Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

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Sabine

Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon Sabine » 20. Mai 2008 10:43

Aelve hat geschrieben:Vielleicht ist diese Aufgabe zu schwer, so dass es Lehrkräfte oder mit Bildung und Schule beauftragten Personen nicht gelingt, jedes Kind nach seiner individuellen Begabung zu fördern.
Grüße Aelve

So eine Gesellschaft wird es nie geben..
Entweder man enspricht mehr oder weniger der Masse,oder man hat Pech gehabt..
Ein Lehrer von mir bezeichnete das einmal als:"Natürliche Auslese".....

nysn

Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon nysn » 20. Mai 2008 10:51

Ehrlich gesagt, würde es mich vielleicht auch stören, wenn es zu lasch gehandhabt wird an den Schulen, denn der Mensch ist nun einmal so, dass er oft den Weg des geringsten Aufwands gehen will.


Die Schweden gehen meines Erachtens bevorzugt den Weg des geringsten Aufwands. Haben aber auch nichts dagegen, dann mit ihren leicht erreichten Zielen zu prahlen. Schweden ist ja bekanntermaßen "phantastisch" und in jeder Hinsicht vorbildlich.

Mein Sohn war letztes Jahr mit in dem Fernsehprogramm "Schwedens klügstes Kind" (Sveriges smartaste barn). Er hat sich recht gut geschlagen - sein Pech: Er hatte als Spezialthema "Deutschland" gewählt. Seine beiden Konkurrentinnen in der Endrunde hatten das Thema "Kalle Anka" (Donald Duck) und "Veronica Mars" (eine amerikanische Fernsehsendung).
Er bekam dann natürlich weniger Punkte - dafür Fragen wie:
Wer war der erste Kanzler Deutschlands?
Wer hat den Nobelpreis für Literatur für das Buch "Die Blechtrommel" bekommen?

Klar, es kann ja auch dumm sein zu hohe Anforderungen zu stellen oder die Latte für einen selber zu anspruchsvoll zu legen.

S-nina

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Aelve
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Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon Aelve » 20. Mai 2008 11:00

Hallo Sabine,

wenn die Auslese dann dazu führt, dass jeder seiner Begabung gemäß eingesetzt werden kann, wäre das auch in Ordnung. Wenn aber die Leute, die das Auslesen vornehmen sollen, nach ihren eigenen Kriterien gehen und auch nicht unterscheiden können, ob jemand leistungswillig, intelligent oder nicht ist, dann sieht es in einer Volkswirtschaft mau aus.
Stelle Dir doch mal vor, jemand soll Weintrauben auslesen und sortiert viele gute Trauben aus, aber sehr viele schlechte und faulende Trauben ein, wie schmeckt dann der Wein?
Wenn es gerade up to date ist, dass die mündliche Beteiligung Vorrang hat, wer am lautesten schreit, der wird als schlau eingeschätzt und die ruhigen Leute, die zwar mündlich nicht immer vorneweg sind, aber dafür schriftliche Arbeiten hervorragend meistern können, werden die Kräfte, die gute Schreiberlinge sind aussortiert zugunsten der Marktschreier, die zwar gut andere verbal runtermachen können, aber wenn sie eine gute schriftliche Aufgabe meistern sollen, dann wird es nichts.
So ähnlich kommt es mir in Deutschland vor, irgend jemand gibt was vor, danach richten sich alle und das Resultat sieht man ja, dass es in D nicht mehr klappt und die meisten Leute unzfrieden sind.

Grüße Aelve
Zuletzt geändert von Aelve am 20. Mai 2008 11:19, insgesamt 1-mal geändert.
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nobse

Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon nobse » 20. Mai 2008 11:19

Ich bin der Meinung , dass hier ein bisschen vom Thema abgewichen wird . Es ging doch darum Zensuren ja oder nein. Dies hat nichts damit zu tun , ob man nun mit Füller schreibt,oder mit Bleistift.
Fakt ist , Zensuren bedeuten eine leistungsbezogene Wertung und diese wird dem Kind das ganze Leben lang begleiten . Später in Form vom Lohn. Schon im jüngsten Alter lernt das Kind leistungsbezogen zu leben und sei es nur bei der Frage nach Süßigkeiten ,oder Milch. Ohne Zensuren unterbrechen wir diesen Lernprozess!
Der Stress , der dabei anfällt wird meistens genährt von den eigenen Eltern ,die komischer Weise in der Schule damals ,in irgendeiner Weise versagt haben. Sie wollen dies ihren Kindern nicht zu muten, aber dies ist ein Fehler.

Übrigens hatten wir zwei schwedische Mädchen hier zu Besuch, die auch am Unterricht in einer Deutschen Schule teilnahmen. Sie wünschen sich nichts lieber , als Zensuren zu bekommen.

Ausserdem dienen die Zensuren nicht nur zur Übermittlung des Leistungsstandes des Kindes an die Eltern, nein, der Pädagoge kann auf Grund der Noten viele Dinge erkennen , von denn die Eltern gar nichts wissen. Sie dienen wirklich zur Unterstützung an der richtigen Stelle .

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Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon Aelve » 20. Mai 2008 11:29

Hallo Nobse,

ich bin kein Gegner von Zensuren. Auch unsere Kinder sagten immer, es ist richtig, dass man Zensuren bekommt, damit man einen Anreiz hat. Aber die Lehrkräfte müssen auch in die Lage versetzt werden, eine richtige Zensurengebung zu erbringen und sie müssen auch den Kindern erstmal etwas beigebracht haben, ehe die Schüler etwas wissen können, was man denn zensieren kann.
Da hapert es in Deutschland nach meiner Ansicht. Zuviel Stundenausfall, zu wenig Übung, zu viel Ballast, zu wenig Zeit für den Schüler, um sein Wissen darbringen zu können.
Wenn für schriftliche Arbeiten nur 10 Minuten Zeit eingräumt wird, dann kann ein Kind, welches eine große Menge an Wissen hat, dieses gar nicht in den 10 Mintuen alles sortieren und darlegen. Das kann dazu führen, dass von 10 Fragen nur 4 beantwortet wurden und das Kind dann eine 6 bekommt, obwohl es bei weiterer Zeiteinräumung von 15 Minuten alle Fragen richtig beanwortet hätte.
Nur mal das Fach Deutsch, wenn ein Kind nur 4 oder 5 Rechtschreibfehler in einem Diktat macht, dann ist das schon eine 5er oder 6er Note, obwohl Rechtschreibung vorher nicht genügend im Unterricht von den Lehrkräften durchgenommen wurde bzw. richtig erklärt wurde, warum man zum Beispiel das Wort das Turnen groß und nicht klein schreibt.

Grüße Aelve
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nysn

Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon nysn » 20. Mai 2008 11:36

Übrigens hatten wir zwei schwedische Mädchen hier zu Besuch, die auch am Unterricht in einer Deutschen Schule teilnahmen. Sie wünschen sich nichts lieber , als Zensuren zu bekommen.


Die ganz links stehende Partei (Vänsterpartiet) in Schweden wünscht sich gar keine Zensuren, die Grünen (Miljöpartiet) ab Kl. 9.
Laut einer Umfrage der Göteborgs Posten möchten die meisten Noten ab Kl. 6 (23 %), ab Kl. 7 (33 %) oder ab Kl. 8 (22 %) und 46 % der Befragten wünschen auch eine mehrstufigere Notenskala als die heutige.

Das ist doch schon ein positiver Schritt in die richtige Richtung.

Was mir allerdings wieder weniger logisch erscheint:
"Weniger Plätze sollen die Lehrerausbildung attraktiver machen" - d. h. weniger Ausbildungsorte/weniger Studienplätze sollen die Qualität der Ausbildung erhöhen. ?? :?

S-nina

helden

Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon helden » 20. Mai 2008 11:51

:danke:

Für den Einblick in das Schulsystem, gerade das mit dem Bleistift finde ich interessant, wenn auch merkwürdig.

:schwedentor2:

nobse

Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon nobse » 20. Mai 2008 11:57

S-Nina und Aelve ,grusätzlich sind wir doch einer Meinung , nicht alles Alte ist schlecht und die Noten gehören dazu, das Wie steht auf einem anderen Blatt.
Aber auch zu den Einschätzungen gehören betimmte Vorausetzungen. Denn diese sind meiner Meinung nach noch subjektiver geschrieben ,nach dem Motto "Hauptsache die Eltern sind zufrieden"

nysn

Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon nysn » 20. Mai 2008 12:26

Fakt ist , Zensuren bedeuten eine leistungsbezogene Wertung und diese wird dem Kind das ganze Leben lang begleiten . Später in Form vom Lohn. Schon im jüngsten Alter lernt das Kind leistungsbezogen zu leben und sei es nur bei der Frage nach Süßigkeiten ,oder Milch. Ohne Zensuren unterbrechen wir diesen Lernprozess!
Der Stress , der dabei anfällt wird meistens genährt von den eigenen Eltern ,die komischer Weise in der Schule damals ,in irgendeiner Weise versagt haben. Sie wollen dies ihren Kindern nicht zu muten, aber dies ist ein Fehler.


Nobse,
was du oben gesagt hast, da bin ich ganz deiner Meinung. Noch treffender kann man es wohl nicht sagen!

Ich bin sehr dafür, dass in Schweden wieder mehr Noten (6 anstatt wie heute 3) und auch früher (nicht erst ab der 8. Klasse) vergeben werden. Auch würde ich mir wünschen, die schwedische Schule würde die Anforderungen an die Schüler wieder etwas erhöhen. Mein Eindruck von der heutigen schwedischen Grundschule (das Gymnasium ab Kl. 9 kenne ich "noch" nicht) ist, dass hier nun minimale Anforderungen an die Kinder gestellt werden und dass die Schule hier schlichtweg zu leicht ist.

Das schwedische System, wo eben alle die gleichen Chancen haben sollen, führt ja auch dazu, dass man die Meßlatte oft sehr niedrig legen oder ganz wegnehmen muss, damit wirklich alle mitkommen. Daher gab es ja auch die Idee mit gar keinen Zensuren - wo es keine Bewertung gibt, da sind automatisch alle "gleich" gut. Sehr simpel - im wahrsten Sinne des Wortes.

S-nina

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Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon Aelve » 20. Mai 2008 13:03

Hallo S-Nina,

da bin ich genau der gleichen Meinung wie Du, Anstrengung soll sich auch lohnen, sonst verkommt es zu einem Einheitsbrei. Gleichmacherei ist auch nichts für uns, denn alle Menschen sind nun einmal nicht gleich. Aber ich finde, dass jedem die gleichen Chancen zustehen müssen und da hapert es wohl insgesamt auf der Welt, aber ich denke trotzdem, dass die Chancengleichheit einen etwas höheren Stellenwert in Schweden als in Deutschland hat. Chancengleichheit bedeutet für mich, dass jedem Bildung zusteht, ob er nun aus einfachem Elternhaus kommt oder nicht, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht, ob jemand weiß, schwarz, gelb oder lila ist und egal welche Religion er hat.
Wenn jemand nicht das Zeug zum Lernen und Einprägen hat, er auch eher Interesse an handwerklichen Tätigkeiten hat, dann muß man ihm nicht Latein oder als Fremdsprache Chinesisch zumuten. Aber wenn jemand im Rollstuhl sitzt, wenn jemand nicht so gut sehen kann oder irgendwie gehandikapt, so ist das für mich kein Grund, dass er nicht eine gute Bildung bekommen soll. Auch da denke ich, dass Schweden besser davor ist und in den Bereichen aufgeschlossener als es in Deutschland der Fall ist. Und das meine ich auch mit Gleichmacherei, eine Chancengleichheit kann nur sein, wenn man jede Person nach besten Kräften unterstützt, so dass derjenige seine Begabung auch entfalten kann unabhängig von Herkunft oder einer evtl. körperlichen Benachteiligung. Dann kann man auch gerecht zensieren, denn dann zensiert man, was jemand mit richtiger Hilfe dann auch leisten kann. Ich finde, dass auch Leistungsbereitschaft, Fleiß, Ausdauer mit in eine Zensierung eingehen muss sowie die Bereitschaft, sich beharrlich mit einer Sache aus einander zu setzen und Lösungsmöglichkeiten für Probleme zu erarbeiten und zu finden. Bloßes Abfragen von Wissen zeigt oft gar nicht die Breite der Leistungsmöglichkeit. Es gibt hier in Deutschland genügend Schüler, die von den Eltern erstmal alles eingetrichtert bekommen, aber alleine würden sie nichts auf die Beine stellen.
Aber um hier alle Aspekte aufzuführen, dazu ist das Thema zu komplex. Da sollen sich dann die Fachleute den Kopf drüber zerbrechen. Aber ich hoffe, dass die Schulbildung in Schweden humamer bleibt als sie in Deutschland zur Zeit ist.

Grüße Aelve
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