Schweden mein Traum

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Tommy2

Re: Schweden mein Traum

Beitragvon Tommy2 » 15. Januar 2009 14:50

Hier

wird schon wieder so viel gedacht und angenommen und soweiter, dass ich mal ein paar Fakten anbringen will. Die folgende Liste enthält die Länder, in denen das Schlagen von Kindern verboten ist, sowie das Jahr der entsprechenden Gestzgebung. Schweden war also zuerst, aber ist absolut nicht einzigartig.

Danach kommt ein Link zu einer Zusammenstellung, die zeigt, dass trotz dieser Gesetzgebung in S auch heute noch Kinder geschlagen und Misshandelt werden, Tendenz zunehmend.

Und wie die Behauptung zustande kommt, "...In Schweden war schon immer die Kinderfreundlichkeit größer, die Akzeptanz der Kinder größer, ..." ist mir ein Rätsel. Wieviel Jahre reicht "immerschon" zurück?


Costa Rica (21 maj 2008)
Spanien (2007)
Chile (2007)
Venezuela (2007)
Uruguay (2007)
Portugal (2007)
Nya Zeeland (2007)
Nederländerna (2007)
Grekland (2006)
Ungern (2005)
Rumänien (2004)
Ukraina (2004)
Island (2003)
Tyskland (2000)
Israel (2000)
Bulgarien (2000)
Kroatien (1999)
Lettland (1998)
Danmark (1997)
Cypern (1994)
Österrike (1989)
Norge (1987)
Finland(1983)
Sverige (1979)

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Aelve
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Re: Schweden mein Traum

Beitragvon Aelve » 15. Januar 2009 15:20

Hallo Tommy,

wenn wir Dich nicht hätten, dann würden wir alle dumm sterben. Danke für die umfangreiche Liste. So alt wie ich bin, so lange ich denken kann, so lange ist mir bekannt, dass Schweden kinderfreundlich ist. Dass es trotzdem Menschen gibt, die ihre Kinder mißhandeln oder schlagen, das kann man wohl nie ganz ausrotten, da kann man nur ein Auge drauf werfen und einschreiten, wenn es bekannt wird. Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass in Schweden bei Mißhandlungen doch eher eingegriffen wird.
In meinem Schwedischkurs in unserem kleinen Wohnort ist ein Zivildienstleistender, der arbeitet in einer Kinderbetreuung auf Tagesbasis und betreut Kinder aus gestörten Familienverhältnissen. Alle wissen, dass die Eltern gestört sind und die Kinder vernachlässigen, trotzdem werden die Kinder abends zu den Eltern entlassen. In dem Tagesheim sind nur 6 Kinder, es sind aber nur in unserem kleine Ort mindestens 20 Kinder, die Bedarf an Betreuung hätten. Ein Kind hat schon darum gebeten, lieber im Heim ganz aufgenommen zu werden. Aber das wird dem Staat Deutschland zu teuer. Genauso wie Vorsorge, dass solche Mißstände und Kindervernachlässigung nicht so häufig auftritt, es wurde aus Geldmangel alles diesbezügliche eingestellt.

Grüße Aelve
Zuletzt geändert von Aelve am 15. Januar 2009 16:11, insgesamt 1-mal geändert.
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hansbaer

Re: Schweden mein Traum

Beitragvon hansbaer » 15. Januar 2009 15:42

Aelve hat geschrieben:Alle wissen, dass die Eltern gestört sind und die Kinder vernachlässigen, trotzdem werden die Kinder abends zu den Eltern entlassen.


Ich gebe zu bedenken:
In Deutschland ist der Schutz der Familie ein Verfassungsgrundsatz. Daher dürfen Kinder nur in extremen Fällen von ihren Eltern getrennt werden, und das muss gerichtlich festgestellt werden. Pflegeeltern erhalten Kinder deswegen nie unbefristet, auch wenn das für alle Beteiligten sehr schwer ist.

Es ist eine prinzipielle Frage, inwieweit der Staat in die Privatsphäre seiner Bürger eingreifen darf.

Auch wenn "alle wissen", dass etwas nicht in Ordnung ist, darf der Staat nicht willkürlich handeln.
Die Väter und Mütter des Grundgesetzes haben einige Bürgerrechte in die Verfassung geschrieben. Will man diese lockern, muss das wohlüberlegt sein. Ich würde es jedenfalls nicht an solchen plakativen Beispielen festmachen.

Natürlich kann man sich herrlich über solche Fälle aufregen. Nicht minder groß wäre aber die Aufregung, wenn man die Kinder einfach wegnehmen würde. Dann würden heuchlerische Exklusivstories durch die Medien gejagt, wo Mütter ihr Leid klagen, denen vermeintlich unberechtigt ihre Kinder weggenommen wurden. Ich glaube, das ist auch eine Frage von Werten, die in Schweden vielleicht etwas anders gelagert sind als in Deutschland. Ich finde den konsequenten schwedischen Weg zum Schutz des Kindes gut, aber ich würde mir mangels Kenntnis nicht zutrauen, ein Urteil abzugeben, ob dies wirklich besser gehandhabt wird als in Deutschland.

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Re: Schweden mein Traum

Beitragvon Haro » 15. Januar 2009 15:45

Hejsan alle,

noch eine kleine Anmerkung zum Gesundheitssystem in Schweden.
Ich denke das mit dem Gesundheitssystem in Schweden ist so wie in allen anderen Ländern auch, nämlich sehr unterschiedlich was davon abhängt welchen Arzt man hat, in welchem Län oder welcher Kommune man lebt. Wir leben in der Kommune Hultsfred im Kalmar län.
Wenn wir bei unserem Arzt in der Vårdcentale einen Termin brauchen haben wir bis jetzt nie länger als 4-5 Tage warten müssen und bei Notfällen so wissen wir von Bekannten bekommt man auch sofort einen Termin. Ich musste mal einen Termin für eine Untersuchung bei einem Spezialisten im Krankenhaus Kalmar haben, (kein Notfall) nach der Untersuchung in der Vårdcentale hat der Arzt eine Überweisung geschrieben (die ich aber nie zu Gesicht bekam) und siehe da nach einer Woche hatte ich die Untersuchung im Krankenhaus Kalmar hinter mir. Von einem Bekannten aus unserem Ort der einen Herzinfarkt hatte weis ich das er innerhalb kürzester Zeit im Krankenhaus war und einer Bypass OP unterzogen wurde. Bei uns im Kalmar län scheint die Organisation und Versorgung gut zu sein was bestimmt nicht heißt das es überall so ist. Wir sind mit der Versorgung hier jedenfalls sehr zufrieden.

Gruß aus Småland :flagge:
Harald
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Re: Schweden mein Traum

Beitragvon Aelve » 15. Januar 2009 15:59

Hallo Hansbaer,

es geht nicht nur um das Wegnehmen der Kinder aus der Familie. Mir geht es um Prävention. Früher gab es die Mütterberatungsstelle, all das gibt es nicht mehr, es kostete zuviel. Unfähige oder schlecht informierte Eltern werden im Grunde auch alleine gelassen, es wird keinem gezeigt, wie man Kinder erzieht oder geholfen, wenn aus Unerfahrenheit Fehler bei der Kindererziehung begangen werden. Erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, dann wird halbherzig eingegriffen.
Das wird sich in ein paar Jahren bitter rächen, denn Gewalt und Vernachlässigung führt bei den Vernachlässigten ebenfalls oft zur Lebensuntauglichkeit.
Ich war jahrelang in Gesprächskreisen, zum Teil waren dort auch Mütter, deren Kinder Behinderungen hatten. Alle Eltern, die zu den Treffen kamen, haben darüber geklagt, dass sie an keine Informationen kommen, an wen man sich wenden kann. Sie liefen oft gegen Mauern, wenn sie über ihre Sorgen die sie mit ihren Kindern haben mit irgendwelchen Stellen sprechen wollten. Sie wurden abgewimmelt, vom Arzt, der sie nicht ernst nahm, von den Lehrkräften, die keine Arbeit mit den Kindern haben wollten, selbst von Jugendpsychologen wurden Schuldzuweisungen ausgesprochen, anstatt richtige Beratung und Hilfe zuteil werden zu lassen.

In diesen Gesprächsrunden waren natürlich die Leute vertreten, die Probleme hatten und die auch bereit waren, diese zu besprechen oder Mütter, die das gleiche durchgemacht hatten, um Ratschläge zu geben. Aber Eltern, die nicht so motiviert sind, die nicht wissen, wo man Hilfe bei anderen Eltern findet, die werden mit ihrem Problem alleine gelassen.

Grüße Aelve
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Tommy2

Re: Schweden mein Traum

Beitragvon Tommy2 » 15. Januar 2009 16:06

...
"aber ich würde mir mangels Kenntnis nicht zutrauen, ein Urteil abzugeben, ob ...."
Dieses Statement ehrt den Verfasser.

hansbaer

Re: Schweden mein Traum

Beitragvon hansbaer » 15. Januar 2009 16:15

@Haro: Bei meinen bisherigen Vårdcentralen hatte ich oft schon am gleichen Tag einen Termin - daran hing es nicht. Es sind die nicht-akuten Facharztleistungen, die oft so lange dauern.

Die Debatte kriegt immer schnell den Anstrich, dass Leute wegen der Wartezeiten wegsterben würden. Das ist natürlich nicht so - die Lebenserwartung in Schweden ist schließlich eine der höchsten der Welt. Die angesprochene Bypass-OP war sicherlich dringend und wäre auch in Stockholm zügig erledigt worden.
Das Problem scheint mir vielmehr darin liegen, dass unangenehme Wehwehchen, die aber nicht sofort behandelt werden müssen, liegenbleiben, weil die Ärzte wegen mangelnder Kapazitäten dringendere Fälle abarbeiten. Wenn man wirklich mal dringend krank ist und am gleichen Tag Behandlung braucht, siecht man mit etwas Pech 8 Stunden lang (keine Erfindung) im Wartesaal der Notaufnahme vor sich hin, bis man drankommt. Je nachdem wird auch die Warteliste angepasst. Die angesprochene Magenspiegelung hatte nicht zuletzt deswegen 6 Monate Wartezeit, weil man ältere Patienten vorgelassen hatte.

Das mag ja noch einleuchtend sein, ändert aber nichts daran, dass solche Wartezeiten inakzeptabel sind. Während der 4 Monate Wartezeit wegen der Fistel war ich zahlreiche Male bei der Krankenschwester zum Verbandswechsel, und die haben mir dann auch Verbandsmaterial mit nach Hause gegeben. Das hat den Staat letztendlich auch viel Geld gekostet, das er sich bei einer zügigen Behandlung hätte sparen können. Durch die langen Wartezeiten werden die Probleme ja eher mehr als weniger - und das kostet nachher wieder Geld bei der Behandlung und viel Pein für den Patienten.

Da liegt aus meiner Sicht eine Schwäche im System, die dann zu Tage tritt, wenn ein Personalmangel besteht. Dass es bei Dir, Haro, nicht so schlimm ist, ist natürlich gut. Aber wenn ich mir überlege, was ich schon so alles gelesen habe in den letzten Monaten und Jahren, scheint mir das eher die Ausnahme als die Regel zu sein.

hansbaer

Re: Schweden mein Traum

Beitragvon hansbaer » 15. Januar 2009 16:27

@Aelve: das führt natürlich weit vom Schweden-Thema weg. In der Tat ist es so, dass Deutschland in den letzten Jahren, um nicht zu sagen Jahrzehnten, verschlafen hat, die Strukturen zur Förderung der nachkommenden Generation zu erneuern und zu verbessern. Die deutsche Politik scheint auch nicht begriffen zu haben, dass wir mit unseren bisherigen Ausbildungsquoten im künftigen Wettbewerb keinen Blumentopf mehr gewinnen werden. Auf der anderen Seite will man ja auch den Staatshaushalt mal in Ordnung bringen. Leider alles nicht so einfach...

Landsbo

Re: Schweden mein Traum

Beitragvon Landsbo » 15. Januar 2009 16:38

Kalmar län gehörte zu den wenigen läns, in denen die Vårdgaranti erfuellt wurde, wenn ich mich richtig entsinne.
Mal schauen wie sich die Landschaft verändert, wenn die Vårdval ueberall eingefuehrt wird.

Tulipa
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Re: Schweden mein Traum

Beitragvon Tulipa » 15. Januar 2009 17:17

Dazu, dass Schweden "schon immer so kinderfreundlich" war:

Habt ihr schon einmal von den Kinderheimen gehört, die in Schweden noch vor einigen Jahrzehnten gang und gäbe waren, in die Kinder z.T. zwangsweise eingewiesen wurden ? Das war der HORROR pur - "stulen barndom" = gestohlene Kindheit.

LG
Tulipa
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