Schweden und Norwegen...

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Mark
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Re: Schweden und Norwegen...

Beitragvon Mark » 1. Februar 2008 04:46

Kann ich voll zustimmen, hab ich in Schweden auch noch nicht erlebt. Die Schweden sind den Deutschen eigentlich immer sehr positiv gestimmt, viele verstehen ja auch einige Brocken Deutsch (scheinbar so dass man anderen mit der selben Sprache freundlicher gesinnt ist). Die norwegeischen Kollegen die ich in Schweden getroffen habe waren auch immer super nett und kontaktfreundlich. Der lustige Dialekt mach sie gleich sympatisch! :)

/M

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Skogstroll
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Re: Schweden und Norwegen...

Beitragvon Skogstroll » 1. Februar 2008 08:52

nobse hat geschrieben:Es ist nun mal Geschichte und viele haben böse Zeiten erlebt und ich verstehe ihren Unmut. Deshalb auch müssen wir uns als Touristen vernünftig benehmen .


Allerdings. Dazu ein kleiner Erlebnisbericht, wenn auch schon ein paar Jahre alt. Wir waren damals in Narvik und haben das Krigsmuseum besucht, als ein Reisebus mit Aachener Kennzeichen dort so seine zweieinhalb Tonnen Touristen ablud - und zwar durchweg eine Generation, die den Krig noch aktiv erlebt hat. Das erste, was bemerkenswert war, war die Lautstärke, mit der sich die Gruppe durch das Museum samt integrierter Gedenkstätte bewegte. Dann fingen sämtliche Männer an zu erzählen, was für ein tolles Abenteuer das damals gewesen ist (natürlich unter Betonung der eigenen heldenhaft verklärten Rolle), während die Frauen sich gegenseitig beweisen mussten, dass sie alle ausgestellten deutschen Orden noch kennen.
Wir haben es vermieden, deutsch zu sprechen und ansonsten die Flucht ergriffen.
Wer will es den Norwegern verübeln.

Ein paar Tage zuvor waren wir in der tiefsten finnischen Tundra über eine kleine Brücke gefahren. Daneben stand ein Schild: "Dies ist die einzige Brücke in (finnisch und norwegisch) Lappland, die im 2. Weltkrieg nicht von Deutschen zerstört wurde."
Da wird man sehr still.

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nobse

Re: Schweden und Norwegen...

Beitragvon nobse » 1. Februar 2008 09:18

Ich finde es gut ,dass es noch ein paar Leute wie euch gibt ,die ein wenig real mit der Vergangenheit umgehen.
Wer einmal einen Winter in Skandinavien mitgemacht hat ,kann sich vorstellen was es bedeutet, wenn Unterkunft und Brücken weggesprengt werde. Das diese "Maßnahmen" gegen den Vormarsch der Russen gemacht wurden sei dahingestellt. Die Bevölkerung war die leidtragende.
Skogstroll@:Ja so erlebt man die Deutschen leider überall. Prahlerisch und einnehmend. Und dann noch : "Wie? Ihr könnt kein deutsch! Na so etwas!" Leider auch in der eigenen Familie. Was habe ich einer Verwandten vorgekaut , sie möchte sich doch wenigstens BEMÜHEN und Zeigen ,dass sie kein deutsch sprechen will . Aber nein- die verstehen alle deutsch.Basta. Bis eines Tages ein Anruf aus Norwegen kam .Norbert ,wieviel kostet der Platz hier oben -der Junge hier versteht kein deutsch!"- "Aber englisch!" ,war meine kurze Antwort. Die ist nie wieder gefahren.
Ich versuche so wenig als möglich deutsch zu sprechen. Wiederum habe ich in Schweden oft erlebt , daß vor allem Jugendliche zu mir sagten, ich solle kein englisch sprechen ,sie wollen deutsch lernen.

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janaquinn
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Re: Schweden und Norwegen...

Beitragvon janaquinn » 1. Februar 2008 09:34

Ganz ehrlich, ich kann die Norweger verstehen, wenn sie Deutschen, egal welchen Alters, kritisch gegenüber stehen. Hat doch gerade Norwegen besonders unter den Deutschen Besatzern gelitten und auch wenn es 63 Jahre her ist, darf man nicht sagen, dass es endlich ein Ende haben muss.WARUM? Wieviele Wehrmachtssoldaten haben damals norwegische Frauen vergewaltigt und haben sie mit den ungewollten Kindern zurückgelassen. Wieviele dieser Soldaten hatten damals eine Affaire mit Einheimischen Frauen, obwohl zuhause die Frau mit 4 Kindern gesessen hat, und haben ihre Geliebten dann ihrem Schicksal überlassen? Diese Kinder haben darunter gelitten und wurden als "Deutsche Bastarde" angesehen und hatten ein hartes Schicksal aufgrund ihres Hintergrundes. Nein, ich kann es den Norwegern nicht verübeln, dass sie den Deutschen kritisch gegenüber stehen,ganz im Gegenteil! Wir Deutschen haben nunmal eine Geschichte und vor der können und dürfen wir nicht davonlaufen oder sie verleugnen. Und 63 Jahre sind einfach keine Zeit um an ein Vergessen zu denken, denn wir dürfen sie einfach nicht vergessen.
Und in Norwegen gibt es auch Fernsehen und Zeitungen, so wissen die Menschen dort genau, welche Tendenz in Deutschland herrscht, dass in mind. 2 Landtagen wieder rechte Parteien Einzug gehalten haben.
Vergessen? Niemals, denn sowas darf nie wieder geschehen! Es liegt an uns, das Bild der Deutschen im Ausland zu prägen und zu zeigen, dass wir als friedliche Einwanderer und Touristen kommen und nicht als Besatzer in ein Land, über welches unsere Eltern oder Grosseltern sehr viel Leid gebracht haben.
Dies ist meine Meinung dazu!

Grüsse JANA
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nobse

Re: Schweden und Norwegen...

Beitragvon nobse » 1. Februar 2008 09:54

Janaquinn@: Da muss ich dir im vollem Umfang zustimmen.Aber es ist ein zweischneidiges Schwert.Ich weiß nicht wie ich es sagen soll,aber nicht jeder der bei der Wehrmacht war, war ein Nazi und alle Deutschen die zu der Zeit gelebt haben ,waren Kriegsverbrecher!
Es liegt an uns ,wie das Bild der jetzigenDeutschen herüberkommt .Es ist so wie mit den Womofahrern .Du kannst dich immer benehmen und alles ordentlich wieder verlassen ,aber kippst du einmal eine Tasse mit blanken Wasser aus der Tür, schon fällt das auf alle zurück und es heißt ,die Womofahrer sind Schweine.Um wieder auf den Beitrag zurück zu kommen . Ich würde nach Lappland ziehen.Die Ruhe dort schlägt sich sofort auf den Körper nieder ,nach dem Motto "Arbeite fleißig und gediegen,was nicht fertig wird bleibt liegen".

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Re: Schweden und Norwegen...

Beitragvon janaquinn » 1. Februar 2008 10:00

Hej Nobse,
ich weiss, dass nicht jeder der Wehrmacht ein Nazis oder Kriegsverbrecher war, nicht Deutsche automatisch ein Nazi war. Ich weiss es aus meiner eignen Familie, beide Grossväter waren bei der Wehrmacht und beide waren überzeugte Kommunisten, aber beide sind entweder für ein Sache gefallen, die nicht ihre war oder wurden in Kriegsgefangenschaft genommen, für einen Krieg, der nicht ihrer war. Meine Eltern waren beide Kriegskinder, meine Mama sogar ein Flüchtlingskind, vielleicht kommt meine Ansicht aus diesem Erbe.
Aber, dass Problem, welches wir Deutschen nunmal haben, ist dass wir automatisch auf die Zeit "zurechtgestutzt" werden.

Das andere Thema: Ich würde gerne in Darlana leben, ich finde es einfach traumhaft schön und noch nicht ganz so weit nördlich.

LG JANA
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nobse

Re: Schweden und Norwegen...

Beitragvon nobse » 1. Februar 2008 10:07

Tja da hast du Recht .Für mich fängt Schweden erst am Kreisel vor Mora an ,wo es dann ab auf die 45 geht.

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Sápmi
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Re: Schweden und Norwegen...

Beitragvon Sápmi » 1. Februar 2008 10:18

janaquinn hat geschrieben: Diese Kinder haben darunter gelitten und wurden als "Deutsche Bastarde" angesehen und hatten ein hartes Schicksal aufgrund ihres Hintergrundes.


Ja, ich kenne auch so jemanden, d.h. ein sog. Tyskebarn.

Wobei die Norweger in dieser Sache auch ganz schön viel Dreck am Stecken hatten, darf man nicht vergessen.
Aber damalige Deutsche und damalige Norweger...Natürlich darf man die Geschehnisse der Vergangenheit nicht vergessen, auf keinen Fall. Aber die heutigen Generationen haben im Allgemeinen damals noch gar nicht gelebt und sollten lieber für ihre eigenen Taten beurteilt werden. Naja, und intelligente/mitdenkende Menschen verhalten sich ja auch danach.
Mir hat mal eine ältere Frau aus Karasjok (dort ist die alte Kirche das einzige Gebäude, das den 2. WK überlebt hat) im Bus von der damaligen Zeit der Evakuierung erzählt. Also nachdem ich mich als Deutsche "geoutet" hatte, aber so blöd war sie nicht, das mir gegenüber irgendwie vorwurfsvoll zu präsentieren. Vielleicht hatte sie auch einfach den (richtigen) Eindruck, dass ich mich als Deutsche für diesen Teil der Geschichte interessieren könnte.

Aber zum heutigen Verhalten unserer Landsleute im hohen Norden: Da gibt's natürlich echt furchtbare Vertreter, wie z. B. die Pauschal-Bustouristen, die mal schnell zum Nordkap und zurück düsen. Solche hab ich im Sommer 96 mal in Jokkmokk im Ajtte-Museum erlebt: Ich war gerade in dem Kartenraum, da kam ein Deutscher (von der Busladung) um die 50 und sprach mich gleich auf Deutsch an. Wir unterhielten uns kurz und er erzählte, es würde ihn etwas stören, dass hier so wenig deutsch gesprochen wird. :roll:
Das ist dann wirklich daneben.

Swedenfan

Re: Schweden und Norwegen...

Beitragvon Swedenfan » 1. Februar 2008 10:51

Hallo Sampi
Das haben wir auch erlebt das sich Deutsche beschwert haben das die Norweger oder Schweden kaum Deutsch sprechen.Gut,ich freue mich wenn jemand in Schweden oder Norwegen mit mir Deutsch spricht.Bin aber auch froh es in der Landessprache zu tun.Denn ich möchte gerne meine Sprachkenntnisse verbessern.Kurz zum Thema Nazis
Vor 3 Jahren waren meine Frau und ich in Hamburg.(Haben in der Speicherstadt die Modeleisenbahnanlage besucht)Es kam ein sehr alter Herr mit Schäferhund auf mich zu und meinte.Wenn Du zur Ad... Zeit gelebt hättest wärst Du zu seiner Leibstandarte gekommen.Ich muß dazu sagen das ich 2m groß und blond bin.Meiner Frau und mir ist die Spucke im Hals steckengeblieben.

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belanna
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Re: Schweden und Norwegen...

Beitragvon belanna » 1. Februar 2008 10:53

Was Menschen im Krieg machen, kann man nicht mit ein paar Sätzen beklagen und verurteilen. Ich habs schon erwähnt: Deutsche haben kein Monopol auf Gräueltaten! Ebensowenig auf touristisches Daneben-Benehmen im Urlaub. Es ist richtig, dass nichts vergessen werden darf, aber dieses ewige sich-schämen-müssen (Oh, was sind wir Deutsche für ein furchtbares Volk) das uns (jedenfalls im Osten) von frühester Jugend eingebläut wurde, muss irgendwann auch zu Ende sein...
Bel
Für fehler in Der groß-Und kleinschreibung Ist ganz allein meine heimtückische tastatur Verantwortlich! ich Geb´s auf!


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