Schlafmittel-Gebrauch bei Kleinkindern wächst

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svenska-nyheter
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Schlafmittel-Gebrauch bei Kleinkindern wächst

Beitragvon svenska-nyheter » 8. August 2008 10:46

Unter schwedischen Kleinkindern ist der Gebrauch von Schlafmitteln markant gestiegen. Das berichtet der Schwedische Rundfunk. Demnach wurden beispielsweise in der Provinz Uppsala im Jahr 2007 an Kinder bis zum Alter von vier Jahren 17-Mal so viele Schlafmittel verschrieben wie noch im Jahr 2000.


>>ganzer Artikel

(Mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden)

nysn

Re: Schlafmittel-Gebrauch bei Kleinkindern wächst

Beitragvon nysn » 8. August 2008 11:19

Experten erklären den Anstieg mit der gewachsenen Forderung, ständig erreichbar zu sein, und daraus resultierendem Stress. Gestresste Eltern überführten die Unruhe vielfach auf ihre Kinder.


Kann es sein, dass es auch teilweise daran liegt, dass in Schweden in der Regel beide Elternteile zu fast 100 % berufstätig sind und dies auch unvermeidbar ist, wenn man sich den schwedischen Lebensstandard (eigenes Haus - voll hypothekenfinanziert, 2 x Volvo, 1 x jährlich Thailandurlaub) leisten können will?

In meiner Nachbarschaft gibt es viele jüngere Eltern mit in der Regel 2 Kleinkindern. Morgens um 6.30 Uhr verlassen sie das Haus und abends gegen 18 Uhr trudeln sie wieder ein. Die Kinder bekommen noch was zum Essen und gehen dann pünktlichst spätestens um 20 Uhr ins Bett. Wie die das mit dieser fast schon "preussischen Disziplin" hinkriegen, war/ist mir bisher ein Rätsel.

Aber wenn man dann so kleine "Hilfsmittel" wir Schlaftabletten für Kinder einsetzt, nun ja, dann geht zumindest mir ein Licht auf. Habe mich auch schon gewundert, warum in Schweden so viele Kinder die Diganose (DAMP - ADHD) bekommen?

S-nina

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Re: Schlafmittel-Gebrauch bei Kleinkindern wächst

Beitragvon Aelve » 8. August 2008 11:37

Hallo liebe S-Nina,

dann müßten in Deutschland ja fast alle Kindern nur mit Schlaftabletten gefüttert werden. Auch in D müssen beide für einen ganz normalen Lebensstandard arbeiten, ohne sich groß einen Thailand Urlaub leisten zu können, aber die Kinder sind darüber hinaus oft noch Schlüsselkinder und abends müssen noch die ganzen Hausaufgaben erledigt werden.

Ich möchte nicht wissen, wievielen Kindern in Deutschland Ritalin verschrieben wird, weil sie unter ASDH leiden.

Es scheint auch mit an den neuen Medien wie Computer, Handys, Fernsehen usw. zu liegen, dass Kinder nicht genügend ausgepowert sind, dass sie abends von alleine einschlafen können. Oder die Eltern wollen Ruhe vor den Kindern haben und greifen zu solchen unakzeptablen Mitteln. :roll:

Grüße Aelve
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Re: Schlafmittel-Gebrauch bei Kleinkindern wächst

Beitragvon janaquinn » 8. August 2008 12:00

Ich finde es schade, dass im Artikel nich genauer darauf eingegangen wird, an welche Kinder die Schlafmittel verschrieben werden.
Wir haben für Yannic seit fast 1 Jahr Melatonin, damit er überhaupt schläft. Und wir sind selig damit, denn ohne seine abendliche Dosis würde er max. 2-3h die Nacht schlafen.

Sollte es sich bei den Kindern um behinderte Kinder handeln, die in einem hohen prozentteil an sehr extremen Schlafmangel oder verschobenen Schlafrythmen leiden, kann ich die Eltern sehr gut verstehen, wenn sie einen solchen Schritt tun. Denn nur wer weiss, wie es ist, 7 Jahre lang kaum eine Nacht richtig geschlafen zu haben oder max. 2-3 h am Stück, greift nach jedem Strohhalm, der einem geboten wird.

LG JANA
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nysn

Re: Schlafmittel-Gebrauch bei Kleinkindern wächst

Beitragvon nysn » 8. August 2008 12:16

Oder die Eltern wollen Ruhe vor den Kindern haben und greifen zu solchen unakzeptablen Mitteln.


Genau das sind auch die Schlüsse, die ich daraus ziehen würde. Zum Teil kann ich es ja verstehen, denn persönlich würde ich es wahrscheinlich - ganz ehrlich gesagt - nicht schaffen, 2 Kleinkinder und Vollzeitjob plus all die anderen Anforderungen, die man heute so von außen an sich gestellt bekommt.

Ich denke auch nicht, dass es sich bei der Häufigkeit der Anwendung um vorwiegend behinderte/besondere Kinder handelt. Das wäre dann doch zu speziell und hätte nicht zu so einem allgemeinen Artikel geführt.

Wenn ich so nachdenke, dann wird wohl das Statussymbol der Zukunft hauptsächlich - ZEIT - sein. Zeit, die man mit seinen Kindern/der Familie verbringen kann. Dadurch würden dann auch wieder "altmodische" Werte wieder zurückkommen - wo der Bildung einen größeren Stellenwert eingeräumt wird, als der Luxus-Limousine vor der Haustür.

Diese Entwicklung wird, so denke ich, nicht gerade in Schweden ihren Anfang nehmen.

S-nina

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Re: Schlafmittel-Gebrauch bei Kleinkindern wächst

Beitragvon jörgT » 8. August 2008 13:08

Allerdings muss man bei der ganzen Diskussion meiner Meinung nach zwei weitere Aspekte berücksichtigen:
Zum Einen ist der Gebrauch von Schlaf- und Beruhigungsmitteln in Schweden allgemein höher als z.B. in Deutschland. Fast jeder zweite Pat. in der mottagning möchte gern solche Medikamente verschrieben bekommen - "zur Sicherheit". Und das zieht sich durch alle Alters- und Beschäftigungsgruppen.
Andererseits glaube ich persönlich nicht, dass der höhere Anteil berufstätiger Frauen etwas mit der "Statuserhaltung" zu tun hat. Berufstätige Frauen sind eine Selbstverständlichkeit, die eher etwas mit der traditionellen sozialdemokratischen Sicht auf Familie und Frauen zusammenhängt. Die Familie wird hier viel weniger als "Versorgungsgemeinschaft" gesehen, in der der Mann das Geld nach Hause bringt und die Frau für Kinder und Haushalt zuständig ist ...
Ich kenne übrigens viele junge Familien, die sehr viel mit ihren Kindern veranstalten - vielleicht ist das ein Stadt-Land-Problem?
Jörg :roll:

nysn

Re: Schlafmittel-Gebrauch bei Kleinkindern wächst

Beitragvon nysn » 8. August 2008 15:07

Zum Einen ist der Gebrauch von Schlaf- und Beruhigungsmitteln in Schweden allgemein höher als z.B. in Deutschland.


Warum brauchen die Schweden mehr Beruhigungs- und Schlafmittel als die Deutschen?

Hört man nicht ständig oder soll man im restlichen Europa nicht sogar davon ueberzeugt sein/werden, dass das sozialdemokratische Leben hier in Schweden viel ruhiger, geregelter, gerechter, ja sogar humaner ist? Keine politische Diskussion im deutschen TV ohne Verweis auf die "Vorbildlichkeit der skandinavischen Länder".

s-nina
:roll:

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Re: Schlafmittel-Gebrauch bei Kleinkindern wächst

Beitragvon blueII » 11. August 2008 23:03

Ich kann S-Nina 100% beiflichten ohne aber eine Ursachendiskussion führen zu wollen.

Mir fällt auch auf, dass zum Wohle der Nerven der Eltern, einiges "anders" geregelt wird, als ich es aus D aus meinem früheren Umfeld kenne.
Das fängt bei der täglichen Ernährung der Kinder an: Pfannekuchen aus dem Supermarkt, Wurst mir Brot erspart die Diskussion mit den Kid´s mal Gemüse und Obst zu essen; viel Fernsehen obwohl Freunde zu Besuch sind oder man sich auf einem Dorffest befindet. Habe bereits mehrfach bei solchen Veranstalungen erlebt, dass ein "sorgender" Vater einen portablen DVD Player mitgebracht hat.....undundund :roll:
wo sind die Mama´s oder Papa´s die wenigstens am WE ihre 2-3 jährigen draußen beim Spielen beaufsichtigen und ab und zu den Affen für sie spielen, indem sie sich von den Dreiradfahrenden jagen lassen oder Straßenkreide malen???

dabei leben wir hier wahrlich nicht in einem sozial schwachen Umfeld, wo man zur Entschuldigung sagen könnte, sie wissen es nicht besser


...das Medis im Spiel sind erschreckt mich sehr...erstaunt bin ich aber nur mäßig.

LG
Heike

nysn

Re: Schlafmittel-Gebrauch bei Kleinkindern wächst

Beitragvon nysn » 12. August 2008 10:27

Danke Heike für die Unterstützung :D

Für gewöhnlich starte ich meinen "Arbeitstag" mit der Lektüre unseres Tratsch- und Klatschmagazins
"Göteborgs Posten". Heute - auf der 1. Seite unter "Ledare" - hat es noch einer gemerkt:

"Stressad i överflöd" (Stress im Überfluss)
Obwohl die sog. Wohlfahrtsgesellschaft dazu beigetragen hat, dass alle nun mehr Zeit haben als früher, so fehlt es doch ständig an dieser, weil die meisten Leute in ihrer freien Zeit - anstatt wie früher Ausruhen, Kontemplation und geselliges Zusammensein - den Konsum wählen.

"Det är många som faktiskt gillar att shoppa, renovera sommarhuset eller att lära sig allt om den senaste mobiltelefonen." (Viele lieben Shopping, das Sommerhaus zu renovieren oder alles über die Anwendung des neuesten Mobiltelefons zu erfahren)."

Die Schlussfolgerung, die der Autor des Artikels und die "Lyckoforskning" (Glücksforschung) daraus ziehen, ist:
Materiellem Standard, der über ein bestimmtes grundlegendes Niveau hinausgeht, kommt für unser Wohlbefinden keine größere Bedeutung mehr zu. Was zu unserem Wohlbefinden beiträgt, ist vielmehr: bewusstes, zielgerichtetes Arbeiten, Kreativität, Liebe und gute Freunde.

Ich finde, diese Werte waren in Deutschland noch stark in den 60er-/70er-Jahren präsent. Ich erinnere mich noch an die vielen langen und auch "langweiligen" Sonntagnachmittage, die wir bei diversen Verwandten bei Kaffee und Kuchen - ohne Fernseher - zugebracht haben. Wenn es uns langweilig war, erhielten wir zur Antwort: Intelligente Menschen kennen keine Langeweile - lest ein Buch oder spielt ein Spiel. In der Regel fiel uns dann auch immer etwas ein - und wenn es nur ein Kartenspiel war.

Daraus entstand auch eine Nähe zu den engsten Verwandten - zu Oma/Opa, Tanten, Onkeln und den vielen Cousins und Cousinen.

Ist es Euch z. B. aufgefallen, wie intensiv in Schweden "Släktforskning" betrieben wird? Alle suchen irgendwie nach ihren Wurzeln. Auch das wird in der Zukunft wieder mehr "Status" haben - seine Verwandten zu kennen und den Umgang mit ihnen pflegen.

Denn Luxus und Reichtum ist immer gerade das, was knapp ist und was nicht alle haben.

Ein Buch, das mich beeindruckt hat und das, wie ich finde sehr schön die Richtung vorgibt, ist:
"Die Kunst des stilvollen Verarmens" von Alexander von Schönburg

Denn das, was ich an Schweden gerade nicht mag, ist dieses ständige Streben nach oberflächlicher "duktighet" - alles soll organisiert, analysiert und nach außen perfekt sein. Erst, wenn alle genau das Gleiche tun, dann ist es akzeptiert. Ich denke, dass es wohl noch einige Jahre dauern wird, bis das "socialstyrelsen" die Erkenntnisse der "lyckoforsking" dem "svenska folket" vermitteln wird.

S-nina

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Re: Schlafmittel-Gebrauch bei Kleinkindern wächst

Beitragvon janaquinn » 12. August 2008 10:41

Hej Nina,
da sind wir doch tatsächlich mal einer Meinung :wink: ! Ich persönlich empfinde nichts langweiliger als Perfektionismus und Gleichheit...egal in welcher Hinsicht.
Unsere Familie ist genau aus den genannten Werten nach Schweden gezogen und haben es gefunden. Wir sind nicht nach Luxus oder auf Unmengen Geld aus, obwohl sich das Finanzamt wahrscheinlich sehr drüber freuen würde. Wir wollten einfach nur in Ruhe leben und machen worauf wir gerade Lust haben. Egal, was der Nachbar schräg gegenüber darüber denkt. Wenn ich Lust habe, den halben Tag in meiner Schlafanzug-Hose am Laptop zu sitzen ( und ich auch die Zeit für habe :roll: ) dann tue ich es eben.
Ich mag die ruhigen Minuten, wenn Taima und Yannic schlafen, ich mit meiner Schwester quatschen kann, einen Tee trinke oder einfach nur stundenlang den Schneeflocken zu schaue, wenn denn welcher fällt :lol: !

Vielleicht kann manch ein Schwede doch soo einiges von einigen Deutschen Einwanderen lernen, zumindest von denen, die nicht herkommen und auf den Putz hauen wollen. Damit meinte ich übrigens niemanden aus dem Forum, sondern im Allgemeinen! Also bitte bitte nicht falsch verstehen!!

Wir haben hier das gefunden, was wir gesucht haben...vielleicht auch einfach, weil wir nichts wirklich bestimmtes gesucht haben und schon immer, auch in Deutschland, eher gegen als mit den Strom geschwommen sind.

Herzliche Grüsse aus Mölnbo (eher Sörmland als Södertälje :wink: )
JANA
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