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 Betreff des Beitrags: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 19. Mai 2008 14:31 
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Erstmalig haben sich Schulminister Jan Björklund und Vertreter der Opposition getroffen, um über das Notensystem an schwedischen Schulen zu diskutieren. Die Regierung plant die Einführung einer sechsstufigen Benotungsskala ähnlich der deutschen. Laut Schwedischem Rundfunk wollen sich die Sozialdemokraten für eine parteiübergreifende Übereinkunft stark machen, die unabhängig von Legislaturperioden mindestens zehn Jahre gültig sein soll. Gegenüber diesem Vorschlag signalisierte der Schulminister Verhandlungsbereitschaft. Kritisch steht die Opposition vor allem Björklunds Vorstoß gegenüber, schon Siebenjährige schriftlich zu benoten. Hier machte der Schulminister allerdings bereits im Vorfeld deutlich, dass er an seiner Position festhalten werde. Björklund zufolge dient eine frühe Benotung dazu, Nachzügler rechtzeitig erkennen und ihnen helfen zu können.




(Mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden)


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 19. Mai 2008 15:05 
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Ach wie ätzend,

ist es doch ein Mitgrund warum wir nach Schweden wollen, wenn der Schulstreß da genauso ausartet wie in D sinkt die Attraktivität von Schweden für uns einwenig. :shock:

Warum wollen die Schweden es ändern? Sie sind doch immer vorne bei PISA und anderen Bewertungen.

:?

Schöne Grüße

Die Helden

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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 19. Mai 2008 15:49 
Zitat:
Warum wollen die Schweden es ändern? Sie sind doch immer vorne bei PISA und anderen Bewertungen.


Dieses 6-stufige Notensystem gab es früher schon mal in Schweden und hat sich wohl am besten bewährt, daher will man jetzt dahin zurück.

In den letzten 10 Jahren wurde die Einstufung der Schulnoten schon zig-Mal geändert.
Es hat sich gezeigt, dass das ein Fehler war und die Qualität der Schulen dadurch auch permanent abgenommen hat - Schweden liegt bei den naturwissenschafltichen Fächern zurzeit sogar bei PISA knapp hinter Deutschland zurück - und schon lange nicht mehr weit vorne!

Auch gut an dem Vorschlag ist, dass man eine erneute Änderung dann parteienunabhängig für die nächsten Jahre festschreiben möchte. Nur wenn ein System nicht von jeder neuen Regierung wieder umgestoßen werden kann, kann man mit Verbesserungen arbeiten. Das hat man mittlerweile wohl auch hier erkannt.

Wenn das Schulsytem ein Minuspunkt bei Euren Schweden-Überlegungen sein sollte, dann rate ich sowieso Euch noch etwas mehr zu informieren. Die Schulen sind nicht überall gleich gut in Schweden - es gibt ziemlich große Unterschiede, je nachdem, wo man wohnt. Generell gilt, je wohlhabender die Kommune ist, desto mehr Auswahl an Schulen (u. a. auch freie, nicht kommunale Schulen) und damit einhergehend auch etwas bessere Qualität. Die Gehälter der Lehrer schwanken auch je nach Kommune und nicht an jeder Schule unterrichten ausschließlich "ausgebildete" Lehrer.

S-nina


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 19. Mai 2008 15:59 
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Danke S-nina,

machen wir, wir wollen in die Gegend von Linköping.

Ist ja sehr interessant, gerade mit den freien Schulen.

Schöne Grüße

Die Helden

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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 19. Mai 2008 16:00 
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Hallo Ihr,

mir ist es ja immer ein bisschen unklar, an was für Punkten der Schulreform angesetzt wird, wenn, in Deutschland oder auch in Schweden, festgestellt wird, dass die Qualität des Unterrichts (oder eben der Output des Bildungssystems) nicht dem Wunsch entspricht. Das Notensystem wäre sicherlich nicht das erste, was mir bei diesem Thema einfiele...

Gruß,
Berta.


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 19. Mai 2008 16:09 
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Naja Berta,

ich fand es echt nett, als ich hörte, dass es bis zur 8.Klasse keine Noten gibt.

Beurteilungen sind ja ok, man will ja wissen wie es um einen steht.

Aber gerade Noten verursachen einen echten Streß und Leistungsdruck ohne Ende.

Mein Mann erlebte es mit seinem 15 Jahre jüngeren Bruder, wo bis zum Kultusministerum musste, bis die Lehrer versetzt wurde (sie wurde befördert :shock: ).

Mit Müh und Not wurde die Sonderschule verhindert, obwohl der Bruder alle Test gut konnte, nur die Prüfungen versagte er oft wegen dem Notendruck. Nun ist er Abteilungsleiter und hat sich vieles wieder erarbeitet aber hasst die Schule immer noch Bild

Mein Mann möchte sich diese Erfahrung mit unserem Sohn ersparen, somit ist das Schulsystem schon wichtig bei den Gründen der Auswanderung.

Bild

Schöne Grüße

Rita

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Die Helden


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 19. Mai 2008 16:19 
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Hallo Rita,

irgendwie habe ich deine Antwort nicht recht verstanden - ich bezweifle doch gar nicht, dass eine verhältnismäßig lange Zeit ohne Notendruck positiv sein kann oder dass das Schulsystem ausschlaggebend für einen Landeswechsel sein kann.

Was ich meinte, war: Dass ich sowohl in Schweden als auch in Deutschland im Schulsystem ständigen Reformbedarf sehe, dass in beiden Ländern eine starke Outputorientierung vorliegt und damit auch in beiden Ländern der Bedarf, Dinge zu ändern, von allen Parteien betont wird, weil die (messbaren) Leistungen nicht dem Wunschstandard entsprechen und, schließlich, dass ich finde, dass diese Minderleistungen nicht unbedingt durch eine Veränderung des Notensystems oder, wie in Deutschland, durch sehr viele, teilweise nicht durchdachte Schnellreformen in irgendeine beliebige Richtung, bekämpft werden können. Finde ich.

Gruß,
Berta (die auch von vielen Schulen in Deutschland weiß, in denen es erst ab der achten Klasse oder noch später Noten gibt - die aber selbst ab der zweiten Klasse welche bekam).


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 08:40 
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Die Schulsysteme haben wir ja schon das eine oder andere Mal diskutiert, trotzdem noch eine Anmerkung von mir dazu.
Ich habe neulich durch Zufall zwei sehr ähnliche Fernsehprogramme gesehen, "Die beste Klasse Deutschlands" im deutschen und "Vi i femman" im schwedischen Fernsehen. Die Formate sind sich recht ähnlich, nur das in der deutschen Version Sechstklässler und in der schwedischen Fünftklässler (aus staatlichen und privaten Schulen) gegeneinander angetreten sind, wobei es sich damit also um Gleichaltrige handelt.

Die deutschen Schüler haben relativ komplexe physikalische Zusammenhänge richtig erkannt. Von den schwedischen Schülern konnte keiner (!) die Worte "abonnemang" und "diskussion" richtig buchstabieren.

Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 09:01 
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Skogstroll hat geschrieben:
Von den schwedischen Schülern konnte keiner (!) die Worte "abonnemang" und "diskussion" richtig buchstabieren.
Skogstroll

Hier bei uns an der GS wir sehr viel Wert auf Lautschrift gelegt...
Da kommen Ungetüme zustande,die wirklich :shock: sind!
Ich frage mich,wie die Kinder sich dann ,auf den weiterführenden Schulen,umstellen sollen?
Obwohl:Alle Kinder aus der Klasse,die eine gymn.Empfehlung haben,schreiben keine Lautschrift!!!

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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 09:55 
Zitat:
Die deutschen Schüler haben relativ komplexe physikalische Zusammenhänge richtig erkannt. Von den schwedischen Schülern konnte keiner (!) die Worte "abonnemang" und "diskussion" richtig buchstabieren.


Es ist nur so ein Gefühl: Meiner Meinung nach legt man in Schweden weniger Wert auf Allgemeinbildung. Wenn ich mir das staatliche schwedische Fernsehprogramm anschaue, dann finde ich, haben die Sendungen dort mehr Ähnlichkeit mit den deutschen Privatsendern - immer die gleichen Shows und Koch-/Gartenprogramme. Selten mal Dokumentationen - Sendungen wie Nano, Planet Wissen, Quarks & Co., Weltspiegel usw. gibt es fast gar nicht und wenn, dann äußerst selten zu Zeiten, wo fast keiner zuschaut.

Printmedien auf dem Niveau von Spiegel, Zeit oder den überregionalen Tagenszeitungen wie FAZ/Süddeutsche usw. fehlen gänzlich. Selbst die führende Wirtschaftszeitung (Dagens Industri) ähnelt mehr einer Klatch-/Tratschzeitung und liefert selten mehr Informationen als fette Schlagzeilen.

Ich bin echt froh, dass es mittlerweile Internet u. Satellitenfernsehen gibt und wir noch eine andere Sprache haben als nur Schwedisch und Englisch.

S-nina


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 10:17 
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Die Schweden schreiben ja schon Lautschrift, jedes Fremdwort wird geradezu brutal verschwedischt, siehe "mannekäng", "kobåj", "fåtölj" oder eben "abonnemang". Trotzdem hatten die Schüler erhebliche Probleme.

Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 10:24 
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Hallo,

bei dem Thema Schule muß ich mich einfach einklinken, da unsere Erfahrungen mit Schule so vielfältig sind, aber leider auch sehr negativ besetzt. Wie hier schon ausgeführt wurde, in D werden immer Schnellschüsse gemacht, ohne dass es richtig durchdacht oder durchgeplant ist. Unsere Tochter lernte nicht mehr die frühere Schreibschrift sondern die vereinfachte Ausgangsschrift, da zu dem Zeitpunkt diese gerade an der Grundschule in unserem Ort eingeführt wurde. Sie konnte deshalb keine Bücher in Schreibschrift mehr lesen. Später auf dem Gymnasium schrieben die Lehrkräfte aber Schreibschrift, niemand nahm Rücksicht darauf, dass ja der Unterricht auf vereinfachte Ausgangsschrift umgestellt worden war. Das bereitete unserer Tochter zusätzliche Probleme und das am Anfang der Orientierungsstufe, in der es ja ohnehin gegenüber der Grundschule richtig abgeht.
Heute kann unsere Tochter altdeutsche Schriften entziffern, die niemand anders noch lesen kann, das hat sie sich aber alles selber beigebracht. Sie selber schreibt auch teilweise in der alten deutschen Schrift, so dass die Dozenten an ihrer Uni, an der sie studiert, ihre Schrift kaum lesen können bzw. sich darüber wundern. Vielleicht ist es eine Art Protest unserer Tochter, da sie derart schlechte Zeiten auf dem öffentlichen Gymnasium in D erleben mußte, weil sie eine Schwerhörigkeit hatte.
Sie wurde deshalb in übelster Weise gemobbt (von den Lehrkräften wohlgemerkt) und konnte sich erst auf einem Privatgymnasium richtig entwickeln. Heute studiert sie Germanistik und Kunstgeschichte.
Ich bin der Meinung, dass man Kinder und Schüler nur mit Motivation zu guten Leistungen bringen kann, deshalb bin ich mehr für Lob und Anerkennung anstatt Tadel und Bloßstellung, wie es hier in Deutschland leider an vielen Schulen praktiziert wird - zumindest habe ich, außer später auf dem besagten Privatgymnasium, die Tendenz der Lehrkräfte zur Aussortierung der Schüler mehr als negativ empfunden.
Grüße Aelve

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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 10:35 
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Aelve hat geschrieben:
Unsere Tochter lernte nicht mehr die frühere Schreibschrift sondern die vereinfachte Ausgangsschrift, da zu dem Zeitpunkt diese gerade an der Grundschule in unserem Ort eingeführt wurde.


Das ist hier genau so. Auch unsere Tochter würde gern Schreibschrift lernen und macht auch Ansätze dazu, es sich selbst beizubringen, aber in der Schule gibt es nur und ausschliesslich Druckbuchstaben. Und zwar mit Bleistift. Ausschliesslich.

/Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 10:39 
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Hallo Skogstroll,

ja, es soll immer und überall einfacher werden - auch für die Lehrer. Wie sieht es denn bei Euch in Schweden aus, verlangen die Lehrkräfte in den späteren Klassenstufen dann aber plötzlich, dass die Schüler die nicht erlernte Schreibschrift lesen und schreiben sollen?
Unsere Tochter schreibt z.B. nur mit Füllfederhalter, sie hat eine sehr gute Schrift dadurch. Ob die Schrift sich mit Bleistift gut entwickeln kann? Ich denke, dass man auch mit Kugelschreiber nicht so eine gute Handschrift hat wie mit einem guten Füllhalter. Aber wie gesagt, erst werden bewährte Dinge umgestossen um später festzustellen, dass diese traditionellen Dinge doch besser waren als etwas überstürzt eingeführtes.

Grüße Aelve

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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 10:49 
Zitat:
Wie sieht es denn bei Euch in Schweden aus, verlangen die Lehrkräfte in den späteren Klassenstufen dann aber plötzlich, dass die Schüler die nicht erlernte Schreibschrift lesen und schreiben sollen?


Um mich jetzt bei allen Schweden-Fans so richtig unbeliebt zu machen:

In Schweden verlangen die Lehrkräfte NICHTS - es genügt schon wenn du dich durch die Überschrift von Expressen durchbuchstabieren und die Tabellen mit den Fußballergebnissen interpretieren kannst. :D

Das ist mein gefühlter Eindruck und ich hoffe wirklich, dass die Realität dann doch nicht voll so krass sein wird. :roll:
Als mein Sohn in der 3. Klasse war, habe ich mal bei einem Elternabend die Frage gestellt, wann denn die Lehrerin anfangen würde, falsch geschriebene Worte zu korrigieren.
Darauf bekam ich allen Ernstes die Antwort: Darauf legen wir nicht so viel Wert - das kommt von selber. Und heutzutage schreibt man sowieso nur noch auf dem Computer, da gibt es ein Rechtschreibprogramm.

Seit diesem Abend habe ich dann NIE wieder irgendeine Frage bei einem Elternabend gestellt! Will mich ja nicht überall unbeliebt machen. :D

S-nina


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 10:51 
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Nein, Schreibschrift wird nicht verlangt. Und es wird alles mit Bleistift geschrieben, selbst Prüfungsarbeiten. Entsprechend sieht die Schrift aus.
Der Bleistift wird von der Schule gestellt, verlangt man von den Schülern (selbst am Gymnasium!), mit Bleistift zum Unterricht zu erscheinen, wird das heftig diskutiert. "Diskussion" können sie zwar nicht schreiben, aber diskutieren können sie.
Die Einstellung, eigentlich nur in Ausnahmefällen wirklich Leistung erbringen zu müssen, zieht sich natürlich bis ins Arbeitsleben durch, selbst bis ins kommunale Leben. Jüngstes Beispiel: Die Kommune Gällivare veranstaltet wie jedes Jahr eine Sperrmüllsammlung. Neu diesmal: Der Müll wird mit Hilfe eines Baggers sortiert, es dürfen also nur Stücke abgegeben werden, die mit dem Bagger sortierbar sind, was immer das bedeutet. Gleichzeitig darf das Einzelstück nicht schwerer als 15kg sein, um das Beladepersonal nicht zu überfordern. Was bleibt da eigentlich übrig?

Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 10:52 
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:smt042
Das glaube ich auf's Wort!!
Ähnliches kenne ich von hier....

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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 11:01 
Zitat:
Ob die Schrift sich mit Bleistift gut entwickeln kann? Ich denke, dass man auch mit Kugelschreiber nicht so eine gute Handschrift hat wie mit einem guten Füllhalter.


Hej Aelve,
dann sei mal froh, dass du nicht in Schweden bist!

Stelle mir gerade das Gesicht der Klassenlehrerin meines Sohnes vor, wenn ich ihr deinen obigen Satz gesagt hätte. :D

Mein Sohn - 7. Klasse (gehört zu den Klassenbesten) schwedische Schule. Kommentar seine gleichaltrigen Cousins in Deutschland (6. Klasse Gymnasium) zum Schriftbild meines Sohnes:

"Der schreibt wie ein ERSTKLÄSSLER".

Füllhalter? Ich glaube, die meisten Schweden wissen gar nicht, was du damit meinst.

S-nina


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 11:11 
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Noch ein Beispiel:
Bekannte von Bekannten waren mit ihrem schulpflichtigen Kind einige Jahre in Schweden und sind nach Deutschland zurückgekehrt. Dort wurde das Kind zwei (!) Klassenstufen zurückgesetzt, ist also jetzt drei Jahre älter als seine Klassenkameraden.
Umgekehrt wurden vor ein paar Monaten ein zwei dänische Kinder in Gällivare eingeschult. Die wurden zwei Klassenstufen hochgesetzt.

Nun ist nicht alles schlecht an der schwedischen Schule. Die Betonung sozialer Kompetenz z.B. ist lobenswert. Aber es ist richtig, dass praktisch keine oder nur minimale Forderungen an die Schüler gestellt werden, was langfristig schlimme Konsequenzen haben dürfte, da es so langsam die Grundhaltung der Gesellschaft prägt, zwar Forderungen zu stellen, aber selbst nicht unbedingt Leistung zu erbringen.
Die schwedische Schule hat nach meiner Ansicht noch die Chance, die Kurve zu kriegen, aber es ist fraglich, ob man diese Chance wahrnehmen wird, weil sich die Erkenntnis des Problems noch nicht durchgesetzt hat.

/Skogstroll


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 11:17 
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Hallo,

ja, immer von einem Extrem ins andere, das ist schon schlimm.
Also ich bin sehr leistungsbezogen, anders kommt man ja auch im Berufsleben in Deutschland gar nicht mehr zurecht. Aber meine Meinung ist, dass man die Leistung positiv verlangen soll durch Motivationsaufbau. Ich habe unseren Kindern immer erzählt, dass heute Leistungsbereitschaft erforderlich ist, um im Berufsleben bestehen zu können und damit es einem besser geht als denjenigen, die es zu nichts bringen und die faul sind. Aber ich habe es nicht so unter Druck gemacht, vielleicht sind unsere Kinder auch von sich aus schon ehrgeizig, da sie sich für alles interessieren. Vielleicht liegt es auch am Vorleben der Eltern und Lehrkräfte, wie die Kinder es dadurch erfahren.
Ehrlich gesagt, würde es mich vielleicht auch stören, wenn es zu lasch gehandhabt wird an den Schulen, denn der Mensch ist nun einmal so, dass er oft den Weg des geringsten Aufwands gehen will.
Ich habe mal gelesen und denke auch, dass es stimmt. Der Mensch ist am glücklichsten, wenn er hohen Anforderungen ausgesetzt ist, sie dürfen aber nur so hoch sein, dass er sie mit Anstrengung schaffen kann. Wenn etwas zu leicht ist, dann verliert der Mensch die Lust, also Unterforderung ist auch tödlich.
Es ist ein schmaler Grad, auf dem man zwischen Unter- oder Überforderung gehen muß, die Kunst der Lehrkräfte muß darin liegen, weder eine dauernde Überforderung noch eine dauernde Unterforderung zu erlangen.
Vielleicht ist diese Aufgabe zu schwer, so dass es Lehrkräfte oder mit Bildung und Schule beauftragten Personen nicht gelingt, jedes Kind nach seiner individuellen Begabung zu fördern.

Grüße Aelve

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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 11:43 
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Aelve hat geschrieben:
Vielleicht ist diese Aufgabe zu schwer, so dass es Lehrkräfte oder mit Bildung und Schule beauftragten Personen nicht gelingt, jedes Kind nach seiner individuellen Begabung zu fördern.
Grüße Aelve

So eine Gesellschaft wird es nie geben..
Entweder man enspricht mehr oder weniger der Masse,oder man hat Pech gehabt..
Ein Lehrer von mir bezeichnete das einmal als:"Natürliche Auslese".....

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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 11:51 
Zitat:
Ehrlich gesagt, würde es mich vielleicht auch stören, wenn es zu lasch gehandhabt wird an den Schulen, denn der Mensch ist nun einmal so, dass er oft den Weg des geringsten Aufwands gehen will.


Die Schweden gehen meines Erachtens bevorzugt den Weg des geringsten Aufwands. Haben aber auch nichts dagegen, dann mit ihren leicht erreichten Zielen zu prahlen. Schweden ist ja bekanntermaßen "phantastisch" und in jeder Hinsicht vorbildlich.

Mein Sohn war letztes Jahr mit in dem Fernsehprogramm "Schwedens klügstes Kind" (Sveriges smartaste barn). Er hat sich recht gut geschlagen - sein Pech: Er hatte als Spezialthema "Deutschland" gewählt. Seine beiden Konkurrentinnen in der Endrunde hatten das Thema "Kalle Anka" (Donald Duck) und "Veronica Mars" (eine amerikanische Fernsehsendung).
Er bekam dann natürlich weniger Punkte - dafür Fragen wie:
Wer war der erste Kanzler Deutschlands?
Wer hat den Nobelpreis für Literatur für das Buch "Die Blechtrommel" bekommen?

Klar, es kann ja auch dumm sein zu hohe Anforderungen zu stellen oder die Latte für einen selber zu anspruchsvoll zu legen.

S-nina


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 12:00 
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Hallo Sabine,

wenn die Auslese dann dazu führt, dass jeder seiner Begabung gemäß eingesetzt werden kann, wäre das auch in Ordnung. Wenn aber die Leute, die das Auslesen vornehmen sollen, nach ihren eigenen Kriterien gehen und auch nicht unterscheiden können, ob jemand leistungswillig, intelligent oder nicht ist, dann sieht es in einer Volkswirtschaft mau aus.
Stelle Dir doch mal vor, jemand soll Weintrauben auslesen und sortiert viele gute Trauben aus, aber sehr viele schlechte und faulende Trauben ein, wie schmeckt dann der Wein?
Wenn es gerade up to date ist, dass die mündliche Beteiligung Vorrang hat, wer am lautesten schreit, der wird als schlau eingeschätzt und die ruhigen Leute, die zwar mündlich nicht immer vorneweg sind, aber dafür schriftliche Arbeiten hervorragend meistern können, werden die Kräfte, die gute Schreiberlinge sind aussortiert zugunsten der Marktschreier, die zwar gut andere verbal runtermachen können, aber wenn sie eine gute schriftliche Aufgabe meistern sollen, dann wird es nichts.
So ähnlich kommt es mir in Deutschland vor, irgend jemand gibt was vor, danach richten sich alle und das Resultat sieht man ja, dass es in D nicht mehr klappt und die meisten Leute unzfrieden sind.

Grüße Aelve

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Zuletzt geändert von Aelve am 20. Mai 2008 12:19, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 12:19 
Ich bin der Meinung , dass hier ein bisschen vom Thema abgewichen wird . Es ging doch darum Zensuren ja oder nein. Dies hat nichts damit zu tun , ob man nun mit Füller schreibt,oder mit Bleistift.
Fakt ist , Zensuren bedeuten eine leistungsbezogene Wertung und diese wird dem Kind das ganze Leben lang begleiten . Später in Form vom Lohn. Schon im jüngsten Alter lernt das Kind leistungsbezogen zu leben und sei es nur bei der Frage nach Süßigkeiten ,oder Milch. Ohne Zensuren unterbrechen wir diesen Lernprozess!
Der Stress , der dabei anfällt wird meistens genährt von den eigenen Eltern ,die komischer Weise in der Schule damals ,in irgendeiner Weise versagt haben. Sie wollen dies ihren Kindern nicht zu muten, aber dies ist ein Fehler.

Übrigens hatten wir zwei schwedische Mädchen hier zu Besuch, die auch am Unterricht in einer Deutschen Schule teilnahmen. Sie wünschen sich nichts lieber , als Zensuren zu bekommen.

Ausserdem dienen die Zensuren nicht nur zur Übermittlung des Leistungsstandes des Kindes an die Eltern, nein, der Pädagoge kann auf Grund der Noten viele Dinge erkennen , von denn die Eltern gar nichts wissen. Sie dienen wirklich zur Unterstützung an der richtigen Stelle .


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 12:29 
Schweden Guru
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Hallo Nobse,

ich bin kein Gegner von Zensuren. Auch unsere Kinder sagten immer, es ist richtig, dass man Zensuren bekommt, damit man einen Anreiz hat. Aber die Lehrkräfte müssen auch in die Lage versetzt werden, eine richtige Zensurengebung zu erbringen und sie müssen auch den Kindern erstmal etwas beigebracht haben, ehe die Schüler etwas wissen können, was man denn zensieren kann.
Da hapert es in Deutschland nach meiner Ansicht. Zuviel Stundenausfall, zu wenig Übung, zu viel Ballast, zu wenig Zeit für den Schüler, um sein Wissen darbringen zu können.
Wenn für schriftliche Arbeiten nur 10 Minuten Zeit eingräumt wird, dann kann ein Kind, welches eine große Menge an Wissen hat, dieses gar nicht in den 10 Mintuen alles sortieren und darlegen. Das kann dazu führen, dass von 10 Fragen nur 4 beantwortet wurden und das Kind dann eine 6 bekommt, obwohl es bei weiterer Zeiteinräumung von 15 Minuten alle Fragen richtig beanwortet hätte.
Nur mal das Fach Deutsch, wenn ein Kind nur 4 oder 5 Rechtschreibfehler in einem Diktat macht, dann ist das schon eine 5er oder 6er Note, obwohl Rechtschreibung vorher nicht genügend im Unterricht von den Lehrkräften durchgenommen wurde bzw. richtig erklärt wurde, warum man zum Beispiel das Wort das Turnen groß und nicht klein schreibt.

Grüße Aelve

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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 12:36 
Zitat:
Übrigens hatten wir zwei schwedische Mädchen hier zu Besuch, die auch am Unterricht in einer Deutschen Schule teilnahmen. Sie wünschen sich nichts lieber , als Zensuren zu bekommen.


Die ganz links stehende Partei (Vänsterpartiet) in Schweden wünscht sich gar keine Zensuren, die Grünen (Miljöpartiet) ab Kl. 9.
Laut einer Umfrage der Göteborgs Posten möchten die meisten Noten ab Kl. 6 (23 %), ab Kl. 7 (33 %) oder ab Kl. 8 (22 %) und 46 % der Befragten wünschen auch eine mehrstufigere Notenskala als die heutige.

Das ist doch schon ein positiver Schritt in die richtige Richtung.

Was mir allerdings wieder weniger logisch erscheint:
"Weniger Plätze sollen die Lehrerausbildung attraktiver machen" - d. h. weniger Ausbildungsorte/weniger Studienplätze sollen die Qualität der Ausbildung erhöhen. ?? :?

S-nina


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 12:51 
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:danke:

Für den Einblick in das Schulsystem, gerade das mit dem Bleistift finde ich interessant, wenn auch merkwürdig.

:schwedentor2:

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Schöne Grüße

Die Helden


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 12:57 
S-Nina und Aelve ,grusätzlich sind wir doch einer Meinung , nicht alles Alte ist schlecht und die Noten gehören dazu, das Wie steht auf einem anderen Blatt.
Aber auch zu den Einschätzungen gehören betimmte Vorausetzungen. Denn diese sind meiner Meinung nach noch subjektiver geschrieben ,nach dem Motto "Hauptsache die Eltern sind zufrieden"


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 13:26 
Zitat:
Fakt ist , Zensuren bedeuten eine leistungsbezogene Wertung und diese wird dem Kind das ganze Leben lang begleiten . Später in Form vom Lohn. Schon im jüngsten Alter lernt das Kind leistungsbezogen zu leben und sei es nur bei der Frage nach Süßigkeiten ,oder Milch. Ohne Zensuren unterbrechen wir diesen Lernprozess!
Der Stress , der dabei anfällt wird meistens genährt von den eigenen Eltern ,die komischer Weise in der Schule damals ,in irgendeiner Weise versagt haben. Sie wollen dies ihren Kindern nicht zu muten, aber dies ist ein Fehler.


Nobse,
was du oben gesagt hast, da bin ich ganz deiner Meinung. Noch treffender kann man es wohl nicht sagen!

Ich bin sehr dafür, dass in Schweden wieder mehr Noten (6 anstatt wie heute 3) und auch früher (nicht erst ab der 8. Klasse) vergeben werden. Auch würde ich mir wünschen, die schwedische Schule würde die Anforderungen an die Schüler wieder etwas erhöhen. Mein Eindruck von der heutigen schwedischen Grundschule (das Gymnasium ab Kl. 9 kenne ich "noch" nicht) ist, dass hier nun minimale Anforderungen an die Kinder gestellt werden und dass die Schule hier schlichtweg zu leicht ist.

Das schwedische System, wo eben alle die gleichen Chancen haben sollen, führt ja auch dazu, dass man die Meßlatte oft sehr niedrig legen oder ganz wegnehmen muss, damit wirklich alle mitkommen. Daher gab es ja auch die Idee mit gar keinen Zensuren - wo es keine Bewertung gibt, da sind automatisch alle "gleich" gut. Sehr simpel - im wahrsten Sinne des Wortes.

S-nina


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 14:03 
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Hallo S-Nina,

da bin ich genau der gleichen Meinung wie Du, Anstrengung soll sich auch lohnen, sonst verkommt es zu einem Einheitsbrei. Gleichmacherei ist auch nichts für uns, denn alle Menschen sind nun einmal nicht gleich. Aber ich finde, dass jedem die gleichen Chancen zustehen müssen und da hapert es wohl insgesamt auf der Welt, aber ich denke trotzdem, dass die Chancengleichheit einen etwas höheren Stellenwert in Schweden als in Deutschland hat. Chancengleichheit bedeutet für mich, dass jedem Bildung zusteht, ob er nun aus einfachem Elternhaus kommt oder nicht, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht, ob jemand weiß, schwarz, gelb oder lila ist und egal welche Religion er hat.
Wenn jemand nicht das Zeug zum Lernen und Einprägen hat, er auch eher Interesse an handwerklichen Tätigkeiten hat, dann muß man ihm nicht Latein oder als Fremdsprache Chinesisch zumuten. Aber wenn jemand im Rollstuhl sitzt, wenn jemand nicht so gut sehen kann oder irgendwie gehandikapt, so ist das für mich kein Grund, dass er nicht eine gute Bildung bekommen soll. Auch da denke ich, dass Schweden besser davor ist und in den Bereichen aufgeschlossener als es in Deutschland der Fall ist. Und das meine ich auch mit Gleichmacherei, eine Chancengleichheit kann nur sein, wenn man jede Person nach besten Kräften unterstützt, so dass derjenige seine Begabung auch entfalten kann unabhängig von Herkunft oder einer evtl. körperlichen Benachteiligung. Dann kann man auch gerecht zensieren, denn dann zensiert man, was jemand mit richtiger Hilfe dann auch leisten kann. Ich finde, dass auch Leistungsbereitschaft, Fleiß, Ausdauer mit in eine Zensierung eingehen muss sowie die Bereitschaft, sich beharrlich mit einer Sache aus einander zu setzen und Lösungsmöglichkeiten für Probleme zu erarbeiten und zu finden. Bloßes Abfragen von Wissen zeigt oft gar nicht die Breite der Leistungsmöglichkeit. Es gibt hier in Deutschland genügend Schüler, die von den Eltern erstmal alles eingetrichtert bekommen, aber alleine würden sie nichts auf die Beine stellen.
Aber um hier alle Aspekte aufzuführen, dazu ist das Thema zu komplex. Da sollen sich dann die Fachleute den Kopf drüber zerbrechen. Aber ich hoffe, dass die Schulbildung in Schweden humamer bleibt als sie in Deutschland zur Zeit ist.

Grüße Aelve

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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 14:35 
Zitat:
Aber ich hoffe, dass die Schulbildung in Schweden humamer bleibt als sie in Deutschland zur Zeit ist.


Hej Aleve,
alles, was du sagst, ist ja auch richtig und ich kann dir auch nur zustimmen.

Ob die Schulbildung in S nun "humaner" ist als in D - keine Ahnung?

Klar, mein Sohn verspürt in der Schule hier keinen Stress und wir als Eltern somit auch nicht. Er ist möglicherweise etwas unterfordert, weil er sicherlich noch ein bißchen mehr könnte.

Ob wir ihm aber tatsächlich etwas Gutes getan haben, dass wir in Schweden geblieben sind, das wird sich in der Zukunft zeigen. Ich bin mal gespannt, wie die nächste Klasse sein wird - er kommt dann in die 8 und es gibt zum ersten Mal Noten.

Bisher, das muss ich jetzt schon ganz ehrlich zugeben, war/ist für uns (Kind u. Eltern) die Schule eher ein "Sonntagsspaziergang im Wald". Locker, fröhlich und meistens heiterer Sonnenschein.

Ich habe ja in der Zwischenzeit auch gelesen/mitbekommen, was du mit deinen Kindern in der Schule erlebt hast und wie anstrengend diese Zeit für euch alle gewesen sein muss.

Aber meinst du nicht auch, dass diese schwierige Zeit für deine Kinder möglicherweise auch dazu beigetragen hat, dass sie heute so erfolgreich geworden sind und es somit auch gelernt haben, Schwierigkeiten zu meistern?

Sicher, der härteste Weg ist auch nicht gerade der beste - aber nur mit Samthandschuhen, wie es Nobse mal in einem anderen Thread angesprochen hatte - kann's doch auf die Dauer auch nicht sein. Denke ich.

S-nina


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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 20. Mai 2008 15:19 
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Liebe S-Nina,

genau das was Du schreibst, habe ich auch schon oft gedacht, vielleicht auch nur, um dem Ganzen überhaupt etwas Positives abzugewinnen. Man sagt ja sehr oft, Leute, die schwer durch das Leben gegangen sind, leisten dann sehr viel, z.B. van Gogh - er hatte ja immer Selbstzweifel bis hin zur Selbstverstümmelung oder Einstein, er hatte unheimlich große Schulprobleme, obwohl er mathematisch ein Genie war. Ein wenig tröste ich mich deshalb auch damit, dass ich mir sage, vielleicht sollte es so sein und unsere Kinder haben dadurch gelernt, dass man kämpfen muss, wenn man was erreichen will. Aber anders herum habe ich durch meine jahrelange Mitgliedschaft im Legasthenieverband auch viele Kinder und Familien kennen gelernt, die an ihrer Behinderung durch die Legasthenie gescheitert sind oder dass die Familie an den Problemen zerbrochen ist. Das tat und tut mir unheimlich leid, da ich mir sage, ein Kind kann nichts dafür, wenn es etwas ererbt hat oder wenn es etwas nicht so gut kann, wenn es eine Behinderung in welcher Form auch immer hat, es hat trotzdem seine spezielle Begabung, die man fördern muß. Man kann Kinder auch kaputt machen, wenn man sie immer drückt oder ihnen sagt, sie können nichts. Deshalb finde ich es auch extrem wichtig, dass man das Selbstbewußtsein fördert und nicht umgedreht, ein Kind zum seelischen Krüppel macht. Ich muß dazu sagen, dass ich in der Zeit, in der ich diese Probleme bewältigen mußte, eine Panikattacke erlitt und eine Kur wegen eines Burnout Syndroms hinter mich bringen mußte. Insgesamt bin ich über die Sache auch nicht hinweg. Und deshalb meine ich, wenn man zwischen Grippe und Cholera wählen müsste, dann würde man doch sicherlich die Grippe bevorzugen. Kannst Du Deinen Sohn nicht persönlich mehr fordern, z.b. mit zusätzlichem Unterricht z.B. Musik, Theater, Kunst oder ähnliches, das hatten unsere Kinder immer und das war ein Hobby, was sie heute noch ausüben.

Liebe Grüße Aelve

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 Betreff des Beitrags: Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem
BeitragVerfasst: 21. Mai 2008 09:26 
Schwedenfreund
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Registriert: 1. April 2008 17:33
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S-nina hat geschrieben:

Klar, mein Sohn verspürt in der Schule hier keinen Stress und wir als Eltern somit auch nicht. Er ist möglicherweise etwas unterfordert, weil er sicherlich noch ein bißchen mehr könnte.

Bisher, das muss ich jetzt schon ganz ehrlich zugeben, war/ist für uns (Kind u. Eltern) die Schule eher ein "Sonntagsspaziergang im Wald". Locker, fröhlich und meistens heiterer Sonnenschein.

S-nina


Hallo S-nina,

das macht doch Mut.

Uns wäre halt wichtig, dass unser Sohn nicht den Spaß am Lernen an sich verliert und vieles bringt man sich selber bei, gerade Computer etc.

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Schöne Grüße

Die Helden


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