Schwedenkrone

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Aelve
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Re: Schwedenkrone

Beitragvon Aelve » 19. Februar 2009 11:54

Hallo,

ich kann es nur schlecht nachvollziehen, wie man Angst wegen einer Hypothek fürs Haus haben kann. Solange man die Hypothek bezahlen kann, wenn z.B. das Zinsniveau niedrig ist, solange ist doch keine große Gefahr vorhanden. Wohnen muß man so oder so und nirgends ist es umsonst, es sei denn im Park unter der Bank. Man darf sich nur nicht überschulden, also ein Haus kaufen, was man sich finanziell nicht leisten kann. Die Banken rechnen einen doch die monatlichen Beträge haargenau aus, da weiß man doch, wie hoch man mit dem Kaufpreis gehen kann. Gründe dafür, dass man kein Haus kaufen will, wäre in meinen Augen z.B., dass man sich nicht regional binden will, weil man nicht weiß, ob man in einem Gebiet bleiben möchte. Dann ist es besser etwas zu mieten. Es ist erwiesen, dass Hausbesitzer in der Regel sparsamer sind, sie sind bereit sich für den Luxus eines eigenen Hauses andere Dinge zu verkneifen. Und es ist erwiesen, dass Hausbesitzer es im Alter einfacher haben, wenn sie ein eigenes Haus besitzen, es sich sozusagen als Alterseinkommen angespart haben. Denn die Mieten steigen ja auch ständig, ein Hausdarlehn wird aber nach und nach niedriger, so dass man nach einigen Jahren weniger zahlt als ein Mieter.
Im Grunde muß man bereit sein, bei einem Hauskauf erstmal ein wenig Konsumverzicht zu üben, damit man dann später über ein abgezahltes Haus verfügen kann.

Grüße Aelve
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Re: Schwedenkrone

Beitragvon hansbaer » 19. Februar 2009 12:06

Aelve hat geschrieben:ich kann es nur schlecht nachvollziehen, wie man Angst wegen einer Hypothek fürs Haus haben kann. Solange man die Hypothek bezahlen kann, wenn z.B. das Zinsniveau niedrig ist, solange ist doch keine große Gefahr vorhanden. Wohnen muß man so oder so und nirgends ist es umsonst, es sei denn im Park unter der Bank. Man darf sich nur nicht überschulden, also ein Haus kaufen, was man sich finanziell nicht leisten kann. Die Banken rechnen einen doch die


Es ist durchaus vernünftig einen Kredit aufzunehmen, um eine Investitition zu finanzieren. Weniger vernünftig ist jedoch, es auf die schwedische Art zu tun. D.h., man verlässt sich blind darauf, dass die Zinsen niedrig bleiben und dass man seinen Job nicht verliert. Tilgen tut man den Kredit wenn überhaupt nur langsam. Sollte das Zinsniveau steigen oder eine Krise eintreten, hat man ein gewaltiges Problem, insbesondere, wenn der aktuelle Wert des Hauses geringer ist als der Kredit, den man aufgenommen hat.

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Re: Schwedenkrone

Beitragvon janaquinn » 19. Februar 2009 12:12

Hej Christa,
also ich kann die Angst vor einer Hypothek schon nachvollziehen, gerade in Zeiten wie jetzt, wo man eigentlich ständig um den Arbeitsplatz bangen muss oder wie in Wiebkes Fall, wo die Rate nach Deutschland jeden Monat mehr wird, weil die Krone immer mehr fällt.
Mein Mann und ich würden uns in den nächsten Jahren defintiv nicht mit einem Hauskredit belasten wollen, auch wenn mieten wahrscheinlich teurer ist. Aber ein Haus bzw. eine Wohnung, welche gemietet ist, bekommt man leichter los als ein Eigentum, wenn das Geld knapp wird und man nicht mehr weiss wie man die Raten aufbringen soll.
Zumal es bei einem Eigenheim ja nicht nur bei der Rate bleibt, es kommen ja noch andere Zahlungsverpflichtungen dazu, regelmässige Instandsetzungen ect...
Da lebt es sich zur Miete, wenn auch eventuell teurer, dann doch wesentlich einfacher. Und das gesparte Geld kann man für andere Sachen nutzen, wir z.B. werden nun regelmässig in den Urlaub fahren...das ist unser Luxus.


LG JANA
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Re: Schwedenkrone

Beitragvon Aelve » 19. Februar 2009 12:55

Hallo,

das muß jeder für sich selbst entscheiden, ob er für sein eigenes Haus bezahlt oder lieber ein Haus mietet. Aber hier werden ja die Dinge etwas falsch dargelegt, denn wohnen muß ich immer, da beißt die Maus keinen Faden ab. Egal ob ich Arbeit habe oder nicht, die Miete muß auch gelöhnt werden. Und natürlich muß man bei einem niedrigen Zinsniveau sich dann lange den niedrigen Zinssatz festhalten. Man muß ja keineswegs den variablen Zinssatz wählen, sondern man kann den größten Teil der Hypothek auf 5, 10 oder gar 15 Jahren festmachen. Wenn man dann seine Ersparnisse in 5 oder 10 Jahren dann für die Tilgung der Hypothek verwendet, dann kommt man in wenigen Jahren billiger durchs Leben, als wenn man laufend die sich erhöhenden Mieten bezahlen muß. Aber es liegt in der Natur der Menschen, dass sie sich ungerne erstmal einschränken wollen, denn sie mögen nicht gerne dran denken, was in 5 oder 10 Jahren ist, lieber gleich konsumieren, was weg ist ist weg. Es gehört eine Menge Disziplin dazu, die ersten Jahre nach einem Hauskauf Entbehrungen in Kauf zu nehmen, evtl. mal 3 Jahre lang auf La Terrassa auszuweichen anstatt eine Kreuzfahrt zu buchen oder Auslandsurlaub.

Und niemand kann sagen, wohin alles gehen wird. Es kann die SEK genauso wieder steigen, dann spricht da keiner mehr drüber, wem es dann Vorteile bringt, nur solange wie es zum persönlichen Nachteil ist.

Grüße Aelve
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Re: Schwedenkrone

Beitragvon janaquinn » 19. Februar 2009 13:11

Tja, Christa, wenn man die letzten 15 Jahre Urlaub auf Balkonien gemacht hat, dann kennt man irgendwann alles schon und möchte mal was anderes sehen :wink: :wink: .
Zumal bei uns auch nicht, und ich spreche ausdrücklich nur von unserer Familiensituation, die Vererbungsgeschichte eher hintergründig ist. Unsere Kinder und auch wir haben in den letzten Jahren genug zurückgesteckt, nun ist erstmal die Zeit für Geniessen und, ja auch, für Luxus dran.
Und ob wir uns jemals wirklich hier in Schweden ein Haus kaufen oder das Geld lieber in eine Appartment, z.B. in Ägypten, investieren, wissen wir noch nicht und wollen es auch noch garnicht entscheiden.

LG nach Deutschland
JANA
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Re: Schwedenkrone

Beitragvon Aelve » 19. Februar 2009 13:19

Liebe Jana,

sagte ich doch, jeder muß nach seiner eigenen Situation entscheiden. Niemand zwingt einen dazu, sich ein Haus ans Bein zu binden.
Eigentum kann auch belastend sein, also genießt Euer Leben, wenn Euch danach ist.

Das letzte,was ich tun würde, mir irgendwo in Ägypten oder Thailand ein Haus oder Appartement zuzulegen. Eine bekannte schwedische Familie hat nach 1 1/2 Jahren Thailand-Aufenthalt alle Zelte dort abgebrochen und ist wieder nach Schweden zurück gekehrt, sie wollen ihr gekauftes neues Haus in Thailand wieder verkaufen, da es nicht so lief, wie sie es geplant hatten. Also Risiko ist bei jeder Sache dabei und wenn man zu den Sternen greift anstatt mit beiden Füssen auf der Erde zu bleiben, kann auch das daneben gehen.

Grüße Aelve
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hansbaer

Re: Schwedenkrone

Beitragvon hansbaer » 19. Februar 2009 13:21

Aelve hat geschrieben:Und niemand kann sagen, wohin alles gehen wird. Es kann die SEK genauso wieder steigen, dann spricht da keiner mehr drüber, wem es dann Vorteile bringt, nur solange wie es zum persönlichen Nachteil ist.


Langfristig gesehen kennt der Kronenkurs nur eine Richtung: nach unten. In den letzten Jahren war der Kurs zwar recht stabil, aber noch in den frühen Neunzigern bekam man nur 7,50 kr für den Euro (damals noch ECU). Kursfluktuation sind auf Dauer zu beiderseitigem Nachteil - übrigens auch einer der Gründe, warum eine Gemeinschaftswährung überhaupt eingeführt wurde.

nysn

Re: Schwedenkrone

Beitragvon nysn » 19. Februar 2009 13:21

Es gehört eine Menge Disziplin dazu, die ersten Jahre nach einem Hauskauf Entbehrungen in Kauf zu nehmen, evtl. mal 3 Jahre lang auf La Terrassa auszuweichen anstatt eine Kreuzfahrt zu buchen oder Auslandsurlaub.


Hej Aelve,
du gehst - wie immer - von deinen eigenen deutschen Verhältnissen aus.

Die Situation in SCHWEDEN ist eine ganz andere:

In den Ballungsgebieten in Schweden sind die Häuserpreise in den letzten 10 Jahren förmlich explodiert - ähnlich wie in den USA, Großbritannien, Spanien - was in diesen Ländern passiert ist, konnte man in allen Medien ausführlichst mitverfolgen - die PREISE ins GESUNKEN - die Leute haben kein Geld mehr und die Banken leihen nicht mehr aus. Ich kenne kein Bundesland in Deutschland, wo die Häuserpreise sich in den letzten 10 Jahren verdreifacht hätten.

In Schweden haben die meisten Leute so ziemlich das gleiche gemacht - immer mehr ausgeliehen und die Banken haben das Geld förmlich mit vollen Händen ausgegeben.

Eine schwedische Darlehenkalkulation bei einer schwedischen Bank basiert darauf:
- sind 2 Einkommen vorhanden - einigermaßen sicher und bleiben am Ende nach allen Zahlungen noch 400 Euro übrig - gut, dann ist der Kunde kreditwürdig.
Wie hoch der jeweilige Preis des Hauses ist/war spielte "bisher" keine Rolle. Tilgung nicht notwendig. Gewährtes Dahrlehnen 95 % des Kaufpreises.

Deshalb sind in Schweden auch nur die Darlehenszinsen interessant - Sparzinsen sind nicht so wichtig. Würde man es aber genau nehmen, müsste man die Darlehenszinsen auch als "Sparzinsen" betrachten - denn, das, was du in Deutschland machst, nämlich jeden Monat "tilgen", das ist nichts anderes, als SPAREN.

Das TUN die SCHWEDEN nicht! Wer damit leben kann und es so mag, das muss jeder selber entscheiden. Mir widerstrebt diese Mentalität - da ich z. B. möchte, dass mein Sohn mal nicht jede Krone vom Staat als Darlehen aufnehmen muss, wenn er mal studieren sollte. Das ist in Schweden z. B. auch die Regel.

Da die meisten Schweden nicht tilgen, könnte man das auch als ein "Mieten von der Bank" betrachten - mit erhöhtem Risiko.

Die Einstellung von Jana finde ich zurzeit "sehr gesund" - denn gerade in den Ballungsräumen wie Stockholm, Göteborg, Malmö - wird sich bis zum Ende des Jahres zeigen, in welche Richtung die Wirtschaft geht - sinkt die Krone noch weiter ab, dann steigt auch irgendwann die Inflation. Und ich wüsste nicht, welches Mittel die Reichsbank dann noch anwenden möchte, wenn der Leitzins schon auf Null abgsenkt ist? Hohe Inflation bedeutet auch immer "Einkommensverlust" und dies wiederum dürfte dann "hoffentlich" mal zum "Einknicken des schwedischen Immobilienmarktes" führen.

S-nina

hansbaer

Re: Schwedenkrone

Beitragvon hansbaer » 19. Februar 2009 13:33

S-nina hat geschrieben:Wie hoch der jeweilige Preis des Hauses ist/war spielte "bisher" keine Rolle. Tilgung nicht notwendig. Gewährtes Dahrlehnen 95 % des Kaufpreises.


Naja, das ist jetzt aber etwas übertrieben - also so 10 bis 15 % sollte man meines Wissens schon anliefern, wenn man etwas haben möchte. Meist hat man das aber schon, weil man den letzten Kredit mit dem Verkauf abbezahlen kannn :-)

S-nina hat geschrieben:Das TUN die SCHWEDEN nicht! Wer damit leben kann und es so mag, das muss jeder selber entscheiden. Mir widerstrebt diese Mentalität - da ich z. B. möchte, dass mein Sohn mal nicht jede Krone vom Staat als Darlehen aufnehmen muss, wenn er mal studieren sollte. Das ist in Schweden z. B. auch die Regel.


Die Studienkrediten sind sehr niedrig verzinst. Wohl nicht zuletzt deswegen beeilt sich auch keiner mit der Rückzahlung - viele haben ihr Studium erst bezahlt, wenn sie 50 sind oder so.

nysn

Re: Schwedenkrone

Beitragvon nysn » 19. Februar 2009 13:46

Naja, das ist jetzt aber etwas übertrieben - also so 10 bis 15 % sollte man meines Wissens schon anliefern, wenn man etwas haben möchte.


Die Banken, deren Aktien jetzt am meisten gesunken sind - und die auch am stärksten in Osteuropa exponiert sind - haben in den letzten Jahren sogar bis 100 % verliehen. 80-90 Prozent "bottenlån" (niedriger Zins, keine Tilgung) - und der Rest "toplån" (mit höheren Zinsen und Tilgung). Das ist wirklich keine Übertreibung.

Seit der Finanzkrise ist man "vorsichtiger" und es hört sich so an, als würden die Banken jetzt 10-15 % Eigenleistung fordern - ob sie das tatsächlich auch tun?

Was Studiendarlehen angeht: Mein Mann und die meisten seiner Kollegen zahlen ziemlich langsam an CSN zurück, weil sie noch die Darlehen von vor 1988 hatten. Danach wurden irgendwann mal die Regeln geändert und Darlehen, die man danach bekommen hatte, musste man schneller zurückzahlen.
Doch neben CSN haben viele Schweden auch noch zusätzliche Studiendarlehen bei normalen Banken (nicht unüblich - trifft besonders diejenigen, die in den 80er-Jahren studiert haben.) Damals waren die Banken ähnlich großzügig mit Krediten wie in der jüngsten Vergangenheit.

S-nina


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