Schwedische Staatsbürgerschaft annehmen oder nicht?

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unbekannt

Schwedische Staatsbürgerschaft annehmen oder nicht?

Beitragvon unbekannt » 16. April 2008 07:09

Hallo zusammen,

wenn man 5 Jahre am Stück in Schweden gelebt hat, hat man ja bei guter Führung Anrecht auf die schwedische Staatsbürgerschaft. Mehr dazu steht unter

http://www.migrationsverket.se/infomate ... kap_sv.pdf
und http://www.migrationsverket.se

Meine Frage ist, welche Vorteile das bringt, wenn man als EU-Bürger in Schweden seinen Lebensmittelpunkt hat, denn nach 2 Jahren hat man meines Wissens eigentlich dieselben Rechte wie ein Schwede, das permanente Aufenthaltsrecht ( http://sv.wikipedia.org/wiki/Permanent_ ... st%C3%A5nd )und die gleiche soziale Absicherung. Nur darf man nicht bei der Reichstagswahl mitmachen.

Dann sind noch viele weitere Fragen offen. Kann ich meinen deutschen Pass behalten? Welche Vor- und Nachteile hat eine Doppelstaatsbürgerschaft? Was ist, wenn ich vererbe? Welches Recht wird dann angewandt? Wie fühlt man sich, wenn man rechtlich kein Deutsher mehr ist? Kann ich meine deutsche Staatsbürgerschaft wiedererlangen?

Nun habe ich gehört, dass man extra bei der Deutschen Botschaft in Stockholm persönlich vorstellig werden muss, wenn man seinen deutschen Pass verlängern lassen möchte und die Fingerabdrücke abgenommen werden müssen. Da kann es ja für einige tatsächlich bequemer sein sich einen schwedischen Pass zu besorgen.

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Re: Schwedische Staatsbürgerschaft annehmen oder nicht?

Beitragvon janaquinn » 16. April 2008 07:28

Hej Volker,
da wir uns auch für eine Einbürgerung interessieren, habe ich mich darüber schon mal informiert. Es gibt seit 28.08.07 die Möglichkeit 2 Pässe zu haben. Aber nur, wenn man sich in einem EU-Staat oder der Schweiz einbürgern lässt. Ansonsten verliert man die deutsche Staatsbürgerschaft. Man muss auch nicht mehr den Beibehaltungsantrag stellen, vielmehr müsste man jetzt den Verzicht erklären bzw. eine Entlassung aus der deutschen Staatsbürgerschaft beantragen.
Ich setze dir mal den Link rein, dort ist alles genau beschrieben.
Inwiefern es Vor-oder Nachteile bringt die Schwedische Staatsbürgerschaft kann ich leider nicht beurteilen, aber für uns ist es eigentlich beschlossene Sache, dass wir es machen...einfach vom Gefühl her. Die Kinder werden auf jeden Fall eingebürgert, sie haben aber bereits jetzt 2 Staatsbürgerschaften. Sie legen dann einfach nur die deutsche ab und nehmen die schwedische an.Sie sind dann schwedische Amerikaner oder amerikanische Schweden..wie man es eben sehen will.... :lol: :lol:

Hier erstmal der Link:
http://www.bva.bund.de/cln_047/nn_38530 ... __nnn=true
Sorry, er ist sehr lang, aber ich kenne mich der Verkürzung einfach nicht aus. :oops:

LG JANA
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Re: Schwedische Staatsbürgerschaft annehmen oder nicht?

Beitragvon Skogstroll » 16. April 2008 08:01

Mein deutscher Pass läuft in gut einem Jahr ab, und dann muss ich mich tatsächlich in den Flieger setzten und die gut 1000km zur deutschen Botschaft hinter mich legen, um einen neuen Pass zu beantragen, wobei ich bis jetzt nichtmal sicher weiss, ob das mit einem Besuch erledigt ist. Das ist nicht nur lästig, sondern sogar richtig teuer.
Die schwedische Staatsbürgerschaft kann man nach fünf Jahren im Land beantragen, aber meines Wissens gibt es keinerlei Recht darauf. Im Gegenteil, nach dem, was ich bis jetzt gehört habe, ist man mit den Staatsbürgerschaften ziemlich knauserig. Schon die Beantragung der permanenten Aufenthaltsgenehmigung (als es die noch gab) war ein grösserer und ziemlich unangenehmer Akt mit stundenlangen Verhören. Ich erwarte also nicht, dass das reibungsfrei abläuft, obwohl ich es aus den oben erwähnten Gründen durchaus ins Auge fasse, zumindest den Versuch zu unternehmen.

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Re: Schwedische Staatsbürgerschaft annehmen oder nicht?

Beitragvon unbekannt » 16. April 2008 08:30

Hallo,

erst einmal vielen Dank für den Tipp mit der doppelten Staatsbürgerschaft. Stimmt, man hat KEIN Anrecht auf die schwedische Staatsbürgerschaft, sondern man kann sie bekommen:

"11 § En utlänning kan efter ansökan beviljas svenskt
medborgarskap (naturaliseras), om han eller hon har

1. styrkt sin identitet,

2. fyllt arton år,

3. permanent uppehållstillstånd i Sverige,

4. hemvist här i landet

a) sedan två år i fråga om dansk, finländsk, isländsk eller
norsk medborgare,

b) sedan fyra år i fråga om den som är statslös eller att
bedöma som flykting enligt 4 kap. 1 § utlänningslagen
(2005:716),

c) sedan fem år i fråga om övriga utlänningar, och

5. haft och kan förväntas komma att ha ett hederligt
levnadssätt. Lag (2005:722)."

Quelle: http://www.riksdagen.se/webbnav/index.a ... et=2001:82

Weiterhin heißt es in diesem Gesetzestext, dass man als EU-Bürger nicht die permanente Aufenthaltsgenehmigung braucht, sondern das permanente Aufenthaltsrecht. Dieses bekommt man als EU-Bürger nach 5 Jahren automatisch:
http://www.csn.se/2.127/2.307/2.308/2.455/1.856
http://www.regeringen.se/content/1/c6/0 ... 85aa03.pdf

Meines Wissens ist der Klageweg ausgeschlossen, wenn man die Staatsbürgerschaft nicht bekommt.

Beim Eintritt in die FRO (Frivilliga Radio Organisationen, eine Art Katastrophenschutz und Zivilverteidigung, ein Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges, http://www.fro.se/cgi-bin/fro.pl?id=205 ) hatte ich jedenfalls keine Probleme. Die Personnummer reicht. Ich darf ein militärisches Amateurfunkrufzeichen benutzen und Schweden darf ich im Kriegsfall also verteidigen, aber die Staatsbürgerschaft bekomme ich dann vielleicht nicht. Mal sehen.

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Re: Schwedische Staatsbürgerschaft annehmen oder nicht?

Beitragvon Faxälva » 16. April 2008 10:29

...also ich hab die schwedische Staatsbuergerschaft im letzten Jahr beantragt...alle Formulare ausgefuellt, die gewuenschten Originale beigefuegt, die 1500,- kr bezahlt ..und abgeschickt..... nach 3 Wochen bekam ich meinen deutschen Pass zurueck und eine Urkunde mit der Bestätigung, dass ich jetzt schwedischer Staatsbuerger bin... keine Fragen oder andere Unannehmlichkeiten...
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Re: Schwedische Staatsbürgerschaft annehmen oder nicht?

Beitragvon Skogstroll » 16. April 2008 11:08

Das klingt ja gut! Ich weiss von einer Bekannten, die mit einem Schweden verheiratet ist und riesige Probleme hatte, auch nur die permanente Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, weil das migrationsverket prinzipiell eine gemeine Zweckehe zur hinterhältigen Erschleichung derselben vorausgesetzt hat. Das schein ja gottseidank einfacher geworden zu sein.

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Re: Schwedische Staatsbürgerschaft annehmen oder nicht?

Beitragvon helden » 16. April 2008 11:22

Hej, zusammen,

was bringt es eigentlich für Vorteile Schwede zu sein, statt Deutscher?

Ist es bei der Jobsuche relevant?

Ist es steuerlich irgendwie interessant?

Muss dann mein Sohn Wehrdienst in Schweden machen? :smt070 :shock:

Schöne Grüße

Rita

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Re: Schwedische Staatsbürgerschaft annehmen oder nicht?

Beitragvon Faxälva » 16. April 2008 12:10

...Vorteile bringt es wohl keine, ausser dass bei der Ausuebung gewisser Berufe ( wie z.b. Kuestenwacht) die schwedische Staatsbuergerschaft vorausgesetzt wird... muss jeder mit sich selber ausmachen, ob er sie annimmt... wenn dein Sohn die selbige annimmt, muss er damit rechnen gemustert zu werden, aber es werden sehr wenige Burschen dann auch eingezogen, sie haben genug Auswahl mit denen die unbedingt zur Armee wollen....

...keine Ahnung was es steuerlich bringt, wenn ich hier wohne, arbeite und meinen Lebensmittelpunkt habe, zahle ich auch alle geforderten Steuern... fuer mich war es nur eine konsequente Handlung, ich will auf keinen Fall zurueck...also was solls... da nehme ich lieber den ganzen Kuchen und nicht nur die Rosinen...
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Re: Schwedische Staatsbürgerschaft annehmen oder nicht?

Beitragvon Skogstroll » 16. April 2008 12:17

Als einzigen Vorteil sehe ich für mich persönlich die Vereinfachung gewisser Verwaltungsakte wie eben das Beantragen eines Passes. Je nach Maschine bedeutet das für mich jetzt anderthalb bis zwei Flugstunden nach Stockholm, hin und zurück mindestens 2000kr, und da bin ich erst in Arlanda und noch nicht in der Stadt. Schon mit einmal Pass beantragen hat sich die Sache rein finanziell gelohnt.
Sonstige Vorteile? Kaum oder gar nicht. Steuerlich ändert sich nichts, und patriotisch bin ich nicht weiter veranlagt, sehe mich daher nicht so sehr als Deutschen oder Schweden, von daher ist es mir herzlich egal. Also ein rein verwaltungstechnischer Akt.

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Re: Schwedische Staatsbürgerschaft annehmen oder nicht?

Beitragvon Imrhien » 16. April 2008 12:49

Und jetzt wo man die Möglichkeit hat den deutschen Pass zu behalten gibt es einen Nachteil weniger.
Es gibt allerdings Länder wo das nicht geht. Und wenn man dann plötzlich um die eigene Oma zu besuchen ein Visum bräuchte, oder wenn man mit 80 doch Sehnsucht nach der eigenen alten Heimat hat, dann ist das nicht mehr so lustig. Bei uns im SFI wurde die Geschichte erzählt von einer, die ein Besuchervisum für ihr Geburtsland brauchte. Obs stimmt weiss ich natürlich nicht. Es klang aber nicht lustig. In unserem Fall, mit Deutschland ist das ja eh kein Problem :)
Ich weiss aber auch nicht wozu es nötig sein sollte.... Vielleicht wirklich eher eine Gefühlssache (oder des Geldbeutels, wenn man so weit fliegen muss um den Pass zu erneuern)

Grüße
Wiebke


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