Selbständigkeit als "EINZIGE" Chance ?

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Selbständigkeit als "EINZIGE" Chance ?

Beitragvon me myself and i » 16. Oktober 2012 09:36

Hej allesammans,

es ist sicher besser, wenn ich mich gleich zu Anfang des Beitrages als "Neuling" oute :oops:
vieleicht habe ich es auch übersehen, aber ein ähnliches Thema ist mir bei meiner Suche hier
im Forum bisher nicht begegnet. Deshalb : Frisch an´s Werk

An anderer Stelle im weltweitenwirrwar ist mir mehrfach die These begegnet :
"Als Ausländer hat man in Schweden nur die Möglichkeit, sich selbständig zu machen"

Von den Schwierigkeiten mit ausländisch klingendem Namen überhaupt zum Intervju geladen zu werden
ist von DN über uppdrag granskning schon genug geschrieben und gesendet worde.

Meine "Um"frage daher :
Wie sind eure konkreten, persönlichen Erfahrungen dazu? Wie viele nach Schweden ausgewanderte Foris sind
selbständig, wieviele als Arbeitnehmer in Lohn und Brot? Wer Untersuchungen oder Veröffentlichungen zu dem
Thema im Internet kennt möchte diese bitte hier posten.

Ich hoffe es gelingt uns damit gemeinsam ein möglichst objektives und aktuelles Bild des schwedischen Arbeitsmarkts und der
Chancen von Ausländern insbesondere Deutschen zu zeichnen....

Kling
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Re: Selbständigkeit als "EINZIGE" Chance ?

Beitragvon Kling » 16. Oktober 2012 11:32

Wir sind Arbeitnehmer. Es stimmt schon das es schwierig ist Arbeit zu finden. Einfach ist es nicht sich aus Deutschland zu bewerben. Hier ist auch die Arbeitslosigkeit nicht gerade niedirg und vorallem bei den jugendlichen ist die Arbeitslosigkeit sehr hoch.
Wir kennen viele Deutsche die sich selbständig gemacht haben.

Speedy
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Re: Selbständigkeit als "EINZIGE" Chance ?

Beitragvon Speedy » 16. Oktober 2012 11:41

Also,

als ich vor 10Jahren (upps ist das schon so lange her??) nach Schweden kam habe ich wie wir alle den SFI Kurs besucht. Ich hatte eine sehr engagierte Lehrerin die mir empfohlen hat ueber die Erwachsenenbildung eine Ausbildung zur undersköterska zu machen. Das habe ich dann paralel zum SFI gemacht und nebenbei noch ein Vikariat im örtlichen Altenheim gemacht. Nach der Ausbildung (mit gut abgeschlossen) habe ich dann weiter auf Stundenbasis im Altenheim gearbeitet. So fängt hier jeder einmal an, das es nicht gleich Festanstellungen gibt. D.h. man trug sich in den Kalender ein wann man Zeit hatte und dann wurde man angerufen Du kannst kommen. So ging das fast ein Jahr. Dann bekam ich ein "långtidsvikariat" d.h. eine Schwangerschaftsvertretung o.ä. in meinem Falle waren es 1 1/2 Jahre. Danach ging es wieder auf Zeitbasis los.

Nun kam der Einschnitt ich lernte meinen jetzigen Mann kennen. Er ist Schwede und hatte eine kleine Firma. Da er aus gesundheitlichen Gruenden die Firma aufgeben wollte habe ich kurzerhand gesagt, das ich uebernehme. Das ist nun auch dabei geblieben und heute stehen wir ganz gut da. Er macht die Papiere, Buchfuehrung etc. und ich arbeite zusammen mit meinen Mitarbeitern.

Nun ist das vielleicht nicht typisch aber so kann es gehen. Das Problem ist wenn man nicht zufällig Arzt ist, dann werden die deutschen Berufsausbildungen nicht anerkannt oder aber es dauert sehr sehr lange. Dazu kommt das man dafuer Papiere ueber Papiere einreichen muss. Also der Weg in die selbständigkeit kann einfacher sein, wenn man denn eine gute Idee hat oder ein bestehendes Geschäft uebernehmen kann.

Ich hoffe ich konnte ein wenig hilfreich sein,

liebe Gruesse Speedy

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Re: Selbständigkeit als "EINZIGE" Chance ?

Beitragvon schwabenschwede » 16. Oktober 2012 12:01

Als Deutscher ist man in Schweden ein gern gesehener Arbeitsnehmer, meinen Erfahrungen nach.
Hatte nach 2 Monaten in Schweden meinen ersten Job, zwar nur auf Stundenbasis, ist in Schweden aber üblich. Hab seitdem mehrfach den Job gewechselt und war zwischendrin nie arbeitslos.
Hilfreich ist es, Leiharbeitsfirmen zu kontakten (studentkonsulting; manpower,...).
Kenne aber auch Schweden/innen, die seit Monaten auf Jobsuche sind ohne auch nur zu einem Interview geladen zu werden.
Wichtig ist entweder die richtige Ausbildung (z.B Medizin oder IT-Branche) und man darf sich nicht zu fein sein, auch als Hausmeister oder Staplerfahrer zu arbeiten..:)
Wenn man es hier schaffen will, schafft man es auch!!

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Re: Selbständigkeit als "EINZIGE" Chance ?

Beitragvon Lussekatt » 16. Oktober 2012 18:34

Ich bin selbständig - das war ich aber auch schon in Deutschland.
Meine persönlichen Erfahrung ist, dass es als Ausländer mit hochqualifizierter Berufsausbildung schwierig ist, Arbeit in Schweden zu finden - außer in Jobs, die gerade gefragt sind wie Ärzte oder Ingenieure. Jedenfalls in Mittelschweden. Ich kenne viele gut ausgebildete Leute, die hier keine Arbeit gefunden haben.

Arbeit, die keine spezielle Berufsausbildung fordert (z.B. in der Altenpflege oder als persönlicher Assistent) wird in der Regel an Bewerber mit recht niedriger Vorbildung vergeben. Als Akademiker gilt man dagegen als überqualifiziert.

Aber es wird da recht unterschiedliche Erfahrungen geben.
:smt006

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Re: Selbständigkeit als "EINZIGE" Chance ?

Beitragvon Sams83 » 16. Oktober 2012 19:14

Hallo,

es gibt natürlich auch jede Menge Statistiken, in die man sich vertiefen kann, wenn man Spaß daran hat und schwedisch kann.

Auf der Seite des Statistika Centralbyrån finden sich jede Menge Infos. Einige Zitate:
Utrikesfödda egenföretagare är mer välutbildade än inrikesfödda

Det är vanligare att vara egenföretagare om man är född utanför Sverige. Den bransch som har störst andel utrikes­födda egen­företagare är hotell- och restaurang. Högst andel inrikes­födda hittar vi inom jord- och skogs­bruk. De utrikes­födda driver oftare företag i yrken med låga kvalifikations­krav samtidigt som de är mer väl­utbildade än sina inrikes­födda kollegor med samma yrke.

grobe Übersetzung:
- wenn man außerhalb Schwedens geboren wurde, ist es üblicher, selbstständig tätig zu sein
- Hotel- und Restaurant-Branche haben den größten Anteil an ausländischenen Selbstständigen
- Land- und Forstwirtschaft haben den größten Anteil an inländischen Selbstständigen
- Ausländische Selbstständige sind eher in Berufen mit niedrigen Qualifikationen zu finden, obwohl sie besser ausgebildet sind als ihre schwedischen Kollegen im selben Beruf

Quelle: http://www.scb.se/Pages/Article____337184.aspx


Und hier wird als aktuelle Zahlen für 2010 genannt, dass 20% der Selbstständigen Ausländer (Auslandsgeborene) sind:
http://www.driva-eget.se/den-ofrivillig ... n--9441691

Dieser Bericht hier ist auch sehr interessant, beschreibt die regionalen Unterschiede des Beschäftigungsgrads von inländischen und ausländischen Einwohnern, unterscheidet aber nicht zwischen Selbstständigen- und Angestelltendasein:
http://www.scb.se/statistik/_publikatio ... BR1001.pdf

Fortsetzung folgt...(wegen maximal 3 Links/Beitrag)

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Re: Selbständigkeit als "EINZIGE" Chance ?

Beitragvon Sams83 » 16. Oktober 2012 19:37

...

http://www.migrationsinfo.se/arbetsmarknad/foretagande/
Hier wird beschrieben, dass ausländische Selbstständige generell lieber wachsen wollen/mehr Leute anstellen wollen als schwedische Selbstständige.
Und noch zwei Beschreibungen der Situation im unteren Abschnitt:
Wenn die lokale Wirtschaft schlechter läuft, und Selbstständigkeit aufgegeben wird, müssen Nicht-Schwedische eher zur Arbeitslosigkeit übergehen als dass sie irgendwo eine Anstellung finden, Schweden finden eher eine Anstellung als dass sie arbeitslos werden.
Allerdings wird auch darauf hingewiesen, dass Selbstständigkeit nicht nur angenommen wird, weil ansonsten keine Alternative besteht. Die meisten der Neu-Selbstständigen waren vorher angestellt tätig (auch bei den ausländischen Bürgern).
2005 sagten 19% der ausländischen Neu-Selbstständigen, dass sie aufgrund von Arbeitslosigkeit die Selbstständigkeit gewählt haben, hingegen sind es 11% bei den schwedischen Neu-Selbstständigen.

Unten auf der Seite gibt es Links zu zwei pdfs:

Invandrares företagande, Studie von 2007:
http://publikationer.tillvaxtverket.se/ ... spx?ID=606

Hier findet man Infos zum Anteil derjenigen, die selbstständig tätig sind. S.53:
Unter den Verdienenden sind bei den Ausländern 11% selbstständig tätig (15% der Männer, 7% der Frauen), bei den Schweden liegt der Anteil leicht darunter: 10% (14% der Männer, 5% der Frauen)

Företagande och personer med utländsk bakgrund, Studie von 2010:
http://publikationer.tillvaxtverket.se/ ... px?ID=1445
Hier für Zahlen insbesondere Kapitel 4 (ab S. 107) zu empfehlen...

Gruß :smt006
Simone

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Re: Selbständigkeit als "EINZIGE" Chance ?

Beitragvon Imrhien » 18. Oktober 2012 11:48

Selber drei verschiedene Stellen als Angestellte, teils mit festem Vertrag und teils auf Stundenbasis.
Mein Mann hat Festanstellung und ist als "Hobby" noch nebenher selbständig. Ich kenne viele Schweden die das nebenher machen, neben dem eigentlichen Job. Ausländer, die selbständig sind, kenne ich kaum. Könnte aber daran liegen, dass bei uns viele Ärzte und Ingenieure in der Gegend leben. Da findet man recht gut was. ABB und Bombardier suchen mal wieder Leute, suchen die mal nicht? Selbständig wäre ich nur ungern, egal wo. Also, wenn es drauf ankommt mein ich. Das liegt an meinem Bedürfnis für Sicherheit. Nur wenn man was kann und hat, das einem auch was einbringt sollte man das wagen. Oder wenn es keine andere Möglichkeit mehr gibt.
Wenn ich irgendwann mal Zeit und das Kapital hab, mach ich ne Bauerei auf. Wobei, da ist noch ungeklärt ob als Selbständige oder doch lieber im Verein. Da ist es nämlich einfacher die Genehmigungen zu bekommen :)

Grüsse

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Re: Selbständigkeit als "EINZIGE" Chance ?

Beitragvon Tulipa » 18. Oktober 2012 16:20

Imrhien hat geschrieben:
mach ich ne Bauerei auf.

Grüsse


Was ist das denn? :)

LG
Tulipa
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Re: Selbständigkeit als "EINZIGE" Chance ?

Beitragvon Speedy » 18. Oktober 2012 17:37

Hej Tulipa,

vermutlich eine Brauerei :lol: oder?

Speedy


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