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 Betreff des Beitrags: Rückwanderung von Schweden nach Deutschland
BeitragVerfasst: 29. Mai 2010 13:14 
Guten Tag,

nach vielen Jahren in Schweden trage ich mich mit dem Gedanken, wieder zurück nach Deutschland zu gehen. Ich vermisse hier zuviel, vor allem aber gute ärztliche Versorgung, die man auch wirklich bekommt, wenn man sie braucht. Ich bin über 50 und weiss natürlich, dass in diesem Alter ein Job in Deutschland utopisch ist. Darum möchte ich gern mal fragen, wie andere es denn gemacht haben, die wieder zurückgegangen sind? Bleibt einem in Deutschland dann nur die Sozialhilfe bzw. Versorgung durch Angehörige oder wie habt Ihr es gemacht? Für alle Tips und Hinweise bin ich dankbar!

Corny


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 Betreff des Beitrags: Re: Rückwanderung von Schweden nach Deutschland
BeitragVerfasst: 29. Mai 2010 20:42 
Schweden Guru
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Registriert: 24. März 2008 13:47
Beiträge: 1102
Wohnort: Niedersachsen/Värmland
Hallo Corny,

ich bin nie nach Schweden ausgewandert, wir haben da nur ein kleines Häuschen.

Richtig ist deine Einschätzung zur Jobsuche, da bist du chancenlos in dem Alter.

Wie du bin ich auch über 50 und hätte starke Bedenken mich gesundheitlich in Schweden betreuen zu lassen.
Allerdings weht der Wind hier in Deutschland auch schärfer, wir sind ja eigentlich auch pleite.
Es wird hier immer mehr gekürzt, Krankenhäuser werden geschlossen und ich gehe stark davon aus, dass es so wird wie in Schweden.
Auf eine bessere Versorgung würde ich in deinem Fall also auch nicht unbedingt zählen.

Als Unterstützung vom Staat gibt es jetzt keine Sozialhilfe mehr, das heißt nun Harz IV. Dafür muss man (gefühlte 20 oder 30) Formulare ausfüllen und sich quasi nackig machen.
Solange dich jemand aus der Familie unterstützen kann wird es wohl schwierig diese Leistungen zu erhalten.

Ich hoffe, ich konnte dir ein keines bisschen helfen.

_________________
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. (Albert Schweizer)


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 Betreff des Beitrags: Re: Rückwanderung von Schweden nach Deutschland
BeitragVerfasst: 29. Mai 2010 21:27 
Liebe Fanny,

ich danke Dir herzlich für Deine Antwort!

Ja, ich weiß und lese auch täglich in den deutschen Online-Zeitungen, dass man in der Krankenversorgung spart. Da ich ja aber auch Verwandte in Deutschland habe, meine ich doch zu wissen, dass es in Deutschland- verglichen mit Schweden - doch immer noch eine Luxusversorgung ist. Von meinen deutschen Verwandten (NRW und HH) kann jeder zum Arzt gehen, wenn er/sie will und wird auch behandelt. Es gibt in Deutschland eine freie Arztwahl und bei ernsteren Sachen wird auch nachgeforscht, d.h. spezialuntersucht. Hier in Schweden warten aber sogar Krebskranke oder Krebsverdächtige unheimlich lange auf Untersuchung bzw. Behandlung. Und da kann es so schnell zu spät sein! Ich habe, seit ich älter werde, richtig Angst hier in Schweden, was meine Gesundheit betrifft, fühle mich sehr unsicher und ungeborgen in diesem Gesundheitssystem. Die ersten Zipperlein melden sich, auch ein Verdacht auf was Schlimmeres, aber das einzige, was ich (in all den Jahren) immer wieder zu hören bekomme, ist entweder: abwarten, Paracetamol nehmen, hinlegen- oder Schlange stehen und warten. Damit kann ich nicht (mehr) leben. Ärztliche Versorgung, die man auch bekommt, wenn man sie braucht, ist das Minimum, was gesichert sein muß, finde ich. Wenn das hier Afrika wäre, dann würde man ja vielleicht nichts erwarten. Aber dies ist Schweden, Europa - und ich kann es trotz all der vielen Jahre hier einfach nicht fassen, wie man hier mit den Kranken umspringt bzw. sie hinten anstellt. Ich bin schon sehr lange in (dem schönen und von mir sehr geliebten) Schweden, aber eine solche ärztliche Versorgung wie in Deutschland habe ich noch nie bekommen. Ich fahre dann jeweils nach Deutschland (sofern ich es kräftemässig noch kann) und gehe dann dort zum Arzt und zahle selbst, was soll ich auch sonst machen? Manchmal hilft auch die europäische Versicherungskarte, aber die ist ja eigentlich nur für Akutfälle gedacht. Aber allein das Wissen, dass ich ärztliche Hilfe bekommen könnte, wenn ich sie bräuchte, das wäre schon das Paradies. Ich verzichte wegen Schwedens Schönheit, Größe und Ruhe schon sehr lange auf vieles, was für viele Menschen selbstverständlich ist, aber irgendwann hat es mal ein Ende. Ich will nicht die letzten Jahrzehnte meines Lebens in Angst und Bange leben müssen: was passiert, wenn ich ernsthaft krank werde? Diese Angst ist aber leider in Schweden mehr als berechtigt.

Ich möchte bloß keine Sozialhilfe und auch kein Harz 4 in Deutschland haben und um Gotteswillen nicht, dass meine Verwandten für mich bezahlen. Wahrscheinlich kann man sich also nur selbständig machen, wenn man zurückgeht nach Deutschland? Oder ist das auch aussichtslos?

Danke im Voraus!

Corny


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 Betreff des Beitrags: Re: Rückwanderung von Schweden nach Deutschland
BeitragVerfasst: 29. Mai 2010 23:44 
Schweden Guru
Schweden Guru
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Registriert: 24. März 2008 13:47
Beiträge: 1102
Wohnort: Niedersachsen/Värmland
Ich könnte jetzt mit dir eine Abheulnacht veranstalten, denn deine Situation ist richtig mies.
Sie ändert sich aber nicht durch das Beklagen, denn es ist so wie es ist.
Du hast keine Chance auf ein besseres Leben in Deutschland.
Ich kann dir leider nicht helfen.

_________________
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. (Albert Schweizer)


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 Betreff des Beitrags: Re: Rückwanderung von Schweden nach Deutschland
BeitragVerfasst: 30. Mai 2010 04:55 
Schwedenfreund
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Beiträge: 405
Wohnort: Sverige
ZurücknachDeutschland hat geschrieben:
kann jeder zum Arzt gehen, wenn er/sie will und wird auch behandelt. Es gibt in Deutschland eine freie Arztwahl und bei ernsteren Sachen wird auch nachgeforscht, d.h. spezialuntersucht.

genau das ist es, was die gesundheitskosten in die höhe schnellen läßt, wegen jedes zipperlein kann man zum arzt gehen und wird auch noch behandelt...
das heißt jetzt nicht, das du das auch machst.
ich habe eine chronische erkrankung und bin trotzdem nach schweden ausgewandert.... was solls, weder in DE habe ich ärzte gebraucht (nur wegen der bürokratie mußte ich hin..
beispiel: die definition chronisch krank ergibt sich aus der tatsache, das man mindestens einmal im quartal wegen der selben krankheit beim arzt war.), noch hier brauche ich sie (ich bin ca. in deinem jahrgang).
abgesehen davon, die FDP wird schon für schwedische verhältnisse in DE sorgen.. also viel spaß trotzdem in der heimat.


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 Betreff des Beitrags: Re: Rückwanderung von Schweden nach Deutschland
BeitragVerfasst: 30. Mai 2010 08:12 
Guten Morgen,

vielen Dank noch einmal für Eure Antworten! Ja, eine Abheulnacht wäre wohl zu gar nichts nütze. Aber muss man denn wirklich sagen: Nun hat die Schwedenfalle zugeschlagen und man kommt nicht mehr raus (sofern man nicht reich ist)?? Ich frage mich, ob es nicht irgendeinem der Forumsleser in ähnlicher Situation/ähnlichem Alter geglückt ist und wie der/die es geschafft hat, wieder in Deutschland Fuß zu fassen? Es kann doch nicht sein, dass man sich die Kugel geben muss, nur weil man vor vielen Jahren nach Schweden ausgewandert ist und jetzt hier älter und kränker wird? Muss man es akzeptieren, dass man bei ernsthaften Erkrankungen im Zweifelsfall in der Warteschlange sterben muss, wie es hier häufig geschieht? Ich bin nicht bereit, das hinzunehmen. Ich verzichte in Schweden auf Kultur, Geselligkeit, Restaurants, alle möglichen Annehmlichkeiten, Dienstleistungen, alles mögliche. Und das ist okay für mich, damit lebe ich schon lange. Aber ärztliche Versorgung im Bedarfsfall ist in meinen Augen ein grundlegendes Menschenrecht und ich bin nicht bereit, auch noch darauf zu verzichten. Deshalb möchte ich zurück nach Deutschland.

Ist denn von den Forumslesern irgendjemand zurückgegangen von Schweden nach Deutschland und hat einen Neuanfang ohne Sozialhilfe/Harz4/Angehörigen-Zahlungen hinbekommen? Ich wäre überaus dankbar für jegliche Tips und Info's!

Corny


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 Betreff des Beitrags: Re: Rückwanderung von Schweden nach Deutschland
BeitragVerfasst: 30. Mai 2010 09:27 
Schwedenfreund
Schwedenfreund

Registriert: 25. August 2009 06:42
Beiträge: 405
Wohnort: Sverige
ZurücknachDeutschland hat geschrieben:
Guten Tag,

nach vielen Jahren in Schweden.....


und dir ist es jetzt aufgefallen, das das schwedische gesundheitssystem nix für dich ist?
klar... alle gehen im alter zurück nach DE, da können sie richtig krank spielen....
wie blöd ist das denn?
ich denke gerade an die auswanderer die nach Australien gegangen sind... da muss oder besser kann man sich freiwillig versichern... manch einer hat es nicht gemacht und bekam somit keine 1A gesundheitsversorgung...
wenn jetzt alle meinen sie könnnten nach DE zurück und der staat wird schon für sie sorgen, das ist absoluter egoismus.... jahrlang nicht ins DE-system einzahlen, aber davon profitieren wollen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Rückwanderung von Schweden nach Deutschland
BeitragVerfasst: 30. Mai 2010 09:57 
Aktives Mitglied
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Registriert: 20. März 2009 11:38
Beiträge: 150
Wohnort: Tvååker, Halland
Hej,

wo in Schweden lebst Du denn? Wenn Du in Nordschweden bist kann ich Deine Sorgen verstehen. Hier in Suedschweden haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Mein Mann hat Krebs und wird in Göteborg im Salgrenska behandelt und sehr gut betreut. Die Krankheit ist zum Stillstand gekommen und es geht ihm gut. Er kann dort jederzeit anrufen und bekommt auch bei Bedarf innerhalb kuerzester Zeit einen Arzttermin. Das gleiche gilt fuer unsere hiesige Vådcentral. Das Gesundheitssystem wäre alleine kein Grund fuer mich nach Deutschland zurueckzugehen.

Gruss

Speedy


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 Betreff des Beitrags: Re: Rückwanderung von Schweden nach Deutschland
BeitragVerfasst: 30. Mai 2010 11:46 
Schwedenfreund
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Registriert: 23. März 2007 11:01
Beiträge: 315
Wohnort: Göttingen
Hallo,

also ich finde die Einschätzungen hier ein bisschen zu radikal. Zum Beispiel das hier
Fanny hat geschrieben:
Du hast keine Chance auf ein besseres Leben in Deutschland.
Du weißt doch überhaupt nicht, was für eine Ausgangslage Corny hat. Warum soll es absolut aussichtslos sein, mit über 50 noch einen Job in Deutschland zu finden? Das erscheint mir nicht sehr eingängig, vor allem, wenn man überhaupt nicht weiß, um welche Art von Job es überhaupt geht.

Und das hier:
Sumac hat geschrieben:
klar... alle gehen im alter zurück nach DE, da können sie richtig krank spielen.... wie blöd ist das denn? [...]
wenn jetzt alle meinen sie könnnten nach DE zurück und der staat wird schon für sie sorgen, das ist absoluter egoismus.... jahrlang nicht ins DE-system einzahlen, aber davon profitieren wollen.
Ich nehme an, dass du ebenfalls wenig über Corny weißt. Corny plant doch überhaupt nicht, hier von Sozialleistungen zu leben! Man hat übrigens meiner Ansicht nach auch mit über 50 noch das Recht, ein Land zu verlassen. Und außerdem auch noch etwa 15 Arbeitsjahre vor sich.

@Corny: Was spricht denn dagegen, dass du dich einfach mal auf dem deutschen Arbeitsmarkt umhörst? Du hast ja vermutlich auch in Schweden Berufserfahrungen gesammelt. Ist es denn nicht eine Möglichkeit, dich von Schweden aus zu bewerben und erst dann zurückzuziehen, wenn du tatsächlich einen Job hast? Je nach Beruf kannst du ja durchaus noch Chancen haben (mein Vater beispielsweise kündigte vor drei Jahren seinen Job, einfach, weil er eine Veränderung wünschte und nicht so super glücklich war - und hat einen neuen gefunden, ohne aktiv danach zu suchen. Auch meine Mutter hat mit über 50 noch in einem neuen Beruf angefangen und studiert nebenher ein zweites Mal - durchaus mit der Absicht, damit auch noch was anzufangen ...).
Das mit dem Bewerben wird bestimmt nicht leichter, wenn man schon ein wenig älter ist - aber von vorneherein ausschließen würde ich es nicht, dass man noch was findet.

Einen Gruß,
Berta.


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 Betreff des Beitrags: Re: Rückwanderung von Schweden nach Deutschland
BeitragVerfasst: 30. Mai 2010 12:46 
Hallo,

vielen Dank für Eure Antworten.

Selbstverständlich kenne ich das schwedische Gesundheitssystem schon lange, wie auch nicht. Man hält es aus, man steht es durch, man lebt ja schließlich dort, man redet es sich schön, irgendwie. Und man geht kaum noch zum Arzt, weil es ja so schwierig ist (jedenfalls auf dem Lande), also lässt man es gleich bleiben. Aber irgendwann geht das nicht mehr. Nämlich wenn man älter und dann oftmals auch kränker wird. Dann möchte ich das Recht auf Behandlung haben (und diese auch wirklich bekommen!) - und nicht resignieren oder "mich erschießen" müssen. Der diesbezügliche Kommentar von Herrn oder Frau Sumac ist doch recht verwunderlich und missachtet vollkommen die gesundheitliche Situation vieler alternder und alter Menschen. (Vielleicht steckt ja Jugendwahn bzw. Altersdiskriminierung dahinter?)

Ich weiss, dass man es in den paar schwedischen Städten besser hat, aber dort kann man ja nicht hinziehen (jahrzehntelange Warteschlangen). Statt eigens nach Göteborg fahre ich dann gleich lieber nach Hamburg, das ist dann auch nicht mehr viel weiter.

Ich habe bereits etliche Bewerbungen nach Deutschland versandt, Reaktion = 0 bzw. die üblichen Floskeln ...."wir bedauern, usw....", also da mache ich mir wenig Hoffnungen.

Ich würde mich halt einfach freuen, zu erfahren, wie es andere gemacht bzw. geschafft haben, den Schritt zurück nach Deutschland. Ich lese oft von Rückkehrern bzw. von Leuten, die welche kennen, die zurückgegangen sind. Wie haben die das nur gemacht? Waren gar keine Älteren darunter?


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