Sind Schweden glücklichere Menschen als Deutsche?

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Shaka
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Re: Sind Schweden glücklichere Menschen als Deutsche?

Beitragvon Shaka » 26. Januar 2007 11:28

Skogstroll hat geschrieben:Ich habe neulich mal von einer Untersuchung gelesen (ich weiss leider nicht mehr wo), nach der die Dänen die glücklichsten Menschen Europas wären. Nicht weil sie die höchsten Einkommen und den überragendsten Lebensstandard hätten, sondern weil ihre Ansprüche etwas niedriger sind.

Skogstroll


Man braucht ja die Dänen nur mal nach einem Fussballänderspiel zu beobachten. (Bin zwar kein Fussballfan, aber das ist auch an mir nicht vorbeigegangen) Die feiern, egal ob sie gewinnen oder verlieren, Hauptsache sie waren dabei. :smt041
Gruss Shaka

Fischkopf
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Re: Sind Schweden glücklichere Menschen als Deutsche?

Beitragvon Fischkopf » 26. Januar 2007 13:25

Hallöchen!

Was ich so festgestellt habe stimmt einfach noch die Chemie zwischen Volk und Staat. Das ist in Deutschland verloren gegangen, es fehlt einfach das Vertrauen zum Staat.
Zur Zeit habe ich persönlich das Gefühl, das der Deutsche Staat keine Rücksicht auf das Volk nimmt, dann entwickelt man Unzufriedenheit.
Der schwedische Staat läst mit Volksbefragungen (z.B:Euro Einführung) auch sein Volk mit endscheiden, dann ist man zufrieden.

Mit bestem Gruß
Fischkopf

Marcus
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Re: Sind Schweden glücklichere Menschen als Deutsche?

Beitragvon Marcus » 26. Januar 2007 17:49

Fischkopf hat geschrieben:Hallöchen!

Was ich so festgestellt habe stimmt einfach noch die Chemie zwischen Volk und Staat.


Hallo,

eigentlich wollte ich hierzu nichts schreiben, da ich mir, was die angeblich so große Zufriedenheit der Schweden angeht, gar nicht so furchtbar sicher bin.

Dass die "Chemie", wie Du schreibst, zwischen Staat und Bürgern in Schweden noch intakt ist, nun, das ist mir auch schon öfters aufgefallen. Dieses blinde, ja manchmal fast schon als naiv zu bezeichnende Vertrauen hat aber manchmal auch seine Schattenseiten, z.B. wenn vor Karlskrona ein sowjetisches Atom-U-Boot auf Grund läuft, wenn der MP nach einem Kinobesuch ums Leben kommt, wenn ein Fährschiff mit hunderten Schweden an Bord untergeht oder wenn in Forsmark ein Reaktor kurz vor der Kernschmelze steht. Die Liste ließe sich noch verlängern...

Zu einem funktionierenden Staatswesen gehört aus meiner (vielleicht sehr deutschen) Sicht auch, dass gewisse Dinge ernsthaft hinterfragt werden. Dies geschieht in Deutschland in der Regel durch die Presse, in Schweden jedoch kaum.

Um gleich vorzubeugen, ich mag Schweden sehr (sonst wäre ich ja auch nicht in diesem Forum!), aber gerade deshalb wird es erlaubt sein, manches auch kritisch zu betrachten.
Beste Grüße aus Hamburg

Marcus

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Re: Sind Schweden glücklichere Menschen als Deutsche?

Beitragvon janaquinn » 26. Januar 2007 18:20

Hej Marcus, ich glaube,unser "Fischköpfchen" meinte, daß der deutsche Staat, bzw. seine Regierung das Vertrauen des Volkes verspielt hat, indem wirklich wichtige Entscheidungen über seine Kopf hinweg und ohne Volksentscheid getroffen wurden, Euro-Einführung, ect. Denn, wenn man sich umschaut,ein solcher Volksentscheid wurde in fast jedem Europäischen Land geführt, nur nicht in dem unsrigen, auch was die Europäische Verfassung betrifft, hat die Regierung, egal ob Schröder oder Merkel, ohne das Volk entschieden. Die Mehrwertsteuer-Erhöhung erfolgte zur Zeit der Fussball-WM, ebenso wie die Gesundheitsreform. Das böse Erwachen kam für die Menschen in diesem Staate also der grosse Fussballtaumel vorbei war.

Du hast natürlich sehr gute Beispiele genannt, den Mord an Olof Palme 1986, der bis heute nicht geklärt ist und wahrscheinlich niemals eklärt werden wird. Aber so makaber es klingt, es ist ein Vertrauen der Politik in sein Volk, wenn ein Mann wie Olof Palme ohne Leibwächter in ein Kino gehen kann, denn es wird wahrscheinlich nicht das erste mal gewesen sein, sonst hätten seine Mörder seine Gewohnheiten nicht so gut gekannt.
Was das Fährunglück betrifft, meinst du wahrscheinlich die "Estonia", aber es waren nicht nur Schweden an Bord, sondern auch Deutsche. Generell ist dieses Unglück so dubios und irgendwie fühlt sich kein Land dafür verantwortlich die Hintergründe zu beleuchten.

Und ja, Kritik ist erlaubt, auch an Schweden, denn nur wenn man ein Land wirklich liebt, wird man auch Kritikpunkte finden. Das ist wie in einer guten Ehe, solange man streitet, konstruktiv streitet, ist die Ehe noch intakt. Ist nur noch Gebrüll ohne Hintergrund oder gar Schweigen da, sollte man sich trennen. So wie unsere Familie es macht, wir reichen, bildlich gesprochen, die Scheidung von Deutschland ein, ohne Trennungsjahr.
LG JANA
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Re: Sind Schweden glücklichere Menschen als Deutsche?

Beitragvon Marcus » 26. Januar 2007 18:53

Hallo Jana,

erstmal Danke für diese sehr konstruktive und kluge Antwort - typisch für dieses Forum und seine Mitglieder! :)

Da ich gleich weg muß nur kurz zum Thema Volksentscheid. Du hast Recht, anders als in vielen anderen Ländern gibt es den in Deutschland nicht. Deine Anspielung auf den Euro sehe ich ähnlich, hätte man das deutsche Volk gefragt, wir zahlten vermutlich noch mit DM. Doch was ist von einem Volksentscheid zu halten, bei dem das Volk vor der Abstimmung massiv durch Werbekampagnen manipuliert wird bzw. man dies zumindest versucht? Ist das nicht pseudodemokratisch? Ist es ferner nicht manchmal besser, weitreichende Entscheidungen jenen zu überlassen, die sich damit auskennen und neutral abwägen? Ja, ja, ich ahne, was Du jetzt denkst, aber ein paar gute Leute hat es schon bei der EZB...

Um es auf die Spitze zu treiben: gäbe es bei uns für alles mögliche Volksentscheide, Du müsstest über die Landstraße von W'tal nach Stockholm fahren, denn glaubst Du, es gäbe dann Autobahnen oder gar Flughäfen? Nein, da kommt das St. Floriansprizip in den meisten Menschen durch, in Deutschland vermutlich genauso wie in Schweden. So ist es auch beim Euro, ich kenne viele Schweden, die enttäuscht über das Abstimmungsergebnis waren, da es der schwedischen Wirtschaft deutlich mehr Vor- als Nachteile gebracht hätte. Aber der Durchschnittsschwede (was keinesfalls abwertend gemeint ist) wollte eben lieber seine vertraute Krone behalten und wurde von gewissen politischen Parteien in dieser Ansicht bestärkt.
Beste Grüße aus Hamburg



Marcus

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Re: Sind Schweden glücklichere Menschen als Deutsche?

Beitragvon janaquinn » 26. Januar 2007 19:47

Hej Marcus, ich gebe das Kompliment zurück, auch macht es Spass hier so konstruktiv zu diskutieren, denn der Ton ist sehr angenehm.
Ich verstehe, was du meinst, mit den Volksentscheid für alles. Das wäre auch nicht im Sinne des Erfinders, ganz im Gegenteil, man sollte das Volk jedoch in wirkliche wichtige Entscheidungen einbeziehen, dann fühlt es sich verstanden und auch wichtig. Denn wir bauen ja auch am grossen ganzen Europa, nicht nur die Politik.
Allerdings darf man die Menschen nicht manipulieren, und versuchen so den Entscheid zu seinen Gunsten zu "biegen".

Ich sehe den Euro und seine Einführung jetzt einmal aus meiner Sicht:
Wenn ich mich richtig zurück erinnere, wurde uns damals zugeriert, alles bleibt gleich, nichts verteuert sich, alles wird einfacher, weil man den ewigen Devisentausch nicht mehr hat. Jetzt 5 Jahre nach der Einführung gehöre ich zu den Leuten, auch wenn ich erst 30 bin, die im Kopf immer noch in DM umrechnen. Gerade habe ich wieder ein Beispiel gehabt, ich war schnell im Supermarkt, weil ich Kartoffeln brauchte, ich habe für einen 2,5 kg Säcken 2,79 € bezahlt, daß sind über 5 DM! Oder ein lnormales Brötchen für meine Tochter 0,25 €~ 0.50 DM. Und da erzähle mir jemand, es ist nichts teurer geworden.
Ich empfinde den Euro als Fluch aber auch als Segen, und ich stimme dir zu, wenn du sagst, das es bei der EZB durchaus fähige Leute sind. Aber es wird einfach viel gemauschelt, was diese Währung betrifft.

Unter Strich gesagt und kurz gemacht: Die Deutsche Regierung kann in vieler Hinsicht von anderen Regierungen lernen, sollte mehr Vertrauen in sein Volk haben und wichtige Entscheidungen nicht mehr in die Zeit einer Fussball-Wm legen, das schürt nur die Unzufriedenheit und gibt anderen Parteien die Möglichkeit aus dieser allgemeinen Unzufriedenheit Kapital zuschlagen. Den Namen dieser Parteien brauche ich wahrscheinlich nicht erwähnen, denn jeder wird wissen, was ich meine.
LG JANA
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Re: Sind Schweden glücklichere Menschen als Deutsche?

Beitragvon Findus » 26. Januar 2007 22:57

zum thema volksentscheide:
wir haben in der schule letztes schuljahr so eine art forschungsprojekt gemacht, wo auch eindeutig raus kam, dass die ein element wären, um die politikverdrossenheit zu beheben. allerdings muss man auch sagen, dass nach derzeitigem stand des grundgesetzes volksentscheide für ganz deutschland nicht vorgesehen sind. die leute, die ende der vierziger die verafssung entworfen haben, hatten ja auch ganz gute gründe dem volk nicht zu viel macht zu geben. allerdings denke ich auch, dass in heutiger zeit volksentscheide zumidnest zu gewissen themen nützlich wären. ich weiß ja nicht wie die in schweden ablaufen, aber in der schweiz z.B. haben beide parteien (gegner und befürworter eines projektes) halt einen gewissen platz in broschüren oder informationen wo jeder seine meinung darstellen kann. wenn sich dann noch die medien relativ neutral verhalten würden (was zumindest bei boulevard-medien eher zu bezweifeln ist), gäbe es wohl auch das manipulationsproblem nicht. ich glaub aber nciht, dass sich unsere politik in den näcshten jahren zu so einer verafssungsänderung (die ja eine 2/3 mehrheit braucht) durchsetzen werden.

blackboxbaby

Re: Sind Schweden glücklichere Menschen als Deutsche?

Beitragvon blackboxbaby » 1. Februar 2007 22:51

Tagchen ^_^

erstmal sorry für meine Farbe, ich sehe sie auf meinem Monitor sehr gut aber kein Problem :-)

Auch wenn ich ein sehr positiv eingestellter Mensch bin, fühle ich mich sehr unwohl in meiner Stadt. Der Flughafen, die Industrien, wenig Natur machen mir schon sehr zu schaffen. Die Menschen in meiner Stadt sind teilweise fast alle "mies" drauf und man merkt richtig, wie sich jeder Bürger von "Tag zu Tag" quält.

Wie Jana schon sagte bemerken hier die wenigsten, was mit dem Nachbarn los ist. Das ist so erschreckend!
Ich selbst kann nicht sagen, ob es meinen Nachbarn gut geht oder ob nicht schon einer gestorben ist, weil die Leute hier einfach keinen KONTAKT wollen (das kommt jedenfalls so rüber, denn sie "begrüßen" sich hier nicht einmal!)

Vielleicht ist das einfach alles auch ganz normal in einer Großstadt, dieses "anonyme Leben". Irgendwie gefällts mir nicht.

Wie ist es denn so in den Großstädten von Schweden Stockholm oder Göteborg z.B.?
Sind die Menschen da auch so verschlossen wie hier in Frankfurt/a.M?

Lg,Mandy ^_^





Volli

Re: Sind Schweden glücklichere Menschen als Deutsche?

Beitragvon Volli » 7. Februar 2007 17:35

"... Während die Deutschen gegen ihre Amerikanisierung ankämpfen, sind sie längst zu einer schwedischen Kolonie geworden. Sie kaufen bei IKEA und H&M ein, lesen Henning Mankell, schauen sich daheim schwedische Pornos an, fahren Volvo und kopieren das schwedische Sozialmodell. ..."


Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,464663,00.html


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