Hej,
alles in Allem also nicht gerade rosig, aber auch nicht aussichtslos, wie es scheint. Meine Einschätzung war wohl nicht ganz verkehrt. Also: Sprache, Sprache, Sprache. Mit dem Nachweis über Sprache und der Anerkennung des Abiturs, und/oder der Ausbildung kann man sich auf Aushilfsstellen bewerben und parallel eine Weiterbildung machen, bzw. sich hier "neu" ausbilden lassen. Das dauert alles ziemlich lange, kann aber auch recht spannend sein, wenn man sich drauf einlassen will.
Finanziell ist es natürlich ein herber Rückschlag.
Je nach dem wie schnell und intensiv Ihr schwedisch lernen könnt, könnt IHr den Tisus in Deutschland machen. Der kostet Geld aber dafür kann man diesen Test mehrmals machen. Ich glaube etwa 2x im Jahr gibt es an verschiedenen Stellen in Deutschland einen Prüfungstag. Da müsst iHr mal googln, ich hab das nie gemacht und weiss es daher nicht genau.
Der Nachweis über svenska b wir hier erbracht. Das heisst vielerorts übrigens sas b, denn svenska b ist eigentlihc nur für Schweden. Seit einiger Zeit trennt man da eingewanderte von "normalos". Das Ergebnis ist aber das Gleiche. Man erwirbt damit den Teil an Schwedisch, den ein Schüler in der schwedischen Schule für das Abitur erbringen muss. Damit hat man sein deutsches Abitur quasi komplettiert und darf an schwedischen Hochschulen studieren oder eben eine solche Ausbildung machen. Für fast alle diese Ausbildungen braucht man sas b oder tisus. Damit stellen sie sicher, dass Du auch die Anforderungen erfüllen kannst und die Ausbildungsliteratur auch verstehst.
sas b oder eben manchmal noch svenska b kannst Du entweder an der Uni oder bei Komvux oder anderen Schulen machen. Man beginnt, wenn man ins Land kommt meist mit einem Einstufungstest für svenska som invandrare. SFI. Danach könnt IHr Euch gleich erkundigen, wo das ist. Kann man schon viel, wird man da hoch eigestuft oder überspringt den Kurs gleich. kann man wenig, wird man weiter unten eingestuft. Der Kurs läuft von a bis d und soweit ich weiss fängt a mit Alphabetisierung an... D ist schon recht anständig. Damit kann man teils gut Zeitung lesen, kann sich ausdrücken und einfache Gespräche führen. Für manche Berufe reicht das aus. Hängt auch davon ab was man daheim noch dazu lernt vielleicht. Für alle weiteren, die ein weiteres Zeugnis brauchen oder mehr lernen wollen/müssen, geht es weiter mit svenska som andraspråk sas. Da gibts dann sas grund und andere, die heissen überall anders, hab ich das Gefühl. War recht verwirrend, ich bin einfach immer meinem Lehrer gefolgt, bzw. der sagte mir welches der nächste Kurs ist.
Bei sas mussten wir schon intensiver arbeiten, mal ein Referat über eine bekannte schwedische Persönlichkeit oder ein Buch halten und so was. Aber immer noch recht entspannt.
Dann kommt svenska a oder eben sas a. Das ist wohl gymnasiale Grundstufe. Also, vergleichbar mit dem was die Schüler hier in der 9-10 Klasse lernen? Ungefähr. Grammatik, Gesellschaftskunde, Kultur und vor allem schon mal viel mehr lesen. Referate, Gedichtsanalysen, Unterschiedliche Texte schreiben und Buchrezensionen (eine schriftlich und eine mündlich). Dann kommt svenska oder sas b. Da weiss ich selber noch nicht was auf mich zukommt. Den fange ich jetzt gerade an. Wir müssen, angeblich, noch mehr lesen und noch ausgefeilter Texte schreiben. Mal sehen.
Insgesamt ist das alles recht gut machbar, dauert aber eben eine Weile. Neben Arbeit, Haus und Kindern mache ich den Schwedischkurs seit 3 Jahren und beginne nun mit dem letzten Kurs. Hat man mehr Zeit, geht es schneller. Ich studiere derzeit nur zu 25% auf Distanz, also von daheim. Nur bis sas war ich im Kurs. Danach ging das durch meine Arbeitszeit nicht mehr. Der Nachteil: Ich muss mir vieles von Schweden noch mal sagen lassen, es fehlt die Korrektur bei der Aussprache. Allerdings ist die nach 3 Jahren auch nicht mehr so schlimm

Vorteil: Ich kann im eigenen Rhythmus arbeiten, schneller oder langsamer als vorgegeben. Je nach Situation.
Fazit: Auch wenn ich berufsfremd und unterbezahlt arbeite, durch die vielen Erfahrungen und auch durch das Wissen, sich immer durchbeissen zu können und in den letzten Jahren einiges geleistet zu haben, hat sich das Ganze Unternehmen für mich gelohnt. Ich habe Neues gelernt und mich Herausforderungen gestellt, denen ich in Deutschland eher ausgewichen wäre. Bsp. ich hätte mich nie, mit so wenig Deutschkenntnissen und noch dazu ohne Berufserfahrung in ein Bewerbungsgespräch getraut. Hier habe ich das mehrmals gemacht, was mich nur gestärkt hat, auch wenn es viele Absagen gab. Meine sprachlichen Fähigkeiten und mein Mut sind eindeutig gewachsen.
Die Entscheidung ob man das mag, muss aber jeder selber treffen. Denn es kann/wird relativ sicher ein beruflicher Rückschritt werden. Mindestens auf unbestimmte Zeit. Chancen auf Änderung ungewiss. Abwägen muss man daher selber.
Viel Erfolg bei der Entscheidungsfindung.
Grüße
Wiebke