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 Betreff des Beitrags: Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte in Schweden
BeitragVerfasst: 25. August 2010 13:09 
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Registriert: 5. Dezember 2009 22:17
Beiträge: 12
Hallo,

gibt es Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte die erfolgreich nach Schweden ausgewandert sind? Meine Frau ist Rechtsanwaltsfachangestellte mit 10 jähriger Berufserfahrung und ich habe ein Stellenangebot ab Anfang 2010 in der Nähe von Uppsala zu arbeiten. Wir würden gerne zusammen mit unserer Tochter (1) "hoch" gehen und sind uns nun nicht sicher, wie ihre Chancen auf dem schwedischen Arbeitsmarkt stehen. Sie kann zwar noch kein schwedisch, aber spricht gut englisch/rechtsenglisch. Wird ihre Ausbildung anerkannt und kann sie sich aufs schwedische Recht "umschulen" lassen?
:danke:


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 Betreff des Beitrags: Re: Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte in Schweden
BeitragVerfasst: 25. August 2010 20:21 
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Beiträge: 3143
Wohnort: Västerås
Hej,
ich hab mal ein bisserl gegoogelt. Weiss nicht ob es das zu hundert prozent trifft, aber schaut einfach selber mal.
Grundsätzlich kann man versuchen seine Ausbildung anerkennen zu lassen.
Das geht beim Hochschulwerk. www.hsv.se
Schaut da mal nach, da steht was von Utländsk utbildning und bedömning. Dort könnt Ihr Anträge auch auf Englisch runterladen, ausfüllen und abschicken. Aber macht Euch darauf gefasst, dass die laaaangsam arbeiten.
Die passende Ausbildung in Schweden könnte so heissen: kvalificerad juridisk handläggare oder was in der Richtung von juridik assistent. Zumindest findet man da einiges, was nach dem Berufsbild klingt.
Hier (http://www.kyutbildningar.se/Paralegal_ ... _17602.htm) findet man die Möglichkeit sich zu ersterem ausbilden zu lassen. Man muss dazu aber die Hochschulzulassung vorlegen. In Schweden braucht man quasi für alles an Weiterbildungen und Ausbildungen in dem Bereich Abitur und das heisst in Eurem Fall eben auch der Nachweis über Schwedisch. Den TISUS könnte man da wohl machen oder hier in Schweden eben die Laufbahn der Kurse durchgehen. Das dauert, ist aber auch auf distanz und von daheim gut machbar, wenn man das möchte.
Hier (http://www.su.se/pub/jsp/polopoly.jsp?d=2019&a=30392) findet man was zu diesen Kopmlettierungskursen für ausländische Juristen, das was ich vorher schon mal meinte. Allerdings steht da nur Juristen und ich weiss nicht ob Assistenten da auch reinfallen oder nur die Advokaten. Auf alle Fälle könnte man sich da auch erkundigen.
Es scheint jedenfalls einen MArkt zu geben, wenn die sich so kümmern.
Mehr fällt mir auf die Schnelle nicht ein.
Ich denke mal es würde nicht schaden für Deine Frau einfach mal eine Bewerbung zu schreiben oder gleich mehrere, um die CHancen abzuklopfen. Noch besser wäre es, sich Stellen zu suchen, Firmen, die passen könnten, und sich einfach mal persönlich vorstellen. Ich kann mir vorstellen, dass man vielleicht mit Englisch gar nicht mal dumm da steht. Gibt ja viele Firmen die international tätig sind, sicher auch Anwälte für diese Firmen. Ob es ausreicht weiss ich nicht aber vielleicht kann man, unterbezahlt, einen Einstieg finden und so eine Weiterbildung parallel machen??

Keine Ahnung wie hoch die Chancen sind, aber ein Versuch schadet nicht, zumal wenn Du schon eine Stelle hast. Wenn Deine Frau bereit ist eine längere Durststrecke durchzuhalten, kann es vielleicht auf lange Sicht schon was werden. Sicher wird man Abstriche machen wüssen aber dafür macht man andere Erfahrungen, die auch was ausgleichen können.

Grüße
Wiebke


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 Betreff des Beitrags: Re: Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte in Schweden
BeitragVerfasst: 26. August 2010 00:43 
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Registriert: 13. August 2008 09:11
Beiträge: 35
Wohnort: Larv / Vara
Hallo und willkommen!

Irgendwie kommt mir das alles sehr bekannt vor: Mein Mann hat auch eine Anstellung in Schweden bekommen und ich - Rechtsanwalts-und Notarfachangestellte mit 13 Berufsjahren auf dem Rücken - stand vor den gleichen Überlegungen und Problemen. Ich hab mich jetzt nach einem Jahr hier ganz gut "durchinformiert" und hoffe, Dir ein paar weitere Auskünfte geben zu können.

Ich weiß nicht, ob Deine Frau Abi hat oder nicht. Es gab ja mal Zeiten, da konnte man den Beruf auch ohne Abi lernen. Jedenfalls muss sie beim VHS ihr Abi anerkennen lassen und Sprachkenntnisse, entweder durch den TISSUS-Test oder durch mindestens godkänt in Svenska B alt. SAS B vorlegen. Solltet Ihr aus den Neuen Bundesländern kommen, braucht sie auch Englisch A (so war das jedenfalls bei mir, weil ich russisch als erste Fremdsprache hatte :cry: )

Was das schwedische Gegenstück zur Reno hier angeht, gibt es seit nicht allzu langer Zeit die Ausbildung - oder das "Studium" :wink: - zum Paralegal, wie Wiebke ja bereits zutreffend geschildert hat. Das Institut in Stockholm unterrichtet allerdings auf privater Basis, d.h. man darf die komplette Ausbildung selbst bezahlen. Zu "normalen" Bedingungen kann man den Beruf in Göteborg lernen, wenn man zu den Auserwählten gehört. Die Anzahl der Plätze ist gering, die Zahl der Bewerber dagegen hoch.

Ich weiß nicht, womit sich Deine Frau genau beschäftigt hat, die einen sind "nur" Sekretärinnen, die anderen Fast-Anwälte. Wenn sie mehr als nur Phonodiktat gemacht hat und eigenständig Vorgänge bearbeitet hat und dazu vielleicht auch Zwangsvollstreckung, wird sie hier überqualifiziert sein. Die Erfahrung hab ich inzwischen gewonnen. Gebührenrecht ist nicht, weil alles nach Stundenhonorar abgerechnet wird, Zwangsvollstreckung fällt hier in den Bereich Kronofogden (schwed. Behörde). Viele Aufgaben, die in D. zum Alltag einer Reno gehören, werden hier ausschließlich von Anwälten erledigt. Meistens muss man den Leuten hier erstmal erklären, was man alles in diesem Berufsbild macht, was dann mit großen Augen und dicken Backen belohnt wird.

Theoretisch also müsste Deine Frau - gutes Schwedisch vorausgesetzt - super Chanchen haben. In der Praxis hab ich leider das Gegenteil erlebt. Es wird zwar immer behauptet, dass ja alle Firmen / Büros wild auf deutsche Mitarbeiter sind, im Endeffekt wird dann aber halt doch eher der Schwede angestellt.

Ich würde ich an Stelle Deiner Frau das Zeugnis beim VHS einreichen (Bearbeitungszeit gerne mal 4 Monate), mich ansonsten voll und ganz auf die Sprache konzentrieren und versuchen, bei Firmen vorstellig zu werden. In Uppsala habt ihr ja nicht grad die schlechtesten Karten. Stellt Euch auf jeden Fall auf eine längere und nervenraubende Arbeitssuche ein.

Wenn Ihr Fragen habt,meldet Euch, gerne auch über PN.

Viele Grüße und vor allem GLÜCK :smt006

Mandy, die sich freut, nicht mehr die einzige mit einem für "Schweden-Auswanderer" ungewöhnlichen Beruf zu sein :D


P.S. Nicht entmutigen lassen, wenn auf Bewerbungen NULL Reaktionen kommen, ist hier leider normal und liegt keinesfalls daran, dass die Bewerbung nicht gut war :|


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 Betreff des Beitrags: Re: Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte in Schweden
BeitragVerfasst: 26. August 2010 00:54 
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Registriert: 13. August 2008 09:11
Beiträge: 35
Wohnort: Larv / Vara
Kleiner Tip noch:

Wenn Deine Frau die Sprache drauf hat, kann sie ja ein paar Komvux-Kurse in Rättskunskap, Ekonomi o.ä. machen. Die sind zwar "nur" auf Gymnasiumsniveau, geben aber nen guten Einblick darüber, wie was hier gehandhabt wird und machen sich sicher ganz gut im CV.


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 Betreff des Beitrags: Re: Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte in Schweden
BeitragVerfasst: 26. August 2010 07:46 
Alter Schwede
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Registriert: 6. Dezember 2006 10:31
Beiträge: 3143
Wohnort: Västerås
Hej,
alles in Allem also nicht gerade rosig, aber auch nicht aussichtslos, wie es scheint. Meine Einschätzung war wohl nicht ganz verkehrt. Also: Sprache, Sprache, Sprache. Mit dem Nachweis über Sprache und der Anerkennung des Abiturs, und/oder der Ausbildung kann man sich auf Aushilfsstellen bewerben und parallel eine Weiterbildung machen, bzw. sich hier "neu" ausbilden lassen. Das dauert alles ziemlich lange, kann aber auch recht spannend sein, wenn man sich drauf einlassen will.
Finanziell ist es natürlich ein herber Rückschlag.
Je nach dem wie schnell und intensiv Ihr schwedisch lernen könnt, könnt IHr den Tisus in Deutschland machen. Der kostet Geld aber dafür kann man diesen Test mehrmals machen. Ich glaube etwa 2x im Jahr gibt es an verschiedenen Stellen in Deutschland einen Prüfungstag. Da müsst iHr mal googln, ich hab das nie gemacht und weiss es daher nicht genau.
Der Nachweis über svenska b wir hier erbracht. Das heisst vielerorts übrigens sas b, denn svenska b ist eigentlihc nur für Schweden. Seit einiger Zeit trennt man da eingewanderte von "normalos". Das Ergebnis ist aber das Gleiche. Man erwirbt damit den Teil an Schwedisch, den ein Schüler in der schwedischen Schule für das Abitur erbringen muss. Damit hat man sein deutsches Abitur quasi komplettiert und darf an schwedischen Hochschulen studieren oder eben eine solche Ausbildung machen. Für fast alle diese Ausbildungen braucht man sas b oder tisus. Damit stellen sie sicher, dass Du auch die Anforderungen erfüllen kannst und die Ausbildungsliteratur auch verstehst.
sas b oder eben manchmal noch svenska b kannst Du entweder an der Uni oder bei Komvux oder anderen Schulen machen. Man beginnt, wenn man ins Land kommt meist mit einem Einstufungstest für svenska som invandrare. SFI. Danach könnt IHr Euch gleich erkundigen, wo das ist. Kann man schon viel, wird man da hoch eigestuft oder überspringt den Kurs gleich. kann man wenig, wird man weiter unten eingestuft. Der Kurs läuft von a bis d und soweit ich weiss fängt a mit Alphabetisierung an... D ist schon recht anständig. Damit kann man teils gut Zeitung lesen, kann sich ausdrücken und einfache Gespräche führen. Für manche Berufe reicht das aus. Hängt auch davon ab was man daheim noch dazu lernt vielleicht. Für alle weiteren, die ein weiteres Zeugnis brauchen oder mehr lernen wollen/müssen, geht es weiter mit svenska som andraspråk sas. Da gibts dann sas grund und andere, die heissen überall anders, hab ich das Gefühl. War recht verwirrend, ich bin einfach immer meinem Lehrer gefolgt, bzw. der sagte mir welches der nächste Kurs ist.
Bei sas mussten wir schon intensiver arbeiten, mal ein Referat über eine bekannte schwedische Persönlichkeit oder ein Buch halten und so was. Aber immer noch recht entspannt.
Dann kommt svenska a oder eben sas a. Das ist wohl gymnasiale Grundstufe. Also, vergleichbar mit dem was die Schüler hier in der 9-10 Klasse lernen? Ungefähr. Grammatik, Gesellschaftskunde, Kultur und vor allem schon mal viel mehr lesen. Referate, Gedichtsanalysen, Unterschiedliche Texte schreiben und Buchrezensionen (eine schriftlich und eine mündlich). Dann kommt svenska oder sas b. Da weiss ich selber noch nicht was auf mich zukommt. Den fange ich jetzt gerade an. Wir müssen, angeblich, noch mehr lesen und noch ausgefeilter Texte schreiben. Mal sehen.
Insgesamt ist das alles recht gut machbar, dauert aber eben eine Weile. Neben Arbeit, Haus und Kindern mache ich den Schwedischkurs seit 3 Jahren und beginne nun mit dem letzten Kurs. Hat man mehr Zeit, geht es schneller. Ich studiere derzeit nur zu 25% auf Distanz, also von daheim. Nur bis sas war ich im Kurs. Danach ging das durch meine Arbeitszeit nicht mehr. Der Nachteil: Ich muss mir vieles von Schweden noch mal sagen lassen, es fehlt die Korrektur bei der Aussprache. Allerdings ist die nach 3 Jahren auch nicht mehr so schlimm :) Vorteil: Ich kann im eigenen Rhythmus arbeiten, schneller oder langsamer als vorgegeben. Je nach Situation.

Fazit: Auch wenn ich berufsfremd und unterbezahlt arbeite, durch die vielen Erfahrungen und auch durch das Wissen, sich immer durchbeissen zu können und in den letzten Jahren einiges geleistet zu haben, hat sich das Ganze Unternehmen für mich gelohnt. Ich habe Neues gelernt und mich Herausforderungen gestellt, denen ich in Deutschland eher ausgewichen wäre. Bsp. ich hätte mich nie, mit so wenig Deutschkenntnissen und noch dazu ohne Berufserfahrung in ein Bewerbungsgespräch getraut. Hier habe ich das mehrmals gemacht, was mich nur gestärkt hat, auch wenn es viele Absagen gab. Meine sprachlichen Fähigkeiten und mein Mut sind eindeutig gewachsen.

Die Entscheidung ob man das mag, muss aber jeder selber treffen. Denn es kann/wird relativ sicher ein beruflicher Rückschritt werden. Mindestens auf unbestimmte Zeit. Chancen auf Änderung ungewiss. Abwägen muss man daher selber.

Viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung.

Grüße
Wiebke


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 Betreff des Beitrags: Re: Rechtsanwälte und Rechtsanwaltsfachangestellte in Schweden
BeitragVerfasst: 30. August 2010 09:01 
Hej,

bin ebenfalls Rechtsanwaltsfachangestellte und vor mittlerweile 3 Jahren nach Schweden ausgewandert. In meinem Beruf konnte ich hier nicht arbeiten. Mir wurde gesagt, daß dieser Beruf hier eine 100prozentige Sicherheit in Sprache und Schrift erfordert. Daher ist es bislang schwierig für mich, hier eine Stelle in diesem Beruf zu bekommen.

Stellenanzeigen für diesen Beruf sind aber durchaus zu finden.

Hälsningar

norris


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