Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

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unbekannt

Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon unbekannt » 11. Juni 2014 08:08

Sehr interessant. As "Besserwisser mit deutschem Gütesiegel" fällt mir ein Traum ein, den ich so ähnlich einmal hatte und in etwa dieses Scheuklappendenken und diese Prinzipienreiterei wiederspiegelt:

Eines Sommers steht gerade mein Haus in Flammen und ich rufe die Feuerwehr. Am Apparat meldet sich eine sympathische Stimme und teilt mir mitleidig mit, dass sie im Moment leider nichts machen kann, denn derjenige, der die entsprechende Kompetenz für die Brandlöschung meines Haustyps hätte, sei gerade im Elternurlaub und kommt erst nächste Woche wieder zurück. Nach meinen Einwand, dass ich nicht so lange warten kann, bekomme die Nummer einer anderen Feuerwehrstation. Dort meldet sich der Anrufbeantworter, dass heute alle auf einem Fortbildungskursus sind. In dringenden Fällen sollte ich eine weitere Nummer wählen. Auf dieser Nummer meldete sich jemand von der staatlichen Brandschutzbehörde von seinem Mobiltelefon. Er könne mir auch nicht weiterhelfen, weil er sich gerade im Urlaub auf einer Stockholmer Schäreninsel befindet. Er wünscht mir viel Glück und gibt mir den Tipp meine Brandschutzversicherung anzurufen. Die rät mir das Haus abbrennen zu lassen, denn es sei ja jetzt zu spät für eine Löschung. Und abgesehen davon bekomme ich ja dank meines erweiterten Versicherungsschutzes ein schönes neues Haus, wenn mindestens die Hälfte abgebrannt ist. Das sei alles kein Problem. Drei Tage später schon bekomme ich die ersten Kataloge von Fertighausfirmen zugeschickt. Ich wohne jetzt in einem Wohnwagen, den mir ein Nachbar spontan zur Verfügung gestellt hat. Die Schweden sind immer sehr hilfsbereit. :lol:

Eipoksolok

Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon Eipoksolok » 11. Juni 2014 09:02

Besserwisser? Verallgemeinerungen, wie ich finde. Dasselbe Prädikat könnte man Schweden geben, wenn man sie im Ausland trifft. Im Prinzip fördert jede führende Industrienation solche Eigenschaften.

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Gottfried
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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon Gottfried » 11. Juni 2014 09:32

[/quote]
[*]Netz- vs Zellendenken:
[*]Noch deutlicher: Struktur vs Prozess:
[*]Revirkissandet:
[*]Så får det inte vara: //M[/quote] Schön beschrieben, werde ich mir merken..... Danke Michael!
Wooh! Starke Beiträge!! Danke an Euch.
Ich bin sicher auch ein Besserwisser. Zumindest sahen mich die Schweden so. Vor allem in Situationen, die nur mich oder meine Arbeit betrafen und ich die ungepflegte Meinung ( oder Besserwisserung ) meine schwedischen Kunden nicht vollumfänglich und unterwürfig akzeptieren wollte. Das geht ja gar nicht! Und wir blöden Deutschen haben ja sowieso keine Ahnung.OK, stimmt.
Und wenn wir nicht akzeptieren wollen, dass sie mit ihren Autos auf die Wiese vor unserem Haus/Kapelle fahren und dort picknicken …… blöde Deutsche, noch nie vom Jedermannsrecht gehört!
Wenn wir am Sonntag mit unseren Autos in Kumla in ihren Garten fahren wollen um zu picknicken: …… blöde Deutsche, noch nie vom Jedermannsrecht gehört!
Tja, so kann es gehen, alles hat halt so seine Betrachtungsseite.
Kritik, auch im sogn. Professionellen Konzept ist unerwünscht. Ich habe an einigen Netzwerkkonferenzen mit örtlichen Unternehmern teilgenommen. Kostet richtig Geld! Man kennt sich nach einiger Zeit. Aber: bei jedem Treffen, meist weite Fahrten zu einem schönen Herrgård, führte zu langen und umständlichen „presentationsrunden“. Meine Bitte, doch die (Teure) Zeit sinnvoller zu nutzen( man kennt sich doch) …… Blöde Deutsche. Uncool, keine Zeit, Besserwisser.
Anderes Beispiel: Ich war mit meinem Geländewagen in Örebro in der Bosch-Werkstatt. Ich wollte Fernscheinwerfer anbringen lassen ( braucht man im Tiveden!). Eigentlich ja kein Problem. Autoelektrikfachwerkstatt, Scheinwerfer dort gekauft und nach 1 Woche einen Termin zu Einbau bekommen. Soweit so gut. Morgens 70 km Anfahrt, Auto abgeben. Da ich nichts Besseres vorhabe (morgens um 8 in der Örebro-Prärie ist auch wirklich nicht viel los)schaue ich mir in der Werkstatt das Spektakel mal an. Da sitzt der „Fachmechaniker“ und studiert eine halbe Stunde die Einbauanleitung. Mein Hinweis, ich sei doch schon sehr früh aufgebrochen und müsse ja auch noch die 70 km wieder zurück an meine Arbeit und überhaupt bin ich davon ausgegangen, dass die das bei Bosch schon mal gemacht hätten, beschenkte mich mit einem Blick. Naja Deutscher, Klugscheißer! Er brumme etwas und mache erst mal Kafferast. Super gelaufen. Das Lesen der Einbauanleitung wird natürlich voll in Rechnung gestellt.
OK, stimmt. BESSERWISSER! Aber das Problem ist, ich bin kein Klugscheißer, ich weiß es wirklich besser :D . (Vorsicht: Ironie :idea: ) Naja, ich habe, Gott sei Dank, ein eingebautes Humor-Gen, Dank meiner Geburt uns so halte ich mich an die Wise Gys mit dem Besserwissersong. Kleiner Auszug:
Ich weiß, was ich weiß,
doch nur das, was ich nicht weiß,
macht mich heiß, weil ich's gerne besser wüsste.
Weißt du was? Du musst wissen,
dass ich wirklich gerne wüsste,
was ein Besserwisser besser wissen müsste.
Wer Spaß daran hat, finden den Song auf YouTube. Schönen Tag!
Viele Grüsse

:smt024 Gottfried :smt024

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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon knut245 » 11. Juni 2014 10:03

@ Volker und vibackup: Danke für Eure kompetenten Beiträge!

revirkissandet: Würde ich mit Reviermarkierung übersetzen. Wird ja meist auch durch kissa erledigt :D
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.

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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon michiunger47 » 29. Juni 2014 11:27

Denke solche Besserwisser findet man doch überall.
Ok hier in D gibts ne ganze Menge davon und besonders im Ausland spielen sich viele auf. Aber sowas können bestimmt auch andere bloss merken wir es nicht so. Das gehört wohl irgendwie zur Spezies Mensch.

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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon filifjonkan » 23. August 2014 20:37

Gerade habe ich die Beiträge in diesem "Thread" gelesen. Ich bin überrascht, dass das hier in diesem Beitrag noch keiner erwähnt hat:

aber das Wort "besserwisser" ist ein integriertes Wort im schwedischen Wortschatz. Es taucht in der Svenska Akademiens Ordlista över Svenska Språket auf und wird auch oft in der Umgangssprache gebraucht.

darin heisst es:

besserwisser: en person som alltid anser sig att veta best

ist doch interessant, dass gerade dieses deutsche Wort im schwedischen Wortschatz auftaucht? Es gibt sonst kaum deutsche Worte im schwedischen Wortschatz. Jedenfalls fällt mir gerade keines ein

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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon vibackup » 24. August 2014 11:15

filifjonkan hat geschrieben:Gerade habe ich die Beiträge in diesem "Thread" gelesen. Ich bin überrascht, dass das hier in diesem Beitrag noch keiner erwähnt hat:

aber das Wort "besserwisser" ist ein integriertes Wort im schwedischen Wortschatz.

OK, wir wollen einen Wettbewerb machen?
Ich bin an meiner Klinik offiziell zum Besserwisser Nr. 2 ernannt worden (von dem damaligen Besserwisser Nr 1, jedenfalls seiner eigenen Aussage nach), so die Herausforderung nehme ich natürlich an!
Also:
Nicht nur in die schwedische, sondern auch in die finnische, norwegische (bokmål) und englische Sprache aufgenommen worden. Und vermutlich in einige mehr...
Ha!
Du bist dran!
;-)

//M

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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon unbekannt » 24. August 2014 12:08

Ist das schon so schlimm mit der deutschen Besserwisserei, dass sie schon zu einem internationalen Markenzeichen geworden ist? Naja, das ist eben der Preis dafür, um Exportweltmeister zu sein. :lol:

Aber ich glaube, wir sind hier alle noch Besserwisser-Anfänger. Die wirklichen Besserwisser der Profiliga machen das auf die harte Tour und erleben sich eher so: "Es ist doch einfach herrlich Besserwisser zu sein. Man hat einfach immer Recht und wenn das nicht so scheint, dann einfach nur deshalb, weil die anderen einfach Dummköpfe sind und wenn im Leben eines Besserwissers einfach alles schief geht, dann ist das auch kein Grund an seiner Besserwisserei zu zweifeln, denn die anderen sind immer Schuld, die einen mit ihrer Beschränktheit das Leben so schwer machen und nur Steine in den Weg legen. Dass kann den Besserwisser in seiner Reinkultur schon ganz schön wütend machen und irgendwann ist der dann völlig fertig, kann nicht mehr - vor allen Dingen, wenn man wegen seiner Besserwisserei noch kritsiert wird, könnte man die Wände hoch fahren bei so viel Unverstand. Die Welt ist einfach schlecht und blöd, was man ja jeden Tag als Besserwisser bestätigt bekommt."

Also ich glaube ich spiele da lieber weiterhin in der Amateurliga und betreibe meine Besserwisserei mehr so als Hobby :lol: :lol: :lol:

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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon vibackup » 24. August 2014 16:13

filifjonkan hat geschrieben:Es gibt sonst kaum deutsche Worte im schwedischen Wortschatz. Jedenfalls fällt mir gerade keines ein

Im Ernst:
Doch, es gibt in der schwedischen Sprache eine Reihe aus dem Deutschen importierte Wörter, und je nach Zeitpunkt des Imports sieht man es ihnen mehr oder weniger an.
Schöne Wörter in diesem Zusammenhang sind
Kusk, von dem deutschen Kutscher, das seit dem Ende des 16 Jh in der schwedischen Sprache benutzt wird (und eigentlich aus dem slawischen kommt und eine Odyssee durch ziemlich alle europäischen Sprachen hinter sich hat)
Fönster, das im 18 Jh aus dem Deutschen übernommen wurde und ursprunglich aus dem lateinischen kommt (fenestra). Die germanische Form findet sich im Norwegischen (vindu) und im Englischen (Window) wieder, das Windauge.
Dann die Wörter mit "j" an eigenartigen Stellen:
hjälm, hjärta, stjärna, die Importe aus dem Deutschen sind.

Aktueller sind Ausdrücke wie "kaputt", "das ist alles", "putz väck" (mit angepasster Orthographie) oder Worte wie "Inställning", die man nicht mehr als Import erkennt, obwohl dieser erst 100 Jahre her ist (und damit lange nach der großen Welle der vor allem plattdeutschen Importe unter der Hansezeit).
Schön ist der "Snälltåg", der eben schnell und nicht nett fährt, oder das "ond krut", das nicht vergeht und eben kein böses Pulver, sondern Unkraut sein soll.
Tja, oder eben der genannte Besserwisser.
Na, jetzt habe ich mich aber wohl doch aus der Amateurliga gelöst, oder?
;-)

//M
PS: Hier ein interessanter Artikel der das Thema streift:
http://spraktidningen.se/artiklar/2009/06/larda-ord
DS

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Re: Sind Deutsche unangenehme Besserwisser?

Beitragvon vibackup » 24. August 2014 16:19

vibackup hat geschrieben:Lånord från tyskan...

Noch eine Ausschweifung, dann verspreche ich dieses OT-Geschreibe zu beenden:
manchmal sind die Importe so entstellend, dass die Ursprungsausdrücke kaum noch zu erkennen sind.
Beispiele hier:
dass für Klo; hier ist von dem Häuschen nur der Artikel übrig geblieben
bil, das Auto: aus dem Automobil gekürzt. Die Deutschen haben sich dann für den anderen Teil (Auto) entschieden.

//M *der Sprache total cool findet*


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