Schweden- Traumland!? - Uns mal vorstellen

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Skogstroll
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Re: Schweden- Traumland!? - Uns mal vorstellen

Beitragvon Skogstroll » 28. Mai 2007 09:47

Liebe leute, das Ganze erinnert mich doch sehr an die Anekdote von dem deutschen Pärchen, das einfach irgendwo im Wald seine Blockhütte gebaut hat, weil sie allen Ernstes annahmen, das ganze Land hier sei herrenlos und sie wären zur Landnahme voll berechtigt.

Lappland ist schon lange keine unberührte Wildnis mehr. Das merkt man spätestens am Müll, der nicht nur in den Strassengräben liegt, sondern auch mitten im Wald, wo man ihn nun wirklich nicht erwarten würde. Man merkt es ausserdem am nahezu allgegenwärtigen Zweitaktgeknatter, im Winter von Skotern, im Sommer von Crossmopeds.
Warum schwedische Autobauer keine echten Geländewagen bauen? Ganz klar: Weil hier wie überall in Europa die "Geländewagen" von Städtern gefahren werden, auf dem Land kommen die Leute mit ganz normalen PKWs klar.

Zum konkreten Projekt: Es soll ein Riesenanwesen sein, mitten in der Wildnis, aber arbeiten willst du auch, sogar so viel, dass du 100 Hunde ernähren kannst. Ein ausgebautes Skigebiet sollte auch noch in der Nähe sein. Das geht einfach nicht zusammen, es sei denn, du akzeptierst 50 oder 80km Arbeitsweg, plus Heimweg. Da ist aber immer noch kein Skigebiet um die Ecke.
Dazu kommt noch, dass du für dein Vorhaben erheblich viel Zeit brauchen wirst, und da willst du noch "nebenbei" arbeiten gehen, ganz abgesehen von ein oder zwei Stunden, die du täglich im Auto sitzt?

Um auch mal mit einem anderen Missverständnis aufzuräumen: Wölfe wirst du schon deshalb nicht zusammenflicken, weil es keine ständige Wolfspopulation gibt, lediglich ein paar "Einwanderer". Und wenn einer davon auftaucht, kommt sofort der Ruf nach Schutzjagd.

Apropos Jagd: Ohne Mitgliedschaft in einem "jaktlag" geht das nur illegal (was vorkommt, hier hallen öfters Schüsse durch den Wald, auch ausserhalb der Jagdsaison). Dort reinzukommen ist sehr schwer. Erstmal muss man einen Lehrgang besuchen und eine Prüfung ablegen (was das kleinere Problem ist), dann darf man sich aber in die Schlange für die Mitgliedschaft einreihen.

Dann kommt noch ein anderes Problem dazu. Du bist nämlich werder der erste noch der einzige, der Hundeschlittentouren (alternativ Motor- oder Rentierschlitten) anbietet. Es gibt also bereit etablierte Konkurrenz. Meines Wissens werden die wenigsten reich dabei, es sei denn, man spezialisiert sich auf Firmen als Kunden, die ihre beschlipsten Verkäufer mal auf Abenteuer-Teambuilding schicken wollen.

Der Winter: Durchschnittstemperaturen sagen nicht viel aus, wenn es ganz konkret unter die -40 Grad geht. Das ist zugegebenermassen selten, aber unter -30 ist relativ normal. Bei aller Liebe zur Wildnis, bei dieser Temperatur verliert ein Plumpsklo ziemlich viel von seiner Romantik. Wenn du wirklich weit draussen im Wald lebst, dann hast du sehr wahrscheinlich keinen Strom. Du kannst weder eine Wasserpumpe betreiben noch das Auto vorwärmen.
Und ich verspreche dir: Spätestens im April kannst du keinen Schnee mehr sehen. Deshalb ist er aber noch lange nicht weg. Wir haben jetzt erst die ersten warmen Tage, d.h. 10-15 Grad. Plus.

Auf die Sache mit dem Eigenkapital möchte ich gar nicht weiter eingehen, das weisst du selbst.
Es gibt also erheblich mehr Hürden. Ich kann dir wirklich nur dringend empfehlen, dir das Land vorher in Ruhe anzusehen, möglichst zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Erwarte hier aber nicht allzu viel vom Naturschutz, der ist hier ausserordentlich unpopulär. So unpopulär, dass schon Fahrzeuge des Naturschutzamtes in Brand gesetzt wurden.

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Re: Schweden- Traumland!? - Uns mal vorstellen

Beitragvon Imrhien » 28. Mai 2007 10:49

Ach Skogstroll, was wären wir ohne Deine Berichte aus dem Norden? Ich finde es immer wieder spannend und es zeigt, dass Schweden wirklich mehr ist als das was Astrid Lindgrens Geschichten und die Klischees uns zeigen. Auch wenn ich mich wirklich sehr auf Schweden freue, ich bin dann doch eher für Süd- bzw. Mittelschweden.
Der zukünftige Arbeitgeber meines Mannes kommt eigentlich aus dem Norden (woher weiss ich nicht) aber er meinte, dass alles was unterhalb Uppsalas (und eigentlich noch ein bisschen weiter oben) gar nicht wirklich Schweden ist :)

Grüße

Wiebke

Volli

Re: Schweden- Traumland!? - Uns mal vorstellen

Beitragvon Volli » 28. Mai 2007 11:10

... es klingt ohnehin mehr nach einer Wunschvorstellung oder Träumerei als nach einem schlüssigen Konzept - welches sich, wenn vorhanden, ohne Geld eh nicht realisieren ließe. Warum sich also über unschöne Details Gedanken machen?

Volli

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Re: Schweden- Traumland!? - Uns mal vorstellen

Beitragvon Arrikara » 28. Mai 2007 11:54

Danke für die überaus sachliche Kritik Skogstroll.

Wie aus Deinem Posting herauszulesen ist, hast Du das meine eher mit Deinen Vorstellungen durchsetzt als auf Kernfragen einzugehen.

Der Tonfall in dem Du geantwortet hast ist schon fast eine Frechheit. Du kennst uns überhaupt nicht, unterstellst uns unterschwellig aber, wildromantische Steinzeitfreaks zu sein.

Einige Informationen beinhaltet Dein Posting ja. Zumindest bringt es mich zu der Überlegung, ob speziell der Norden/Lappland nicht inzwischen erheblich zu deutsch für uns ist.

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Re: Schweden- Traumland!? - Uns mal vorstellen

Beitragvon oka-kate » 28. Mai 2007 11:58

hej tillsamman,

lappland zu deutsch? und mit frechheit hat das ganze von skogstroll wohl eher nichts zu tun. das ist nur die wahrheit und zeigt schweden ohne die rosarote brille!

grüßle katja
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Re: Schweden- Traumland!? - Uns mal vorstellen

Beitragvon Skogstroll » 28. Mai 2007 12:33

Arrikara hat geschrieben:Einige Informationen beinhaltet Dein Posting ja.


Immerhin was.

Aber um mal eines klarzustellen: Ich will euch um Gottes Willen nicht davon abbringen. Ihr dürft gern alles ignorieren. Jeder muss seine Erfahrungen selbst machen.

Ich denke nicht, dass ich euch irgendwas unterstellt habe. Ich habe einfach geschrieben, wie es hier ist. Mit meinen Vorstellungen hat das nichts zu tun. Aber das muss mir niemand glauben. Damit kann ich gut leben.

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Victor_Foxtrott

Re: Schweden- Traumland!? - Uns mal vorstellen

Beitragvon Victor_Foxtrott » 14. April 2009 12:48

Also, da wir ja auch überlegen, einiges auf die Beine zu stellen, bin ich beim Stöbern auf diesen Thread gestossen.

Nur mal so als Amateur:

1 Hund (i.d. Größe) = 1 Kilo Fleisch am Tag. (Ich weiss, reicht im Winter nicht.)

10 Hunde = 10 Kilo / Tag

100 Hunde = 100 Kilo / Tag

100 Hunde mit 1 Kilo Fleisch am Tag = 36.500 KILO / JAHR

Davon 50% selber erlegt oder erfischt ---> bleiben immer noch 20 TONNEN Hundefutter im Jahr zu kaufen.

2 Euro das Kilo Fleisch ---> 40.000 Euro im Jahr Kosten Hundefutter

Das heisst einen Umsatz von rund 100.000 Euro im Jahr, nur um das Futter bezahlen zu können!!!!!!!


Mal ganz davon abgesehen:

Hat jemand mal zufällig darüber nachgedacht, wieviel ZEIT es kostet, 20.000 KILOGRAMM selbst
erlegte Jagdbeute auseinander zu nehmen!?!?!??

Kann ja sein, dass ich wirklich total blöde bin, aber der Tag hat doch immer noch 24 Stunden und
das Jahr 365 Tage?!?!??!
Oder ist das da oben anders???? :wink:

Man man...

Und dann noch nebenbei arbeiten?

Und sich dann angepisst fühlen, wenn jemand Kritik äussert... :D

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Re: Schweden- Traumland!? - Uns mal vorstellen

Beitragvon Ronja_Rövardotter » 15. April 2009 19:23

Victor_Foxtrott hat geschrieben:
Hat jemand mal zufällig darüber nachgedacht, wieviel ZEIT es kostet, 20.000 KILOGRAMM selbst
erlegte Jagdbeute auseinander zu nehmen!?!?!??


... also: wir benötigen zum Zerlegen und Portionieren eines Elches mit zwei Personen etwa einen Tag.
Wenn Du also jetzt gleich anfängst und einen Mithelfer findest, könntest Du es dieses Jahr noch schaffen ...

:smt006

Viele Grüsse aus dem Norden

Kerstin

Victor_Foxtrott

Re: Schweden- Traumland!? - Uns mal vorstellen

Beitragvon Victor_Foxtrott » 17. April 2009 08:39

So hab' ich auch gerechnet:

Um ein 150kg Schwein zu zerlegen braucht eine Person ungefähr 12h.
Man muss es ja nun auch noch in "Hundefutter"portionen zerlegen.

Wie oben angerechnet bräuchten sie aber circa 2.000 kg Fang/Beute im Monat!
Also selbst wenn Sie einen Elch im Monat zerlegen (dürfen), kommen da noch mindestens 3 Schweine hinzu.
Und dann 500kg Fisch.
Das muss alles portioniert werden...

(500 Kilo Fisch im Monat... *boah*... :wink:
Das sind ungefähr 200 Fische ---> 7 am Tag;
erstens musste das erstmal machen, zweitens musst Du NACHHALTIG wirtschaften, und drittens muss die ganze Schei**e auch saubergemacht werden;
damit jeder Hund nur EINMAL eine Portion Fisch im Monat bekommt, musst Du 150Kilo Fisch fangen, weil ich ja den Abfall noch nicht einmal rausgerechnet habe...
Dürfte wohl als Ernährungsquelle wegfallen :wink: )


Und dabei haben wir ja noch gar nicht die ZEIT fuer die JAGD/FISCHEN eingerechnet!
Dazu kommen Transportwege.
Dazu kommt saubermachen etc....

Und diesen ganzen Arbeits-Zeit-Aufwand "nur" für's Hundefutter!

Was ist denn mit den mit den geführten Touren?
Dem ganzen Bürokram?
Einkaufen?
Kochen?
Putzen?
Mit dem PLATZ, den man braucht, um solche Mengen Fleisch wegzufrieren?
(Selbst mit 'nem riesigen Erdkeller dürfte es ziemlich knapp werden...)

Mit allem, was eben zu einem solchen Unternehmen dazu gehört?

Pi mal Daumen überschlagen würde ich schätzen, dass das oben "angestrebte Unternehmen" einen JahresUMSATZ von circa 150.000 bis 200.000 Euro benötigt, um sich zu rentieren...

Das sind ja im Monat nur mal lockere 12.000 bis 15.000 Euro Umsatz.
Das heißt in der WOCHE ein angestrebter Umsatz von mindestens 4.000 Euro!!!

??? Und dann "nebenbei" arbeiten gehen ???

Arbeitsleistung:
1 Person am Tag = 15 Stunden
Jede 2. Woche einen Tag frei.
Macht im Monat von mir aus 28 Arbeitstage:
= 420 h / Monat

---> Das muss man ersteinmal schaffen!!!
Und selbst wenn man unbedingt will, wird der Körper irgendwann schwach, weil die Ressourcen einfach mal erschöpft sind...

Also wie gesagt...

Sieht firmentechnisch (um damit das Überleben der Tiere und der Familie zu sichern) doch sehr nach einer rosaroten Brille aus... :wink:

PS:
Aber vielen Dank!!! :D
Das mit dem Elch hatte ich mich schon gefragt... :wink:
Ich kam auf 30 bis 40 Arbeitsstunden für einen solchen Klopper,
haut ja so ungefähr hin...

Schlachter

Re: Schweden- Traumland!? - Uns mal vorstellen

Beitragvon Schlachter » 17. April 2009 08:54

Victor_Foxtrott hat geschrieben:So hab' ich auch gerechnet:

Um ein 150kg Schwein zu zerlegen braucht eine Person ungefähr 12h.
Man muss es ja nun auch noch in "Hundefutter"portionen zerlegen.


haut ja so ungefähr hin...



Aber nur so ganz ungefähr. 12 Stunden fuer eine 150 kg Sau??? :smt064
Arbeitest Du in Zeitlupe?

Hejdå


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