Radonmessung

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Petergillarsverige
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Re: Radonmessung

Beitragvon Petergillarsverige » 23. Februar 2012 09:23

Der lineare Zusammenhang wird meist unterstellt, ist aber nicht wirklich zwingend. In früheren Zeiten war die Radioaktivität höher, da die Stoffe ja zerfallen sind. Es ist denkbar, dass der Körper eigentlich mit (geringfügig) höheren Dosen klar kommt.
Nun ist denkbar, dass der Reperaturmechanismus der Zellen durch höhere Strahlung angeregt wird. Solche Effekte gibt es in der Medizin häufiger. Ich hörte mal, dass manche Kliniken bei nicht heilenden Knochenbrüchen ein radioaktives Präparat zeitweise in die Bruchzone implantieren. Dadurch wird der Heilungsprozess angeregt und der Knochen wächst zusammen. Nur - wo die Aktivität wieder zu viel wird, ist nicht bekannt. Tatsache ist aber, dass Personal von Kernkraftwerken eine deutlich niedrigere Mortalität bei Krebs haben als andere. Das kann aber auch mit den konsequenten Untersuchungen zusammen hängen.
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Re: Radonmessung

Beitragvon HeikeBlekinge » 23. Februar 2012 10:19

Na das ist ja eine interessante Sichtweise!
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Re: Radonmessung

Beitragvon unbekannt » 23. Februar 2012 14:52

Vor etwa 100 Jahren und noch bis in die 40er Jahre des letzten Jahrhunderts hatten die Menschen ein positives Verhältnis zur Radioaktivität. Werbewirksam wurden Produkte des täglichen Gebrauchs und Lebensmittel mit Radium und anderen radioaktiven Substanzen angereichert, wobei fraglich ist, ob die Werbung ihre Versprechen immer eingehalten hat. Hier ein paar Beispiele:

http://www.orau.org/ptp/collection/bran ... dnames.htm

Die Radium-Butter finde ich besonders lecker. Man beachte auch die Radium-Kondome.

Damals gab es unter anderem auch Zimmer-Radon-Generatoren, um die Zimmerluft mit Radon anzureichern. Es gab Behälter, um das Trinkwasser mit Radium zu versetzen:

http://www.orau.org/ptp/collection/quac ... kcures.htm

Den Vogel abgeschossen hat wohl die radioaktive Zahncreme Doramad für buchstäblich strahlend weiße Zähne:

http://www.orau.org/ptp/collection/quac ... hpaste.htm

Die damalige Denkweise war aus heutiger Sicht völlig naiv: Radiokaktivität = Energie = Leben = Gesundheit.

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Re: Radonmessung

Beitragvon EuraGerhard » 23. Februar 2012 18:04

Hallo,

ich arbeite als Physiker im Bereich der Strahlentherapie, kenne mich also ein bisschen aus.

Volker hat geschrieben:Demnnach spricht vieles dafür, dass Radioaktivität erst ab einer bestimmten Schwelle schädlich ist. Manche Autoren gehen sogar so weit und vermuten, dass eine sehr geringe Dosis Radioaktivität gesundheitsfördernd ist und die Krebsrate senkt.

Beides ist zunächst einmal reine Spekulation. Richtig ist allerdings, dass es bisher kaum verlässliche Daten zu den Auswirkungen einer Dauerbelastung mit relativ niedriger Strahlendosis gibt. Mangels besserer Daten wird daher bis heute ein linearer Zusammenhang angenommen.

Speziell beim Radon ist allerdings bekannt, dass eine erhöhte Belastung, wie sie z.B. Uran-Bergarbeiter erfahren, auch zu einem deutlich erhöhten Lungenkrebsrisiko führt. Lungenkrebs ist bei Uran-Bergarbeitern eine anerkannte Berufskrankheit, auch bekannt geworden unter dem Namen Schneeberger Krankheit. Problematisch ist hierbei allerdings nicht so sehr das Radon selbst, sondern vielmehr seine Zerfallsprodukte, nahezu ausnahmslos radioaktive Schwermetalle, die sich im Laufe der Zeit in der Lunge anreichern können.

MfG
Gerhard

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Re: Radonmessung

Beitragvon Petergillarsverige » 23. Februar 2012 18:34

Die Uran-Bergarbeiter dürften unter den damaligen Bedingungen heute nur wenige Minuten arbeiten, dann hätten sie 1 Jahr frei, weil sie die Höchstdosis abbekommen haben. Das war ganz fürchterlich wie man mit den Leuten umgegangen ist, teilweise aus Unwissenheit.
Diese Dosis ist sehr viel höher als eine möglicherweise gesundheitsfördernde Dosis.
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Re: Radonmessung

Beitragvon HeikeBlekinge » 23. Februar 2012 18:39

Somit gilt wie bei vielen anderen Sachen:

"Die Dosis macht das Gift"


lg
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Re: Radonmessung

Beitragvon EuraGerhard » 24. Februar 2012 11:37

Petergillarsverige hat geschrieben:Diese Dosis ist sehr viel höher als eine möglicherweise gesundheitsfördernde Dosis.

Selbst wenn es eine untere Grenzdosis für die Gesundheitsschädlichkeit geben sollte, was ich persönlich nicht glaube, so bleibt doch bei der Langzeitbelastung durch Radon das Problem der Anreicherung der Zerfallsprodukte in der Lunge. Da diese Zerfallsprodukte ihrerseits wiederum radioaktiv sind, wird eine eventuelle Grenzdosis bei Langzeitbelastung irgendwann überschritten.

Ein weiteres Problem ist, dass es sich nicht nur beim Radon selbst, sondern auch bei den meisten seiner Zerfallsprodukte um Alphastrahler handelt. Alphastrahlung ist zwar harmlos, wenn sie von außen auf den Körper einwirkt, da sie bereits von der (ausschließlich aus abgestorbenen Zellen bestehenden) Hornhaut absorbiert wird. Gelangen Alphastrahler allerdings in den Körper, wie hier in die Lunge, so richten sie dort weitaus größere Schäden an als Beta- oder Gammastrahler.

MfG
Gerhard

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Re: Radonmessung

Beitragvon unbekannt » 24. Februar 2012 12:20

Ich wollte noch was ergänzen.

Die Radon-Messungen mit den Dosen sollten nur über die Wintermonate ausgeführt werden, weil im Sommer zu oft die Fenster und Balkontüren aufstehen, was zu niedrige Werte ergibt.

Kinder sind besonders gefährdet. Je älter die Person, desto geringer das Risiko, weil unter anderem die Wahrscheinlichkeit steigt vorher an etwas anderem zu sterben.

Im Keller ist der Radonwert in der Regel höher. Dann ist die Frage, wie lange sich Personen dort aufhalten.

Wer sein Haus von einer Firma sanieren lässt, sollte auf eine schriftliche Erfolgsgarantie bestehen mit Angabe des versprochenen Grenzwertes. Manchmal können ganz einfach Maßnahmen helfen ( http://www.radonguiden.se/pdf/RADON.PDF ).

Wer Raucher ist, braucht sich um das alles keine Gedanken machen. Rauchen ist um ein Vielfaches gefährlicher und sollte sich erst einmal das Rauchen abgewöhnen. Wer raucht zahlt noch Geld an die Tabakindustrie für die radioktive Belastung seiner Lungen ( http://de.wikipedia.org/wiki/Rauchen#Ra ... vit.C3.A4t ).

Aus heutiger Sicht kann man sich nur wundern, wie vor einigen Jahrzehnten mit radioaktiven Substanzen umgegangen wurde. Siehe zum Beispiel hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Hamilton

schubidubidu

Re: Radonmessung

Beitragvon schubidubidu » 29. August 2018 20:23

Radon hat geschrieben:Hej,
das Radonproblem betrifft in Schweden nicht nur Bodenradon (markradon), sondern ein größeres Problem sind vielmehr die Häuser, die mit sog. "Blaubeton" (blåbetong) in den Jahren 1929 bis 1975 gebaut wurden. Dort erreicht man im Haus sehr hohe Radonwerte. Eine geeignete Lüftung/Sanierung z. Teil teuer und aufwändig.


Hallo zusammen,
wurde Blaubeton in allen Häusern zwischen 1929-1975 verwendet? Auch bei unterkellerten Holzhäusern damit dann der Keller oder der Kellerboden gebaut. Sind an einem solchen von 1939 interessiert. ICh wußte bei der Besichtigung noch nichts von Blaubeton und habe bei dem Boden nicht darauf geachtet. Kann man es irgendwie erkennen?
LG Eva


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