„Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

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Sápmi
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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Sápmi » 1. Mai 2008 22:26

Sabine hat geschrieben:Hier versuchen zu wollen die Psyche potentieller Täter zu ergründen ist müßig.
Mein Onkel war Psychologe und hat sein halbes Leben damit verbracht.
Was tatsächlich auslösende Faktoren für ein solches Verhalten sind,bleibt uns doch wohl eher meistens verborgen.


Ist ja vor allem auch von Fall zu Fall verschieden.
Aber zu behaupten, dass die Gründe oder Faktoren meist verborgen bleiben, würde ja fast schon Resignation bedeuten. Ich denke im Gegenteil, dass die entsprechenden Psychologen es in den meisten Fällen schon einigermaßen ergründen können. Viel schwieriger ist es nur, einen Weg zu finden, diesen Mechanismen (die ja sicher im Allgemeinen schon in der Kindheit ihren Ursprung nehmen) entgegen zu wirken. Was übrigens nicht nur auf Vergewaltiger, sondern auch auf andere Straftäter zutrifft. Da spielen so viele Faktoren eine Rolle, auf die ein Außenstehender keinen Einfluss hat. Viele Eltern von angehenden Verbrechern sind sich ja auch ganz gewiss nicht dessen bewusst, was sie im Umgang mit ihrem Kind falsch machen. Zumal sie selbst auch mal Kinder waren und vermutlich auch schon ungünstigen Einflüssen ausgesetzt waren, usw. Es ist nicht zuletzt sicher auch ein gesellschaftliches Problem, wie in so vielen anderen Fällen auch (Amokläufer, Neonazis, Verblödung der Bevölkerung, etc.), da kann man nicht einfach hingehen und sagen: ab jetzt müssen alle den vollen Durchblick haben, einsichtig sein, alles richtig machen und nur noch im Sinne von Nächstenliebe und menschlicher Vernunft handeln. Das geht nicht, das schaffen ja noch nicht mal Gesetze, die mit harten Strafen abschrecken. :?
"Keiner, der nur einen Sommer Lapplands Sonne trank, kann anderswo glücklich sein."
(aus A.O. Schwede: Lars Levi Laestadius - Der Lappenprophet)

Sabine

Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Sabine » 1. Mai 2008 22:31

Sápmi hat geschrieben:
Ist ja vor allem auch von Fall zu Fall verschieden.
Aber zu behaupten, dass die Gründe oder Faktoren meist verborgen bleiben, würde ja fast schon Resignation bedeuten. Ich denke im Gegenteil, dass die entsprechenden Psychologen es in den meisten Fällen schon einigermaßen ergründen können. :?

Deswegen schrieb ich ja auch:Für uns!(die wir keine ?Psychologen sind)

Aurora

Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Aurora » 1. Mai 2008 23:18

Sabine hat geschrieben:Hier versuchen zu wollen die Psyche potentieller Täter zu ergründen ist müßig.
Mein Onkel war Psychologe und hat sein halbes Leben damit verbracht.
Was tatsächlich auslösende Faktoren für ein solches Verhalten sind,bleibt uns doch wohl eher meistens verborgen.

Ich denke genauso. Weshalb und warum müssen die Gerichte letztendlich entscheiden, da würde ich mich nicht festlegen wollen, ob tatsächlich passiert oder iniziiert, die Spanne ist sooooo breit.
Aber die Begründung der "schweren Kindheit" als Entschuldigung bekomme ich dennoch nicht in den Kopf. Tut mir leid.
Als Christ bin ich wirklich bemüht, viel Verständnis aufzubringen, aber irgendwo/wann endet es....

Storstadstjej

Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Storstadstjej » 2. Mai 2008 13:33

Oh mann, hier ist ja immer noch Schubladendenken angesagt, wie zuvor...
Nochmals klargestellt: Wenn ich mich halbbesinnungslos trinke und anschlissend ETWAS passiert (ob man nun seine Geldbörse verliert, in eine Schlägerei gerät oder eben körperlich Ausnutzt wird) ist es schlicht und ergreifend eine KONSEQUENZ! Da ÄNDERT sich wenig daran, dass es einen Täter gibt und die Schuld hat, die seelische Wunde wird nicht heil, weil der Täter seine Strafe absitzen muss. Schon mal darüber nachgedacht, dass es keine schöne Frage an sich selbt ist, so im Stillen, NACH der Tat - "hätte ich mich doch nicht so aufreizend angezogen".

Selbstredend kann man sich nicht vor allem schützen, aber sich direkt in die Gefahr begeben? Nur weil man es kann, den kürzesten Rock anziehen? Nur weil man es kann, sich aufreizend verhalten? Wer's braucht, bitteschön - im sicheren Rahmen, in Begleitung vertrauenswürdiger Menschen!
Oder lasst ihr Eure Kinder halbnackt Abends in der Stadt spazieren? Lasst Eure Wohnungstür offen und legt die Wertsachen für den Dieb bereit?
Zuletzt geändert von Storstadstjej am 2. Mai 2008 13:52, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Sápmi » 2. Mai 2008 13:52

Storstadstjej hat geschrieben:aber sich in die Gefahr begeben? Oder lasst ihr Eure Kinder halbnackt Abends in der Stadt spazieren? Lasst Eure Wohnungstür offen und legt die Wertsachen für den Dieb bereit?


Über dieses Stadium sind mittlerweile, glaub ich, alle Beteiligten der Diskussion hinaus (nach so vielen Seiten, eigentlich stand das ja vom Anfang an nicht zur Debatte). :wink: Dass man sich nicht leichtsinnig in die Gefahr, die von Verbrechern (welcher Art auch immer) ausgeht, begeben sollte, ist klar. Denn was nützt es einem hinterher, dass der andere Schuld ist... Speziell im Falle einer Vergewaltigung wohl eher wenig...
"Keiner, der nur einen Sommer Lapplands Sonne trank, kann anderswo glücklich sein."

(aus A.O. Schwede: Lars Levi Laestadius - Der Lappenprophet)

helden

Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon helden » 4. Mai 2008 21:17

Hallo an alle,

wir stiegen bzw. steigen nun aus.

Es ist nun sicher von jeder Wertehaltung geschrieben und diskutiert worden.

Es ist immer wieder überraschend, wie die Meinung und Werte auf ein treffen.

Danke für diesen tiefen Einblick.

Schöne Grüße

Zdenek und Rita

Aurora

Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Aurora » 4. Mai 2008 21:45

Fanny, ich traue mich wieder.
Fanny hat geschrieben:ich bin anfangs der 70-ger , da war ich 18 oder 19 auch mit Minirock, Plateausohen und knappen T-Shirt aus dem Haus gegegangen, wie alle in der Stadt.
Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass mich einer überfällt. Hat auch keiner gemacht, allerdings hatte ich auch schon meinen Schatz zu Seite.
Man hat sich so gekleidet, weil es in war, es war ganz normal.
Somit hatte es auch nichts wirklich aufreizendes, da es alle trugen.
Und so ist es doch heute auch. Egal, ob es passt oder nicht, es ist Standard, wer sich anders kleidet fällt auf.
Darin den Auslöser zu Gewalttaten zu sehen ist einfach falsch.
Das kann es nicht sein!


Kann dem einfach nicht widersprechen. So wie du es darstellst, habe ich es auch erlebt, vielleicht 5 Jahre später, aber da war es auch noch so, wie du es beschreibst.Die Kleidung kann es nicht sein, Schuld zu sein.

Storstadstjej_11

Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Storstadstjej_11 » 5. Mai 2008 12:49

Fanny hat geschrieben:ich bin anfangs der 70-ger , da war ich 18 oder 19 auch mit Minirock, Plateausohen und knappen T-Shirt aus dem Haus gegegangen, wie alle in der Stadt.
Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass mich einer überfällt. Hat auch keiner gemacht, allerdings hatte ich auch schon meinen Schatz zu Seite.


Überfallen wurden Mädels auch in den 70ern, nur hat man es einfach nicht 10 Minuten nach der Entdeckung in der Onlineausgabe der Zeitung lesen können - das ist erstens.
Und zweitens, sagst Du ja selbst, Dein Schatz war dabei, wobei es wiederum eine ganz andere Situation ist! Es ist ein verda... Unterschied, ob man für seine Sicherheit vorsorgt (mit verlässlichen Personen unterwegs ist, abends vielleicht die beleuchtete Strasse nimmt, anstatt den Waldweg usw usf). Das ist doch gerade das, wovon ich spreche!
Der AUFMERKSAME Leser hat aber wahrscheinlich schon festgestellt, dass ich mit keinem Satz den/die Täter von Schuld freigesprochen habe. Blöd nur, dass man die Konsequenzen selbst als Opfer tragen muss.


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