Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

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EuraGerhard
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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon EuraGerhard » 25. August 2014 08:45

vibackup hat geschrieben:bil, das Auto: aus dem Automobil gekürzt. Die Deutschen haben sich dann für den anderen Teil (Auto) entschieden.

Automobil ist aber - für Besserwisser :wink: - streng genommen ein lateinisches Wort, kein deutsches. Natürlich ein künstliches, da die Römer ja noch keine motorisierten Transportmittel kannten. :wink:

Ein nettes deutsches Wort, welches erst vor wenigen Jahren ins Schwedische übernommen wurde, natürlich wie üblich mit angepasster Orthografie, ist: Ställplats

Gemeint damit ist ein offizieller Übernachtungsplatz für Wohnmobile, im Deutschen offiziell als Reisemobil-Stellplatz oder eben kurz als "Stellplatz" bezeichnet.

MfG
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Jessica_Baader
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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon Jessica_Baader » 25. August 2014 10:15

Hallo alle zusammen!
:)
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Nun ich denke folgender Maßen über uns Deutsche:

Ich finde, dass wir Deutsche immer weniger gemeinschaftlich werden. Damit meine ich hauptsächlich das Berufsleben.
Viele machen meiner Auffassung nach nur noch ihr eigenes Ding.

Höflichkeit habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen. Natürlich möchte ich nicht alle unter einen Kamm scheren. Es gibt viele nette und zuvorkommende Menschen, aber allgemein betrachtet, ist das leider so.

:?

Jemand hier hat erwähnt, dass man nicht mal mehr seinen Kollegen im Vertrauen über eine bestimmte Idee erzählen kann.

Ich denke, dass kommt vermehrt auf die jeweilige Person drauf an. Eine gute Menschenkenntnis sollte da helfen.
Bedenkt man, dass wenn man jemand eine Idee erzählt, man auch Tipps und Anregungen aber noch viel wichtiger Feedback bekommt.

Wenn man seine Idee aber jedem ganz blauäugig erzählt, ist man selbst Schuld.
Ideenklau ist in Deutschland nämlich bereits zu einem Kavaliersdelikt geworden.

But allways remember :schwedentor2: rocks!

:)

ps. man sieht sich Ihr lieben Leute
ach und noch etwas, I´m still waiting for Tipps
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Liebe Grüße
Jessi
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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon vibackup » 25. August 2014 18:09

vibackup hat geschrieben:bil, das Auto: aus dem Automobil gekürzt. Die Deutschen haben sich dann für den anderen Teil (Auto) entschieden.

EuraGerhard hat geschrieben:Automobil ist aber - für Besserwisser :wink: - streng genommen ein lateinisches Wort, kein deutsches.

Ha!
Ich sehe, der Besserwisserwettbewerb ist gut im Gang, hier mein aktueller Beitrag:
Ja, mobil kommt von dem lateinischen Wort mobilis, beweglich.
Auto kommt aber von dem griechischen Wort αὐτός (autós), selbst, ist also nicht Latein.
Wollte man aus nur einer Sprache leihen, müsste es Ipsomobil (lateinisch) oder Autokinet (griechisch) heißen.
:wink:
Ins Deutsche ist es angeblich aus dem Französischen (voiture automobile) gekommen.

//M
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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon Petergillarsverige » 26. August 2014 08:02

Alle Achtung, ich hab schon nicht eingesehen englisch zu lernen, was ich heute nicht so gut kann wie ich es bräuchte. Aber gleich Latein und Griechisch.
Es gibt regional große Unterschiede was Gemeinschaft anbelangt, was oben angesprochen wurde. Hier im Schwabenland habe ich wenig Kontakt. In meiner Heimat, im Ahrtal stehen heute noch Bänke vor der Tür, wo sich die Nachbarn hinsetzen wenn die Arbeit getan ist und unterhalten sich.
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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon EuraGerhard » 26. August 2014 08:23

vibackup hat geschrieben:Auto kommt aber von dem griechischen Wort αὐτός (autós), selbst, ist also nicht Latein.

Stimmt! Hätte ich eigentlich wissen müssen, da ich in der Schule neben Latein auch mal Altgriechisch hatte (und das bis heute als wesentlich nützlicher empfinde als das verflixte Latein), und selber immer gerne darauf hinweise, dass viele der angeblich lateinischen Fremdwörter im Deutschen tatsächlich aus dem Griechischen stammen. :oops:

Mit besserwisserischen Grüßen, :wink: :D
Gerhard

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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon Petergillarsverige » 26. August 2014 12:59

Wer, außer Theologen die das NT im Originaltext lesen wollen, braucht Altgriechisch?
Ich las mal von einer deutschen Reisegruppe die in Griechenland wissen wollte wann die Fähre abfährt. Ein Theologiestunden fragte ein paar Griechen, die dann in einen Lachkrampf fielen. Einer von denen übersetzte die Frage zurück ins Deutsche:
"Fischer, wann segeln die Galeeren in die Ägäis?"
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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon EuraGerhard » 26. August 2014 14:00

Petergillarsverige hat geschrieben:Wer, außer Theologen die das NT im Originaltext lesen wollen, braucht Altgriechisch?

Fragen wir mal eher: Wer braucht Latein?

Die angeblich so vielen lateinischen Fremdwörter in der Medizin stammen zum allergrößten Teil nämlich nicht aus dem Lateinischen, sondern aus dem Griechischen. In den Naturwissenschaften gilt das in noch stärkerem Maße. Und überdies hat sich in praktisch allen Wissenschaften als internationale Sprache Englisch längst durchgesetzt. Auch die Juristen brauchen Latein höchstens zum Sprüche klopfen (in dubio pro reo etc.) :wink: .

Gelegentlich wird auch noch kolportiert, die Beschäftigung mit Latein würde das strukturierte Denken schulen. Dafür würde ich aber eher eine Beschäftigung mit formaler Logik empfehlen.

Und was das Lernen anderer Sprachen betrifft: Bei den inzwischen drei neuzeitlichen Sprachen, die ich bis jetzt zusätzlich zu meiner Muttersprache gelernt habe bzw. lerne, hat mir das Latein bisher nicht ein einziges Mal geholfen. Im Gegenteil, zu intensive Kenntnis lateinischer Grammatik kann sogar schädlich sein, wenn man Schwedisch lernt. Z.B. beim Präteritum.

Bleiben eigentlich neben den Altphilologen (bei denen es aber reiner Selbstzweck wäre) nur noch die Theologen, die Archäologen und vielleicht die Philosophen, für die Latein tatsächlich nützlich sein könnte.

Aus dem Altgriechischen habe ich hingegen zumindest die Kenntnis der griechischen Schrift mitgenommen. Was mir erstens in der Mathematik und Physik sehr geholfen hat, sondern mich auch in die Lage versetzt hat, bei einer Reise nach Griechenland zumindest Straßenschilder und auch manche Zeitungsschlagzeile zu entziffern. Zweitens konnte ich mir, von der griechischen Schrift ausgehend, auch ziemlich schnell die kyrillische Schrift aneignen, was auf diversen Reisen nach Russland sehr hilfreich war.

Deshalb mein Plädoyer: Wenn man schon eine "alte" Sprache in der Schule lehren will, dann bitte nicht Latein, sondern Griechisch.

MfG
Gerhard

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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon SchwedenBox » 26. August 2014 18:14

Jessica_Baader hat geschrieben:Hallo alle zusammen!
:)
:smt006


Nun ich denke folgender Maßen über uns Deutsche:

Ich finde, dass wir Deutsche immer weniger gemeinschaftlich werden. Damit meine ich hauptsächlich das Berufsleben.
Viele machen meiner Auffassung nach nur noch ihr eigenes Ding.

Höflichkeit habe ich auch schon lange nicht mehr gesehen. Natürlich möchte ich nicht alle unter einen Kamm scheren. Es gibt viele nette und zuvorkommende Menschen, aber allgemein betrachtet, ist das leider so.

:?

Jemand hier hat erwähnt, dass man nicht mal mehr seinen Kollegen im Vertrauen über eine bestimmte Idee erzählen kann.

Ich denke, dass kommt vermehrt auf die jeweilige Person drauf an. Eine gute Menschenkenntnis sollte da helfen.
Bedenkt man, dass wenn man jemand eine Idee erzählt, man auch Tipps und Anregungen aber noch viel wichtiger Feedback bekommt.

Wenn man seine Idee aber jedem ganz blauäugig erzählt, ist man selbst Schuld.
Ideenklau ist in Deutschland nämlich bereits zu einem Kavaliersdelikt geworden.

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Liebe Grüße
Jessi
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Hallo Jessi,

Ich teile Deine Sorge über den Verlust bestimmter Werte.

Alles verkommt zum Wettbewerb.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich diesbezüglich Illusionen über Schweden hatte. Ich finde die Situation in Schweden als noch unangenehmer. Ein soziales Leben mit Arbeitskollegen gibt es praktisch nicht. Selbst von der Weihnachtsfeier wird erwartet, dass diese während der Arbeitszeit stattzufinden habe. Ansonsten kommt keiner. Das zeigt den Stellenwert und das Interesse. Ich hätte hunderte Indizien dafür. Ich bin aber auch in Småland, einem Landstrich, dessen "Ureinwohnern" man ebensolche Eigenschaften nachsagt. Schwedische Freunde (oder wenigstens Bekannte) zu finden, ist deshalb nicht so einfach. Wir haben schon in anderen Ländern gelebt und hatten den Eindruck, dass es überall einfacher war als in Småland, und das auch in Ländern, in denen ein viel brutalerer Wettbewerb im Berufsleben herrscht.

Nun ja, alles Gute ist nie beisammen.

Wir wollen auch nicht meckern. Wir sind schließlich nicht nach Schweden gezwungen worden.

In diesem Sinne...

Beste Grüße aus Småland.

SchwedenBox

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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon Jessica_Baader » 27. August 2014 13:01

Hallo Jessi,

Ich teile Deine Sorge über den Verlust bestimmter Werte.

Alles verkommt zum Wettbewerb.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich diesbezüglich Illusionen über Schweden hatte. Ich finde die Situation in Schweden als noch unangenehmer. Ein soziales Leben mit Arbeitskollegen gibt es praktisch nicht. Selbst von der Weihnachtsfeier wird erwartet, dass diese während der Arbeitszeit stattzufinden habe. Ansonsten kommt keiner. Das zeigt den Stellenwert und das Interesse. Ich hätte hunderte Indizien dafür. Ich bin aber auch in Småland, einem Landstrich, dessen "Ureinwohnern" man ebensolche Eigenschaften nachsagt. Schwedische Freunde (oder wenigstens Bekannte) zu finden, ist deshalb nicht so einfach. Wir haben schon in anderen Ländern gelebt und hatten den Eindruck, dass es überall einfacher war als in Småland, und das auch in Ländern, in denen ein viel brutalerer Wettbewerb im Berufsleben herrscht.

Nun ja, alles Gute ist nie beisammen.

Wir wollen auch nicht meckern. Wir sind schließlich nicht nach Schweden gezwungen worden.

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Beste Grüße aus Småland.



Nach deiner Beschreibung, scheint Schweden ein, ja sagen wir, unangenehmer Wohntort zu sein? :/
Woher nimmst du dein Wissen?

Gruß Jessie

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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon Speedy » 27. August 2014 16:47

Hi,

wie er schreibt wohnt er in Småland, er wird wohl wissen was er schreibt. Ausserdem kann ich ihm nur zustimmen, mit den Kollegen ausgehen wie wir es aus D kennen gibt es hier nicht. Ob es nun die Weihnachtsfeier oder das Feierabendbier ist, ausserhalb der Arbeitszeit, nein danke.

Denk immer daran, dass nicht alles Gold ist was hier in Schweden glänzt. (Das gilt selbstverständlich auch fuer Deutschland).

Gruss Erika


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