„Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

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nysn

Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon nysn » 29. April 2008 22:57

Dass diese Meinung "selbst schuld" vorherrscht hat wohl auch damit zu tun, dass dieses Verhalten bei Jugendlichen in Schweden so ziemlich "normal" ist, wenn sie betrunken, ohne jegliche Aufsicht in Gruppen die Städte an Tagen wie dem morgigen "Valborg" verunsichern. Sie trinken ungebremst und die Eltern glänzen meist durch Abwesenheit (weil oft selbst betrunken). Das ist SCHWEDISCHE NORMALITÄT.

Heute warnt die GP eindringlich "Överge inte våra ungdomar på valborg" - z. B. wäre eine ganz gewöhnliche Aussage eines Jugendlichen "An Valborg werde ich mich hemmungslos betrinken, meine Kleidung vollkotzen und den letzten Bus nach Hause verpassen." Statistisch gesehen ist das Valborg-Wochenende für jüngere Teenager das Debut-Wochenende für Alkohol, Drogen und Sex.

Ich denke nicht, dass es unbedingt an einem "aufreizenden" Verhalten oder "Kleidungsstil" der Mädchen/Frauen liegt oder dass diese Jungs/Männer besonders abartig wären - die meisten sind wohl ganz einfach so betrunken, dass sie jegliche Hemmungen verlieren und gar nicht mehr wissen, was sie tun.

Im letzten Jahr wurden in Göteborg 23 Jugendliche in der Ausnüchterungsanstalt der Kommune aufgenommen. Am morgigen Tag und am Wo-Ende wird es leider wieder viele solcher Fälle, Vergewaltigungen und andere Straftaten geben und das wissen Eltern, Polizei und die Gesellschaft insgesamt - doch irgendwie wird sie toleriert, diese komische Einstellung der Schweden zum Alkohol. :(

S-nina

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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon janaquinn » 30. April 2008 05:19

Ich schreibe nur diesen einzigen Text zu diesem Thread und das ist dies:
Wenn eine Frau NEIN sagt, dann heisst es NEIN und nicht etwa "JA", "Vielleicht", "Eventuell" oder ähnliches. Und da ist es auch absolut egal, WIE sie angezogen ist. Und es ist auch kein Entschuldigung für den Täter, dass eine Frau unter Alkoholeinfluss stand oder nicht. Er hat dieses klare und ausdrückliche Nein einfach zu akzeptieren. Wenn er wirklich so unter "Druck" steht, gibt es genug Frauen, die mit dem Verkauf ihres Körpers Geld verdienen. Für diese Frauen gilt allerdings auch, wenn sie einen Freier ablehnen, ist es das Bezahlen einer "Dienstleistung" kein Grund für Vergewaltigung.
Das gleiche gilt selbstverständlich auch für die angsprochene sexuelle Gewalt gegenüber Männern, egal welche Sexuelle Gesinnung sie haben.
Und die Täter gehören bestraft und hinter Gitter.

Schluss und Ende
JANA, die sich nicht wieder hier zu Wort melden wird
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk

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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Uwe_Stgt » 30. April 2008 05:58

Aurora hat geschrieben:Lieber Uwe, tickt es noch richtig oder müssen wir die Uhr umstellen?


Bei einigen hier im Forum leider nicht. Einige Vorurteile, wie sie hier genannt wurden, haben die Klasse der Rassengesetze aus dem Dritten Reich oder allenfalls einer Bierzeltparole. Es ist natürlich schön, es sich leicht zu machen und alle Menschen einer bestimmten Kategorie abzustempeln.

Ich habe meine Frau gefragt (angehende Diplom-Pädagogin), und sie ist im Grunde meiner Meinung.

Was ist aus unserer christlichen Tradition geworden, wenn wir uns nicht auch die Sicht des Täters ansehen und in die Beurteilung mit einbeziehen? (Das hat nichts damit zu tun, die Tat zu rechtfertigen oder zu relativieren.) Unser deutsches Rechtssystem kennt dieses Prinzip z.B., und ich wäre jederzeit bereit, dafür auf die Straße zu gehen damit es so bleibt.

Es nützt niemandem, wenn nichteinvernehmlicher Sex über den "Erniedrigungs"-Kamm geschoren wird. Auch (und gerade!) Frauen haben die Möglichkeit, Macht auszuüben; dieses Thema wurde schon in Literatur und Film thematisiert. Es werden Menschen beiderlei Geschlechts Opfer von nichteinvernehmlichem Sex, und Menschen beiderlei Geschlechts sind Täter. Es nützt niemandem, alle diese Täter als "gestört" oder "krank" oder "pervers" zu verunglimpfen (Hausaufgabe: bitte nachsehen, was "pervers" überhaupt bedeutet!).

Die Gesellschaft hat dann einen Nutzen, wenn wir es schaffen, Verbrechen zu reduzieren. Und das schaffen wir nur, wen wir offen über mögliche Ursachen und Auslöser sprechen. Dabei darf es keine Tabus geben - selbst dann nicht, wenn sich einige Damen hier offenbar in ihrer Ehre verletzt fühlen.

Wenn sich ein Mann durch unvernünftige Kleidung von jungen Mädchen oder auch nicht so ganz jungen Frauen so angemacht fühlt, dann könnte er ja zu einer Prostituierten gehen, um Sex zu haben, wenn er ansonsten keine Gelegenheit hat.


Im Prinzip ja. Prostituierte erfüllen (auch) in diesem Sinn eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft. Zu Bedenken ist allerdings, daß es diese Möglichkeit gerade in Schweden nicht gibt. In Schweden ist es unter Strafe gestellt, sexuelle Dienstleistungen zu kaufen. Ich kritisiere diese Praxis seit ich davon weiß, da dadurch eine Ventil-Funktion wegfällt.

flowe hat etwas sehr intelligentes geschrieben:

wer die entscheidung trifft diese grenze zu überschreiten muß auch zu seiner verantwortung stehen

Ich finde allerdings, daß alle Teile der Gesellschaft Verantwortung tragen und dieser Verantwortung gerecht werden müssen, nicht nur ein bestimmter Teil, der sich in eine Schublade packen läßt. Und jeder und jede trägt eben auch Verantwortung für die eigene Kommunikation!

Ebenso wie Jana werde ich mich an dieser Stelle aus der Diskussion zurückziehen, da mir das Niveau zu niedrig ist. Ich freue mich, in dieser Frage eine differenzierte Meinung zu haben, und es erschreckt mich sehr, auf welchem Niveau hier teilweise am Thema vorbei polemisiert wird - als hätten wir aus den letzten 100 Jahren nichts gelernt. Vielleicht denkt ihr anders, wenn mal ein eigenes Kind betroffen ist...

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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Aelve » 30. April 2008 08:26

Hallo Uwe,

welche Entschuldigung findest Du denn für die Sache, die gerade in Österreich passiert ist?

http://nachrichten.t-online.de/c/14/92/ ... 23986.html

Gibt es nach Deiner und der Meinung Deiner Frau hier auch gute Entschuldigungsgründe, warum der 73 jährige Familienvater die ihm angelasteteten Grausamkeiten verübt hat?

Gut, dass hier Deine Meinung nicht repräsentativ ist, denn dass Du anderen Forumsteilnehmern sogar noch Polemik unterstellst, ist der Gipfel. Wenn in Ämtern Entscheidungsträger mit Deiner Meinung sitzen, die dann dafür sorgen, dass Vergewaltigung verharmlost wird und der Täter dann schnellstens wieder freigelassen wird, dann ist es kein Wunder, dass man sehr oft von Triebtätern liest, die viel zu schnell wieder freigelassen werden und dann sofort rückfällig werden.

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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Sápmi » 30. April 2008 09:07

floweh hat geschrieben:um seine neigungen auf ein "normales" sexualverlangen zu verringern,


Sorry, dass ich nochmal drauf rumreiten muss, aber die Aussage, Gewaltneigungen auf ein normales Sexualverlangen zu VERRINGERN, klingt so, als würde diese Störung auf einem gesunden Sexualtrieb basieren (der ja aber hier überhaupt nicht vorhanden ist) und ist genauso absurd, wie wenn man sagen würde: Hassgefühle auf Liebe verringern.
Natürlicher Sexualtrieb und Lust auf Gewalt spielen sich nicht auf ein und derselben Skala ab, bzw. wenn, dann in entgegengesetzter Richtung. Die "normale" Lust auf Sex ist etwas Positives, Lust auf Gewalt etwas Negatives, Destruktives.
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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Sápmi » 30. April 2008 09:09

S-nina hat geschrieben:Statistisch gesehen ist das Valborg-Wochenende für jüngere Teenager das Debut-Wochenende für Alkohol, Drogen und Sex.

Ich denke nicht, dass es unbedingt an einem "aufreizenden" Verhalten oder "Kleidungsstil" der Mädchen/Frauen liegt oder dass diese Jungs/Männer besonders abartig wären - die meisten sind wohl ganz einfach so betrunken, dass sie jegliche Hemmungen verlieren und gar nicht mehr wissen, was sie tun.



Es geht hier nicht um willenloses Rumvö...n, sondern um Vergewaltigungen, das ist doch was völlig anderes.
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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Sápmi » 30. April 2008 09:12

Uwe_Stgt hat geschrieben:
Es nützt niemandem, wenn nichteinvernehmlicher Sex über den "Erniedrigungs"-Kamm geschoren wird.


Reden wir aneinander vorbei?
Nenne mir bitte ein konkretes Beispiel von "nichteinvernehmlichem Sex", bei dem es sich nicht um Vergewaltigung=Erniedrigung handelt.
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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon amarok » 30. April 2008 09:15

Uwe_Stgt hat geschrieben:
Ebenso wie Jana werde ich mich an dieser Stelle aus der Diskussion zurückziehen, da mir das Niveau zu niedrig ist.


Eine ausgesprochen gute Entscheidung von Dir.

Nun ja, es gehört eben zur Kultur von Internetforen, dass solche (Welt-)Anschauungen wie diese hier massiv vom User Uwe_Stgt vertreten, öffentlich dargeboten werden. Solche Ansichten sind ja wirklich nichts Neues.
Liebe Frauen im Forum, denkt doch einfach nur mal etwas zurück auch in unsere Geschichte. Hexenverfolgung, ein Weib soll gehorsames und untertänige sein, Zwangsehen, Frauen wurden wegen sog. "Hurerei" an den Pranger gestellt usw.. Andern Orts werden noch heute Frauen entrechtet u.a. in dem ihnen vorgeschrieben wird, wie sie sich zu kleiden haben. Vergewaltigungen finden dort aber trozdem statt.
Wo liegt also die Quelle für solche Anschauungen? Die Antwort kann sich jeder selbst geben.
Der Wald lebt, er kann atmen und sprechen und erzählt die Sage von der Urmutter allen Lebens. (jakutisch)

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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon janaquinn » 30. April 2008 09:32

Ich möchte hier nur klarstellen, dass ich mich nicht aus dem Thread zurückziehe, weil mir das Niveau zu niedrig ist, zumindest nicht beim Grossteil der beteiligten Mitglieder sondern vielmehr nur bei einem. Ich distanziere mich hiermit ganz klar und öffentlich von Uwe_Stg´s Meinung!
Ich ziehe mich zurück, weil ich meinen Standpunkt klargemacht habe:
Es gibt kein(e) Frau/Mann, welche(r) sich freiwillig zu "nichteinvernehmlichem Sex" zwingen oder "überreden" lässt. Entweder die Geschichte geschieht in beiderseitigen Einverständniss und ohne Gewalt, oder es handelt sich schlicht und ergreifend um eine Vergewaltigung und somit eine Erniedrigung und eine Verletzung der einfachsten Menschenrechte!


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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon sinlalu » 30. April 2008 09:40

@uwe: Die Diskussion ist Dir zu flach? Dein pseudopsycholigisches "man muß auch den Täter verstehen- Gerede" macht mich krank! In unserem Strafrechtssystem wird immer auch der Hintergrund des Täters durchleuchtet. Das kann meiner Meinung nach bei der Strafzumessung berücksichtigt werden, ist aber niemals eine ENTSCHULDIGUNG. Ent-Schulden, dass heißt , sich seiner SCHULD entledigen, kann sich kein Täter. Aus Tätern werden bei uns leider viel zu häufig Opfer gemacht. Aber jeder, der nicht völlig geistig minderbemittelt ist - und das sind die meisten - kann anders. Der Täter trifft die Entscheidung! Eine Entscheidung GEWALT auszuüben.


Kein junges Mädchen, keine Frau, kein Mann hat SCHULD an der eigenen Vergewaltigung. Ich verstehe, dass gerade Frauen diese Diskussion sehr emotional führen, aber: Möglicherweise haben einige OPFER unbewußt durch ihr Verhalten oder ihre Kleidung die Tat ausgelöst. Damit haben sie zwar etwas getan, sind aber nicht die TÄTER sondern die OPFER.

Ich habe 2 Töchter und ich finde es wichtig, sie darüber aufzuklären, was passieren kann, wenn man die falschen Signale setzt. Aber natürlich gibt es auch bei uns Miniröcke und enge T-Shirts - warum auch nicht!!!

Ich glaube auch, dass in Deutschland die Meinungsumfrage ähnlich ausfallen würde wie in Schweden. Das ärgert mich furchtbar, da es von einer ubeschreiblichen Ignoranz zeugt.

Was mich aber vielmehr ärgert, ist unser Strafrecht und der Umgang mit den OPFERN!
Eine Umarmung ist ein großartiges Geschenk - passend für jede Größe...


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