Reisebericht Schweden (Värmland) Januar 2009 (mit Bildern)

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alfalfa
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Reisebericht Schweden (Värmland) Januar 2009 (mit Bildern)

Beitragvon alfalfa » 21. Februar 2009 01:13

Hej liebe Schweden-Fans, ich möchte mal wieder einen Reisebericht zum besten geben.

Ich hatte ja angekündigt, einen Winterurlaub in Schweden machen zu wollen und nachgefragt, was dafür so empfehlenswert ist.
Ursprünglich wollte ich ja ganz weit nach Norden fahren (Richtung Kiruna bzw. Lappland überhaupt), aber davon wurde mir ja eher abgeraten, weil die Winter dort doch recht unangenehm sein können.

Für mich waren kalte Temperaturen und Schnee am wichtigsten und natürlich viel Ruhe und Entspannung.
Ich habe mir daher im Januar zusammen mit einem guten Freund ein Ferienhäuschen in der Nähe von Torsby / Värmland für 2 Wochen gemietet.

Vorab: Der Urlaub war wunderschön und ich habe Freude daran, meine Erfahrungen zu schildern und ein paar Bilder zu zeigen, während ich nebenbei genüsslich eine Zigarre rauche und einen Bourbon trinke, um mich an die schöne Zeit zu erinnern.


Am 2. Januar 2009 ging es voller Vorfreude los Richtung Norden. Die Sachen war schon vor Silvester gepackt und der Koffer im Auto verstaut.
Der alte 5'er BMW bekam vor der Fahrt noch nagelneue Winterreifen und eine Lackaufbereitung spendiert und die Schneeketten lagen griffbereit im Kofferraum. Gebraucht habe ich sie zum Glück nie, das schonmal vorab.

Schon am Tag der Abfahrt hat es hier in Berlin ordentlich geschneit und es wurde immer kälter. Blöd... da fahr ich mal ins Kalte und dann ist es hier auf einmal fast genauso kalt und dazu schneit es noch!
Naja... wir kamen jedenfalls gut und zügig durch und wären viel zu früh an der Fähre in Sassnitz auf Rügen gewesen. Also war noch genug Zeit, um auf Rügen noch einmal die wichtigsten Dinge frisch einzukaufen (ich sag nur BROT!) und das Auto nochmal durch die Waschanlage zu schicken.

Die Fährfahrt an sich macht mir persönlich ja nicht besonderen Spaß und auch mein Kumpel fand es nicht so prickelnd. Das Schiffchen hat man ja ziemlich schnell komplett erkundet und dieses Schaukelgefühl wurde ich erst über Nacht wieder los.
Während der Überfahrt von fast 4 Stunden hatten wir aber schöne Anblicke wie diesen:

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oder diesen schönen Sonnenuntergang:

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In Trelleborg angekommen, hieß es erst einmal Geld besorgen und danach zur reservierten Unterkunft im Bed & Breakfast Grimsholmen bei Falkenberg zu fahren.
Ich wollte erstmal etwas fahren und beschloss, in Malmö mal schnell einen Geldautomaten anzusteuern, um dort per EC Karte Kronen abzuheben. Ich bin ja schließlich schlau vom letzen Urlaub im Sommer 2007 und erspare es mir, Bargeld mitzunehmen und zu einem schlechteren Kurs plus Wechselgebühren in eine Wechselstube zu gehen - dachte ich.
Im Zentrum von Malmö angekommen, hab ich erstmal nicht schlecht geguckt. Den Südosten Schwedens kannte ich ja schon, aber den Südwesten nicht. Ich fühlte mich irgendwie fast heimisch, denn vom Publikum her kam ich mir ja doch eher vor wie in Berlin Neukölln. Mulitkulti so weit das Auge reicht :-)

Als erstes haben wir eine Swedbank angesteuert. Ich steck meine Karte in den Automaten, wähle 6000 SKR aus und bekomme als Antwort "Karte nicht akzeptiert". grmpf
Mein Kumpel steckt seine Karte von der Deutschen Bank rein, hebt 6000 SKR ab und lacht mich aus, wie schlecht die Sparkasse doch ist.
Naja, einige Meter weiter fand ich ja einen Automaten der SEB Bank, die es ja auch in Deutschland gibt.
Karte rein, 6000 SKR ausgewählt und die Antwort bekommen "maximal 2000 SKR möglich".
Ok, dann heb ich eben dreimal hintereinander je 2000,- ab, dachte ich mir, weil mir eh schon fast alles egal war.
Also Karte rein, Karte kommt raus, Bon kommt raus, 2000 Kronen kommen raus.
Das gleiche dann nochmal.
Und ein drittes Mal... Karte rein, Karte kommt raus, Bon kommt raus, aber kein Geld!!!
Auf dem Bon steht, dass ich 2000 SKR abgehoben habe, aber es kam kein Geld aus dem Automaten. Ich dachte ich spinne!
Natürlich hab ich's gleich nochmal probiert und dann nur 300 abgehoben und diesmal hat es wieder prima funktioniert.
Aber wie soll ich jetzt jemandem glaubhaft erklären, was gerade passiert ist?
Und dann war das auch noch nur ein Automat ohne Bank drumrum... Also wieder zur Swedbank, um dort vielleicht klären zu können, was da eben passiert ist und mit der Hoffnung, ob die mal schnell auf mein Konto gucken können, ob das Geld überhaupt abgebucht wurde, obwohl es nicht ausgezahlt wurde.
Rein in die Bank und erstmal blöde geguckt, wo ich mich anstellen kann.
Geistesblitz! Nummer ziehen! :idea:
Nach 5 Minuten ander Reihe gewesen und versucht, den Sachverhalt auf englisch zu schildern.
Die hübsche Dame hat's verstanden und sagt mir, dass sie nicht auf mein Konto gucken kann. Das gehe nur bei Kunden der Swedbank und ich solle mich an die SEB wenden. *grummel*
Auf die Frage, wo denn dort eine Filiale der SEB ist, kann sie mir genau den Weg beschreiben. Ich freu mich schon und will los und dann sagt sie mir trocken, dass die geschlossen haben. :oops:
Aber ich hatte sofort den nächsten Geistesblitz :idea: und kam auf die Idee, meinen Vater in Deutschland anzurufen und ihn zu bitten, mal schnell online auf mein Konto zu gucken. Und dann kam die Erleichterung... es wurden 2x 2000 SKR und 1x 300 SKR abgebucht. puhhh
Natürlich hat das ganze 3x 7,50 Euro Gebühren gekostet, aber das ist immernoch besser, als knapp 200,- Euro durch einen Automatenfehler zu verlieren.
Auf jeden Fall wären Bargeld und Wechselstube für mich in diesem Fall wohl doch günstiger und stressfreier gewesen...

Nach der Aktion haben wir erstmal knapp 180 km geschrubbt, um uns dann im B&B Grimsholmen bei Falkenberg für eine Nacht auszuruhen.
Mein Gott war das schön dort!

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Direkt am Meer, ein total schönes Zimmer in einer unglaublich bis ins Detail gepflegten Gartenanlage mit supernetten Gastgebern, die sich sogar bemühten, Deutsch zu sprechen.
Und das Frühstück am nächsten Tag war sowas von wunderbar... im Wintergarten mit Blick auf's Meer, selbstgemachter Marmelade und ein paar Schweden, die sich freuten, sich mit uns auszutauschen.

Nach dem schönen Frühstück ging es dann ca. 430 km weiter Richtung Norden und wir haben dafür über 6 Stunden gebraucht. Zwischendurch dachte ich darüber nach, ob einem Schweden vielleicht nur deshalb so groß vorkommt, weil man einfach nicht vorwärts kommt!
Die erlaubten 120 auf dem gut ausgebauten Stück zwischen Malmö und Göteborg sind ja schonmal ein Anfang gewesen. Aber die 90 / 70 und teilweise wenigstens schon 80 auf dem Inlandsvägen lassen einen halt doch eher langsam vorwärts kommen. Die zahlreichen (oft schon echt übertrieben dichten!) Verkehrsüberwachungsanlagen tun ihr übriges. Das Navi (Becker 7927) hat mich stets davor gewarnt, aber die vorbildlichen Schilder am Straßenrand auch. Und wenn ich in einem fremden Land bin, dann respektiere ich die Tempolimits natürlich auch (mindestens wenn diese Filmblitzdingens am Straßenrand stehen :D ).
Auf der Fahrt Richtung Norden kamen schon einige Zweifel auf, ob wir überhaupt noch Schnee sehen werden. Kalt war es zwar etwas (-3° bis -8°), aber von Schnee hat man nicht viel gesehen.
Und erst kurz vor Sunne wurde der Schnee am Straßenrand endlich mehr und kaum waren wir in Torsby angekommen, schneite es sogar gleich!
Wir haben erstmal den ICA gestürmt und für 170,- Euro ein paar Dinge eingekauft, die wir benötigen werden und aus Deutschland nicht mitschleppen wollten.

Nun mussten wir ja nur noch 8 km in den kleinen Ort Rinn und das Ferienhaus finden.
Mein Navi war so schlau, mich in Torsby über eine ca. 1,20 m breite Fußgängerbrücke schicken zu wollen!
Vor dem steilen Hang zur kleinen Brücke hinunter konnte ich im Schnee noch rechtzeitig bremsen und ich wunderte mich ja schon vorher, dass dort alles gar nicht wie Straße, sondern eher nach Park mit Fußwegen für Spaziergänger aussah. Aber im Schnee fällt das ja nicht so auf...

Auf die Straße zurückgekehrt fanden wir dann auch den Weg zu unserer Hütte.
Ich wollte ja vorher mal wieder soooooooo schlau sein (mindestens so schlau wie bei der Sache mit dem Geldautomaten) und hatte vorher im Internet auf http://www.hitta.se (echt geile Satellitenaufnahmen von Schweden, viel besser als bei Google Earth) geguckt, wie man zum Haus kommt.
Ich hatte natürlich nicht daran gedacht, dass das Kartenmaterial dort auch schon etwas älter sein könnte und nahm zu unserem Haus einen Abzweig, der früher vielleicht mal eine Art Weg war, heute aber so nicht mehr besteht. Das wurde ganz schnell so schmal, dass ich nur noch rückwärts zurück auf den breiteren Weg konnte.
Dazu brauchte ich dann zwei Versuche mit ordentlich Anlauf, um den kleinen Hügel auch wieder hochzukommen. Aber wenn man einen BMW rückwärts fährt, dann hat er ja quasi Frontantrieb und mit etwas Anlauf ging es dann auch. :-)

Das vorgefundene Ferienhaus war echt schön!

Hier am nächsten Tag bei Tageslicht:

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Ausladen, Kühlschrank füllen und den schönen Kaminofen anheizen waren erstmal angesagt und dann stand eine richtig ruhige Nacht bevor.
Die Ruhe dort hat uns Städtern wirklich enorm gut getan. Sowas haben wir hier einfach nicht und man hat sich schnell daran gewöhnt und es für gut befunden.

In den nächsten Tagen haben wir natürlich die Gegend erkundet. Per Pedes, per Ski und natürlich auch mit dem Auto.
Es gab eine herrliche Winterlandschaft zu betrachten:

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und direkt in der Nähe gab es einen schönen zugefrorenen See

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auf dem man seinen unglaublich langen Schatten bewundern konnte.

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Und jeder, der Schweden kennt, der weiß ja, dass es bestimmt mehr Seen gibt, als Saabs auf den Straßen zu fahren scheinen.

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Die Schweden fahren darauf dann auch anscheinend ganz gern mit ihren Schneemobilen und als wir die Spuren sahen, hatten wir auch keine Scheu mehr davor, mal über einen See zu bis zu einer Insel zu laufen.
Bei den -16° Außentemperatur über mehrere Tage sahen wir eh kein großes Risiko.

Schön zu betrachten waren auch die Eisblumen an unseren Fenstern:

Bild


Wenn das Abend(b)rot den Himmel färbte, musste ich schon manchmal daran denken, dass es so aussehen könnte, wenn gerade eine Atombombe eingeschlagen ist:

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Unsere kälteste gemessene Temperatur lag bei -20.4° und die höchste leider bei +3° über 2 Tage hinweg.
Das war kurz vor unserer Abreise und plötzlich sah alles ganz anders aus, ohne Schnee.
Aber es wurde sehr schnell wieder kalt und am Tag unserer Abreise musste ich bei -17° wieder an den Scheiben kratzen und genau da hätte man die Gelegenheit gehabt, doch mal die Schlittschuhe zu benutzen, weil der Schnee vom See endlich weg war und sich eine riesige, glatte und spiegelnde Eisfläche auf dem See zeigte. Aber es war ja schon alles eingepackt und wir mussten los, schade.

Ein Highlight unserer Reise war ein Tagesausflug nach Oslo.
Wir waren ja nicht weit von der norwegischen Grenze entfernt (etwas über 50 km) und nach Oslo waren es ja auch nur ca. 170 km.
Auf dieser Fahrt hat man übrigens stark den Unterschied zwischen Schweden und Norwegen gemerkt.
Zum einen erscheint einem Schweden im Vergleich zu Norwegen ja spottbillig! Und zum anderen hat man sofort gemerkt, dass man in Norwegen ist, weil die Straße auf einmal nicht mehr geräumt war. Das war exakt bis zur Grenze so und danach ging es nur noch ziemlich langsam voran und auf den serpentinenartigen Straßen dachte ich schon zeitweilig daran vielleicht, doch besser mal die Schneeketten anzulegen und hatte Bammel vor dem Rückweg bei Nacht.
Es ging aber trotzdem ohne.

Auch in Norwegen (genau wie in Schweden) schien Weihnachten viiiiiiiiiel länger anzuhalten als in Deutschland.
In Oslo leuchtete alles noch prachtvoll:

Bild

Die Fahrt nach Oslo war übrigens ein Ding für sich und hat uns einiges an Zeit und Nerven gekostet.
Es fing damit an, dass mein Kumpel einen Anruf von seinem Mobilfunkbetreiber bekam, um ihn darauf hinzuweisen, dass seine Rechnung in diesem Monat schon über 500,- Euro beträgt (mit der Randbemerkung, dass es wohl teure GPRS Verbindungen gab).
Ok, es war also keine gute Idee, sich Zugang zum Internet zu verschaffen, indem man das Handy über Bluetooth mit dem Macbook Pro verbindet. *argh*

Je näher wir Richtung Oslo fuhren, desto wärmer wurde es und es gab das Problem, dass andere Fahrzeuge einem die Scheibe vollspritzten.
Irgendwann kam nix mehr aus der Scheibenwaschanlage, die Sonne strahlte grell und stand naturgemäß sehr tief und ich sah einfach nix mehr!
Ich konnte mich an eine Bushaltestelle retten und hielt an. Ich öffnete die Haube, sah in den Behälter der Scheibenwaschanlage und er war natürlich leer und ich hatte nix mehr zum auffüllen dabei!
Aber ich bin ja soooooooooo schlau!
Neben der Straße war in Sichtweite ein See. Haha, ich hatte ja einen Klappspaten dabei und hab mich mit einem leeren 5L Kanister durch's Gestrüpp zum See gekämpft.
Musste ja "NUR" ein Loch reinmachen!
Auf dem See sah ich 'nen Spalt im Eis, blickte in die Spalte hinein und sah, dass allein diese Spalte schon ugefähr 30 cm tief war. Und darunter war wieder Eis. Toll...
Ich würde bestimmt heute noch rumhacken, wenn ich es versucht hätte. Also beschloss ich, den Spaten doch eher dazu zu benutzen, den losen Schnee in den Kanister zu schaufeln.
Hat bestimmt 20 Minuten gedauert, das Zeug durch die kleine Öffnung zu prügeln und dann war das Ding voll!
Voller Stolz bin ich dann auch zurück zum Auto und präsentierte den Kanister Wasser in unflüssiger Form und sagte "müssen wir nur noch flüssig machen!"
Also den Kanister in den Motorraum gestellt, Motor laufen lassen und gewartet.
Mal 'nen Blick drauf geworfen und gesehen, dass der Kanister zu nah am Krümmer steht! Da war nun ein Loch reingeschmolzen.... :danke:

Also das Teil auf den Kopf gedreht, in den Innenraum gestellt und bei voll aufgedrehter Heizung gewartet, bis wir es vor schwitzen kaum noch ausgehalten haben. Und was tut sich in Sachen Schneeschmelze? NIX!

Hinter mir hält mittlerweile ein Norweger mit seinem Corsa an und ich denke "ey, den fragste jetzte nach Wasser" und dann sah ich aber schon, dass er seine Scheibe mit einem Lappen abwischte. Der hatte also auch nix...
Dann hab ich es ihm mittels Klopapier aus dem Kofferraum nachgemacht und nach 1 km kam tatsächlich eine Tankstelle! :lol:

Für "günstige" 9,- Euro also einen Kanister fertig gemischtes Frostschutzzeug gekauft und reingekippt, um dann zu merken, dass aus den Scheibenwaschdüsen kaum was raus kommt!
What the hell?
Mein Kumpel: "mach mal Haube auf und drück mal" - Mist! Das spritzt alles aus dem Schlauch raus, der aufgrund der Witterung in den letzten Tagen wohl einen Riss bekommen hat. Deswegen kommt aus den Düsen also nix mehr raus und der Behälter ist extrem schnell leer...
Also den Schlauch per Frischhaltefolie, Feuerzeug und einem Textilband geflickt - hält bis heute! (Wird im Frühjahr natürlich ersetzt).
Die ganze Aktion mit der Scheibenwaschanlage hat uns mindestens 2 Stunden gekostet, aber wir kamen trotzdem noch im hellen in Oslo an.

Und Oslo... ja, Oslo - komische Stadt!
Es gibt wunderschöne Altbauten, eine herrliche Innenstadt, einen Eisbahn mitten im Zentrum und vieles bewundernswertes - vor allem für Städter wie mich.
Aber es gibt auch krasse Gegensätze.
Zum einen bezahlt man z.B. für ein normales Menü bei Burger King locker den doppelten Preis wie hier. Klar, die verdienen ja auch mehr.
Aber zum anderen hatte ich ein krasses Erlebnis, dass ich nicht einmal hier in Berlin Neukölln, Kreuzberg, Wedding & Co hatte.
Wir sind ganz dicht am Zentrum in eine Tiefgarage gefahren. Da standen überall lauter Porsches usw. rum, aber dieses Parkhaus wirkte merkwürdig, weil es extrem eng und auch sehr unsauber war. Und im Vorbeifahren sahen wir zwei Fixer und wie einer davon gerade seine Hose unten hatte und sich die Spritze in den Genitalbereich setzte...
Nix wie raus da, hieß es nur und dann haben wir einige hundert Meter weiter in einem beheizten Parkhaus geparkt, für lächerliche 7,- Euro pro Stunde.
Für eine kleine Cola und ein Wasser haben wir an einem simplen Kiosk 5,- Euro bezahlt.
Krasse, teure Stadt, krasses (teures) Land - nicht mein Ding. Schweden ist dagegen echt billig und mir viel lieber.
Naja, wenigstens war ich mal dort und schön anzusehen war es ja trotz allem.

In Värmland haben wir versucht, die Wintersportaktivitäten zu nutzen.
Wir wollte ja mal einen Snow Scooter mieten und sind dafür extra Richtung Branäs gefahren und haben in einem ziemlich verlassenen Stugadorf sogar jemanden angetroffen, der uns dann gesagt hat, dass die das gerade nicht machen. Toll...
Also sind wir in Branäs Ski gefahren und haben für einen Tag Skispaß auf'm Idiotenhügel je 60,- Euro auf'n Tisch gelegt. Was soll's - es hat riesigen Spaß gemacht, bis auf mein geprelltes Daumengelenk (nein, nicht bei der Abfahrt, sondern an diesem blöden Lift!).
Die Pisten am Hovfjället haben wir uns auch angesehen, aber Branäs hatte doch mehr zu bieten.

In Torsby waren wir auch mal einen Abend bowlen, was nicht gerade günstig war, aber der Spaß zählt ja.
Na gut, meine Kinnlade hing kurzzeitig auf dem Tresen, als ich für 2 Mariestad (richtiges Bier, das trotzdem nicht besonders gut schmeckt) knapp 10,- Euro hinlegen musste, und dann das Bier noch nicht einmal direkt an der Bahn, sondern nur im abgetrennten Bereich trinken durfte, weil die für die Bahn keine (anscheinend sehr teure und nicht einfach zu bekommende) Ausschankerlaubnis hatten.

Spaß gemacht hat es alles und erholsam war der Urlaub auch sehr.
Unsere Rückfahrt hatten wir ja eigentlich in 2 Etappen geplant und uns vor der Rückfahrt eine Unterkunft direkt in Trelleborg reserviert. Aber bei der Abreise kamen wir so gut und schnell durch (ich hab mich halt mal an so 'nen Volvo gehängt der die 120 nicht so eng sah und auch mal 160 fuhr), dass wir noch eine Fähre erreichten, auf die wir nicht lange warten mussten und in einem Rutsch zurück nach Berlin konnten und um 01:30 Uhr im Bett waren.
Während der nervigen Fährfahrt waren wir diesmal wenigstens so schlau, uns einen W-LAN Zugriff anzumieten, um uns die Zeit auf See zu vertreiben.
Die Schaukelei im Kopf war ich trotzdem erst am nächsten Tag nach dem Ausschlafen los. Und ich dachte immer, fliegen wäre ätzend! :lol:

Ihr habt es bestimmt schon bemerkt- bei meinem zweiten Schwedenbesuch fallen mir schon ein paar Dinge mehr auf, die ich im Vergleich zu Deutschland - und nun auch zu Norwegen - kritisieren kann, aber das bedeutet nicht, dass ich mich zugunsten anderer Vorzüge (Ruhe, gefühlte Freiheit, mehr Rücksicht aufeinander usw.) nicht damit abfinden oder gar anfreunden könnte.

Ich mag dieses Land und auch seine Politik wirklich sehr und werde noch ganz oft dort Urlaub machen und vielleicht einmal (im Pensionsalter) viel Zeit dort verbringen.

Zur Politik will ich am Rande nur noch bemerken, dass ich es (wegen der aktuellen Ereignisse) zwar schade um die Marke Saab finden würde, aber weil diese eben (genau wie Opel) zu GM gehört, es begrüße, dass die schwedische Regierung es ablehnt, den Konzern finanziell zu unterstützen und das damit begründet, dass in den bestehenden Fabriken ja nicht unbedingt Autos, sondern auch Windkraftanlagen produziert werden können! :)
Genial...
Die Schweden scheinen es kapiert zu haben, dass man nicht immer die USA unterstützen muss, nur weil sie damit argumentieren, dass ja sooooooooo viele Arbeitsplätze von deren Konzernen abhängig sind.
Genauso könnten die Deutschen argumentieren, dass sie die Fabriken von Opel auch anderweitig nutzen könnten, um z.B. Butter zu produzieren, damit wir bald wieder einen ordentlichen Berg haben oder so ähnlich :)
Na gut, das ist sehr weit hergeholt und ich schweife extrem ab, aber ich hoffe, dass mein Reisebericht dennoch für den einen oder andere interessant oder gar nützlich ist.

Um es festzuhalten: B&B Grimsholmen ist traumhaft schön und Värmland eine Reise wert!

Und mein abschließendes Fazit des Urlaubs ist:
Mein alter 5'er BMW hat alles super überstanden und war bis auf die Sache mit der Scheibenwaschanlage ein sehr treuer und komfortabler Begleiter, der uns nicht im Stich gelassen hat.
Die neuen Vredestein Winterreifen haben ihr bestes gegeben und auf Schneeketten konnten wir verzichten, ach wenn sie für alle Fälle immer griffbereit waren.
Ich habe zum zweiten Mal festgestellt, das Schweden gar nicht so teuer ist, wie die meisten immer behaupten (vor allem beim Benzin - das war pro Liter durchschnittlich 20 Cent billiger als hier und auch bei den Zigaretten gibt es eigentlich keinen Unterschied, weil 20 statt 17 in einer Schachtel sind). Der günstige Wechselkurs tat sein übriges :danke: Finanzkrise bzw. Wirtschaftskrise, wie es mittlerweile genannt wird und ich habe Schweden auf jeden Fall nicht zum letzten Mal besucht!

Vielleicht bin ich in ein paar Monaten mit dem gleichen Fortbewegungsmittel noch einmal dort :)

Ich hoffe, es war nicht zu langweilig, das alles zu lesen!

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Re: Reisebericht Schweden (Värmland) Januar 2009 (mit Bildern)

Beitragvon DomDom » 21. Februar 2009 10:13

:smt023 :smt023 :smt023 :smt023 :smt023 :smt023 :smt023

:pokal: 1+ setzen :pokal:

:danke:
Lycka till

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Re: Reisebericht Schweden (Värmland) Januar 2009 (mit Bildern)

Beitragvon Gottfried » 21. Februar 2009 10:42

:danke:
Klasse Bericht! Weiter so... wann fahrt ihr wieder .. :smt064 ?

War schön zu lesen......

:smt006


Gottfried

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Re: Reisebericht Schweden (Värmland) Januar 2009 (mit Bildern)

Beitragvon Fanny » 21. Februar 2009 11:14

Ja, wirklich gut geschrieben.
Überhaupt nicht langweilig und dazu noch schöne Fotos.

:danke:
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. (Albert Schweizer)

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Re: Reisebericht Schweden (Värmland) Januar 2009 (mit Bildern)

Beitragvon Rwitha » 21. Februar 2009 11:45

Echt supi...

.... und die Fotos :smt038
Darüber, wer die Welt erschaffen hat, läßt sich streiten. Sicher ist nur, wer sie vernichten wird. (George Adamson)

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Re: Reisebericht Schweden (Värmland) Januar 2009 (mit Bildern)

Beitragvon Snögubbe » 21. Februar 2009 13:16

Hej Alfalfa !

Auch von mir ein "Stor Grattis" zu dem gelungenen Bericht und den wunderschönen Bildern !

Gruss aus Lappland,

Wolfgang

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Re: Reisebericht Schweden (Värmland) Januar 2009 (mit Bildern)

Beitragvon Normanne » 21. Februar 2009 17:02

Danke für diesen schönen Reisebericht,

:danke:

er war sehr gut zu lesen und stellenweise sehr lustig :lol: :D

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Re: Reisebericht Schweden (Värmland) Januar 2009 (mit Bildern)

Beitragvon Hexenhäuschen » 21. Februar 2009 18:11

auch ich sage "danke" für diesen wunderbaren Bericht. :supz: :smt038

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Re: Reisebericht Schweden (Värmland) Januar 2009 (mit Bildern)

Beitragvon Krümel7 » 21. Februar 2009 21:37

Hej alfalfa,
danke für deinen Reisebericht und die schönen Bilder. Ich hatte auch schon mal mit dem Gedanken gespielt, in der Gegend Winterurlaub zu machen, da es nicht so weit weg ist. Allerdings sind wir die Langlauffans und waren im Sommer mal in Sysslebäck. Dort erzählte man uns, dass auf der anderen Hangseite Ferienhäuschen incl. Sauna etc. gebaut wurden. In Hovfjället sollen laut Prospekt auch solche Häuschen stehen.
Na ja, Schneegarantie hat man ja dort nicht unbedingt.
Wart ihr in Torsby in Heidruns Cafe? Es liegt ganz dicht an der Straße.Wenn wir dort langfahren, machen wir eigentlich immer eine Kaffepause, da es dort leckeren Kuchen und ausserdem wechselnde Ausstellungen von schw. Künstlern gibt. Vielleicht handelt es sich auch nur um ein Sommercafe. Wir waren bisher jedenfals nur im Sommer da.
Was übrigens das Geldproblem angeht, kann ich dir das Konto bei der DKB empfehlen: kostenlos und kostenloses Geldabheben -weltweit- mit der Visacard.

Grüße ebenfalls aus Berlin sendet Krümel

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Re: Reisebericht Schweden (Värmland) Januar 2009 (mit Bildern)

Beitragvon alfalfa » 22. Februar 2009 00:26

Erstmal danke für die vielen Lobe!

@Krümel
Heidruns Café sagt mir leider nix. Wir waren öfter mal bei Quickly in der Innenstadt und haben leckere Burger gegessen :-)
Dafür haben wir aber in der Bibliothek von Torsby Bill Gates in jungen Jahren getroffen. Der Typ da sah wirklich aus, wie man Bill Gates aus ganz frühen Zeiten von Fotos kennt und hatte dazu noch ein kariertes rotes Hemd im 70'er Style an. Wir hatten 'nen krassen Lachanfall, als wir darüber sprachen, was das für ein Karriereknick sein muss :-)
Wenn die Temperaturen stimmen, dann haste im Hovfjället zumindest auf den Pisten Schnee, weil die Schneekanonen ja in Betrieb sind. Ebenso im nicht weit entfernten Branäs.
Das bringt für Langlauf natürlich wenig, aber dafür gibt es in Torsby ja z.B. den Skitunnel.

Aber Schnee haben wir in Berlin ja auch gerade wieder, wie ich eben am Fenster sah.


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