Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

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Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon Skogstroll » 20. Mai 2008 09:17

Die Schweden schreiben ja schon Lautschrift, jedes Fremdwort wird geradezu brutal verschwedischt, siehe "mannekäng", "kobåj", "fåtölj" oder eben "abonnemang". Trotzdem hatten die Schüler erhebliche Probleme.

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Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon Aelve » 20. Mai 2008 09:24

Hallo,

bei dem Thema Schule muß ich mich einfach einklinken, da unsere Erfahrungen mit Schule so vielfältig sind, aber leider auch sehr negativ besetzt. Wie hier schon ausgeführt wurde, in D werden immer Schnellschüsse gemacht, ohne dass es richtig durchdacht oder durchgeplant ist. Unsere Tochter lernte nicht mehr die frühere Schreibschrift sondern die vereinfachte Ausgangsschrift, da zu dem Zeitpunkt diese gerade an der Grundschule in unserem Ort eingeführt wurde. Sie konnte deshalb keine Bücher in Schreibschrift mehr lesen. Später auf dem Gymnasium schrieben die Lehrkräfte aber Schreibschrift, niemand nahm Rücksicht darauf, dass ja der Unterricht auf vereinfachte Ausgangsschrift umgestellt worden war. Das bereitete unserer Tochter zusätzliche Probleme und das am Anfang der Orientierungsstufe, in der es ja ohnehin gegenüber der Grundschule richtig abgeht.
Heute kann unsere Tochter altdeutsche Schriften entziffern, die niemand anders noch lesen kann, das hat sie sich aber alles selber beigebracht. Sie selber schreibt auch teilweise in der alten deutschen Schrift, so dass die Dozenten an ihrer Uni, an der sie studiert, ihre Schrift kaum lesen können bzw. sich darüber wundern. Vielleicht ist es eine Art Protest unserer Tochter, da sie derart schlechte Zeiten auf dem öffentlichen Gymnasium in D erleben mußte, weil sie eine Schwerhörigkeit hatte.
Sie wurde deshalb in übelster Weise gemobbt (von den Lehrkräften wohlgemerkt) und konnte sich erst auf einem Privatgymnasium richtig entwickeln. Heute studiert sie Germanistik und Kunstgeschichte.
Ich bin der Meinung, dass man Kinder und Schüler nur mit Motivation zu guten Leistungen bringen kann, deshalb bin ich mehr für Lob und Anerkennung anstatt Tadel und Bloßstellung, wie es hier in Deutschland leider an vielen Schulen praktiziert wird - zumindest habe ich, außer später auf dem besagten Privatgymnasium, die Tendenz der Lehrkräfte zur Aussortierung der Schüler mehr als negativ empfunden.
Grüße Aelve
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Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon Skogstroll » 20. Mai 2008 09:35

Aelve hat geschrieben:Unsere Tochter lernte nicht mehr die frühere Schreibschrift sondern die vereinfachte Ausgangsschrift, da zu dem Zeitpunkt diese gerade an der Grundschule in unserem Ort eingeführt wurde.


Das ist hier genau so. Auch unsere Tochter würde gern Schreibschrift lernen und macht auch Ansätze dazu, es sich selbst beizubringen, aber in der Schule gibt es nur und ausschliesslich Druckbuchstaben. Und zwar mit Bleistift. Ausschliesslich.

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Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon Aelve » 20. Mai 2008 09:39

Hallo Skogstroll,

ja, es soll immer und überall einfacher werden - auch für die Lehrer. Wie sieht es denn bei Euch in Schweden aus, verlangen die Lehrkräfte in den späteren Klassenstufen dann aber plötzlich, dass die Schüler die nicht erlernte Schreibschrift lesen und schreiben sollen?
Unsere Tochter schreibt z.B. nur mit Füllfederhalter, sie hat eine sehr gute Schrift dadurch. Ob die Schrift sich mit Bleistift gut entwickeln kann? Ich denke, dass man auch mit Kugelschreiber nicht so eine gute Handschrift hat wie mit einem guten Füllhalter. Aber wie gesagt, erst werden bewährte Dinge umgestossen um später festzustellen, dass diese traditionellen Dinge doch besser waren als etwas überstürzt eingeführtes.

Grüße Aelve
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Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon nysn » 20. Mai 2008 09:49

Wie sieht es denn bei Euch in Schweden aus, verlangen die Lehrkräfte in den späteren Klassenstufen dann aber plötzlich, dass die Schüler die nicht erlernte Schreibschrift lesen und schreiben sollen?


Um mich jetzt bei allen Schweden-Fans so richtig unbeliebt zu machen:

In Schweden verlangen die Lehrkräfte NICHTS - es genügt schon wenn du dich durch die Überschrift von Expressen durchbuchstabieren und die Tabellen mit den Fußballergebnissen interpretieren kannst. :D

Das ist mein gefühlter Eindruck und ich hoffe wirklich, dass die Realität dann doch nicht voll so krass sein wird. :roll:
Als mein Sohn in der 3. Klasse war, habe ich mal bei einem Elternabend die Frage gestellt, wann denn die Lehrerin anfangen würde, falsch geschriebene Worte zu korrigieren.
Darauf bekam ich allen Ernstes die Antwort: Darauf legen wir nicht so viel Wert - das kommt von selber. Und heutzutage schreibt man sowieso nur noch auf dem Computer, da gibt es ein Rechtschreibprogramm.

Seit diesem Abend habe ich dann NIE wieder irgendeine Frage bei einem Elternabend gestellt! Will mich ja nicht überall unbeliebt machen. :D

S-nina

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Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon Skogstroll » 20. Mai 2008 09:51

Nein, Schreibschrift wird nicht verlangt. Und es wird alles mit Bleistift geschrieben, selbst Prüfungsarbeiten. Entsprechend sieht die Schrift aus.
Der Bleistift wird von der Schule gestellt, verlangt man von den Schülern (selbst am Gymnasium!), mit Bleistift zum Unterricht zu erscheinen, wird das heftig diskutiert. "Diskussion" können sie zwar nicht schreiben, aber diskutieren können sie.
Die Einstellung, eigentlich nur in Ausnahmefällen wirklich Leistung erbringen zu müssen, zieht sich natürlich bis ins Arbeitsleben durch, selbst bis ins kommunale Leben. Jüngstes Beispiel: Die Kommune Gällivare veranstaltet wie jedes Jahr eine Sperrmüllsammlung. Neu diesmal: Der Müll wird mit Hilfe eines Baggers sortiert, es dürfen also nur Stücke abgegeben werden, die mit dem Bagger sortierbar sind, was immer das bedeutet. Gleichzeitig darf das Einzelstück nicht schwerer als 15kg sein, um das Beladepersonal nicht zu überfordern. Was bleibt da eigentlich übrig?

Skogstroll

Sabine

Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon Sabine » 20. Mai 2008 09:52

:smt042
Das glaube ich auf's Wort!!
Ähnliches kenne ich von hier....

nysn

Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon nysn » 20. Mai 2008 10:01

Ob die Schrift sich mit Bleistift gut entwickeln kann? Ich denke, dass man auch mit Kugelschreiber nicht so eine gute Handschrift hat wie mit einem guten Füllhalter.


Hej Aelve,
dann sei mal froh, dass du nicht in Schweden bist!

Stelle mir gerade das Gesicht der Klassenlehrerin meines Sohnes vor, wenn ich ihr deinen obigen Satz gesagt hätte. :D

Mein Sohn - 7. Klasse (gehört zu den Klassenbesten) schwedische Schule. Kommentar seine gleichaltrigen Cousins in Deutschland (6. Klasse Gymnasium) zum Schriftbild meines Sohnes:

"Der schreibt wie ein ERSTKLÄSSLER".

Füllhalter? Ich glaube, die meisten Schweden wissen gar nicht, was du damit meinst.

S-nina

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Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon Skogstroll » 20. Mai 2008 10:11

Noch ein Beispiel:
Bekannte von Bekannten waren mit ihrem schulpflichtigen Kind einige Jahre in Schweden und sind nach Deutschland zurückgekehrt. Dort wurde das Kind zwei (!) Klassenstufen zurückgesetzt, ist also jetzt drei Jahre älter als seine Klassenkameraden.
Umgekehrt wurden vor ein paar Monaten ein zwei dänische Kinder in Gällivare eingeschult. Die wurden zwei Klassenstufen hochgesetzt.

Nun ist nicht alles schlecht an der schwedischen Schule. Die Betonung sozialer Kompetenz z.B. ist lobenswert. Aber es ist richtig, dass praktisch keine oder nur minimale Forderungen an die Schüler gestellt werden, was langfristig schlimme Konsequenzen haben dürfte, da es so langsam die Grundhaltung der Gesellschaft prägt, zwar Forderungen zu stellen, aber selbst nicht unbedingt Leistung zu erbringen.
Die schwedische Schule hat nach meiner Ansicht noch die Chance, die Kurve zu kriegen, aber es ist fraglich, ob man diese Chance wahrnehmen wird, weil sich die Erkenntnis des Problems noch nicht durchgesetzt hat.

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Re: Regierung und Opposition diskutieren Notensystem

Beitragvon Aelve » 20. Mai 2008 10:17

Hallo,

ja, immer von einem Extrem ins andere, das ist schon schlimm.
Also ich bin sehr leistungsbezogen, anders kommt man ja auch im Berufsleben in Deutschland gar nicht mehr zurecht. Aber meine Meinung ist, dass man die Leistung positiv verlangen soll durch Motivationsaufbau. Ich habe unseren Kindern immer erzählt, dass heute Leistungsbereitschaft erforderlich ist, um im Berufsleben bestehen zu können und damit es einem besser geht als denjenigen, die es zu nichts bringen und die faul sind. Aber ich habe es nicht so unter Druck gemacht, vielleicht sind unsere Kinder auch von sich aus schon ehrgeizig, da sie sich für alles interessieren. Vielleicht liegt es auch am Vorleben der Eltern und Lehrkräfte, wie die Kinder es dadurch erfahren.
Ehrlich gesagt, würde es mich vielleicht auch stören, wenn es zu lasch gehandhabt wird an den Schulen, denn der Mensch ist nun einmal so, dass er oft den Weg des geringsten Aufwands gehen will.
Ich habe mal gelesen und denke auch, dass es stimmt. Der Mensch ist am glücklichsten, wenn er hohen Anforderungen ausgesetzt ist, sie dürfen aber nur so hoch sein, dass er sie mit Anstrengung schaffen kann. Wenn etwas zu leicht ist, dann verliert der Mensch die Lust, also Unterforderung ist auch tödlich.
Es ist ein schmaler Grad, auf dem man zwischen Unter- oder Überforderung gehen muß, die Kunst der Lehrkräfte muß darin liegen, weder eine dauernde Überforderung noch eine dauernde Unterforderung zu erlangen.
Vielleicht ist diese Aufgabe zu schwer, so dass es Lehrkräfte oder mit Bildung und Schule beauftragten Personen nicht gelingt, jedes Kind nach seiner individuellen Begabung zu fördern.

Grüße Aelve
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