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 Betreff des Beitrags: Re: Schweden = sozialistisch-totalitärer Überwachungsstaat?
BeitragVerfasst: 24. September 2010 21:38 
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Hejsan alle,

Schweden = sozialistischer Überwachungstaat?

Es ist ja hier schon viel geschrieben worden, auch einiges was mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun hat deswegen mal zurück zum Thema.
Also Deutschland und den vermeindlichen Datenschutz kann man getrost vergessen, da gibt es Finanzämter, Banken, Versicherungen, Firmen, Paypal- Unternehmen, Telefongesellschaften, Internetdienstanbieter, Google und wer weiß wer noch alles der Daten sammelt. Außerdem hinterlässt jeder im täglichen Leben Unmengen an Daten die irgendwo gesammelt werden. Siehe: Datenskandale bei Telekom 2008, Lidl 2009 oder DB 2009 usw.
Aber wieder zum Thema, gegen ein sozialistisches Staatsystem ist ja im Prinzip nicht einzuwenden und auch nicht gegen einen geringeren Datenschutz wie in Schweden.
Wie schon andere geschrieben haben hab auch ich nichts zu verbergen, hab auch keine Leiche im Keller und finde an dem "öffentlichen System" in Schweden nichts schlimmes. Es ist ja hier schon einiges über den Datenschutz in Schweden geschrieben worden aber kaum einer hat bis jetzt etwas Gutes dazu geschrieben, dabei gibt es bei weniger Datenschutz wie in Schweden auch durchaus einige Vorteile.

Z.B. die Speicherung aller Patientendaten in einem zentralen System. Das hat den Vorteil das jeder Arzt dort Einsicht hat, sich dadurch eventuelle Behandlungsfehler vermeiden lassen und im Notfall schneller geholfen werden kann. Da in Schweden die Krankenwagen mit Computern ausgestattet sind hat der Arzt im Notfall die Möglichkeit bereits während der Fahrt zum Einsatz Daten über den Patienten zu erfahren und weiß oft schon am Einsatzort über den Patienten wichtige Daten wie eventuelle Herzschwächen, Diabetes etc. was unter Umständen Leben retten kann.
Es hat auch den Vorteil das ich als Patient immer wieder gebrauchte Medikament ohne zum Arzt zu müssen online über mein Konto beim landstinget bestellen und in jeder Apotheke Schwedens abholen kann.

Es ist auch nicht schlecht das man die zentral gespeicherten Daten von PKW's anhand der Registrierungsnummer (KFZ Kennzeichen) bei Transportstyrelsen einsehen kann. So kann man schon vor dem Kauf des Fahrzeuges alle fahrzeugrelevanten Daten incl. Anzahl der Vorbesitzer und was das Auto an Steuern kostet dort einsehen.
Oder braucht man z.B. Ersatzteile für seinen PKW und fährt in die Werkstatt oder zum Teilehändler gibt man dort seine Registrierungsnummer an und schon wissen die dort alle Fahrzeugdaten die sie brauchen. Man bekommt ohne das man groß nach Fahrgestell- oder Motornummern suchen muß die richtigen Ersatzteile.

Genauso werde ich in Schweden schriftlich informiert, wenn Jemand, eine Bank oder Firma über mich an entsprechender Stelle Auskünfte finanzieller Art (eine Art Schufa Auskunft) einholt.

Das sind nur drei kleine Beispiele und es gibt mit Sicherheit noch viele weitere Vorteile die ein so "öffentliches System" wie in Schweden zu bieten hat, ich empfinde es jedenfalls als angenehm und habe noch keine schlechten Erfahrungen in Schweden bezüglich des des "Überwachungsstaates" gemacht.

Also, Datenschutz hin oder her, es gibt wie immer Vor- und Nachteile. :gutefrage:

Viele Grüße aus Småland :flagge:
Harald

_________________
Man muss dem Leben nur gelassen folgen und ihm ein Höchstmaß an Freude entnehmen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Schweden = sozialistisch-totalitärer Überwachungsstaat?
BeitragVerfasst: 24. September 2010 22:41 
Hej,

klar gibt es Vor- und Nachteile bei der totalen Datentransparenz in Schweden.
Die Nachsehbarkeit bei Patienten ist sehr begrenzt, da die gesamte Krankenfürsorge in die Län (Distrikte) eingeteilt ist. Wirst du im Nachbardistrikt krank, wissen die im allgemeinen garnichts. Und das Einsehen der Medizinierung klappt in der Regel auch nicht. Dass die Ambulanzen mit Computern ausgerüstet sind, ist sicher wertvoll, aber woher sollen die von einem aufgegabelten Notfall wissen, welche Krankenakte abgerufen werden soll? Es gibt in S zum Glück keine Ausweispflicht. Ausserdem, wenn der Krankenwagen, wie für einen Herzinfarkt, in der Regel zu spät kommt, dann ist der Computer auch egal.

Dieses Gesülze von "ich hab nichts zu verbergen" ist für mich unbegreiflich. Hatten wir nicht gerade in D eine Reihe von Staatsbildungen, wo nicht die untadelige Lebensführung, sondern ganz andere unwichtige Eigenschaften zu Deportation, Entwürdigung und Einkerkerung führen konnte?
Hätten Hitler und Honecker statt ihrer Zettelwirtschaft die effektive schwedische Personennummerverwaltung zur Verfügung gehabt, hätten sie ihr Mörderhandwerk noch besser ausführen können.


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 Betreff des Beitrags: Re: Schweden = sozialistisch-totalitärer Überwachungsstaat?
BeitragVerfasst: 25. September 2010 16:11 
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Hej,

dass man schriftlich informiert wird, wenn jemand Auskunft über einen einholt, ist relativ neu. Da haben sich anscheinend auch Leute beschwert. Jedenfalls gab es das früher nicht. Ich finde es toll, dass es das nun gibt, und passt ja eher in Richtung Datenschutz.

Dass die im Krankenhaus oder wo auch immer beim Arzt die Daten einsehen können, habe ich auch immer gedacht. Offiziell ist es auch so. Oder sagen wir, sogar praktisch ist es so. Nur wunder ich mich daher immer wieder mal, dass die trotzdem Fehler bei mir machen und eben NICHT wissen was ich bisher eingenommen habe oder welche Dosis von einem Medikament ich brauche oder seit wann ich das nehme. Es ist schon mehrmals passiert, dass die mir merkwürdige Fragen gestellt haben, die darauf hindeuten, dass sie es entweder nicht sehen konnten oder mit der INfo, die da im Computer abrufbar war, nichts anfangen konnten. Das gleiche Problem hatte eine Bekannte, Schwedin, deren Sohn auf die Art 2 mal hintereinander ein falsches Antibiotikum bekommen hatte. Beim dritten Mal ist die Mutter dann echt sauer geworden und hat die gefragt was die eigentlich da eintragen würden. Die Dosis hatte auch da nicht gestimmt. Die Ärztin musste jedes mal aufs Neue schätzen was sie dem Kind geben wollte, da sie nur die Daten für Erwachsene hatte. Das wundert einen dann schon. Meine Bekannte ist Krankenschwester in Schweden und hat daher gemerkt, dass die Dosis nicht stimmen kann und hat selber nachgeschaut was nötig wäre und die Ärztin drauf aufmerksam gemacht. Trotzdem wurde der gleiche Fehler eben mehrmals gemacht. Da fragt man sich dann schon wozu die Datenspeicherung gut ist.
Das sind sicher Ausnahmen, aber sie bringen einen doch zum Nachdenken.

Grüße
Wiebke


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 Betreff des Beitrags: Re: Schweden = sozialistisch-totalitärer Überwachungsstaat?
BeitragVerfasst: 25. September 2010 20:09 
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Imrhien hat geschrieben:
Das sind sicher Ausnahmen, aber sie bringen einen doch zum Nachdenken.

Grüße
Wiebke

Hej Wiebke,

so wie Du das beschrieben hast ist das wirklich nicht ganz nachzuvollziehen. Man sollte meinen das ein Arzt, wenn er denn schon Einsicht hat es auch schaffen sollte einem Patienten die richtigen Medikament in der richtigen Dosis zu verabreichen. Gerade im Gesundheitswesen wo falsche Medikamente u. U. Lebensgefährlich sein können sind Ausnahmen schon gefährlich und es dürfte so etwas nicht passieren.
Aber Du weißt ja wie es ist, ein vollkommen fehlerfreies System oder fehlerfreie Menschen gibt es leider nicht. :roll:

Viele Grüße aus Småland :flagge:
Harald

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 Betreff des Beitrags: Re: Schweden = sozialistisch-totalitärer Überwachungsstaat?
BeitragVerfasst: 26. September 2010 14:02 
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Haro hat geschrieben:
Aber Du weißt ja wie es ist, ein vollkommen fehlerfreies System oder fehlerfreie Menschen gibt es leider nicht. :roll:


Da hast Du recht und ich wäre die Letzte, die behauptet, dass das in anderen Ländern anders oder besser ist. Solche Fehler machen Ärzte, und andere Berufsgruppen vermutlich überall. Es zeigt mir aber, dass Schweden eben auch nicht besser ist, so wie manche denken. Es ist anders, nicht schlechter und nicht besser.
Menschen machen Fehler. In jedem Land.

Grüße
Wiebke


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 Betreff des Beitrags: Re: Schweden = sozialistisch-totalitärer Überwachungsstaat?
BeitragVerfasst: 30. September 2010 10:51 
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Beiträge: 66
Haro hat geschrieben:
Das sind nur drei kleine Beispiele und es gibt mit Sicherheit noch viele weitere Vorteile die ein so "öffentliches System" wie in Schweden zu bieten hat, ich empfinde es jedenfalls als angenehm und habe noch keine schlechten Erfahrungen in Schweden bezüglich des des "Überwachungsstaates" gemacht.

Deinen gesamten Beitrag könnte ich fast ungeändert unterschreiben. Ich stoße mich nur, wie tommy3, am "habe nichts zu verbergen" Argument. Das ist wirklich kurzsichtig. Ich hab eine ganze Menge zu verbergen, und du auch. (Wenn du auf die Toilette gehst, schließt du die Tür?)

Es gibt jedoch Dinge, die ich nicht wichtig finde vor ALLEN zu verbergen, da eine gewisse Öffnung mir Annehmlichkeiten bringt und Missbrauchsgefahr minimiert ist (vorwiegend weil Leute gut erzogen sind). Und dazu gehört alles was du so aufgezählt hast. Danke!

tommy3 hat geschrieben:
Dass die Ambulanzen mit Computern ausgerüstet sind, ist sicher wertvoll, aber woher sollen die von einem aufgegabelten Notfall wissen, welche Krankenakte abgerufen werden soll? Es gibt in S zum Glück keine Ausweispflicht. Ausserdem, wenn der Krankenwagen, wie für einen Herzinfarkt, in der Regel zu spät kommt, dann ist der Computer auch egal.

Dass es in manchen Fällen nichts bringt, zeigt ja nicht die generelle Nutzlosigkeit. Im Notfall sind vielleicht trotzdem Leute da die die Identität kennen. Oder es liegen irgendwelche Dokumente rum, muss ja nicht gleich ein Ausweis sein. (In D gibt es übrigens auch keine Pflicht, den Ausweis mitzuführen, das ist ein weit verbreiteter Irrglaube.)

tommy3 hat geschrieben:
Hätten Hitler und Honecker statt ihrer Zettelwirtschaft die effektive schwedische Personennummerverwaltung zur Verfügung gehabt, hätten sie ihr Mörderhandwerk noch besser ausführen können.

Wäre mir neu, dass beider System weniger effektiv war.

Imrhien hat geschrieben:
Dass die im Krankenhaus oder wo auch immer beim Arzt die Daten einsehen können, habe ich auch immer gedacht. Offiziell ist es auch so. Oder sagen wir, sogar praktisch ist es so. Nur wunder ich mich daher immer wieder mal, dass die trotzdem Fehler bei mir machen und eben NICHT wissen was ich bisher eingenommen habe oder welche Dosis von einem Medikament ich brauche oder seit wann ich das nehme.

Die Beispiele die du nennst sind natürlich doof. Aber ein System ist ja nicht dadurch schlecht, dass es Leute gibt, die es falsch anwenden.


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 Betreff des Beitrags: Re: Schweden = sozialistisch-totalitärer Überwachungsstaat?
BeitragVerfasst: 15. Oktober 2010 19:48 
Ja, Schweden ist ein sozialistisch staat gewesen. Aber jetzt Schweden will zu recht werden.

Hoffentlich Sie will meine Deutsch versteh, wie ich in die Schwedische Schule gelernt hat.

Herzlich willkommen nach Schweden!

"Ein Schwede aus Göteborg in Schweden"


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