Schweden: Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts

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unbekannt

Re: Schweden: Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts

Beitragvon unbekannt » 6. März 2017 18:05

Hallo Gerhard,

mir ist diese Vergewaltigungs-Statistik bekannt. Glätte sie mal langfristig und wähle nicht Zeitabschnitte, die vielleicht deinen Wunschvorstellungen entsprechen. Alter Trick, um es mal hart auszudrücken. Mit weiteren Argumenten kannst du natürlich jeden internationalen Vergleich zerlegen, der auf semantischen Begriffen, z.B. juristischen, basiert. Aber so kommt man nicht weiter und diese Art der Argumentation enttäuscht mich nur. In jedem Land mit einer vergleichenbaren Kultur und Rechtsstaatlichkeit, in dem wenigstens halbwegs Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau besteht, sind die Vergewaltigungsbegriffe ähnlich und in der Umgangssprache aus gutem Grund auch vorhanden. Wer diese Begriffe abschaffen will, vertuscht nur. Auch wird die Dunkelziffer nicht um Größenordnungen abweichen. Und die Vergewaltigungsrate steigt in Schweden von Jahr zu Jahr seit mindestens 15 Jahren. Da kann man noch so viel bereinigen. Ich habe jedenfalls keine Lust auf diesem Niveau darüber zu diskutieren, weil es nur Zeitverschwendung ist. Übrigens bist du nicht der einzige, der was von Statistik versteht.

Und ob die Terrorwarnung in Schweden herauf- oder heuntergesetzt wird, ist mir im Grunde ziemlich egal. Alleine die Tatsache, dass wir überhaupt anfangen uns an Terrorwarnungen zu gewöhnen, halte ich für bedenklich. Es ist nicht normal, dass man in die Luft gesprengt wird oder von einem Lastwagen zerfetzt wird! Ich will auch nicht dieses doofe Argument hören, die Chance an seinem eigenen Steak zu ersticken sei größer als an einem Terroranschlag zu sterben. Es sind zynische Argumente, die in billige Talkshows gehören, die sich kein vernünftiger Mensch mehr antut.

Schweden hat an allen Ecken Probleme. Wenn man sie nicht sehen will, dann sieht man sie auch nicht. Gehört man zur oberen Mittelschicht, dann hat man sogar Vorteile von der Einwanderung Unqualifizierter oder Niedrigqualifizierter, weil der Dienstleistungssektor durch sein erhöhtes Angebot kostengünstiger wird. Das sind dann Transferleistungen von unten noch oben. Die Schere zwischen arm und reich wird größer dank dieser Gesinnungsmoral, die eigentlich nur Schaden anrichtet. Ich weiß wenigstens, was ich mache, wenn ich zu einem Spottpreis von der kommunalen Kooperative die mit Steuergeldern subventionierte Gartenarbeit erledigen lasse. Es ist im Grunde Fälschung der Arbeitslosenstatistik bei gleichzeitiger Bereicherung durch Steuergelder anderer, die keinen Garten besitzen. Stolz bin ich darauf nicht. Ich mache mir auch nichts vor.

Bewegt man sich in der Bildungsschicht, dann trifft man jede Menge aufgeklärte, intelligente und gebildete Menschen aus allen Ecken der Welt, mit denen man sich gut versteht und einen interessanten Austausch hat. Nur so kann ich mir diesen Kulturrelativismus, der in Schweden weit verbreitet ist, erklären.

Arbeite mal ein paar Monate an einer richtigen Problemschule in einem Problemviertel mit Wachdienst, Schlägereien, Anzeigen, Polizeieinsätzen, Drohungen und der schwedischen Schweigekultur. Denke immer daran, welches Parteibuch dein Rektor haben könnte, um dich politisch korrekt auszudrücken. Alles wird vertuscht, was nicht in die Agenda passt. Dann lernst du eine ganz andere Seite von Schweden kennen. Oder frage mal Frauen, die einen SFI-Kurs abhalten, was sie erleben, wenn Schüler Frauen als eine Art Inventar betrachten, um mich noch höflich auszudrücken. Einige SFI-Schüler kommen morgens und gehen gleich wieder. Hauptsache sie haben die Unterschrift vom SFI-Lehrer erhalten, damit sie Geld für die angebliche Teilnahme bekommen. Wenn der Lehrer meckert, gibt es Drohungen. Das Interesse Schwedisch zu lernen ist bei einigen nicht vorhanden. Es geht nur um die persönliche Bereicherung.

Ich weiß, dass es nicht so einfach ist, sein schönes Weltbild von Schweden von heute auf morgen zu ändern. Der Prozess ist nicht einfach. Ich spreche aus eigener Erfahrung. Aber hinterher fühlt man sich besser. Schweden ist ein gescheitertes Einwanderungsland mit einem maroden Sozialsystem und einer dafür unverschämten Steuerlast.

Dummerweise war ich so naiv nicht rechtzeitig eine private Krankenzusatzversicherung abzuschließen, damit man nicht so lange auf seine Behandlung warten muss (zum Nachteil der Normalversicherten leider). Ich empfehle das dringend, bevor die Altersgrenze erreicht ist. Wer unbedingt nach Schweden auswandern will, sollte wenigstens vorher seine Zähne sanieren lassen. Zahnärzte sind knapp. Unser ging in Pension, findet keinen Nachfolger und der nächste, der Zeit hat, ist eine Autostunde enfernt. Ich lebe in einer Stadt mit über 20.000 Einwohnern. Die Röntgenabteilung wurde geschlossen. Die nächste Ultraschalluntersuchungen finden auch eine Autostunde entfernt statt. Entbindungstation geschlossen. Die nächste Entbindungsstation 50 km entfernt. Die Notaufnahme nachts und an Wochenenden geschlossen. Die nächste auch 50 km entfernt. Andere müssen 130 km fahren. Wartezeit auf den Krankenwagen bis zu 45 Minuten, wenn man Pech hat. Es gibt Kurse, wie man ein Kind im Auto entbindet, falls es schneller geht als erwartet. Das ist aus dem Schweden geworden. Es ist zum ....., was aus diesem schönen Land innerhalb von ein paar Jahren geworden ist.

EuraGerhard
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Re: Schweden: Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts

Beitragvon EuraGerhard » 7. März 2017 09:37

Hallo Volker,

zugegeben, es mag an meiner naturwissenschaftlichen Prägung liegen, dass ich Behauptungen nur dann zu akzeptieren bereit bin, wenn sie sicher und fundiert belegt werden können. Wenn etwas nicht sicher, sondern nur mit hoher Wahrscheinlichkeit belegt werden kann, dann erwarte ich zumindest, dass die Fehlerspanne angegeben wird. In Zweifelsfällen habe ich kein Problem damit, mich mit einem klaren: "Ich weiß es nicht" abzufinden.

Was die internationalen Vergleiche zur Vergewaltigungsrate betrifft, so gibt es durchaus - in gewissen Grenzen - Möglichkeiten, die unterschiedlichen Begriffe und Definitionen durch Wichtungsfaktoren zu berücksichtigen. Wobei man sich dabei dessen bewusst sein muss, dass diese Wichtungsfaktoren nicht selten auf reinen Schätzungen basieren, wie hier zum Beispiel, was die Anzeigebereitschaft betrifft. Und mit der Einbeziehung solcher Schätzungen erweitert sich natürlich die Fehlerspanne ganz erheblich. Wird nun eine Behauptung aufgestellt, ohne dass die grundlegenden Schätzungen und die daraus resultierenden Fehlerspannen angegeben werden, so betrachte ich das als zumindest als zweifelhaft.

Was die Entwicklung der Vergewaltigungsrate in Schweden betrifft, so kann - und muss - man über den Auswertungszeitraum zumindest die Auswirkungen von durch Gesetzesänderungen bedingten Erweiterungen des Vergewaltigungsbegriffs berücksichtigen und herausrechnen, um eine einigermaßen seriöse Statistik zu erhalten. (Und sich auch dabei wieder bewusst sein, dass es sich in erster Linie um Abschätzungen handelt.) Zumindest muss man die Zeitpunkte solcher Änderungen klar angeben. Berücksichtigt man diese und weitere Effekte wie z.B. die Einwohnerzahl, so ergibt sich zwischen 2006 und 2011 tatsächlich noch ein leichter Anstieg, danach aber eher Stagnation bzw. möglicherweise sogar ein leichter Rückgang. Die Behauptung, die Vergewaltigungsrate in Schweden würde "von Jahr zu Jahr seit mindestens 15 Jahren" steigen, kann also dadurch zumindest nicht belegt werden.

Und wie ich schon verschiedentlich angedeutet habe, ist Schweden das fünfte Land, in dem ich längere Zeit lebe. Ich mache mir keine Illusionen über die Situation hier, ich hänge keinen "Bullerbü"-Träumen nach und ich weiß, dass es in einigen Bereichen erhebliche Probleme gibt. Nur ist mir auch klar, dass diese Probleme ausnahmslos "hausgemacht" sind, die meisten resultieren aus rein innerschwedischen politischen (Fehl-)Entscheidungen, die nicht selten Jahrzehnte zurückliegen. So z.B. die langen Wartezeiten im Gesundheitswesen oder auch die sich seit den 1990er Jahren weitgehend ungestört entwickelnde und jetzt eskalierende Bandenkriminalität in bestimmten Stadtvierteln.

Ansonsten: Ich habe diverse SFI-Kurse als Schüler besucht. In diesen Kursen war ich einer von ganz wenigen Europäern, die allermeisten Mitschüler kamen aus arabischen und asiatischen Ländern. Die Lehrkräfte waren ausnahmslos weiblich, die überwiegende Mehrheit jung und attraktiv, aber sie hatten ihre "Rasselbande" im Griff. Und auch wenn es den einen oder anderen Abhänger gegeben hat, so war die überwiegende Mehrheit der Schüler doch voll bei der Sache. Zugegeben allerdings, bei uns wurden die Anwesenheitsbestätigungen immer erst am Ende des Unterrichts rumgereicht, und wer nicht die ganze Zeit dabei war, ging leer aus.

Und schließlich sind ausnahmslos alle europäischen Länder Einwanderungsländer, zum größten Teil schon seit Jahrzehnten, auch wenn manche sich damit schwertun, es zuzugeben. Nur, die oben genannten politischen Fehlentscheidungen und deren Konsequenzen jetzt den Einwanderern in die Schuhe zu schieben, ist eine mindestens ebenso große Illusion wie irgendwelche "Bullerbü"-Träumereien.

MfG
Gerhard

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Re: Schweden: Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts

Beitragvon vibackup » 7. März 2017 19:15

Gerhard, ich schätze deine sachlichen und unaufgeregten Beiträge sehr.
Wollte ich nur mal schreiben, nachdem du nun mal wieder ein Glanzstück eines solchen hingelegt hast.
Respekt und :danke: von

//M

jörgT
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Re: Schweden: Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts

Beitragvon jörgT » 8. März 2017 09:01

Kann mich Michael nur anschliessen - :danke: Gerhard!
Jörg

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Re: Schweden: Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts

Beitragvon Petergillarsverige » 8. März 2017 13:14

Es geht auch etwas lustiger.
Ein noch gut erhaltenes WOMO. Drei gut trainierte bis an die Zähne bewaffnete Leute da drin. An einem exponierten Platz abgestellt. Die Angreifer gut verschnürt beim Gefängnis abliefern. Das 10 mal machen, das spricht sich herum und Ruhe ist.
Schweden ist nicht nur ein schönes Land - das ist ein Virus!

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Re: Schweden: Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts

Beitragvon Gottfried » 8. März 2017 13:24

Ich kann mich auch nur anschließen. Allerdings möchte ich das ausweiten: ich bin froh das wir Eure ( gerade Volkers :danke: , Gerhards :danke: , Michaels :danke: und Jörgs :danke: ) Beiträge im Forum haben. Es bereichert meinen Horizont ungemein. Danke!
Etwas irritiert bin ich nur, wenn persönliche Erfahrungen einfach weggewischt werden sollen. Die sind aus meiner Erfahrung nicht nur deshalb unrichtig, weil sie nicht in meinen Wahrnehmungshorizont passen. Volkers Erfahrungen, die er hier sehr zu Recht schildert, finde ich wichtig und beachtenswert. Immerhin hat ER sie gemacht und nicht irgendein User in Deutschland! Ihn auf den „Mond“ zu wünsche, halte ich für mehr als überflüssig.
Ich gebe zu, es wäre viel geschmeidiger, wenn wir nur wunderbare Erfahrungen aus Schweden lesen würden. Das wir aber nicht klappen, es entspricht einfach nicht der Realität. Es ist nicht schön, aber es ist so wie es ist.
Mir geht es hier auch nicht um „politische“ Meinungen oder Statistiken. Die sind wir doch sehr egal, ich weiß wie man Meinung bildet und Statistiken ,nunja anpasst :goodman: .
Jeder hat so seine „Zielvorstellungen“ von Schweden und das ist ja auch gut so. Wir haben ja eigentlich auch alle die gleichen toleranten und zumeist höflichen Umgangsformen.
Und eigene Erfahrung kann man doch auch gut tolerieren, oder?
Viele Grüsse

:smt024 Gottfried :smt024

Den Himmel überlassen wir den Engeln und den Spatzen. (Heinrich Heine)


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