Schulausgaben für Werbung

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Tulipa
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Schulausgaben für Werbung

Beitragvon Tulipa » 4. Februar 2011 09:50

Guten Morgen,

hier wieder eine, ich nenne es mal Kuriosität, aus dem schwedischen Schulalltag: Die Kosten der Gymnasien für Eigenwerbung, um SchülerInnen anzulocken.

2010 für die 4 städtischen Gymnasien unserer Kommune 820 000 SEK, also etwa 80.000 Euro. Im Etat 2011 sind 720.000 SEK. Hinzu kommen ähnliche Kosten für jedes der Gymnasien freier Träger.

Die offizielle Gymnasiumswahlmesse im Herbst wurde von TV4 veranstaltet. Um genügend Schüler anzulocken, wurde dort u.a. eine der beliebten "Idol"-Ausscheidungen ausgetragen. Für einen Stand auf dieser Messe bezahlten alle Schulen je 40.000 SEK = etwa 4.000 Euro. Weiterhin investiert die Kommune 200.000 SEK für 370 Werbefilme in TV4, lässt Busse bedrucken und Reklame im Kino laufen.

Alle diese Ausgaben gehen direkt vom Schulbudget ab. Auf die Frage, ob es angemessen sei, solche Summen für Werbung auszugeben, steht in der heutigen Zeitung als Antwort der Zuständigen: "Är det rimligt att låta eleverna hitta all information själva?" = ist es denn etwa angemessen, wenn die Schüler sich alle Informationen selbst suchen müssen?

LG
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Imrhien
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Re: Schulausgaben für Werbung

Beitragvon Imrhien » 4. Februar 2011 23:25

Jaha, da wird doch das Geld für die Bildung richtig gut genutzt. Was soll man das für neues Lehrmaterial ausgeben wenn man Buss bedrucken kann? Exkursionen? Wozu? Besser die Musikindustrie fördern. *Sarkasmus aus*
Wusste nicht, dass die da so viel Geld reinstecken. Hier in Västerås gibt es über 20 Gymnasien. Muss mal sehen ob die auch so Werbung machen. Bisher hab ich noch nichts bemerkt aber meine Kinder waren nciht so weit. Mein Sohn hat ja erst mit Schule angefangen... Also bisher kein Thema für mich.

Ich habe derzeit auch so meine Sorgen mit dem Thema fritids und Schule. Und ich wollte da ein neues Thema starten aber es passt ja sogar hier rein mehr oder minder.
Mich beschäftigt einmal: Wie sehen bei Euch die Personalzahlen im fritids aus? Also wieviele Kinder pro Personal?
Und dann beschäftigt mich auch noch: Wo finde ich Vergleichszahlen aus nationaler prov oder ähnlichem von verschiedenen Schulen? Ich möchte wissen wie die Schulen innerhalb eines läns abschneiden. Also, Leistungsmässig, lernen sie da an einer Schule besonders viel oder an einer anderen besonders wenig? Und auch sozial auf mobbing und so bezogen. Es gab da mal eine Statistik zum Thema Mobbing. Die hatten die 9er ausgefüllt und man konnte sehen welche Schulen viel Mobbing haben und welche wenig. Weiss jemand wo man schnell an solche Tabellen rankommt? Aber eben auch an die Leistungsbezogenen.
Ach ja, noch ne Frage. Wird bei Euch auch im Sport (fritids) nach Geschlechtern getrennt? ist das nicht sehr alt und überholt? Ich meine, das machte man in Deutschland vor, was weiss ich, 40 Jahren? Kann das sein? Mir kommt es komisch vor.

Grüsse
Wiebke

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Re: Schulausgaben für Werbung

Beitragvon knut245 » 5. Februar 2011 17:21

Imrhien hat geschrieben:Ach ja, noch ne Frage. Wird bei Euch auch im Sport (fritids) nach Geschlechtern getrennt? ist das nicht sehr alt und überholt? Ich meine, das machte man in Deutschland vor, was weiss ich, 40 Jahren? Kann das sein? Mir kommt es komisch vor.

Grüsse
Wiebke


Das macht man in D immer noch, jedenfalls in Bayern ab dem Gymnasium (5. Klasse). Das soll jetzt nichts heißen, das bayerische Schulsystem ist leider völlig rückständig, aber die Trennung finde ich in dem Alter sinnvoll, weil die Pubertät einsetzt und die Kinder sich dann doch etwas unwohl fühlen. Außerdem entwickeln sich die Interessen im Sport auseinander.
Hier könnte auch etwas sinnvolles stehen, zum Beispiel ein Bier.

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Re: Schulausgaben für Werbung

Beitragvon Tulipa » 5. Februar 2011 19:04

Danke für eure Antworten, ich dachte schon, ich staune mal wieder allein...

Liebe Imrhien, wir stehen gerade vor unserer ersten nationeller prov. Und rate mal, wovon alle Lehrer einschliesslich der Rektorin schon das ganze Schuljahr mit Engelszungen reden, ja inständig bitten:
Dass die Schülerinnen doch tunlichst in dieser Unterrichtszeit (März bis Mai) nicht in den Urlaub fahren sollen, also nicht wie bei vielen üblich 1-2-3 Wochen der Schule fernbleiben!
Das scheint echt deren grösste Sorge zu sein...
Ergebnisse habe ich schon oft veröffentlicht gesehen, sollten also irgendwo im nätet zu finden sein.

Zur Geschlechtertrennung: die gibt es hier teilweise auch, aus praktischen Gründen und wie ich finde, sinnvoll. So im Innebandy (so eine Art Hockey), da wurden wohl zeitweise die Mädels regelrecht verdrängt. Muss ja gar keine Absicht gewesen sein, aber mir wäre auch nicht wohl, wenn die Jungs da mit ihren Schlägern um sich hauen.
Auch die Computerzeiten sind nach Geschlechtern aufgeteilt, vermutlich auch, damit niemand zu sehr dominiert.
Ich selbst war auf einem Mädchengymnasium und habe dort viele mathematisch-technisch begabte Mädchen glänzen sehen, von denen sich sicher nicht alle in einer gemischten Gruppe hätten entfalten können.

LG
Tulipa
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Re: Schulausgaben für Werbung

Beitragvon Berta » 6. Februar 2011 13:28

Hallo Wiebke,

ich lebe ja in Baden-Württemberg und bin in Schleswig-Holstein zur Schule gegangen. Die Menschen, die ich hier kenne, waren fast entsetzt über den Fakt, dass es bei uns im Norden immer gemeinsam Sportunterricht gegeben hat. Ist also nicht unbedingt veraltet - oder aber: Hier im Süden ist das Schulsystem generell veraltet. Das kann natürlich sein :wink: .

Zum Rest kann ich nichts sagen.

Einen lieben Gruß aus dem Süden
Berta.

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Re: Schulausgaben für Werbung

Beitragvon Pink_Panther » 6. Februar 2011 14:16

Hallo,

leider kann ich auch hier nur einen negativen Beitrag leisten.
In den schwedischen Schulen reicht es oft nicht einmal für Bücher. Als eines unserer Kinder mal 2 Wochen krank war, konnte er z.B. erst einmal kein Buch mit nach Hause ausleihen, weil es nur eine handvoll Bücher gab und diese für alle Schüler (also auch für die Parallelklassen) reichen mußten. Für die neue prunkvolle Mehrzweckhalle war dann allerdings wieder Geld da ......
Genauso, als unser Ältester (typisches "godkänt"-Kind) in voller Panik sich auf die Prüfungen vorbereiten wollte - keine Bücher verfügbar. Ich wollte dann diese verd... Bücher kaufen, das fanden die Lehrer dann aber wiederum peinlich .... ich auch :-(

/Paul

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Re: Schulausgaben für Werbung

Beitragvon blueII » 6. Februar 2011 19:24

Imrhien hat geschrieben:Ich habe derzeit auch so meine Sorgen mit dem Thema fritids und Schule. Und ich wollte da ein neues Thema starten aber es passt ja sogar hier rein mehr oder minder.
Mich beschäftigt einmal: Wie sehen bei Euch die Personalzahlen im fritids aus? Also wieviele Kinder pro Personal?
Und dann beschäftigt mich auch noch: Wo finde ich Vergleichszahlen aus nationaler prov oder ähnlichem von verschiedenen Schulen? Ich möchte wissen wie die Schulen innerhalb eines läns abschneiden. Also, Leistungsmässig, lernen sie da an einer Schule besonders viel oder an einer anderen besonders wenig? Und auch sozial auf mobbing und so bezogen.


Hej Wiebke

also die Komunalen bei uns haben 1-2 Betreuer pro ca 25-30 Kinder
Fritids wird im Klassenzimmer veranstaltet und es wird scheinbar viel Origami gemacht, da unsere Nachbarskinder Meister in Herzen + Co falten sind. :wink:
Sport wird hier nicht getrennt, weder im Verein noch in der Schule, es sei denn in einem leistungsbezogenen Verein.
Ich weiss jetzt nicht was nationaler prov ist, meinst Du die Test die die Kidds so ab Klasse 3 machen sollen?
Ich kenne nur die Statistiken ueber die Abschluesse der Klasse 9 aufgeteilt in Fächern (Mathe, engl usw.), die findest Du auf den Seiten des Skolvekert.

LG
Heike

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Re: Schulausgaben für Werbung

Beitragvon Tulipa » 6. Februar 2011 19:57

Noch eine Anmerkung zu den Schul"kosten": in der Zeitung stehen regelmässig regelrechte Hetzartikel, wie teuer die frei getragenen Gymnasien für die Kommune sind und dass es ein Unding sei, immer mehr freie Schulen zuzulassen.

Das ist aber eine verdrehte Wahrheit, denn kosten tun diese Schulen die Kommune gar nichts. Nur nimmt jeder der angeworbenen Schüler die ihm zugeteilten öffentlichen Mittel - bei Gymnasien etwa 100.000 SEK pro Nase und Jahr - mit und diese gehen dadurch der Kommune verloren.

Ich möchte mir kein Urteil anmassen, ob die freien Schulen besser sind als die kommunalen oder ob deren Besuch zu empfehlen ist. Ich finde es nur seltsam, dass die Kommune laut nach einem Verbot der Konkurrenz ruft, anstatt nachzudenken, warum reihenweise die Schüler überlaufen.

LG
Tulipa
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Re: Schulausgaben für Werbung

Beitragvon Pink_Panther » 6. Februar 2011 22:12

Tulipa hat geschrieben:. Ich finde es nur seltsam, dass die Kommune laut nach einem Verbot der Konkurrenz ruft, anstatt nachzudenken, warum reihenweise die Schüler überlaufen.

LG
Tulipa


Und das ist nicht regional, sondern offenbar in ganz Schweden so! Bei mangelnder Wettbewerbsfähigkeit will man die Konkurrenz per Regelwerk ausschalten. Wenn man etwas weiter ausholt, so kann man diesen These auch auf andere Dinge übertragen, z.B. den Import von Fahrzeugen. Bei Wohnwagen wird dann eine lächerliche (weil ohnehin bereits typisiert) Sicherheitsprüfung (ca. 8000,- SEK für einen Aufkleber und höchsten 15 min Arbeit) fällig. Es gibt weitere Beispiele. Aber gerade das oben genannte Beispiel ist mir auch schon sauer aufgestossen.
Ein anderes Beispiel: Den Privatschulen wurde die Schuld gegeben, dass das Leistungsniveau an den Gemeindeschulen in Gebieten mit hoher Einwandererquote so stark absank. Grund: Die begabteren Einheimischen werden auf eine Privatschule geschickt (warum wohl?) und damit fehlen in den Problemklassen die "Zugpferde" was zur Folge hat, dass diese zu typischen "Ghettoschulen" wurden.
So kann man natürlich auch argumentieren ;-) Lieber die Schuld auf Andere schieben, statt das Problem an den Wurzeln zu packen.
Ich persönlich denke, dass Schweden etwas mehr Privatisierung in Kombination mit verstärktem Konkurrenzdenken gut tuen würde .....

/Paul

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Re: Schulausgaben für Werbung

Beitragvon Tulipa » 6. Februar 2011 23:02

Pink_Panther hat geschrieben:Ein anderes Beispiel: Den Privatschulen wurde die Schuld gegeben, dass das Leistungsniveau an den Gemeindeschulen in Gebieten mit hoher Einwandererquote so stark absank. Grund: Die begabteren Einheimischen werden auf eine Privatschule geschickt (warum wohl?) und damit fehlen in den Problemklassen die "Zugpferde" was zur Folge hat, dass diese zu typischen "Ghettoschulen" wurden.
/Paul


Ja!
genau dies habe ich hier in der Presse gelesen als Antwort auf die mehr als mässigen letzten Pisa-Ergebnisse. Hauptschuld daran sei die neue bürgerliche Regierung, die die freie Schulwahl zugelassen habe.

LG
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