das kennen alle Mütter.
Ich habe ja schon geschrieben, alle Kinder auf der Welt spielen gleich, haben die gleiche Phantasie, die gleichen Spiele: Räuber und Gendarm, Prinzessin und Prinz. Sie klettern auf Bäumen und erleben zusammen Abenteuer, sie sehen die Welt mit Kinderaugen, jeden Tag anders, immer spannend, und manchmal auch beängstigend. Dann sind wir als Eltern gefragt, ihnen die Sicherheit zugeben, die sie brauchen zusammen mit der Freiheit die sie wollen und benötigen, um sich zu entwickeln.
Kinder sind stark,kleine fazinierte Menschen, welchen uns Erwachsenen Wege aufzeichnen, welche wir vergessen haben, wir sollten von ihnen lernen.
Die Kinderbetreuung geht in Schweden von 6-19.00 Uhr, so meine Info, denn anders als in Deutschland richten sich die Einrichtungen nach den Eltern und nicht umgekehrt. Auf der anderen Seite, nehmen sich die Chef´s meines Mannes, beides 2fache Familienväter JEDEN TAG die Zeit und bringen ihre Kinder in den Kiga und holen sie auch wieder ab. Einfach, weil es wichtig für sie selber ist, auch wenn sie abends nochmal in die Arbeit maschieren undbis 0.00 Uhr arbeiten, weil die Hölle los ist.

Das mit dem Kindergarten kenne ich auch. Als wir vor knapp 1 1/2 Jahren aus München weg sind, hatten wir einen tollen Heilpädagogischen Kindergarten, Yannic hat sich pudelwohl gefühlt, grossartige Fortschritte gemacht und das Verhältniss zwischen Betreuern und Eltern war exelent, doch wir mußten diesen Kiga-Platz aufgeben, da mein Mann nach D´dorf versetzt wurde. Nun geht Yannic hier in W´tal auch in den Kiga, allerdings ist dieser nichtmal annähernd von der Qualität wie der Münchner, aber zumindest hat er einen Platz, was an ein Wunder grenzt, wenn man bedenkt, wieviele behinderte Kinder in W´tal nichtmal davon träumen können. Wir werden die nächsten Wochen noch überbrücken und dann für unsere Zwerge schöne Einrichtungen suchen, indenen sie sich wohl fühlen.

Schweden sind sehr zurückhaltende Menschen, das sie dich zu sich einladen, ist was ganz besonderes und man kann sich echt geehrt fühlen. Ich habe ja einen Thread deswegen eröffnet, einfach weil mich dies auch interessiert. Untern Strich kamen folgende Vorschläge dabei heraus:
" Gib ihnen Zeit, dich kennenzulernen und verstell dich nicht. Sei wie du bist, versuch an den örtlichen Veranstaltungen präsent zu sein, damit man sich beschnuppern kann. Überstürze nix und werde nicht ungeduldig, irgendwann kommen sie. Die einen früher, die anderen später!"
Aber, überall war auch der Hinweis auf die Kinder, denn die Schweden lieben Kinder und die sind der beste Mittler, sie interessieren sich nicht dafür, ob sie mit Schweden, Deutschen, Engländern oder Japanern spielen, SIE SPIELEN EINFACH!
Da fällt mir auch wieder ein wunderschönes Zitat aus einem Film ein, was aber immer wieder passend ist, bei solchen Gedanken:
"Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Gewissheit, das es etwas wichtigeres gibt, als Angst!"

LG JANA
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Re: soll ich jubeln oder weinen ...Zweifel beim Entspurt

Beitragvon Imrhien » 13. Februar 2007 14:12

Hallo Heike,

ich kann Dir leider noch nicht von meinen Erfahrungen beim Auswandern berichten. Ich kann Dir aber aus beruflicher Sicht sagen, dass Dein Kind absolut im richtigen Alter ist wenn es sowas gibt. Sprachlich gesehen sollte es nicht viel später sein auch wennd as möglich ist. Es wird eben nur mit jedem Jahr ein wneig schwerer. Ich gebe den anderen aber recht. Es ist wichtiger wie ihr zu dem Ganzen steht und was ihr dem Kind vermittelt. Es kann sein, dass die Krippe bzw der Kindergarten nicht ganz dem entspricht was ihr kennt und was ihr jetzt habt, aber ich denke es wird nicht so schlimm werden, dass da kein Kind sein kann. Insgesamt kann man ja schon davon ausgehen, dass die Kinderbetreuung in Schweden gut ist. Es gehen viele Kinder in den Hort oder die Krippe. Trotzdem heisst das nicht, dass es keine Kinder mehr gibt die draussen spielen oder in Krabbelgruppen oder in Vereinen aufeinander treffen. Gerade Kinder haben es leicht andere kennen zu lernen. Und so solltest auch Du jemanden treffen. Natürlich kann es zu Anfang schwer werden und das wird es wohl sicher werden. Wir stellen uns jedenfalls darauf ein. Wichtig ist trotzdem Eure Einstellung. Mit der könnt ihr es Eurem Kind erleichtern sich an die Umstellung zu gewöhnen. Ich weiss dass es nicht das selbe ist, aber frage mal Leute die ins tiefste Bayern in ein Kuhkaff zugezogen sind wie es ihnen da ergeht... Nur ein Kindergarten im nächsten Dorf, Schule im Übernächsten und Gymnsium in der nächsten Stadt eine halbe Stunde entfernt. Wenn man nicht im Verein mit den Kindern ist, trifft man kaum mal jemanden Privat. Zugezogen gilt man nach 10 Jahren noch und was die Sprache angeht... naja, sie können grundsätzlich schon deutsch aber nicht immer wollen alle was anderes als bayrisch. Und das klingt für manche Ohren nicht mehr fremd als schwedisch...
Sicher, das gilt nicht für alle und nicht überall und es ist natürlich nicht genau übertragbar denn immerhin ist man in Deutschland und versteht daher zumindest wichtige Formulare und und und. Aber einfach ist das auch nicht und das machen sehr viele mit ihren Kindern.
Überlegt noch mal in Ruhe und entscheidet Euch (macht ihr sicher sowieso). Aber ihr solltet Euch sicher sein. Unsicherheit und Fragen sind normal. Nur sollte der Wunsch größer sein als die ANgst. Sonst glaube ich bringt es nix.
Liebe Grüße Imrhien

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Re: soll ich jubeln oder weinen ...Zweifel beim Entspurt

Beitragvon Skogstroll » 13. Februar 2007 14:14

Hej Heike,

wir sind vor zweieinhalb Jahren nach Schweden gezogen, und dann auch noch gleich ans Nordende. Unsere Tochter war damals fünf.
Sie hat recht zeitig angefangen zu sprechen und auch bald recht komplizierte Grammatik verwendet. Sprache war ihre starke Seite und ihre Art, sich zu verteidigen. Im KiGa hat sie die ihr körperlich überlegenen Jungs regelrecht "an die Wand gequasselt".
Mit dem Umzug ist diese ihre Stärke plötzlich weggefallen. Das war ein harter Schlag für sie, plötzlich weder etwas zu verstehen noch verstanden zu werden. Allerdings hat das nur zwei Monate gedauert, dann hat sie angefangen, schwedisch zu sprechen.
Insgesamt hat sich der Umzug sehr positiv auf ihre Entwicklung ausgewirkt. Ihr Horizont ist viel weiter geworden. Sie spricht schwedisch mir Norrbottenakzent und ist anhand der Sprache nicht mehr als Einwanderer zu identifizieren.
Die Schwierigkeit liegt in der Pflege der Muttersprache. Die Sprachentwicklung kleiner Kinder ist noch nicht abgeschlossen, deshalb lernen sie so leicht eine neue Sprache, aber mit der gleichen Leichtigkeit vergessen sie ihre Muttersprache. Und eine Sprache zu sprechen ist eine Sache, sie zu lesen uns zu schreiben eine andere. Theoretisch haben zweisprachige Kinder in Schweden das Recht auf Unterricht in ihrer Muttersprache, das scheitert in der Praxis aber meist daran, dass es niemanden gibt, der ihn erteilen könnte. In Luleå ist man z.B. jetzt so weit, Muttersprachenunterricht in Finnisch, Russisch und Persisch zu geben, mehr aber auch nicht.

Bleibt das Thema des sozialen Anschlusses. Das hängt sicher erheblich vom Umfeld ab. Wir wohnen auf dem Land, im eigenen Dorf gibt nur noch ein (älteres) Kind, aber im Nachbardorf gibt es mehr. Generell ist es aber so, dass viele Dörfer überaltert sind, junge Familien ziehen in die Stadt. Das ist ein Trend, der sich auch wieder umkehren kann, aber bis dahin sind wohl viele Dorfschulen geschlossen.

Skogstroll

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Re: soll ich jubeln oder weinen ...Zweifel beim Entspurt

Beitragvon Gast » 13. Februar 2007 17:50

hej Heike, wir sind auch auf dem Sprung (mein Mann arbeitet für eine deutsche Firma in S und wir folgen ihm im Sommer) und das mit einer nicht allzu hellen 11-jährigen und einer pubertierenden 15-jährigen, die an Unwillen alles aufbietet, was die juvenile Sturheit so hergibt. Was soll´s, wird schon werden. Mach dir wegen der Kleinen nicht so viele Sorgen, Kindergärten sind tolle Kontaktbörsen( ich bin Kindergärtnerin), glaub mir. Leute kennen zu lernen... ich mußte über den Beitrag von Imrhien grinsen, das mit dem bayerischen Kaff...komm mal in die Gegend von Königs Wusterhausen, da lernst du, was Ureinwohnerdünkel ist...Schlimmer geht´s kaum. Ich hoffe auf nette Kollegen, das kann ja allerhand ausgleichen. Ansonsten gibt ja noch das Forum, da findet sich immer jemand, der einem Mut macht, das habe ich hier auch schon erlebt!
med varma hälsningar
Bel :)

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Re: soll ich jubeln oder weinen ...Zweifel beim Entspurt

Beitragvon belanna » 13. Februar 2007 18:08

Häh..bin doch gar kein gast :?


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