Rückwanderung?

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snickare
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Rückwanderung?

Beitragvon snickare » 14. Oktober 2008 14:07

Wie vielleicht ein paar mitbekommen haben, geht es mir hier in Schweden nach etwa 1 Monat gar nicht gut. Ich weine jeden Tag über mehrere Stunden, vermisse Familie, Freunde und die alte Heimat und finde hier nichts was mich positiv stimmt. Leider leider.
Ich hab mich ja wirklich lange Zeit so sehr auf Schweden gefreut. Keine Ahnung was mit mir los ist.
Unsere Große langweilt sich in der Schule zu tode. Sie ist in Mathe ein Ass, muss aber hier in Schweden, weil sie 8 jahre alt ist, in die 2. Klasse wo sie noch immer 50+2 rechnen. Meine Maus ist ein totaler kopfmensch und braucht denkfutter, sie zieht sich schon total zurück, weil sie unterfordert ist. Den lehrern ist das egal, die sehen das nicht so. Aufstufung unmöglich.

Vom Kindergarten habe ich heute bescheid bekommen, dass wir ab montag in einem 30 km entfernten kleindorf einen platz haben. leider wäre meine arbeit in die entggengesetzte richtung. Das würde bedeuten, ich muss täglich über 120 km fahren mit arbeitsweg und kindergartenweg. *heul*
Einen Bus, der die Kinder holt, gibt es hier nicht.

Ich bin so unglücklich hier und würde am liebsten gleich wieder zurück. Alle raten mir aber, es zumindest ein Jahr zu probieren. Ich denk mir aber: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Was meint ihr denn?

Wir haben noch ein Haus in Österreich und können daher jederzeit zurück. Es ist zwar doof und ich war darauf ausgerichtet lange zeit hier zu sein, aber ich hab schon Angst irgendeine psychische Störung zu bekommen, wenn ich jeden Tag nur noch weine.

Klar, ihr könnt mir nicht sagen, was ich tun soll und was das beste für uns alle ist, aber irgendein Tip, ein Denkanstoß, eine Orientierungshilfe... das wäre toll...


DAnke

Zschirli

Re: Rückwanderung?

Beitragvon Zschirli » 14. Oktober 2008 14:30

Hej, das klingt wirklich nicht so schön...

Ich bin ja in letzter Zeit (Asche auf mein Haupt :oops: ) nur noch selten hier, aber dein Beitrag hat mich schon sehr aufhorchen und schlucken lassen...

Raten kann dir wirklich niemand! Was fuer dich gut ist, kannst nur du wissen. Was fuer euch als Familie gut ist, könnt nur ihr gemeinsam entscheiden.
Folge deinem Herzen, deinem Gefuehl! Das ist der einzige Rat, den ich dir geben kann und möchte.

Und - ich wuensch dir alles Gute und ganz viel Kraft!
LG Nicole

snickare
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Re: Rückwanderung?

Beitragvon snickare » 14. Oktober 2008 14:43

Danke Nicole,

ja, auf sein herz zu hören ist sicherlich gut. Aber was sagt mir mein herz? Wenn ich jetzt hier beim Fenster raussehe bei Sonnenschein auf den See und den Wald, dann sagt mein Herz "Wow- hierbleiben" Wenn ich an meine Tochter denke, die oben in ihrem Zimmer liegt und liest, an meinen Sohn, der sich so sehr wünscht in den Kiga zu gehen, den ich dann aber täglich 60km rumfahre, dann denk ich "wir müssen so schnell wie möglich wieder in unser altes Leben zurück."
Ich hab mir das überlegt, wenn ich ihn echt jetzt dort in den Kiga gebe, dann fahre ich im Monat jüber 2400 km. *schluck* Das ist unmöglich. Vor allem weil mein mann ja auch täglich 80 km, wieder in eine andere Richtung fährt.
Oweia,... ich hab mich noch nie so dumm gefühlt... warum sind wir überhaupt hergekommen und nicht gleich daheim geblieben?
Mir tun die Kinder so leid, erst aus dem gewohnten Umfeld genommen, jetzt eine immer unglückliche Mama und dann vielleicht in ein paar Wochen eine holterdipolter Rückwanderung...

Morgen kommt erstmal meine Mama eingeflogen um zu helfen und irgendeine Lösung zu finden... hoffe dass sie helfen kann....

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Sápmi
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Re: Rückwanderung?

Beitragvon Sápmi » 14. Oktober 2008 14:48

Oje. :(

Wie Zschirli schon schrieb, kann Euch die Entscheidung natürlich niemand abnehmen.
Aber ich wage mal zu behaupten, dass 1 Monat vielleicht doch noch nicht ausreicht, um sich ein richtiges Bild zu machen. Würde daher auch eher zu dem Rat tendieren, noch eine Weile "auszuharren". Vielleicht sind es einfach die üblichen Startschwierigkeiten und Ihr müsst Euch einfach erst noch einleben.
Das mit der Schule ist natürlich blöd, aber z. B. die Sache mit dem langen Anfahrtsweg kann einem ja überall passieren, das hat also nichts mit Schweden zu tun.
Nehmt Euch doch einfach noch ein bisschen Zeit, das Für und Wider abzuwägen. Vielleicht spielt die etwas ungünstige Jahreszeit ja auch eine Rolle, also in Bezug auf die allgemeine Stimmung (es wird täglich dunkler und so).
Wenn ich es richtig verstanden habe, steht Ihr ja jetzt auch nicht direkt unter Zugzwang, d.h. zurück könnt Ihr immer noch. Und vergesst vor allem Eines nicht: egal, ob Ihr nun kürzer oder länger in Schweden bleibt, es ist auf jeden Fall eine Erfahrung und dadurch eine Bereicherung für's Leben.
Hoffe, dass es bald wieder aufwärts geht, so oder so.
"Keiner, der nur einen Sommer Lapplands Sonne trank, kann anderswo glücklich sein."
(aus A.O. Schwede: Lars Levi Laestadius - Der Lappenprophet)

nysn

Re: Rückwanderung?

Beitragvon nysn » 14. Oktober 2008 15:04

Liebe "Snickare",

das tut mir sehr leid, dass es dir "noch" nicht in Schweden gefällt. Ich kann dich absolut verstehen!
Jetzt wohne ich in diesem Herbst schon 14 Jahre in Schweden und nicht direkt auf einem Dorf. Aber ich kann dir sagen, ich HEULE von Zeit zu Zeit immer noch. Besonders im Herbst ist das Heimweh nach Süddeutschland bei mir immer recht groß.

Ich habe leider auch kein Patentrezept - was mir aber meistens hilft, ist, wenn ich raus gehe und für kurze Zeit die Umgebung wechsle. Ich habe von Anfang an immer meine Lokalzeitung nach allen möglichen Veranstaltungen durchforstet, Ausflugsmöglichkeiten erkundet - und wenn es nur geführte Stadtwanderungen oder Tipps-Promenader der örtlichen Vereine waren, ich bin zu fast allem hingegangen und habe versucht mich abzulenken. Heute ist es ja dank Internet auch viel leichter, Anregungen auf den Websites der Kommunen und Orte in deiner Nähe zu finden.

Bald beginnen auch in der Schule wieder die Vorbereitungen zu Lucia und dann Weihnachten. Da wird man dann als Eltern auch eingeladen und du hast eine Möglichkeit andere zu treffen.
Vielleicht kannst du ja schon mal Schulkameraden deiner Tochter zu Euch nach Hause einladen oder die eine oder andere Mutter zum Kaffeetrinken - als Österreicherin hast du sicherlich ganz ganz leckere Kuchen-/Süßspeisenrezepte - das kommt bei den Schweden meist gut an.

Du musst dir in Schweden auch angewöhnen, auf die Leute zuzugehen, auch wenn du auf den einen oder andern triffst, der zurückhaltend ist. Auch wird es vorkommen, dass nur du für eine Weile lang immer diejenige bist, die einlädt und es dauert möglicherweise bis du mal zurück eingeladen wirst. Das ist auch normal und das darfst du NIE, NIE PERSÖNLICH nehmen.

Bevor du schon endgültig daran denkst, deine Zelte wieder ganz abzubrechen, plane doch lieber erst mal einen kurzen Urlaub nach Österreich ein und heul dich aus - du bis niemandem schuldig zu sagen, dass es dir in Schweden schon super gefällt - dass man am Anfang Probleme hat, das ist völlig normal.

Ich habe hier z. B. eine süddeutsche Bekannte, die hat mir mal erzählt, dass es ihr ein Jahr lang schwer gefallen ist, sogar in den Supermarkt einkaufen zu gehen. Sie wollte nicht mal zu der Verkäuferin an der Kasse "Hej" sagen, sondern am liebsten ganz schnell zahlen und wieder gehen.
Diese Bekannte ist wie ich immer noch in Schweden - spricht inzwischen hervorragend Schwedisch und hat sich erst vor kurzem selbständig gemacht. Wir treffen uns manchmal - und zwar durchaus auch zum "Lästern" und "Heulen"! Das finde ich, darf man auch ruhig machen - danach geht es meistens wieder besser.

Also liebe "Snickare" Kopf hoch - es wird schon!

Der Herbst hat doch auch ganz ganz schöne Tage und du wirst sehen, es wird von Tag zu Tag leichter.

S-nina

Außerdem denk auch daran: "Immer wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her!"

Und morgen - kommt ja schon mal deine Mamma, das hört sich doch schon mal nach sehr viel mehr als einem "Lichtlein" an - das klingt doch schon mal mindestens nach einer Lampe so groß wie die SONNE!

blueII
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Re: Rückwanderung?

Beitragvon blueII » 14. Oktober 2008 15:06

Hej Snickare,

es tut mir echt leid, dass Du das durchmachst und keiner von uns kann Dir sagen, ob es nur eine Phase ist oder ob es wirklich eine Reaktion Deines Herzens ist, auf dass Du hören solltest.

Bedenklich finde ich, dass sich so schnell bei Dir so eine tiefes Unwohlsein eingestellt hat. Wenn ich an meine Anfänge hier denke, hatte ich auch ein sehr trauriges Gefühl meinem Kind gegenüber, weil es solange gedauert hat, bis wir für sie einen Rhytmus mit Kiga und Freunden hatten. Ich denke bis dahin ist es normal.
Aber ich kann dir keine Hoffnung machen, dass es besser wird. Aus meiner Sicht wird es in Hinblick auf die Kinder, das Gefühl schlechter, umso mehr man das "System" hier versteht und durchschaut...ich will es nicht weiter vertiefen, weil ich mir dann wahrscheinlich den Unmut einiger Forie´s hier auf mich ziehe, aber die Qualität der Schule/Kiga und die Haltung der Eltern wie dessen Art der "Erziehung" der Kinder, bringen mich hier fast täglich zur Verzweiflung.

Aber trotzdem, irgendwas hat euch doch veranlaßt diesen Schritt zu machen...irgendwas war die Motivation sich ins "Ungewisse" zu stürzen....halte Dir das vielleicht "negative" aus der alten Heimat, diesen Grund der Auswanderung vor Augen, um daraus wieder Mut zu schöpfen.

Diese langen "Wege" werden nicht besser oder kürzer, das ist klar. Ich fahre auch täglich 80 km für den Kiga-Besuch. Jetzt wünscht sich meine Kleine sosehr wieder Ballet zu machen...dass wird für uns dann eine Tour 45 Minuten sein!!! Die Wege sind hier nunmal sehr lang und die Angebote sehr gering, daran wirst Du Dich gewöhnen müssen.
Das Thema Deiner "Großen" ist wirklich haarsträubend...hat Dir die Schule denn irgendwas in Aussicht gestellt, wann sie in einer ihr altersentsprechenden Klasse gehen darf? Gibt es sonst eine schulische Alternative?

Eine verzwickte Situation, ich drücke Dir die Daumen dass Du eine Entscheidung triffst, die Dich glücklich macht, aber es gibt niemals eine "falsche" Entscheidung, nur Eure zählt!!

Liebe Grüße :goodman:
Heike

bjoerkebo

Re: Rückwanderung?

Beitragvon bjoerkebo » 14. Oktober 2008 15:13

Hej!

Das hört sich ja wirklich nicht gut an.
Wo wohnt ihr denn jetzt?
Ich habe eure Geschichte jetzt nicht verfolgt,aber habt ihr schon mal daran gedacht evt. innerhalb Schwedens euch nach etwas anderem umzusehen? Vielleicht kann man damit ja einigen Problemen Herr werden,z.b dem Schul-und Kigaproblem.
Jetzt seid ihr ja vor Ort und könnt dann vielleicht ganz anders planen und euch vor Ort auch ein besseres Bild von allem machen.....
Das war mein erster Gedanke als ich deinen Bericht gelesen habe.

Das mit der Schule ist schade,meine kurze konnte direkt in die 3.einsteigen und sie ist jetzt in der 4.genau wie sie jetzt in Deutschland wäre.Und trotz neuer Sprache ist sie im schwedischen mit im obersten drittel.Mathe lag ihr noch nie,da ist es immer dasslebe.
Wir haben das Glück,wir wohnen mitten im Dorf und direkt neben der Schule,was für uns den Ausschlag gab hierherzuziehen um direkt soziale Kontakte zu bekommen.Ne Budenfreundin habe ich auch noch nicht,aber die findet man ja auch meist nicht am ersten Tag.

Vielleicht tut dir der Besuch deiner Mama auch erst mal gut.Denke ein Partentrezept kann dir leider wirklich keiner geben,ihr müsst das tun,was für euch und eure Kinder am besten ist......



viel Glück :goodman:

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Gottfried
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Re: Rückwanderung?

Beitragvon Gottfried » 14. Oktober 2008 15:28

Hej Anna!

Ich melde mich mal kurz für die Fraktion, die "ES" getan haben: Wir sind wieder zurück gegangen!
Wenn Du so früh schon das Gefühl hast, es passt nicht, halte Dir die Brücken nach Hause offen.
Es ist keine Schande und kein Scheitern, wenn man sich anders entscheidet und Schweden nur
noch als Urlaubsland sieht......... ich halte es für mutiger den Schritt zurück zu machen (wenn es nicht anders geht).
Ich verstehe Dich!

:smt006 :smt006 :smt006


Gottfried

nysn

Re: Rückwanderung?

Beitragvon nysn » 14. Oktober 2008 15:32

Das Thema Deiner "Großen" ist wirklich haarsträubend...hat Dir die Schule denn irgendwas in Aussicht gestellt, wann sie in einer ihr altersentsprechenden Klasse gehen darf? Gibt es sonst eine schulische Alternative?


Ich befürchte Heike, dass sie sich erst Mal ein halbes bis ein Jahr auf diese Situation einstellen muss, dass sie unterfordert ist. Sobald sie aber die Sprache beherrscht - und das kann bei Kindern in dem Alter wirklich sehr sehr fix gehen, dann ist es nicht ausgeschlossen, eine Klasse zu überspringen. Als Eltern muss man dann dran bleiben und je nach Schule "hartnäckig" sein.

Ich kenne auch eine österreichische Familie - dort musste der 11-Jährige erst mal in der 3. Klasse anfangen und konnte dann nach einem Jahr direkt in die 5. Klasse überwechseln. Die hatten übrigens am Anfang auch ziemliche Startprobleme - die sind mit 2 Kindern, Hund, Katzen und 2 REITPFERDEN auf ein kleines Dorf gezogen, wo der nächste Nachbar quasi am anderen Ende eines Sees gewohnt hat.

Das habe ich jetzt auch schon öfter gehört, dass gerade österreichische Kinder erst mal in Schweden unterfordert sind - die Österreicher scheinen in der Grundschule einfach viel weiter zu sein.

S-nina

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Re: Rückwanderung?

Beitragvon janaquinn » 14. Oktober 2008 16:06

Hej Snicki,

kann mir vorstellen, dass du dich etwas einsam fuehlst, ging mir nach den ersten Monaten auch so.
Aber bei dir in der Naehe leben einige der nettesten Foris unseres Forums, JoergT, dievier, Karola ect...setz dich mal mit denen in Verbindung, vielleicht klappt es ja mit einem Treffen. Kinder sind auch einige dabei, 7 glaube ich und in jedem Alter, da finden deine Kids auch erstmal Spielkameraden.

Und fuer schwedische Verhaeltnisse ist Orsa nicht mal weit weg....

LG JANA, die gerade mit der schwedischen Tastatur ihres Mannes verzweifelt :shock:
Gestern ist Vergangenheit. Der Morgen ist ein Geheimnis. Heute ist ein Geschenk


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