Tulipa hat geschrieben:
Nein, schön wärs
Guck z.B. mal hier:
http://sverigesradio.se/sida/artikel.as ... el=4185782Hab ich heute wohl die Fortsetzung im Radio gehört und gleich unsere Tochter angesprochen. Die machen tatsächlich jede Woche eine Stunde so etwas ähnliches, wobei sie das sehr positiv darstellt. Nur auf Schuldinge/Klassenkameraden bezogen, wer da wen gekränkt hat und dann muss sich derjenige entschuldigen.
Mich ärgert mal wieder, dass wir Eltern zu einem ganzen Themenkomplex überhaupt nicht informiert werden, was in der Schule so gemacht wird. Und ich weiss nicht recht, was ich davon halten soll
LG
Tulipa
Ich habe schon früher einmal gepostet, dass in Schweden die Kinder nicht den Eltern, sondern dem Staat gehören.
Diese provokante (und sicherlich übertriebene) Aussage lasse ich mal bewußt so stehen, vielleicht kommen ja noch mehr auf denselben Trichter

Meine Erfahrungen bauen auf Dialoge bei Elternabenden, bei Ärzten und sonstigen Einrichtungen, wo Kinder/Jugendliche zusammen mit ihren Eltern und den entsprechenden Amtsrepräsentanten zusammentreffen um etwas zu besprechen. Ich bin es von Deutschland so gewöhnt (aber das hat sich ja vielleicht auch geändert - korrigiert mich gerne), dass die Kinder gehört werden, und dann zusammen mit den Eltern Entscheidungen getroffen. Bis die Kinder mündig sind tragen ja auch die Erziehungsberechtigten die Verantwortung (und kennen ihre Kinder wohl auch am besten und haben wohl auch etwas mehr Lebenserfahrung als diese

).
In Schweden sehe ich die Eltern mehr als Zuhörer, die gegenwärtig sind, wenn Dritte zusammen mit den Kindern (teilweise sehr wichtige) Entscheidungen treffen. Es wird dann mehr oder weniger erwartet, dass man pflichtschuldigst nickt. Und dann der abschließende Satz: "Noch Fragen?".
Dazu zwei Beispiele:
- Ich war mit meiner damals 16-jährigen Stieftochter bei einer Ärztin. Unsere Tochter hatte seit langer Zeit starke Kopfschmerzen, ohne dass man einen Grund gefunden hat. Nach der in Schweden (oder vielleicht nur bei uns) üblichen Zeit des blinden Ratens (probier das, probier jenes) wollten wir dann doch eine etwas gründlichere Untersuchung. Um nicht wieder abgewimmelt zu werden, schickte meine Frau mich (liegt wohl an meiner direkten, unschwedischen Art, ich komme meistens weiter damit, hihi) als Begleitperson. Ich wurde von der Ärztin vollkommen ignoriert (habe auch erst mal zugehört, aber war aus dem Gespräch vollkommen ausgeschlossen). Als dann, nachdem die Ärztin versucht hatte alles zu verharmlosen, unsere Tochter (ohne wenigstens Blickkontakt mit mir) gefragt wurde, ob sie wirklich dieses Computerröntgen für erforderlich hielt antwortete ich dann etwas barsch "Ja! Wir, die Eltern halten das für erforderlich. Wir tragen ja schließlich die Verantwortung für unsere Kinder!"
Was wäre gewesen, falls da ein Tumor gewesen wäre und sich unsere Tochter zu einem "nein" überreden lassen hätte? Wie kann man nur so wichtige Entscheidungen Minderjährigen überlassen und die Eltern völlig übergehen?
Nachspiel: Die Ärztin rief später bei meiner Frau an und fragte sie nach dem Verhältnis zwischen unserer Tochter und mir aus. Durch die Blume also, ob ich mit ihr streiten würde. Oder ob wir ein vielleicht "allzugutes Verhältnis" miteinander hätten. Leider ohne Erfolg ....
Es war mir ein regelrechtes Vergnügen etwa ein Jahr später wieder dorthin zu gehen. Mit meiner jüngeren Stieftochter. Wegen Verschreibung der Pille gegen Menstruationsbeschwerden
Ich war gut vorbereitet und genoß die Dialoge ........
- Unser 10-jährige Sohn war Opfer eines recht ernsthaften Zwischenfalls an der Schule. Ich habe gleich den Rektor angerufen und dieser hat den "Trygghetsrådet" angewiesen, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Dieser wollte auch direkt mit unserem Sohn reden - allein! Da wurde natürlich nichts draus

Ich meine, ich habe eine halbe Stunde gebraucht um alles aus meinem total verstörten Kind herauszubekommen, behutsam und dennoch unter Tränen. Was glauben denn diese Menschen? Dass dieses Kind sich dann einer Gruppe von Erwachsenen (teilweise fremd) vorstellt und fröhlich sachlich alles der Ordnung nach berichtet ohne etwas Wichtiges auszulassen? Ich weiss, dass ich manchmal nicht "schwedisch" reagiere, aber soweit werde ich mich niemals anpassen! Und da habe ich die volle Rückendeckung meiner Familie, das weiß ich!
Auch bei dem folgenden Gespräch war es so, dass ich nicht gefragt wurde. Wollte ich etwas sagen, dann mußte ich mich selbst aktiv zu Wort melden.
Das waren nur 2 Beispiele. Sie stehen stellvertretend für viele andere Situationen, wo es ähnlich war, wenn vielleicht auch nicht so extrem. Ich habe einfach das Gefühl, das man als Elternteil nicht länger Entscheidungsträger ist, sondern nur noch Beisitzer. Diese Rolle werde ich allerdings niemals akzeptieren .....
/Paul