Situation des Wolf's in Schweden

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Fanny
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Re: Situation des Wolf's in Schweden

Beitragvon Fanny » 25. April 2009 20:11

bergslagsgarden hat geschrieben:Jaa, die Wölfe ...
diese Umstände haben wie gesagt mit den Tieren eigentlich nichts zu tun, aber sie tragen natürlich auch zur Stimmung bei ...

Liebe Grüße,

Robin


Da hast du wirklich ein wahres Wort geschrieben, denn deine Probleme haben mit den Wölfen tatsächlich nichts zu tun.

Deinen Frust über die entfernte Polizeistation kann ich teilen, auch wenn du dich über den Mangel an ärztlicher Anwesenheit in der Vårdcentral beklagt hättest würde ich dir zustimmen. Wir sind zwar nur in unseren Urlauben in Schweden (Värmland), aber da haben wir auf diesen Gebieten auch schon einige Nerven gelassen.
Da wäre es aber sicherlich angesagt, mal das schwedische System zu hinterfragen. Warum bezahlen wir Steuern und was erhalten wir dafür.
Die Abknallerei von Wölfen und Luchsen wird eure Probleme nicht lösen. Davon bin ich zutiefst überzeugt.

LG von Gudrun

PS: Dass die Anzahl der Jungelche weniger wird liegt am Abschussverhalten der Jäger.
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. (Albert Schweizer)

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Re: Situation des Wolf's in Schweden

Beitragvon bergslagsgarden » 26. April 2009 10:56

Naja, die Wölfe haben diese Probleme sicherlich nicht verursacht. Ich habe das so geschildert, um einmal aufzuzeigen was hier zur Anti-Wolf-Stimmung beiträgt. Meine Intention war zu zeigen, daß es den Leuten hier ordentlich "auf den Zeiger" geht wenn erhebliche Resources und Gelder eingesetzt werden um Wölfe zu schützen - geht es um den Schutz der Menschen gibt es diese Gelder nicht...

Und die Zahl der Jungelche geht runter WEGEN der Wölfe, die nehmen nämlich gerne mal einen jungen Elch zum Frühstück :-) - ist ja auch ok, allerdings müssten dann die Abschussquoten angepasst werden. Diese werden jedoch von den Waldbesitzern festgelegt (obwohl da natürlich auch noch andere mitspielen, aber die Wildzählung wird hier z.B. von Stora Enso durchgeführt) - und die sind natürlich über jeden Elch weniger glücklich ...

In Fredriksberg (Nachbarort) haben die Jäger bei der letzten Jagd sogar gestreikt, da sie der Ansicht waren, daß zuwenig Elche da sind. Folge war, daß den betroffenen Jagdgenossenschaften gedroht wurde, sie würden ihre Jagd verlieren, wenn sie nicht die geforderte Zahl "Köpfe" liefern...

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Re: Situation des Wolf's in Schweden

Beitragvon Samweis » 27. April 2009 17:18

Hallo,

bergslagsgarden hat geschrieben:Der Aufwand, der zum Schutz der Wölfe getrieben wird ist "etwas" übertrieben:


Ich denke nicht, dass das, was Du beschreibst, in erster Linie dem Schutz der Wölfe dient.
Die "Verkabelung" und der Hubschrauber-Einsatz dienen m.E. mehr der Gewinnung von Informationen über Verhalten und Ausbreitung der Wölfe.
Diese Information halte ich für extrem wichtig.

bergslagsgarden hat geschrieben:1. Die nächste Polizeistation ist von uns etwa 90km entfernt, d.h. braucht man Hilfe dauerts, auch wenn's dringend ist. Wir sind schon zweimal bei Notfällen (echte Notfälle, einer sogar mit Schusswaffen) am Telefon gefragt worden, ob wir das denn nicht selber lösen könnten!

Kenne ich. Oder es heisst bei einem Einbruch: "Wieso sollen wir vorbeikommen? Wenn Sie eine Zigarettenkippe oder ähnliches finden, die der Täter zurückgelassen hat, können sie uns die ja vorbeibringen. "

Das hat wohl eher etwas damit zu tun, dass hierzulande das Interesse der "Gesellschaft", des Staates wesentlich höher bewertet wird als das Interesse des Individuums. Der schwedische Staat scheint es irgendwie seit Wikingerzeiten gewöhnt zu sein, dass sich seine Bürger ab und zu im volltrunkenen Zustand prügeln.

Aber beim Verstoß gegen das Narkotikagestetz oder bei der "Sabotage" eines staatlichen Projektes (wie der Auswilderung von Wölfen) reagiert man etwas allergisch, da da ja Staatsinteressen und somit Interessen der Allgmeinheit beschädigt werden.

Ich höre zwar auch immer wieder Schweden, die sich dagegen beschweren - aber andererseits scheinen sie gegen den Grundgedanken der Wertabstufung Allgemeinheit-Individuum nicht wirklich etwas zu haben.
Also nehme ich das als Stammtisch-Gemecker. über Steuern schimpft ja auch jeder.

Was mich an der ganzen Sache aber etwas stört ist, dass die Ergebnisse dieser Forschung, also die wichtigen Informationen, von denen ich oben gesprochen hatte, offenbar ihren Weg nicht zur Allgemeinheit finden, für die sie ja wohl gedacht sind.
Wer weiß denn hier, welches Verhalten er von einem Wolf oder Bären zu erwarten hat, wie er sich selbst verhalten soll, wo die Tiere wann stecken usw.? Richtige Information bekommt man nicht, ohne dass man selber aktiv recherchiert - und dann muss man noch aufpassen, dass man nicht nur Teilinformationen im populistischen Zweckverbund mit politischen Absichten bekommt.
Klar, der Schwede ist ja ein Naturbursche, aufgewachsen in der Wildnis und braucht solche Aufklärung nicht.
Aber seinen eigenen Hund versteht er schon nicht.

Viele Grüße

Samweis

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Re: Situation des Wolf's in Schweden

Beitragvon bergslagsgarden » 28. April 2009 15:25

Ich kann Dir nur zustimmen!

Natürlich sind die "Argumente" von denen ich schrieb Stammtischweißheiten - sie sollten auch eher die Stimmung hier weitergeben als meine eigene Meinung.
Informationen wären wirklich nicht schlecht. Ich denke, ein Brief an alle Einwohner mit ein paar Fakten und Verhaltensrichtlinien könnte sehr viel positives bewirken und der ganzen Panik etwas Einhalt gebieten.

Die Verkabelung dient sicherlich in erster Linie zur Gewinnung von Informationen über Wanderungs- und Revierverhalten etc., aber das was die Menschen hier mitbekommen ist halt wieder mal nur ein kleiner Teil (keine Infos)...

Das wird sich schon wieder legen, sind die Menschen erst mal ein paar Jahre dran gewöhnt dürfen die Kinder auch wieder den Schutzkeller verlassen und zur Schule gehen ;-)

bsi bald,


Robin

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Re: Situation des Wolf's in Schweden

Beitragvon Skogstroll » 28. April 2009 16:22

Die Rauptierphobie der Schweden im allgemeinen und ganz speziell die Wolfsphobie ist mir immer noch unverständlich. Es gibt meines Wissens nicht einen dokumentierten Fall, bei dem ein Mensch von einem Wolf angegriffen wurde (bei Angriffen von Hunden auf Menschen sieht die Statistik schon anders aus), und trotzdem fordern gestandene Kerle die Schutzjagd, weil sie sich sonst nicht mehr in den Wald trauen. Soll man lachen oder heulen?
Und selbst der König lässt sich mit all seiner (kraft Geburt verliehenen) Kompetenz dazu aus. Wenn das kein kollektiver Wahn ist!

Im Norden spielen leider Gottes die Samen auch keine rühmliche Rolle. Die haben Angst um ihre Rentiere. Die bekommen sie zwar ersetzt, wenn wirklich mal eins von Wolf, Vielfrass, Bär oder Luchs angeknabbert wird, aber trotzdem schreit man nach Schutzjagd.
Die wird zwar nun wohl doch (noch) nicht genehmigt, aber mal im Ernst: Das stört doch keinen. Da werden die Viecher eben illegal abgeknallt.
Dieser Mentalität ist erst jetzt wieder ein Bär zum Opfer gefallen. Der wurde mit den Skoter erst gehetzt und dann mit Bauchschuss schwer verletzt zurückgelassen. Da fehlen einem die Worte.
Dummheit kennt eben keine Grenzen, weder Landesgrenzen noch Obergrenzen.

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Re: Situation des Wolf's in Schweden

Beitragvon Samweis » 28. April 2009 16:49

Hallo,
Skogstroll hat geschrieben:Es gibt meines Wissens nicht einen dokumentierten Fall, bei dem ein Mensch von einem Wolf angegriffen wurde (bei Angriffen von Hunden auf Menschen sieht die Statistik schon anders aus),

Siehe http://www.nabu-sachsen.de/content/wolf ... ition.html , im Abschnitt "Gefahr für Menschen und Haustiere?". Natürlich nicht unbedingt unvoreingenommen und unpolitisch. So sind z.B. die "Forschungen" nicht mit Quellen belegt, aber meiner persönlichen Einschätzung nach geht das wohl im Großen und Ganzen in Ordnung.
Siehe auch hier: http://www.n-tv.de/1143416.html

Skogstroll hat geschrieben:Und selbst der König lässt sich mit all seiner (kraft Geburt verliehenen) Kompetenz dazu aus. Wenn das kein kollektiver Wahn ist!
...
Der wurde mit den Skoter erst gehetzt und dann mit Bauchschuss schwer verletzt zurückgelassen. Da fehlen einem die Worte.

Das letzte große Abenteuer.
Wenn ich mir die Argumentation hier so teilweise anschaue (oder -höre), dann habe ich den Eindruck, man "kultiviert" hier gerne die Steinzeit. Die Jagd als angestammtes Recht des Mannes (und nur dessen!). Sozusagen der Urinstinkt des braven Wikingers.
Heldentum mit Bierbauch und Skoter.

Also ist das ganze wohl der Wunsch nach Machtausübung des angepassten, zurückhaltenden, in kollektiven Entscheidungen verschwindenden Schweden, der in seiner Freizeit gerne ÖoB Hosen trägt, natürlich mit Foppatofflor, Model: armégröna.... 8)

Viele Grüße

Samweis

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Re: Situation des Wolf's in Schweden

Beitragvon amarok » 28. April 2009 18:55

Skogstroll hat geschrieben: ... Dummheit kennt eben keine Grenzen, weder Landesgrenzen noch Obergrenzen.


Hej Skogstroll aus dem hohen Norden,

danke für Deinen "treffenden" Beitrag von dem ich nur den letzten Satz zitiere, weil er besonders "treffend" ist.

amarok
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Re: Situation des Wolf's in Schweden

Beitragvon amarok » 28. April 2009 19:12

Neue "Wolfsmeldung" aus Schweden:

"Zahmer" Wolf in Dalarna (Nås) verfolgt Einwohner trotz Abschreckungsversuchen. Landesregierung erwägt Schutzjagd ...
http://www.sr.se/cgi-bin/dalarna/nyhete ... el=2796209
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Re: Situation des Wolf's in Schweden

Beitragvon Samweis » 28. April 2009 20:50

Hallo,
Skogstroll hat geschrieben: ... Dummheit kennt eben keine Grenzen, weder Landesgrenzen noch Obergrenzen.


Wenn diese Dummheit dann einen Wolf oder einen Bären füttert, dann
amarok hat geschrieben:"Zahmer" Wolf in Dalarna (Nås) verfolgt Einwohner trotz Abschreckungsversuchen.

wird er erschossen.

Aber vielleicht sehen die "myndigheter" das ja ganz richtig - und Dummheit ist auch durch Information nicht heilbar.

Viele Grüße

Samweis

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Re: Situation des Wolf's in Schweden

Beitragvon gundhar » 29. April 2009 12:37

Skogstroll schreibt:

"Es gibt meines Wissens nicht einen dokumentierten Fall, bei dem ein Mensch von einem Wolf angegriffen wurde (bei Angriffen von Hunden auf Menschen sieht die Statistik schon anders aus), und trotzdem fordern gestandene Kerle die Schutzjagd, weil sie sich sonst nicht mehr in den Wald trauen. Soll man lachen oder heulen?"

Daß Wölfe keine Menschen angreifen ist eine der "Weisheiten" die immer heruntergebetet wird, dadurch aber nicht richtiger wird. Vor nicht allzulanger Zeit lief hier im Fernsehen ein Film von Arved Fuchs (der nicht gerade als Wolfsgegner gilt) mit Aufnahmen wo zu sehen war wie die Wölfe die Schlittenhunde und auch die Menschen auf den Schlitten angriffen! Arved Fuchs hatte Schußwaffen dabei mit denen die Wölfe dann schließlich "verjagt" wurden - zumindest wurde es im Film so dargestellt.

Gruß Gundhar


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