Rechtsruck in Schweden? - Web-TV

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Re: Rechtsruck in Schweden? - Web-TV

Beitragvon Pink_Panther » 4. Oktober 2010 08:59

tilmann hat geschrieben:
Ich glaub schon, mir geht es jedenfalls nicht so.

Im Radio hat vor ein paar Tagen ein Schwedendemokrat gesagt, dass man Flüchtlingen nicht helfen müsse, sondern den Menschen, die im Land geblieben seien. Denen ginge es schlechter als den Flüchtlingen.

/Tilmann


Ja, und zwar meinte er, dass die Leute, welche im Land geblieben sind, nicht einmal das Geld für ein Ticket nach Schweden haben. Deshalb benötigten sie eher Hilfe, als diejenigen, die offensichtlich über einige Mittel verfügen. Damit stellte er auf die Schicht ab, die wegen dem Wohlstand in ein anderes Land auswandert. Die Ärmsten haben dazu keine Möglichkeit. Wenn das dann auch durch Entwicklungshilfe umgesetzt wird (und hier ist vermutlich der Haken) dann wäre ja dagegen nichts einzuwenden?

Das mit "nicht helfen müssen" ist allerdings völlig daneben!

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Dietmar
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Re: Rechtsruck in Schweden? - Web-TV

Beitragvon Dietmar » 4. Oktober 2010 09:01

Warum, Heike? Erläutere uns gern mal deine Meinung zum Thema.
Bisher wissen wir nur, dass du das Video nicht anschauen kannst...

Und es stimmt ja was Skogstroll sagte, dass hier auffallend wenig zur Wahl gesagt und über das Wahlergebnis diskutiert wurde. Warum, deiner Meinung nach?

Gruß
Dietmar

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Re: Rechtsruck in Schweden? - Web-TV

Beitragvon Skogstroll » 4. Oktober 2010 18:42

Äußert sich dieser vermeintliche Rechtsruck denn bei dir oben im Alltag, Skogstroll? Ich meine jetzt durch konkrete Ausländerfeindlichkeit dir gegenüber.

Es ist natürlich nicht auf einen Schlag mit der Wahl anders geworden. Aber es gibt schon immer Leute im Dorf, die nicht mit uns reden und so auffällig wie nur möglich wegsehen, wenn man sie trifft.

Ansonsten gibt es natürlich Einwanderer erster, zweiter und dritter Klasse. Einwanderer erster Klasse sind die Skandinavier, auch wenn man die Norweger nicht mag (ausser in Jämtland, wo man selbst gern norwegisch wäre) und auch wenn man die Finnen für ein bisschen zurückgeblieben hält (das Gegenteil ist der Fall). Zur zweiten Klasse gehören EU-Bürger, dritte Klasse ist der Rest. Soweit definiert es das Rechtssystem. Im Volk macht man auch andere Unterschiede. Die Klassenkameraden meiner Tochter fanden z.B. Thailänder ganz okay, Schwarze dagen fand man, sagen wir mal vorsichtig: suspekt.

@Pinkt Panther: Woran erkennt man nun den Nazi? Das ist bisweilen nicht so ganz einfach, denn ganz oben auf der Speisekarte des Nazis steht Kreide. Bei den SD äussert es sich am deutlichsten in der Kulturpolitik, da ist man am ehrlichsten. So soll keine Kultur mehr gefördert werden, die als "anstössig" oder "provokativ" (entartet?) gesehen werden kann. Gefördert werden sollen Heimatvereine und Spielmannszüge. Da drängen sich die Parallelen förmlich auf. Mankells "Rückkehr des Tanzlehrers" dürfte schon auf der schwarzen Liste stehen.

Dem Vorsitzenden des Gällivarer Heimatvereins war das aber dann doch zu viel, er hat sich öffentlich davon distanziert. Die Gällivare hembygdsförening sei für alle da. Es gibt doch noch ein paar vernünftige Menschen. Wenn man die Schulwahl aber so betrachtet, ist zu befürchten, dass sie früher oder später aussterben.

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Re: Rechtsruck in Schweden? - Web-TV

Beitragvon Imrhien » 5. Oktober 2010 08:40

Hej,
ich habe mich bisher zurück gehalten bei dem Thema und werde es auch vermutlich weiterhin tun, weil ich noch keine konkrete Meinung dazu habe. Jedenfalls nicht so richtig. Ich häng dazwischen. SD ist für mich unwählbar. Das schon. Aber bisher habe ich zu wenig Infos für mich gesammelt um mir da ein genaues Bild zu machen. ich sehe es schon so, dass man von Anfang an vorsichtig sein sollte und eine rechtsradikale Partei beobachten sollte. Aber wie rechts die sind, das weiss ich nicht genau. Im Alltag habe ich persönlich keine Veränderung bemerkt. Was zum Einen daran liegen kann, dass ich Ausländer 2. Klasse bin oder vielleicht in der Ecke hier es noch gemässigt ist. Jedenfalls höre oder sehe ich nichts was mich zur Flucht veranlassen würde. Trotzdem hab ich ein mulmiges Gefühl im Bauch...
Einige der Forderungen jedoch (egal welcher Partei nun) finde ich ganz ok. Obwohl ich Ausländer bin und so weiter. Aber da hat man in Deutschland ja auch oft das Problem, dass man sich kaum traut seine Meinung zu sagen, ohne, dass man gleich als Ausländerfeind angesehen wird. Ich finde es gut, wenn Einwanderer die Sprache des Landes lernen müssen, in dem sie leben wollen. Ich finde es gut, wenn Heimatvereine mehr unterstüzt werden. Die Frage für mich ist dabei, dürfen Ausländer daran teilhaben? Wenn ja, dann sehe ich da kein Problem. Darf ein Einwanderer neben Lucia sein eigenens Fest feiern? Dann hab ich nichts gegen die Unterstützung der schwedischen Traditionen und der schwedischen Kultur. Ich bin ja hier um von beiden Kulturen zu profitieren. Sollte es so sein, dass Einwanderer auf Dauer nur noch angepasst leben dürfen und selber nicht mehr in ihrer Kultur unterstüzt werden sollen, dann fänd ich das schlimm. Egal in welchem Land, egal von welcher Partei ausgehend.

Insgesamt habe ich aber schon ein eher mulmiges Gefühl im Bauch wen ich von SD hören und lese. Komischerweise hab ich hier so gut wie keine Wahlplakate von denen gesehen und auch keine Post von denen bekommen... Alle anderen Parteien hatten uns gut eingedeckt (glaub, dass es alle waren... aber die waren nicht dabei, hab mich noch gewundert).

Grüße
Wiebke

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Re: Rechtsruck in Schweden? - Web-TV

Beitragvon Imrhien » 5. Oktober 2010 08:46

Was mich gerade erschreckt, sind die heftigen Unterschiede bei der Schulwahl. Da kann man schon mal sehen, welche Schule eher in Frage kommt... Erschreckend fand ich die framtidens gymnasiet... Da ist das Ergebnis der SD bei 20% oder mehr. Ein anderes Gymnasium hatte da nur etwas mehr als 5%. Schon merkwürdig... Wobei, die sind da eher auf Kultur und Kunst eingerichtet, vielleicht liegts daran? Mehr Toleranz in der Branche? Das andere ist ein IT Gymnasium...
Schon erschreckend, wenn man bedenkt, dass die das irgendwoher haben müssen... von alleine kommen die Gedanken jedenfalls selten. Und Kinder neigen ja oft auch dazu die Meinung der Eltern noch etwas zu übertreiben. Das würde dann schon ein unangenehmes Bild ergeben.

Grüße
WIebke

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Re: Rechtsruck in Schweden? - Web-TV

Beitragvon Pink_Panther » 5. Oktober 2010 09:44

Skogstroll hat geschrieben:Es ist natürlich nicht auf einen Schlag mit der Wahl anders geworden.


Sehe ich auch so. Die Medien stellen es aber so hin, als ob die SD das Sandmännchen mit dem Nazi-Virus losgeschickt hätten, anstatt wirklich einmal objektive Ursachenforschung zu betreiben. Auch die Ministerin für Integrationsfragen (selbst Einwanderer) antwortete auf die Frage nach der Ursache: "Keine Ahnung, auf jeden Fall nicht die Integrationspolitik". Sehr selbstkritisch und objektiv!
Im Alltagsleben merkt man allerdings nichts von dem Rechtsruck.

Skogstroll hat geschrieben:Ansonsten gibt es natürlich Einwanderer erster, zweiter und dritter Klasse. Einwanderer erster Klasse sind die Skandinavier, auch wenn man die Norweger nicht mag (ausser in Jämtland, wo man selbst gern norwegisch wäre) und auch wenn man die Finnen für ein bisschen zurückgeblieben hält (das Gegenteil ist der Fall). Zur zweiten Klasse gehören EU-Bürger, dritte Klasse ist der Rest.


Ja, der gewöhnliche "Svensson" hat schon recht "höga tankar om sig själv" (hält recht viel von sich selbst). Leider recht grundlos. Die Finnen sind den Schweden tatsächlich in vielem ein Stückchen voraus, haben vor allem eine gesündere Einstellung zu vielen Dingen. Gebildete Schweden sind jedoch oft genau umgekehrt: Die können durchaus Errungenschaften anderer Länder anerkennen und selbstkritisch auf das eigene Land sehen. Man merkt sofort, welcher Schwede die Nase über den Tellerrand geschoben hat! Gerade Ingenieure, Handelsvertreter usw. können einen wirklich mit objektiven Kommentaren erfreuen. Der Rest hat mehr die Einstellung "Deutscher, glaube ja nicht, dass du mehr kannst als wir".

Skogstroll hat geschrieben:@Pinkt Panther: Woran erkennt man nun den Nazi? Das ist bisweilen nicht so ganz einfach, denn ganz oben auf der Speisekarte des Nazis steht Kreide. Bei den SD äussert es sich am deutlichsten in der Kulturpolitik, da ist man am ehrlichsten. So soll keine Kultur mehr gefördert werden, die als "anstössig" oder "provokativ" (entartet?) gesehen werden kann. Gefördert werden sollen Heimatvereine und Spielmannszüge. Da drängen sich die Parallelen förmlich auf. Mankells "Rückkehr des Tanzlehrers" dürfte schon auf der schwarzen Liste stehen.


Interessanter Ansatz! Auf Dauer werden die SD wohl nicht ihre wahre Natur verleugnen können, und das ist ja ganz gut so.
Von mir aus können sie allerdings bei der nächsten Wahl auf 30% kommen und den übrigen, feinen Parteien das Fürchten lehren. Danach
können sie meinetwegen wieder in der Versenkung verschwinden - der Mohr hat seine Schuldigkeit getan ;-)

Skogstroll hat geschrieben:Dem Vorsitzenden des Gällivarer Heimatvereins war das aber dann doch zu viel, er hat sich öffentlich davon distanziert. Die Gällivare hembygdsförening sei für alle da. Es gibt doch noch ein paar vernünftige Menschen. Wenn man die Schulwahl aber so betrachtet, ist zu befürchten, dass sie früher oder später aussterben.

Skogstroll


Auch das ist intressant. Den Medien zufolge war dieser Volksvertreter ja zu dumm, sich das Parteibuch VORHER durchzulesen? Mein erster Gedanke war da, dass sich dieser Mensch doch besser von der Politik fernhalten solle ...
Wenn ich dich aber nun recht verstehe, so scheint es möglicherweise auch noch ein "inoffizielles" Parteibuch zu geben ... bzw. man hatte im Nachhinein gewisse Erwartungen an die Vertreter der SD........?

Viele Grüße,

Paul

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Re: Rechtsruck in Schweden? - Web-TV

Beitragvon blueII » 6. Oktober 2010 08:25

Dietmar hat geschrieben:Warum, Heike? Erläutere uns gern mal deine Meinung zum Thema.
Gruß
Dietmar


Das werde ich auf keinen Fall.
Erstens empfinde ich es als sehr schwierig fast anmassend,
die Meinungsbildung eines fremden Landes zu bewerten,
spielen doch viele unbekannte Grössen ein Rolle, wie geschichtliche Entwicklung und Umgang mit der Geschichte, soziale Entwicklung und auch vergangene Meinungbildung durch Medien im Hinblick auf Innenansichten des Landes sowie Berichterstattungen aus dem Ausland und damit verbundenen Tenor.
Zu alldem fehlt mir einfach die Beobachtungen aus der Vergangenheit. Dafuer bin ich nicht lang genug in diesem Land um mir ein Urteil zu bilden.

Zum anderen sind mir die Urteile, die Du Dietmar in diesem Zusammenhang vorschnell und unangebracht aussprichst,
zu einfach und plakativ.
Vor ein paar Monaten musste ich mir von Dir noch anhören,
wohl zur extrem Linken Ecke zu gehören, jetzt implizierst Du mit Deinem einfach gestrickten Satz,
dass alle Ausgewanderten, die sich nicht zu diesem Thema äussern, wohl zur heimlichen Wählerschaft der Rechten gehören.

Vielleicht will sich auch keiner outen dass er (als deutscher Auswanderer...?) SD gewählt hat


Bedenklich dass Du es nicht Selbstkritisch betrachtest, wenn es Dir schon nicht beim Schreiben aufgefallen ist, dann doch wohl spätestens wenn Dich jemand draufhin weist.

Deine User ermahnst Du fuer weniger, so wäre mehr Eigenzensur doch angebracht.

Heike

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Re: Rechtsruck in Schweden? - Web-TV

Beitragvon Pink_Panther » 6. Oktober 2010 12:16

Imrhien hat geschrieben:Hej,
.....
Einige der Forderungen jedoch (egal welcher Partei nun) finde ich ganz ok. Obwohl ich Ausländer bin und so weiter. Aber da hat man in Deutschland ja auch oft das Problem, dass man sich kaum traut seine Meinung zu sagen, ohne, dass man gleich als Ausländerfeind angesehen wird. Ich finde es gut, wenn Einwanderer die Sprache des Landes lernen müssen, in dem sie leben wollen. Ich finde es gut, wenn Heimatvereine mehr unterstüzt werden. Die Frage für mich ist dabei, dürfen Ausländer daran teilhaben? Wenn ja, dann sehe ich da kein Problem. Darf ein Einwanderer neben Lucia sein eigenens Fest feiern? Dann hab ich nichts gegen die Unterstützung der schwedischen Traditionen und der schwedischen Kultur. Ich bin ja hier um von beiden Kulturen zu profitieren. Sollte es so sein, dass Einwanderer auf Dauer nur noch angepasst leben dürfen und selber nicht mehr in ihrer Kultur unterstüzt werden sollen, dann fänd ich das schlimm. Egal in welchem Land, egal von welcher Partei ausgehend.

Insgesamt habe ich aber schon ein eher mulmiges Gefühl im Bauch wen ich von SD hören und lese. Komischerweise hab ich hier so gut wie keine Wahlplakate von denen gesehen und auch keine Post von denen bekommen... Alle anderen Parteien hatten uns gut eingedeckt (glaub, dass es alle waren... aber die waren nicht dabei, hab mich noch gewundert).

Grüße
Wiebke


Hallo Wiebke,

das sind gute Gedanken! Sie berühren ziemlich genau den Kern der Sache!
Die Streitfrage ist wohl, wieviel Platz dürfen fremde Kulturen in dem neuen Heimatland einnehmen?
Sollen sie sich bis zur vollständigen Assimilation anpassen (Religion ausgenommen)? Das wäre das eine Extrem.
Oder sollten sie ihre eigene Kultur etablieren und weiterleben dürfen? Das ist das andere Extrem.
Und damit hätten wir auch so ungefähr die politischen Lager in Schweden abgesteckt.
Und kommen zu dem Punkt, der mich so ungemein hier in Schweden stört.

Beide Standpunkte sind in meinen Augen völlig legitim. Es ist eine philosophische Frage. In ein paar hundert Jahren wird dieser Planet wohl ohnehin sehr multikulturell sein, es ist nur eine Zeitfrage. Bis dahin aber gibt es sehr viele Menschen, die ihr Land so lieben, wie es ist. Die lieber vom Klang der Kirchenglocken aufwachen als von der Stimme des Muezins, sich einfach von Frauen in Burka und bärtigen Männern in ihrer Harmonie gestört fühlen. Es mag lächerlich klingen, aber in meinen Augen ist die Forderung, seine Heimat so zu bewahren wie sie ist, mit allen bestehenden Traditionen, völlig legitim. Sie hat nichts mit Ausländerfeindlichkeit zu tun. Man hat ja in dieser Form nichts gegen die Einwanderer selbst, man will nur, dass sie sich schnellstmöglich an ihr neues Gastland anpassen.

Man hat also zwei völlig legitime Ansichten, wie Einwanderung von statten gehen soll.
In der Regel gibt es dann Diskussionen, und man findet einen Konsens, mit dem das Gros der Bevölkerung (außer den Radikalen natürlich) in der Regel ganz gut leben kann. Diese Diskussionen finden wir eigentlich täglich in unserer Politik. Sarrazin war ein ganz gutes Beispiel und Beweis, dass es diese gibt, und daß die Demokratie (in D) funktioniert. Damit meine ich nicht den Inhalt seiner Thesen, sondern überhaupt die Tatsache, dass es veröffentlicht und diskutiert wurde.

So! Wie ist das denn nun in Schweden? Wo gibt es denn diese öffentliche Diskussionen? Was geschieht mit denen, die Einwanderung/Einwanderer/Integration kritisieren?
Die bekommen sofort eins mit der Rechtskeule übergebraten. Thema beendet. Die schöne, neue Welt ist wiederhergestellt.
Und alle klassischen Parteien sind sich darin einig .....

Ein Beispiel aus dem täglichen Leben in Schweden:
Die Schulabschlußfeier fand sonst immer in der Kirche statt - bei uns sowie wohl in den meisten anderen Gemeinden Schwedens. Das hat eine langjährige Tradition. Seit neuerer Zeit aber hat man davon Abstand genommen, aus Rücksicht auf die Andersgläubigen (meist Muslime) Schüler.
Also dürfen die Schweden ihre Tradition nicht länger leben. Man kann sich denken, wie die Stimmung innerhalb der Bevölkerung durch soetwas beeinflußt wird.
Und das ist nur ein (1) Beispiel. Kriminalität ist ein weiteres, auch wenn Statistiken dazu nicht mehr öffentlich zugänglich sind (warum wohl?). Die letzte, die Aftonbladet (von 10 Jahren glaube ich) veröffentlichte, wies dass Ausländer bei Gewaltverbrechen mit 400 % überrepräsentiert waren.
Dass du keine Reklame von den Schwedendemokraten bekommen hast, kann darauf beruhen, dass sie systematisch bekämpft werden. Möglicherweise hat die Post sich geweigert, die Reklamblätter auszuteilen, sowie alle Banken es abgelehnt haben, ein Konto für sie zu eröffnen oder Gewerkschaften SD-Funktionäre ausschließen.

Wo ist da der Rechtsstaat? Klar ist der Kampf gegen Rassismus und Nazismus nicht nur ok, sondern wünschenswert. Aber der Zweck heiligt nun mal NICHT die Mittel. Sonst sind wir bald bei den vermummten Steinewerfern und den Chaoten, die Demonstationen immer zu Schlachten machen. Man muss sich schon an die Spielregeln der Demokratie halten. Und wenn ich dann lese, dass es seit Jahren geheime Absprachen zwischen den Parteien gibt, dann frage ich mich, ob das System wirklich funktioniert. Für mich sind so langsam alle einfach nur Schmutzbuckel.

Ich oute mich jetzt: Hätte ich wählen dürfen, hätte ich vermutlich SD gewählt. Dieses Mal, und vielleicht sogar noch nächstes Mal. Nicht weil ich mit der Partei sympatisiere, und schon gar nicht, weil sie meine politische Einstellung repräsentiert. Und absolut nicht, weil ich Ausländer nicht mag -das Gegenteil ist eher der Fall. Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass dieses Land eine offene, ehrliche Diskussion bezüglich Einwanderungsfragen braucht. Sonst kocht irgendwann der Topf über, und das kann dann richtig schlimm werden.
Im Moment gibt es keine politische Konkurrenz in dieser Beziehung, es ist fast schon wie mit Preisabsprachen in der Wirtschaft. Zeit, dass etwas passiert. Ein Schwede sagte es so: Er wählte SD, damit jemand mal kräftig im Topf rührt. Ich denke, das trifft es ganz gut.

Es ist mir nicht leicht gefallen, das zu schreiben. Ich weiss, das man das sehr kontrovers sehen kann, ich hoffe ihr versteht mich richtig und nehmt es mir nicht übel.

Grüße,

Paul

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Re: Rechtsruck in Schweden? - Web-TV

Beitragvon Dietmar » 6. Oktober 2010 12:38

blueII hat geschrieben:Zum anderen sind mir die Urteile, die Du Dietmar in diesem Zusammenhang vorschnell und unangebracht aussprichst, zu einfach und plakativ.
Vor ein paar Monaten musste ich mir von Dir noch anhören, wohl zur extrem Linken Ecke zu gehören, jetzt implizierst Du mit Deinem einfach gestrickten Satz, dass alle Ausgewanderten, die sich nicht zu diesem Thema äussern, wohl zur heimlichen Wählerschaft der Rechten gehören.

Hallo Heike,

ich tue nichts dergleichen.
Ich hatte einen Scherz gemacht, der ganz klar als solcher gekennzeichnet war. Und damit ist auch eindeutig, dass ich eben NICHT der Meinung bis, jeder der hier nichts schreibt habe SD gewählt! Diese Unterstellung weise ich zurück; es ging lediglich darum die Diskussion in Gang zu bringen.

Konkret habe ich mir speziell über deine politische Einstellung keinerlei Gedanken gemacht -- ich weiß also nicht ob du extrem links bist oder extrem rechts oder irgendwas in der Mitte.

So, diese Klarstellung war notwendig -- nun darfst du weiter zum Thema schreiben, oder eben weiter schweigen, wie es dir lieber ist :-) Es wird ja niemand zu einer Meinungsäußerung gezwungen.

Gruß,
Dietmar

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Re: Rechtsruck in Schweden? - Web-TV

Beitragvon Skogstroll » 6. Oktober 2010 13:12

Man darf nicht wie viele Schweden dem Irrtum aufsitzen, die SD für eine normale und demokratische Partei zu halten. Das sind sie nicht. Die Abschaffung jeder kulturellen Vielfalt haben sie sich schon offen auf die Fahnen geschrieben - ein klares Bekenntnis zu geistiger Armut und beschränktem Horizont. Ihr Verhältnis zum Rassismus haben sie klar gemacht, als bei der Reichtagseröffnung die Rede vom gleichen Wert aller Menschen war.

Wie deutlich müssen die denn noch werden?

Was mit der Demokratie passiert, wenn solche Gruppen erst einmal eine parlamentarische Mehrheit erreicht haben, dafür gibt es genug historische Beispiele. Es geht diesen Leuten nicht um die Diskussion von Einwanderung und Integration, schon deshalb nicht, weil das das Ergebnis für sie längst feststeht.
Der nächste logische kulturpolitische Schritt ist der von der Nicht-Förderung zum Verbot, und von dort ist es nur noch ein winziger Schritt zu Bücherverbrennungen, und wo Bücher brennen...

"Im Namen der Toleranz sollten wir uns die Freiheit nehmen, die Intoleranz nicht zu tolerieren." (Karl Raimund Popper)

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P.S.: Ach ja, vielleicht nochmal ein Lesetipp: Robert Merle, "Die geschützten Männer". Da wird sehr schön beschrieben, wie aus einer Demokratie eine Diktatur wird, nur mit Hilfe einiger weniger Gesetze, die für sich genommen sogar völlig harmlos und gerecht wirken. Demokratie ist extrem verletzlich.


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