„Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

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Hans

Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Hans » 30. April 2008 12:09

Schamlos ist schamlos

Nun habe ich die Fragen der Untersuchung nicht gesehen.
Die Schlussfolgerungen auch nicht.

Dass den Opfern Schuld zugeschrieben wird ist schamlos.
Egal welche sg. Untersuchungen gemacht wurden.
Kommt auch an wie man fragt.
Gr¨sst
H :smt006 ans

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floweh
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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon floweh » 30. April 2008 12:21

Sápmi hat geschrieben:... aber die Aussage, Gewaltneigungen auf ein normales Sexualverlangen zu VERRINGERN, klingt so, als würde diese Störung auf einem gesunden Sexualtrieb basieren (der ja aber hier überhaupt nicht vorhanden ist) und ist genauso absurd....


und hier irrst du leider! ich lese aus dieser aussage heraus, dass du noch nie eine gesprächs- und oder verhaltenstherapie bei einem psychologen gemacht hast. dann lass dir von jemandem mit erfahrung sagen: man kann auch und gerade sexuelle neigungen sehr wohl eindämmen indem man damit offen umgehen kann und einen platz findet wo man offen darüber diskutieren kann und versuchen lösungen zu finden, ohne verurteilt zu werden oder sich schämen zu müssen.
ich sage nicht, dass jeder sexualstraftäter oder potentielle solche mit einer therapie "kuriert" werden kann, wie sich das einige hier sicher wünschen, aber man kann ihm die kontrolle über diesen trieb zurückgeben und ihm damit eine möglichkeit schaffen, sich und seinen für ihn/sie NORMALEN sexualtrieb auszuleben ohne dass andere menschen darunter leiden müssen.

es ist schade, dass offensichtlich sexualität in ihren verschiedenen formen auch ein grosses tabu zu sein scheint, denn sonst wüsstest du, dass unterschiedliche menschen unterschiedliche triebe haben und für jeden etwas anderes normal ist! für manche wie mich ist es normal mit einem menschen des eigenen geschlechts sex zu haben, andere finden dass bereits pervers...für einige ist es normal mit seinem partner in clubs zu gehen und, wenn ich das mal so platt sagen darf: dort freizuvögeln wie und mit wem man will, andere sehen sex als höchsten ausdruck der gefühle unter zwei menschen an und finden das sollte etwas heiliges und privates sein. wieder andere empfinden es als normalität sich anketten zu lassen und auszupeitschen oder umgekehrt jemanden festzuketten, etc und ein grossteil unserer gesellschaft empfindet auch das als perversion und kann nicht verstehen wie man dabei lust gewinnt.
nun muss ich dir und allen anderen sagen, dass für einen vergewaltiger, dieses nicht zu bremsende verlangen nach macht bei der ausübung des geschlechtsaktes ebenfalls etwas völlig normales und anregendes ist, und daher sieht er es nciht als perversion oder seltsam an, wie gesagt jeder hat eine eigene form der normalität. darüber hinaus gibt unsere gesellschaft selbstverständlich regeln vor, in form von gesetzen, die man ohne jeden zweifel nicht überschreiten darf! dessen ist sich sicher auch ein vergewaltiger bewusst! und vermutlich gibt es viele potentielle vergewaltiger, die versuchen sich im zaum zu halten und möglicherweise sogar einige die eine therapie aufgesucht haben und es geschafft haben ein ventil für ihren trieb zu finden, das mit unseren normen und regeln konform ist.

aber solange wir uns weigern sachlich und in aller öffentlichkeit aus all diesen tabus offene und normale themen zu machen und menschen zwingen sich zu verstecken - opfer wie auch täter - solange wird es immer wieder solche übergriffe geben, weil es keine möglichkeit gibt sich hilfe zu suchen nachdem man vergewaltigt wurde oder wenn man solche phantasien hat, ohne dass menschen die nase rümpfen und einen verächtlich betrachten und man das gefühl hat sich schämen zu müssen!

ich hoffe DAS ist jetzt endlich mal so angekommen, wie ich es gemeint hab...wenn nicht nehmt euch die zeit es so lange zu lesen bis es alle verstanden haben! und wenn noch unklarheiten bestehen bleiben könnt ihr euch gerne mal privat bei mir melden, dann erläutere ich es gerne bei ner tasse kaffe!
(und damit jetzt nicht irgendwelche gerüchte rumgehen, ja: ich hab mal eine therapie gemacht, nein: nicht weil ich vergewaltigt wurde, oder phantasien hatte jemandem dieses anzutun!)

nysn

Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon nysn » 30. April 2008 12:29

Nehmen wir mal die Statistik, derzufolge jede dritte Frau (bei Männern bin ich grad nicht im Bilde) schon einmal Opfer einer derartigen Gewalt geworden ist.


Wenn das dann wirklich so viele sind und auch noch die überwiegende Mehrheit der "Schweden" der Meinung wären, die Frauen/Mädchen wären "selbst schuld", dann wäre es doch DRINGEND ERFORDERLICH auch über die Ursachen für diese Gewaltbereitschaft nachzudenken - oder täusche ich mich da?

Zur Vermeidung/Vorbeugung würde doch dann sicherlich auch eine gewisse "Prävention" der "möglichen Opfer" beitragen können - warum also nicht an einem "Valborg"-Wochenende seine Kinder auffordern, sich evtl. etwas weniger "sexy" anzuziehen (wenn es Mädchen sind), keinen Alkohol zu trinken und keine Drogen zu probieren. Und die Eltern könnten doch auch eine gewisse Vorbildfunktion einnehmen.

Das halte ich zumindest nicht für "schamlos" auf mögliche Gefahren hinzuweisen und versuchen, diese soweit wie es eben möglich ist, zu umgehen.

Selbstverständlich gibt es KEINE ENTSCHULDIGUNG für Gewalttäter - aber mit "Verurteilung" ist es ja auch nicht getan - jedes Übel hat doch eine Wurzel, wo man m. E. ansetzen muss.

S-nina

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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon trollebjär » 30. April 2008 12:35

Zschirli hat geschrieben:eigentlich sagt die Statistik, dass jedes dritte Mädchen Opfer sexueller Gewalt ist. Deren Extremform die Vergewaltigung ist. Das war aber auch schon vor drei oder vier Jahren. Das hört sich nicht nur viel an - es IST viel. Und diese Info beziehe ich nicht aus dem Nirgendwo, sondern aus Jahr- und Handbuechern, die Sozialarbeitern und Sozialpädagogen in die Hand gegeben werden, die sich damit beschäftigen muessen. Ich habe selber eine Weile da gearbeitet (Strassensozialarbeit). Schon deshalb finde ich einige Ansichten hier befremdlich.


Das ist ja erschreckend! Wie Du schon gesagt hast- das würde ja bedeuten dass fast jedes Mädchen/Frau sexuelle Gewalt erlebt hat! Hätte nie gedacht, dass das SO verbreitet sei. Und offensichtlich werden die Straftaten ja nicht zur Anzeige gebracht (oder werden nicht strafrechtlich verfolgt). Ich habe gemeint, dass es nur eine kleine (wenn auch substanzielle) Gruppe von Männern ist, die solche Taten ausführt, und das viele von denen auch Wiederholungstäter sind. Das kann dann ja nicht mehr stimmen. Wieviele Männer machen sich einer solchen Tat schuldig, gibt es da Statistiken (und Hochrechnungen für die Dunkelziffer)?

Ich verspreche auch hoch und heilig dass ich mich mit meinen Jungs hinsetzen werde um ihnen zu erklären, was der "richtige Umgang" mit Wesen des anderen Geschlechts ist (hört sich grausam an, aber eine bessere Formulierung fällt mir nicht ein!) Eltern haben da auch Verantwortung, oder?
M

Zschirli

Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Zschirli » 30. April 2008 12:50

Ja richtig, trollebär, Aufklärung ist wichtig. Genauso wie das Vermitteln bestimmter Kompetenzen. Selbstwert, Selbstbewusstsein und das Vermögen, laut zu schreien, wenn man sich bedroht fuehlt oder in Gefahr sieht. Und das (glaube mir) können die wenigsten. Selbstverteidigungskurse (Judo usw.) sind auch zu empfehlen - gerade in der heutigen Zeit.
Meine Kinder duerfen laut schreien und sie duerfen auch zurueckschlagen, wenn ihnen jemand weh tut. Sie können und sollen sich wehren - auch wenn das gelegentlich Geschwisterpruegeleien zur Folge hat.
Bei der aktuellen Täterstatistik bin ich jetzt nicht im Bilde, lese aber gerne nochmal nach, wenns interessiert. Im uebrigen finden die meissten Uebergriffe nicht auf Partys oder Festen oder so statt, sondern im engeren Familienkreis. Sprich: Täter sind ganz oft Väter, Stiefväter, Onkel (aber auch Tanten, Muetter). Und Alkohol ist nur selten im Spiel, genauso wie aufreizende Kleidung. Und darum geht es auch nicht. Hier geht es um das Demonstrieren und Ausueben von Macht - da spielt die Kleidung des Opfers keine Rolle.

nysn

Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon nysn » 30. April 2008 13:05

Bei der aktuellen Täterstatistik bin ich jetzt nicht im Bilde, lese aber gerne nochmal nach, wenns interessiert. Im uebrigen finden die meissten Uebergriffe nicht auf Partys oder Festen oder so statt, sondern im engeren Familienkreis. Sprich: Täter sind ganz oft Väter, Stiefväter, Onkel (aber auch Tanten, Muetter). Und Alkohol ist nur selten im Spiel, genauso wie aufreizende Kleidung. Und darum geht es auch nicht. Hier geht es um das Demonstrieren und Ausueben von Macht - da spielt die Kleidung des Opfers keine Rolle.


Das wurde den Befragten in der Ammesty-Untersuchung wohl nicht in dieser Form deutlich gesagt - hoffe ich jedenfalls. Sonst hätten doch nicht so viele (jeder Fünfte) geantwortet, man/frau wäre selbst schuld.

S-nina

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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon janaquinn » 30. April 2008 13:11

Hier einige interessante Links:
http://www.stadt-koeln.de/stadtinitiati ... kel/07064/
http://www.notruf.wtal.de/html/mythen.htm
Bei Bewaffneten Tätern wird ausdrücklich vor Gegewehr gewarnt, da Gefahr für das Leben besteht.

JANA
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Zschirli

Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Zschirli » 30. April 2008 13:12

@ s-nina: Sicher wäre ich mir da aber nicht ... es gibt tatsächlich die merkwuerdigsten Ansichten. :?

Jana: danke!

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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon trollebjär » 30. April 2008 13:19

Zschirli hat geschrieben:Bei der aktuellen Täterstatistik bin ich jetzt nicht im Bilde, lese aber gerne nochmal nach, wenns interessiert. Im uebrigen finden die meissten Uebergriffe nicht auf Partys oder Festen oder so statt, sondern im engeren Familienkreis.


Es interessiert!
Danke für weitere Infos!

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Re: „Selbst schuld“: Schweden zu Vergewaltigungen befragt

Beitragvon Sápmi » 30. April 2008 13:28

S-nina hat geschrieben:Hej Hans,
du wirst doch jetzt nicht sagen wollen, jeder fünfte deiner Landsleute wäre also "schamlos"?

Das wäre doch genau die Schlussfolgerung, die ich dann aus dieser Umfrage ziehen müsste?



Schamlos ist wohl nicht das richtige Wort, eher respektlos, menschenverachtend.

So würde dann die Schlussfolgerung aus der Umfrage lauten, wenn bei dieser jeder einzelne Bürger befragt worden wäre, ja.
"Keiner, der nur einen Sommer Lapplands Sonne trank, kann anderswo glücklich sein."
(aus A.O. Schwede: Lars Levi Laestadius - Der Lappenprophet)


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