Schwedischer Alltag und Sitten

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Flotschi
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Schwedischer Alltag und Sitten

Beitragvon Flotschi » 20. März 2008 10:22

HI an alle

Ich muss in einem Monat eine Präsentation über Schweden halten und soll mich dabei konzentrieren auf Bräuche, Alltag, Feste, Sitten, Typisch Schwedisches, Schwedisches Essen!

Zum Teil finde ich ein paar Infos im Internet, vorallem zu den Festen gibt es einiges, aber zu Alltagssitten (Begrüßung, Benehmen am Tisch, etc.) finde ich rein gar nichts. War auch schon in der einen oder anderen Buchhandlung, aber dort gibts auch kein Buch wo sowas drin steht.

Hoffe nun hier Hilfe zu finden.
Genau Infos würde ich zu den folgenden Punkten brauchen bzw. Links wo man wirklich was nachlesen kann dazu.

- Begrüßungen (freundschaftlich, familiär und formell/geschäftlich)

- Verhalten beim Essen (mit Familie, bei Geschäftsessen)

- Generelles Verhalten im Geschäftsleben

- Essgewohnheiten (Uhrzeit, wieviele Mahlzeiten, was wird gegessen)

- Typisches Schwedisches Essen

- Schulsystem

- Alltags Sitten (was schweden halt so machen *g*)


Ich hoffe íhr könnt mir helfen. Wenn ihr Links habt machts nichts wenn die auf Englisch sind, da die Präs. sowieso auf Englisch sein muss.

Danke jetzt schon mal.

Lg Flo

nysn

Re: Schwedischer Alltag und Sitten

Beitragvon nysn » 20. März 2008 10:33

Hier ein Link zum Geschäftsleben - ein Vergleich Schweden-Deutschland in einem Artikel im Handelsblatt.

http://www.handelsblatt.com/News/Karrie ... fchen.html

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Imrhien
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Re: Schwedischer Alltag und Sitten

Beitragvon Imrhien » 20. März 2008 11:02

Hallo,
ich versuche mal so gut ich es kann zu helfen. Andere werden es ergänzen und sicher noch viel mehr Infos haben.
Alles was ich schreibe bezieht sich auf das Västmanland, denn da lebe ich. Ich kann nicht sagen wie es in anderen Teilen Schwedens so ist. Denn da ist Schweden wie Deutschland. Es ist im Norden anders als im Süden und in den Städten sowieso.
Ich fang einfach mal an, schau was Dir was bringt.

- Begrüßungen (freundschaftlich, familiär und formell/geschäftlich)

Also die ist informell. Man redet sich mit Du und Vornamen an. Selbst beim Arzt oder bei Ämtern stellen sich die meisten mit dem Vornamen vor. In der Schule und im Kindergarten kennt man Lehrer auch oft nur beim Vornamen. Also selbst die Eltern wissen nicht unbedingt wie die Erzieherin heisst. Das gilt auch im Geschäft so. Der Chef wird genauso geduzt wie eben der Kollege.
Man sagt hej, für hallo. Aber mittlerweile scheinen sich umgangsprachliche Formen durchzusetzen. tjena oder einfach läget.
Läget ist quasi so Lage im Deutschen. Also, "wie ist die Lage" verkürzt auf Lage. Ich persönlich finde das nicht so schön, ist aber Geschmackssache. Ich bleibe beim hej hej.

- Verhalten beim Essen (mit Familie, bei Geschäftsessen)
Die Schweden gehen, zumindest hier in der Gegend, sehr oft essen. Es ist der lunch. Man geht mit Kollegen in die Stadt zum Mittagstisch. Das ist hier sehr beliebt. Dabei wird auch wieder kein Unterschied gemacht ob Kollege oder Chef oder in meinem Fall, die Frau des Kollegen mitkommt. Das Essen ist dann einfach, man kann aus 2-3 Gerichten wählen. Hinterher geht einer für alle Kaffee holen. Beim Essen ist es so, dass niemand wartet bis alle haben. Jeder fängt sofort an wenn sein Essen kommt. Man sagt auch nicht unbedingt "Guten Appettit". Ist man irgendwo eingeladen, oder daheim, sollte man aber hinterher danke sagen. Tack för matet. Das ist ein Dank an den Koch, die Gastgeber.
Ausserdem sollte man sich hinterher, ein paar Tage später nocheinmal bedanken. Ist mir wirklich schon aufgefallen...
Man sagt dann Tack för senast, soviel wie Danke für neulich.

- Generelles Verhalten im Geschäftsleben
Da kann ich nur aus zweiter Hand erzählen, von meinem Mann. Alle sind sehr freundlich und entspannt. Mit ihm wird sehr viel englisch geredet, selbst wenn er darum bittet es nicht zu tun. Nur ein paar haben es sich gemerkt und reden wirklich schwedisch. Sie Arbeit ist in diesem Fall sehr entspannt. Man macht seine Arbeit, sicherlich. Aber es gibt eben auch gemeinsame Kaffeepausen, fikas. Die sind in Schweden sehr wichtig. Und es sagte mal eine Schwedin zu mir, dass der Arbeitgeber, der diese verbieten würde, oder nicht als Arbeitszeit rechnen wolle, sich nicht mehr auf die Strasse trauen dürfe. Das gäbe einen Protest. Obs stimmt weiss ich nicht. Aber alle die ich kenne machen fika. In der Arbeitszeit.
Ach ja, in der Firma und in vielen in dieser Gegend, gibt es kostenlos Obst von der Firma. Damit die Angestellten gesünder leben. Aus dem gleichen Grund zahlen viele Firmen Sport. Man kann entweder Geld bekommen für eine Mitgliedschaft im Verein oder Studio. Oder hier gibt es auch Firmen die erlauben, dass man stattdessen eine Stunde frei macht in der Woche und läuft.

- Essgewohnheiten (Uhrzeit, wieviele Mahlzeiten, was wird gegessen)
Um 12 zum Lunch. Kinder essen alle ab dem ersten Jahr, wenn sie denn dann schon in die dagis/förskola (Kindergarten) gehen, dort. Dort gibt es Frühstück, Mittagessen und Mellanmal, so ein kleines Nachmittagsessen.
Das gibt es auch in der öppna förskola (Art krabbelgruppe). Das heisst, es gibt Knäckebrot, Brot und so waffelartiges Brot und Butter (gesalzen) mit Käse. Meist noch Tubenkäse oder Fischcreme.
Daheim wird dann gemeinsam erst abends gegessen. Bei uns kalt, da alle schon tagsüber was hatten.
Sie trinken gerne Kaffee. Es gibt nur wenige Teetrinker.

- Typisches Schwedisches Essen
Geh zu Ikea :) Da gibts alles, oder sagen wir fast alles. :)
Köttbullar, Kanelbullar (Zimtschnecken), Jansons frestelse... da müssen andere mal mehr schreiben. Oder google mal danach.
Sie essen jedenfalls viel Fisch hier. Und viel Süßkram. Brot ist süß. Butter salzig... soviel dazu :)

- Schulsystem
Kann nur bis zur Förskola berichten. Die Kinder können hier ab dem ersten Lebensjahr geregelt in den Kindergarten. Die Kosten sind wohl von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Aber in dem Geld ist alles drin. Auch das Essen. Und es spielt keine Rolle wie lange das Kind geht. Ich meine, es kostet gleich viel. Zu Beginn, wenn man daheim ist, nicht arbeitet und/oder noch ein Geschwisterkind daheim ist, dann hat man einen Anspruch auf 20 Betreuungsstunden in der Woche. Das ist quasi ein Halbtagsplatz. Man kann aber mehr bekommen, wenn es nötig ist. Also, wenn man arbeitet, studiert oder sowas. Ich kann derzeit mit den Erzieherinnen frei absprechen wie lange die Kinder kommen. Geöffnet ist nicht überall gleich aber bei uns ist das von morgens halb 8 bis fünf am Nachmittag. In der Stadt gibt es eine Nachtbetreuung für Eltern die im Schichtdienst arbeiten. Hier bei uns gehen die bei fast jedem Wetter raus und spielen im Dreck :) Drinnen machen sie sehr viele Angebote und die Kinder "arbeiten" richtig. Es werden unheimlich viele Fotos gemacht. Keine Ahnung ob das normal ist. Hier jedenfalls wird alles dokumentiert und die Eltern können sehen was die Kinder so gemacht haben. Die Bilder bekommt man am Ende, wenn die Kinder die Förskola verlassen. Im letzten Jahr gehen die Kinder in die 0. Schulklasse, das ist die Vorschule. Danach weiss ich es selber noch nicht... kommt erst :)
Bei uns ist die Förderung der Kinder sehr gut. Ausländische Kinder werden sehr gut integriert und man achtet darauf, dass sie die Sprache lernen. Ach andere Kinder mit Sprachschwierigkeiten werden speziell gefördert. Es gibt regelmässig, zweimal im Jahr Entwicklingsgespräche (ich glaube utvecklingssamtal) mit den Eltern. Soweit ich weiss, ist das normal in Schweden. Hier hat der Kindergarten auch keine Ferienzeiten. Bis auf die Feiertage, die ja eh zu sind, ist er nur 2 mal im Jahr geschlossen.

- Alltags Sitten (was schweden halt so machen *g*)
Hm, die die ich kenne, machen nicht viel jetzt zu der Jahreszeit aber sonst.... Sie treiben viel Sport und unternehmen viel mit der Familie. Da aber noch Winter ist, bzw. es erst langsam warm wird, sieht man nicht sooo viele auf der Strasse :) Ich glaube das sind Sommermenschen... da kommen sie dann aus den Häusern. Wenn es richtig vereist ist, ist aber das laufen auf dem Eis sehr beliebt. Dabei machen sie richtig lange Strecken auch mit anderen Schuhen. Extra lange Kuven für Langlauf auf dem Eis. Sie spielen auch gerne Bandi und Innebandi. Wie immer, alles für unsere Gegend. Bandi ist die ältere Form von Hockey, bzw. Eishockey. Genau kenne ich den Unterschied aber nicht. Findet sich aber im internet.

Achja, mir ist aufgefallen, dass man nichts sagt, wenn jemand niesst.
Oder ist das wieder typisch für die Västmanläänder?

Wenn Du noch googln willst. Schau mal zu den Begriffen:
midsommar, lucia, påsk (ostern), Schulabschluss


So, ich hoffe das hilft ein wenig. Sicher werden andere noch viel mehr Infos haben.
Viel Glück mit der Präsentation.
Wiebke

Hans

Re: Schwedischer Alltag und Sitten

Beitragvon Hans » 20. März 2008 11:24

Hallo
Hier ein Link auf deutsch.
Gruss
Hans
http://www.sweden.se/templates/cs/Commo ... 11940.aspx

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Re: Schwedischer Alltag und Sitten

Beitragvon Aelve » 20. März 2008 11:38

Hej Flo!

Die Aufzählung von Wiebke ist ja sehr umfassend und enthält bereits viele schwedische Gewohnheiten. Mir fällt noch ein, dass die Schweden sich die Schuhe ausziehen, wenn sie zu Besuch kommen. Es ist üblich, dass man nicht mit Schuhen das Haus betritt.
Dann ist mir aufgefallen, dass die Schweden im Frühjahr, Sommer und Herbst ausgiebig ihre Rasen mähen. Es sieht immer wie geleckt aus in den Gärten, wahrscheinlich freuen sich die Schweden, wenn sie schöne Rasenflächen haben.
Zu Johnsons Frestele kann ich etwas sagen, da wir es kürzlich in einer Deutsch-Schwedischen Familie vorgesetzt bekamen. Es besteht aus Anschofis, Ziwebeln und geschnittenen Kartoffeln, wird wie ein Auflauf zubereitet und schmeckt recht gut.
Dann gibt es ja noch Sachen, die man zu bestimmten Zeiten ißt:
Krebsessen im August, Semlor (Sahnekuchen) vor der Fastenzeit, Julschinken zu Weihnachten. Bekannt sind ja auch die Smörgasbrote, die sehr gut belegt sind. Zu Feiertagen wird oftmals eine Smörgstorta gefertigt, aus Brot, Aufschnitt, Krabben, Tomaten, Gurken usw., aus diversen Zutaten wird eine oberleckere Torte erstellt.
Die Schweden angeln gerne, verleben viele Ferien in ihren Sommerhäusern am See, fahren gerne Boot.
Diese Dinge fielen mir noch spontan zu der Frage ein.
Grüße Aelve :flagge:
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

nysn

Re: Schwedischer Alltag und Sitten

Beitragvon nysn » 20. März 2008 11:47

Wenn man nießt sagt man: "Prosit" :D

Das ist kein Witz - soll heißen "Gesundheit"!

:D

Ach ja, Schuhe ausziehen, das macht man eigentlich überall - privat oder wenn man irgendwohin zu Besuch kommt. Außer, es ist ein feineres Fest - da bringt man dann seine "besseren Schuhe" mit - würde etwas komisch aussehen im Anzug/Kleid und ohne Schuhe.

S-nina

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Re: Schwedischer Alltag und Sitten

Beitragvon Imrhien » 20. März 2008 12:12

Stimmt das mit den Schuhen hatte ich schon vergessen, hab mich so dran gewöhnt in der kurzen Zeit. Mir ist nur aufgefallen, dass man es sogar teilweise beim Arzt macht. Da gibts dann auch diese Schutzfolien, diese blauen, falls man die Schuhe anlassen will. Das fand ich am Anfang merkwürdig. Aber bei dem Matsch da draussen find ich es dann doch gut.

Liebe Grüße
WIebke

und das mit dem Prosit höre ich nicht oft und wenn nur bei Kindern... dachte es sei ein Scherz. :)

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Re: Schwedischer Alltag und Sitten

Beitragvon Mark » 20. März 2008 13:39

Hej Flo!

Ich kann zu dem was die anderen geschrieben haben noch hinzufuegen: Wenn man einen Kuchen mitbringt dann niemals in Stueckchen aufschneiden, sieht zwar unfreundlich aus wenn der Kuchen ungeschnitten mit einem Messer irgendwo rumsteht aber so ist es schwedischer Brauch. In Schweden schneidet sich jeder selbst so viel ab wie er moechte. Es muessen dann keine halben Stueckchen geteilt und getauscht werden ("och ist das gross das kann ich ja gaaar nicht essen will jemand ein halbes?", jeder bekommt was er moechte. Ich hab das erst mal ein Jahr falsch gemacht bis mich mal ein guter Kollege zur Seite genommen hat und mir die schwedische Art erklaert hat. Wenn man bei der Arbeit gemeinsam Kaffetrinken geht (Fika), dann fragt man auch alle seine Kollegen bei der Arbeit ob sie mitgehen und nicht nur die die man mag. ;)

Ansonsten liegt man nie falsch wenn man sich in Schweden fuer etwas mehr als einmal bedankt und andere nach ihrer Meinung fragt. Siehe auch hier im Forum.

/Mark

Hier noch ein paar passende Links:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kanelbulle
http://sv.wikipedia.org/wiki/Prinsesst%C3%A5rta (Schwedisch)
http://en.wikipedia.org/wiki/Fika (Englisch)

tilmann

Re: Schwedischer Alltag und Sitten

Beitragvon tilmann » 20. März 2008 17:35

Hej!
Wenn Du noch Bücher suchst:

Dorothée Simon, Dilek Yaras: "Lagom svenskt"

Marie Bengts, Uli Bruno, Silvia Nilson-Puccio: "Den svenska koden : [bra
att veta för nya och gamla svenskar]"

Jonas Frykman, Orvar Löfgren (red.): "Svenska vanor och ovanor"

Ein online zugängliches PDF: Sweden a pocket guide -- Facts, figures and advice for new residents
http://www.mkc.botkyrka.se/biblioteket/ ... gelska.pdf

Kurz, aber auch online: Why the Swedes act the way they do http://www.expatsinsweden.com/eis/. ... ture.shtml

Vielleicht auch einen Blick wert: "Schweden. Eine Nachbarschaftskunde" von Agnes Bührig, Alexander Budde (http://www.amazon.de/Schweden-Eine-Nach ... 3861534290)

Tilmann

Volker
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Beiträge: 708
Registriert: 27. Februar 2007 19:43

Re: Schwedischer Alltag und Sitten

Beitragvon Volker » 12. April 2008 17:21

Hallo zusammen,

zu den Tischsitten: Die Gabel wird umgedreht gehalten, auch wenn man Erbsen isst, was dann unmöglich ist. Halten tut sich aber kaum jemand mehr daran. Ansonsten werden Tischsitten so wenig beachtet wie in Deutschland und sind damit in internationaler Gesellschaft. Lautes Schmatzen und Essen mit offenem Mund wäre ein Tabu in Deutschland. In Schweden wird es nicht gerne gehört und gesehen aber man toleriert es. Jedenfalls sagt niemand was. Essen mit aufgestützten Ellenbogen und wildes Gestikulieren mit Messer und Gabel in der Hand würde ich allerdings auch in Schweden nicht empfehlen. Manche stören sich halt daran.

Wenn Kuchen oder Torte serviert wird, sollte man nur schmale Streifen abschneiden und nicht gleich ein ganzes Achtel wie in Deutschland nehmen.

Ansonsten dient das Essen hauptsächlich zur Nahrungsaufnahme. Man geht lieber in der Mittagspause ins Restaurant, weil man da einfach keine Zeit zum Kochen hat. Abends geht man kaum zum Essen aus. Recht teuer ist es zudem noch. Selbstbedienung ist die Regel und Trinkgeld gibt man eher selten. Vielen Schweden der älteren Generation mit Folkhem-Tradition wäre es fast schon peinlich, sich bedienen zu lassen. An Feiertagen, wie Weihnachten und Ostern, haben viele Restaurants zu.

Zum schwedischen Essen darf der Hinweis auf http://de.wikipedia.org/wiki/Surstr%C3%B6mming nicht fehlen, obwohl hier die Schweden sehr geteilter Meinung sind. Die traditionlle schwedische Küche basiert auf Kartoffeln, Milchprodukten, Fleisch und Fisch. Mayonaise wird reichlich verwendet und man sollte deshalb ein robustes Verdauungssystem mitbringen. Nudelgerichte kamen erst später hinzu. Teigwaren werden immer als "Pasta" tituliert, selbst wenn es sich um Spätzle handelt.

Pizza, Döner und Hamburger sind inzwischen auch typische, schwedische Mahlzeiten geworden. Im Laufe der Jahre ist mir aufgefallen, dass die Gastronomie Schwedens besonders in den Großstädten sich immer mehr dem Kontinent anpasst.


Zur Kleidung: Auch im Büro sind Freizeitkleidung, Jeans und Turnsschuhe angemessen, selbst wenn Kunden kommen oder beim Vorstellungsgespräch, da wäre ein Anzug oder das Damenkostym sogar von Nachteil. Mal sollte aber nicht gerade im Trainingsanzug aufkreuzen. Wenn man Abends mal ausgeht, dann macht man sich fein und erscheint mit Anzug und Krawatte. Also genau umgekehrt wie in Deutschland.


Krankheit: Und niemals mit einer mittelschweren Erkältung zur Arbeit erscheinen. Da bekommt man gleich einen "Rüffel" vom Chef. Wer krank ist, bleibt daheim und soll nicht noch andere anstecken, auch in der Probezeit. Der erste Krankheitstag wird ja nicht bezahlt. Und dann nur noch 80% Lohnfortzahlung.

Es muss einfach alles praktisch, bequem und rationell sein. Nur kein überflüssiger Stress. Spontanität erzeugt auch Stress, deshalb immer "Zeit buchen", also einen Termin ausmachen.

Geschäftliche Besprechungen: Geschehen sehr oft und da wird dann tatsächlich gemeinsam an einer Lösung gearbeitet. Viele werden mit einbezogen. Als Vorbereitung reicht ein Notizzettel. In Deutschland habe ich den Eindruck, dass einige mit einer perfekt ausgearbeiteten PowerPointPräsentation auftrumpfen. Alle nicken dann beeindruckt mit dem Kopf, auch wenn´s der größte Blödsinn ist. In Schweden funktioniert das nicht.


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