Ruhe in Schweden

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Speedy
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Ruhe in Schweden

Beitragvon Speedy » 4. September 2011 14:49

Hi,

alle schreiben immer wie schön ruhig es in Schweden ist......

Heute, Sonntag 15.45 Uhr, steht mein Nachbar hier mit dem Trimmer und "macht" genau hinter unserer Terrasse das Unkraut nieder. Hier traut man sich nicht etwas zu sagen. Aber Schweden ist ja so "lungt"

...von wegen

Speedy

goteborgcity
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Re: Ruhe in Schweden

Beitragvon goteborgcity » 4. September 2011 14:53

Hej Speedy,

es gibt in Schweden keine Sonntagsruhe. Es ist daher völlig normal an diesem Tag Gras zu mähen oder auch lautere Tätigkeiten zu unternehmen. Schweden halten die deutschen Gesetze zur Sonntagsruhe als unsinnig und unnormal ... es sind eben zwei verschiedene Mentalitäten.

Dass Schweden ruhig sind, das bezieht sich mehr auf das Persönliche, dass sie jemanden nur selten anschreien und den anderen mit seinen Eigenheiten respektieren. Aber ich mähe meinen Rasen auch am Sonntag ... und alle meine Nachbarn ebenso.

Grüsse aus Göteborg

Herbert

Speedy
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Re: Ruhe in Schweden

Beitragvon Speedy » 4. September 2011 15:08

Hi Herbert,

das weiss ich wohl, ich lobe mir aber das "Ruhegestz" in Deutschland es macht eben doch Sinn auf die Nachbarn und/oder Mieter Ruecksicht zu nehemen. Dort hatte man auf jeden Fall seine Ruhe am Sonntag. Denn solche Arbeiten kann man ja nun wirklich an einem anderen Tag erledigen.

Ich weiss ich muss mich anpassen... das kommt nun von Dir, ich weiss....

ich will aber nicht mehr....

schei.... das hier alles so gelaufen ist wie es ist, aber das ist nun zu spät was zu ändern, fuer mich ist das beruehmte Kind in den Brunnen gefallen...

Gruss

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Re: Ruhe in Schweden

Beitragvon goteborgcity » 4. September 2011 15:48

Hej Speedy,

ich verstehe Dich und denke, dass ich auch Dein Problem oder die Probleme sehe, wobei ich jedoch die "Schuld", wenn man das Wort so benutzen kann, nicht unbedingt bei Dir suche, sondern daran, dass so wenig "echte Information" in andere Länder getragen wird, denn viele, die nach Schweden auswandern, würden es sich sicher zweimal überlegen, wenn sie die Realität hier kennen würden, wenn sie wüssten wie Schweden "ticken", was von ihnen erwartet wird usw.

Aber ein Teil der Auswanderer schreibt dann bereits nach ein bis zwei Jahren ein Buch und Berichte, die Schweden nur mit verträumten Augen sehen lassen (obwohl sie Schweden gar nicht kennen), die Fernsehanstalten wollen die Zuschauer von Schweden träumen lassen und die Fremdenverkehrsvereine sind nun einmal dazu da so viele Touristen wie möglich anzuziehen. Das alles hilft einem Einwanderer jedoch wenig weiter.

Und dann kann man natürlich noch zusätzlich Probleme mit Nachbarn oder der Arbeitsstelle haben, aus welchen Gründen auch immer.

Oft kann ich nicht einmal sagen, was man als Einwanderer machen sollte ... manches jedoch ist ein, sagen wir einmal "typisch deutsches Problem". Ich bin hier, zum Beispiel, Couch für Einwanderer, die Unternehmen gründen wollen, und habe festgestellt, dass deutsche Einwanderer einfach über diesen Kursen stehen und denken, dass alles hier so sein muss wie in Deutschland. Afrikaner, aber auch Schweizer und Franzosen sind da weitaus "einsichtiger" und wissen, dass hier manches anders läuft, da es sonst diese Kurse für Einwanderer ja gar nicht gäbe. Aber ich sehe nicht, wie man das Ganze ändern kann, denn die Grenze zwischen anderer Mentalität und schlechter Erfahrung und ähnlichem sind einfach schwimmend.

Noch einen schönen Sonnatg (trotz Lärm).

Herbert

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Re: Ruhe in Schweden

Beitragvon meckpommbi » 5. September 2011 05:45

es giebt auch dieses eine buch wo eine sehr enteuschte auswanderin geschrieben hat http://www.amazon.de/Alptraum-Schweden-Hinter-Kulissen-Traumlandes/dp/383914521X/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1315197724&sr=1-1
mich stoert an dem Buch nur der Titel ich hätte mir ein "Mein" gewuenscht um zu verdeutlichen das es so oder so sehr subjeltiv ist im guten wie im schlechten
gruss birgit

http://www.amazon.de/Die-M%C3%BChle-Kopf-Depression-Betroffenen/dp/3842376596/ref=cm_cr_pr_pb_i

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Re: Ruhe in Schweden

Beitragvon Lusthuset » 5. September 2011 09:01

meckpommbi hat geschrieben:es giebt auch dieses eine buch wo eine sehr enteuschte auswanderin geschrieben hat http://www.amazon.de/Alptraum-Schweden-Hinter-Kulissen-Traumlandes/dp/383914521X/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1315197724&sr=1-1
mich stoert an dem Buch nur der Titel ich hätte mir ein "Mein" gewuenscht um zu verdeutlichen das es so oder so sehr subjeltiv ist im guten wie im schlechten
gruss birgit

http://www.amazon.de/Die-M%C3%BChle-Kopf-Depression-Betroffenen/dp/3842376596/ref=cm_cr_pr_pb_i


Hi,
ich denke, beide Bücher befassen sich zu sehr mit dem Negativen im Leben.
Wenn man in ein anderes Land geht -oder egal was man anfasst- mit einer negativen Grundstimmung ran geht, kann es nur in einem Teufelskreis enden.
Jede(r) hat im Leben immer mal wieder den eigenen oder auch fremde Schweinehunde zu besiegen. Und mit einer Grundfreude am Leben gelingt das auch. Nichts ist schlimmer als andere mit runterziehen zu wollen, um dass eigene Fühlen zu rechtfertigen und das scheint grade im ersten Buch der Fall zu sein.
Kein gutes Beispiel, um für das zweite Buch zu werben.
Meint Lusthuset, der nie in ein anderes Land fährt um sich zu ärgern..., egal was auf einen zukommt!!!

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Re: Ruhe in Schweden

Beitragvon Imrhien » 5. September 2011 11:20

Hej,
ich glaube, das Problem ist auch, dass Deutschland und Schweden sich in vielen Dingen eben doch ähnlich ist. Daher denkt man als Deutscher nicht unbedingt daran, dass es so anders sein könnte. Kommt man aus Italien, dann muss man einfach viel weiter in den Norden und denkt sich vielleicht schon eher, dass die Kultur entsprechend anders sein könnte. Oder gar, wenn man aus Afrika kommt. Das gilt ja auch für die Sprache. Wir Deutsche haben es sehr leicht erst mal. Thailänder brauchen deutlich länger bis sie so weit kommen wie wir, in der Sprache. Das liegt daran, dass deren Sprache so weit weg ist vom Schwedischen. Aber dafür lernen sie es auch richtig. Wir machen schneller Fehler im Sinne von falschen Freunden. Sowas wie svimma statt simma oder ähnliches. Das kommt daher, dass die Sprachen einander so ähnlen und man eben glaubt, dass es so richtig ist. Und ähnlich ist es dann mit der Kultur. Ich glaube jedenfalls, dass das manches erklären kann.

Mir geht es was die Ruhe angeht mittlerweile so, dass ich es toll finde und gelernt habe, mit dem "Lärm" am Sonntag zu leben. Einfach weil ich selber auch nicht immer an anderen Tagen Zeit habe. Als unser Nachbar am Ostersonntag um 12 die Motorsäge rausgeholt hat, wussten wir damals, wie das in Schweden läuft und waren fortan deutlich entspannter, also auch ruhiger (im Sinne von Stress). Natürlich nervt es wenn der Sprössling vom anderen Nachbar sein Motorrad jeden Samstag (den ganzen Tag) mit dem Kärcher bearbeitet. Aber andererseits brauchen wir uns nciht zu stressen, wenn wir mal an der Veranda bauen oder sonst was machen.
Ich verstehe aber durchaus was Du meinst Speedy. Das kann schon nerven und man ist dann gar nicht mehr ruhig.
Tatsächlich bleibt einem nicht viel anderes als mit diesen Kulturunterschieden zu leben, wenn man nicht weg kann/will. Manches kann man eben nicht ändern und die Schweden lieben die Freiheit auch am Sonntag rasen mähen zu dürfen. Meine Nachbarin meinte, dass das nicht immer so war und dass man früher durchaus auch Regeln dafür hatte.

Liebe Grüsse
Wiebke

unbekannt

Re: Ruhe in Schweden

Beitragvon unbekannt » 5. September 2011 11:44

Hallo Speedy,

ich will es mal scherzhaft formulieren. Du kannst dich auf die EU-Rasenmähervordnung berufen ( http://www.welt.de/finanzen/article1904 ... aehen.html ) und vorschlagen diese in die Gemeindeordnung umzusetzen. Ich kann dir dann fast garantieren, dass dann kein Nachbar mehr mit Dir spricht. Insofern hast du dann auch Ruhe und du bist dann als "fyrkantig" abgestempelt.

Gestern am Sonntag um die selbe Zeit habe ich ebenfalls den Rasen gemäht. Drei andere haben das auch gemacht. Wann soll ich es denn sonst machen? Heute ist Montag und es wird gearbeitet und am Nachmittag soll es regnen. Bei uns hinterm Haus ist eine große gemeinsame Spielwiese, die bis vor ein paar Jahren von der Gemeinde gemäht wurde. Aber aus Einsparungsgründen dürfen die 6 Anwohner jetzt je nach Lust und Laune selber mähen. Fast jeder macht da mal ein Stück, wenn er Lust hat. Niemand wird gezwungen. Einen Arbeitsplan und gemeinsame Absprachen gibt es nicht. Und es klappt trotzdem.

Wir waren mal draußen in unserem Garten sitzen, den wir gegen 21:00 wegen der Mücken verlassen hatten. Prompt danach hatte dann unser Nachbar den Rasenmäher angeworfen. Er ist halt ein rücksichtsvoller Mensch und wollte unsere Gartenruhe nicht stören. So sollte man das sehen. Bei geschlossenen 3-Glas-Fenstern hören wir nicht mehr viel und ich höre übrigens in Schweden ganz unterschwelllig einen Tinitus, der mir in Deutschland nie aufgefallen war, denn dort kommt es mir wirklich laut vor.

Speedy
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Re: Ruhe in Schweden

Beitragvon Speedy » 5. September 2011 18:46

Hi, könnte ich ja mal machen, mit mir spricht sowieso seit langem keiner.... auch das ist ironisch.

Als "fyrkantig" bin ich sowieso abgestempelt aber das ist mir mittlerweile ziemlich egal.

Rasenmähen war ja auch nicht die Frage es ging um den Rasentrimmer mit dem Buesche und ca. 2m hohes Unkraut abgemeht wurde.

Speedy

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Re: Ruhe in Schweden

Beitragvon emilie » 5. September 2011 19:47

liebe erika,
ich weiß, es tröstet dich nicht, aber wir haben nachbarn, denen ist nichts heilig, nicht sonntags- nicht mittags- oder nachtruhe. sie sind nicht mit elektrischen gerätschaften unterwegs, aber sie telefonieren mit vorliebe sonntagsmorgen um 7.30 in nähe unseres schlafzimmerfensters per lautsprecher im garten mit ihren kindern und enkeln. außerdem vergeht kein tag an dem nicht irgendein besuch lautstark begrüßt und weiter unterhalten wird. rasenmähen am liebsten in der mittagszeit.
das schlimme daran ist, wenn wir das tun würden, wäre streit da.
du siehst, auch in d ist es mit der ruhe nicht weit her.
renovierungsarbeiten werden bei uns übrigens auch sonntags geduldet. da wird auch schon mal in der nachbarschaft gesägt, gebohrt und gehämmert, was das zeug hält.
mich nervt das schon auch, aber meistens halt ich es wie wiebke, wenn die können kann ich auch, nur der nächste nachbar, der darf mehr als alle anderen.
emily


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