Schwedens Schulen in Mathe "deprimierend schlecht"

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svenska-nyheter
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Schwedens Schulen in Mathe "deprimierend schlecht"

Beitragvon svenska-nyheter » 1. Oktober 2009 13:29

Die Staatliche Schulinspektion hat harte Kritik an der Qualität des schwedischen Mathematikunterrichts geäuβert. Viele Lehrer wüssten nicht, was genau sie lehren sollten und was der Lehrplan vorschreibe, heiβt es in einem Bericht nach der Inspektion von insgesamt 23 Schulen.


>>ganzer Artikel

(Mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden)

glada

Re: Schwedens Schulen in Mathe

Beitragvon glada » 1. Oktober 2009 19:11

Heute durfte ich persönlich miterleben, wie ein 20-Jähriger, der vor nicht allzu langer Zeit die Schule verlassen hat, 16+8 mit den Fingern abzählte und dafür gut 30 Sekunden brauchte...

tommy3

Re: Schwedens Schulen in Mathe

Beitragvon tommy3 » 1. Oktober 2009 19:43

kein Einzelfall. Die schwedische Schulbehörde "skolverket" hat selber festgestellt, dass die Leistungen der schwedischen Schule seit den 90er Jahren ständig schlechter geworden sind. Es ist eine einzige Katastrophe. Die Kids sind im internationalen Wettbewerb um die zukünftigen Jobs nicht tauglich.
Hier in der Stadt ist der neueste Zuschuss zur Flora von Gymnasienprogrammen eine Ausbildung zum Stylisten. Dort unterrichten abgehalfterte Friseure/innen die hoffnungsvollen Teenies im Haareschneiden und Schminken. Genau das, was ein moderner Industriestaat so braucht. Unterhaltungsprogramm auf Kosten der Steuerzahler. Es gibt noch mehr solcher Spass-programme: Hundegymnasium, Pferdegymnasium usw.usw.

Tulipa
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Re: Schwedens Schulen in Mathe

Beitragvon Tulipa » 1. Oktober 2009 21:38

Also, "eintönig mit mechanischen Rechenübungen" würde ich den Matheunterricht hier wirklich nicht nennen, eher das Gegenteil. Die scheinen ständig und hauptsächlich sehr kreatives "Utematte" = Draussenmathe zu haben: Sandburgenbauen am Strand, Betongiessen in geometrischen Spielen, Gruppenlauf- und -hüpfspiele um Mengenbegriffe zu verinnerlichen.

Die Frage ist nur, was bleibt davon hängen? Dies Rechnen mit den Fingern ist bei Halbwüchsigen jedenfalls üblich. Auch wenn sie eine Zahl wie 14 oder 26 zu einer anderen Zahl addieren sollen, zählen sie dieses einzeln an den Fingern ab. Ein richtiges Ergebnis ist dann wohl eher ein Zufallstreffer.

LG
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tommy3

Re: Schwedens Schulen in Mathe

Beitragvon tommy3 » 1. Oktober 2009 22:42

Hüpfspiele für Mengenbegriffe? Ich glaube, da hat der Mathelehrer ein paar Jahrzehnte verschlafen.
Matheunterricht hat drei Hauptfunktionen:
1. Vermitteln, dass Mathe für den Alltag in unserer Gesellschaft äusserst nützlich sein kann
2. Training des Handwerkzeugs, und das geht nur mit Übung und nicht mit lustigen Hinweisen, dass man das Multiplizieren bei YouTube lernen kann
3. Spass an Mathe. Vielleicht sollte dies der erste Punkt sein.

Mathe ist auch nicht anders als E-Gitarre: Spass, Technik und Übung. Leider haben viele Mathelehrer das nicht drauf. Können nicht erklären und fordern nicht genug den Übungsteil.

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Freddy
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Re: Schwedens Schulen in Mathe

Beitragvon Freddy » 2. Oktober 2009 07:02

Meine Tochter ist jetzt in der 8. Klasse und hat jetzt Geometrie. In Deutschland hat sie das Ende der 5. Klasse auf dem Gymnasium durchgenommen. Kein Wunder das dann Langeweile aufkommt, bzw. für die Rückwandererkinder in Deutschland ein Problem auf sie zukommt. Soweit ich weiß trifft das auch auf fast alle Fächer, mit Ausnahme von Englisch, zu.

Ta det lungt! 8)
Das haben die Schweden nun davon und wundern sich, dass sie im internationalen Vergleich schwer nachlassen.

:smt006 Freddy

Dottie

Re: Schwedens Schulen in Mathe

Beitragvon Dottie » 2. Oktober 2009 07:30

Ich kann es nur bestätigen, unsere 12jährige Tochter lernte vergangenes Schuljahr (6.Klasse) hier in Schweden das kleine 1x1.
Mein 8jähriger Neffe zeitgleich in Deutschland genau das gleiche in der 2.Klasse. Ich war sprachlos...
Nun ist sie in der 7.Klasse und es wird etwas anspruchsvoller, aber nur im Schneckentempo. Oh well...

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Re: Schwedens Schulen in Mathe

Beitragvon Skogstroll » 2. Oktober 2009 10:43

Das Niveau an schwedischen Schulen ist erschreckend. Bisher dachte ich, es wäre vor allem in Norrbotten so, aber es scheint ein landesweites Phänomen zu sein. Bis vor Kurzem gab es Zeugnisse dazu erst ab der siebten Klasse, und da man zu den Kinderlein immer nett und freundlich sein soll, wurde auch dem dümmsten, der im mellanstadiet kaum schreiben und noch weniger rechnen konnte, immer eingeredet, wie unglaublich "duktig" doch alle wären und wie hart sie arbeiten. Das hat sich in den Köpfen festgesetzt, und im Ergebnis produziert die schwedische Schule bestenfalls halbgebildete Jugendliche mit enorm entwickeltem Selbstbewusstsein. Und wenn mal was nicht klappt, sind dann "die anderen" schuld, gerne die Lehrer.
(Die werden andererseits immer weniger und die Klassen immer grösser, denn die Kommunen müssen sparen. Und das tut man immer wieder gern bei der Bildung.)

Stellt man an diese Leute nur die kleinsten Anforderungen, fühlen sie sich schwer beleidigt und verunglimpft. Ich habe selbst im Gymnasium unterrichtet. Auf das einfache Umstellen einer einfachen Gleichung im Bereich der Grundrechenarten (Ohmsches Gesetz) reagierte die Hälfte mit schwer beleidigtem "Jag fattar ingenting!". Und das nach neun Jahren Schule.

Diese Generation erreicht jetzt das Berufsleben. Das erklärt spielend den unglaublichen Pfusch und die völlige Abwesenheit von Kompetenz in vielen Bereichen. Ich weiss, ich bin gnällig, aber wenn ich sehe, wie Vägverket eine Strasse so "repariert", dass die vorher ganz gute Strasse sich in eine einzige (jetzt gefrierende) Pfütze verwandelt, dann wundert mich das nicht mehr. Und auch bei der Arbeit erlebe ich es täglich. Da wird das Gehirn abgeschaltet. Wenn man dann jemanden auf wirklich grobe Arbeitsfehler hinweist, muss man damit rechnen, dass derjenige wegen "nedsättande behandling" oder ähnlichem zu Gewerkschaft rennt.

Nee, manchmal hab' ich wirklich die Schn... voll. Sorry, musste jetzt beim Thema Schule wirklich mal Dampf ablassen.

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