Radon und Hauskauf

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Katjama
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Radon und Hauskauf

Beitragvon Katjama » 3. April 2017 12:27

Hallo ! Ich bin ganz neu hier und hoffe ihr habt ein paar Ideen für mich.
Wir haben uns ein kleines Haus in Schweden angesehen und würden es gerne kaufen.
Da wir nun über mögliche Radonbelastungen im Haus und über das Brunnenwasser gestoßen sind, tun sich Fragen auf. Das Haus hat einen 150m tiefen Brunnen, der zum Teil hinein gesprengt wurde. Bei der Kommune haben wir bereits erfragt ob es Belastungen durch Radon in diesem Gebiet gibt. Die Antwort war, dass es keine Eintragungen für das Haus gibt. Wir könnten ab Okt. eine Messung ( dauert ein paar Wochen) veranlassen und dort im Büro erneut nachfragen. Eine Messung im Haus würde einer Messung des Wassers vorausgehen. Im Oktober ist das Haus dann leider sicher verkauft :-( Kennt sich Jemand mit den Radon Messungen des Brunnenwasseres aus? Könnte man das wenigstens vorab machen lassen und eine Belastung ausschließen oder zu erkennen? Gibt es Filtersysteme für die Brunnen? Auch wenn man das Wasser nicht trinken würde, gelangt das Radon ja zB. Über die Dusche in die Raumluft. Richtig? Wir haben zwei kleine Kinder und sind nun unsicher was als nächstes am Besten zu tun ist. Die Besitzer haben das Wasser noch nie untersuchen lassen, sagen aber trotzdem auch dass das Wasser völlig ok.ist. Naja Radon erkennt man ja so nicht im Wasser..... Vielleicht weiß Jemand von Euch Rat!? Liebe Grüße Katja

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Infosammler
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Re: Radon und Hauskauf

Beitragvon Infosammler » 3. April 2017 20:00

Hej,
wir haben uns vor langer Zeit schon mal Häuser angesehen. Bei einigen waren Anlagen im Keller die das Radon aus dem Boden abgeführt wurde. Ich weis auch das die Radonwerte über eine längere Zeit gemessen werden. Auch das man sie im Brunnenwasser nachweisen kann. Mehr aber auch nicht.
Brunnenwasser kann man schnell überprüfen lassen. Das würde ich auf jeden Fall vor dem Kauf verlangen. Wenn die Verkäufern diesen einfachen Test auf die Qualität des Wassers verweigern würde ich die Finger davon lassen.
Ich wünsche euch natürlich alles zu eurer Zufriedenheit abläuft. Viel Erfolg
Gruß Claudia
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Re: Radon und Hauskauf

Beitragvon vibackup » 3. April 2017 21:14

Katjama hat geschrieben:Hallo ! Ich bin ganz neu hier und hoffe ihr habt ein paar Ideen für mich.
Wir haben uns ein kleines Haus in Schweden angesehen und würden es gerne kaufen.
Da wir nun über mögliche Radonbelastungen im Haus und über das Brunnenwasser gestoßen sind, tun sich Fragen auf. Das Haus hat einen 150m tiefen Brunnen, der zum Teil hinein gesprengt wurde. Bei der Kommune haben wir bereits erfragt ob es Belastungen durch Radon in diesem Gebiet gibt. Die Antwort war, dass es keine Eintragungen für das Haus gibt. Wir könnten ab Okt. eine Messung ( dauert ein paar Wochen) veranlassen und dort im Büro erneut nachfragen. Eine Messung im Haus würde einer Messung des Wassers vorausgehen. Im Oktober ist das Haus dann leider sicher verkauft :-( Kennt sich Jemand mit den Radon Messungen des Brunnenwasseres aus? Könnte man das wenigstens vorab machen lassen und eine Belastung ausschließen oder zu erkennen? Gibt es Filtersysteme für die Brunnen? Auch wenn man das Wasser nicht trinken würde, gelangt das Radon ja zB. Über die Dusche in die Raumluft. Richtig? Wir haben zwei kleine Kinder und sind nun unsicher was als nächstes am Besten zu tun ist. Die Besitzer haben das Wasser noch nie untersuchen lassen, sagen aber trotzdem auch dass das Wasser völlig ok.ist. Naja Radon erkennt man ja so nicht im Wasser..... Vielleicht weiß Jemand von Euch Rat!? Liebe Grüße Katja

Bei einem gebohrten Brunnen scheint Radon nicht so ungewöhnlich zu sein; das Uran, das im Granit vorkommt, zerfällt zu Radon, das dann mit dem Wasser ins Haus kommt.
Trinken ist relativ ungefährlich, aber einatmen, vor allem in Kombination mit Rauchen, erhöht das Lungenkrebsrisiko erheblich.
Und Einatmen kann man Radon, wie du schon schreibst, entweder beim Duschen oder beim kochen des Wassers.
Wir haben auch einen gebohrten Brunnen; unser Wasser hat unbearbeitet 10.000 Zerfälle pro Sekunde (Becquerel, bq) und ist damit "otjänlig".
In der Situation hat man drei Optionen:
  • Man kann einen gegrabenen Brunnen "nachschalten" und das Wasser darin ausgasen lassen, mit allen Nachteilen, die ein gegrabener Brunnen gegenüber einem gebohrten hat, oder
  • man kann sich ein Gerät kaufen, das Luft durch das Wasser bläst, bevor man es in das hauseigene Leitungssystem lässt. Oder
  • man beschließt, dass man selber zu alt ist, als dass es einen Unterschied macht, und ignoriert das Problem
Wir haben uns für das Zweite entschieden, vor allem, weil wir Kinder haben, die damals noch sehr klein waren; macht erheblichen Lärm, wenn man Wasser braucht, ist aber in der Waschküche und wenn die Tür zu ist, hört man es kaum.
Um es zu messen, bestellt man eine Wasseranalyse mit dieser Fragestellung.
Radon im Wasser und Radon in der Raumluft können, müssen aber nicht zusammenfallen.
Wir haben bspw in der Raumluft vorbildliche Werte, und das hatten auch unsere Vorbesitzer, die das Wasser unbearbeitet genutzt haben (aber wohl auch erst mit dem Verkauf im Rahmen eines von ihnen bestellten Gutachtens von der Radonbelastung des Brunnenwassers erfuhren).

//M

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Re: Radon und Hauskauf

Beitragvon vibackup » 3. April 2017 21:15

Fehlklick, daher gelöscht.

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Re: Radon und Hauskauf

Beitragvon EuraGerhard » 4. April 2017 10:51

Hallo Katja,

Radon ist in vielen Gegenden Schwedens ein Problem. Die einzig wirklich zuverlässige Methode, die Radonbelastung im Haus zu bestimmen, ist die Langzeitmessung. Diese kann aber nur während der Heizperiode, alsoim Zeitraum Anfang Oktober bis Ende April durchgeführt werden und dauert mindestens 60 Tage. Es gibt auch eine Kurzzeitmessung über 7 Tage, die liefert allerdings nur grobe Anhaltspunkte und ist nicht wirklich zuverlässig.

Die Bestimmung des Radongehaltes im Brunnenwasser geht deutlich schneller und kann ganzjährig durchgeführt werden. Dazu muss eine Wasserprobe in einer GLASflasche an ein entsprechendes Labor geschickt werden. (Plastikflaschen sind ungeeignet, da Radon durch das Plastik hindurchdiffundiert.) Die Kommune sollte in der Lage sein, ein akkreditiertes Labor für die Wasseruntersuchung zu nennen. Allerdings sagt die Wassermessung bei einem 150-Meter-Tiefbrunnen nicht wirklich etwas über die Verhältnisse im Haus aus.

Es gibt verschiedene Methoden, um Radon im Trinkwasser loszuwerden. Eine davon, die Durchlüftung, hat @vibackup bereits genannt. Man kann aber auch Aktivkohlefilter oder Umkehrosmose verwenden, oder aber das Wasser vor dem Gebrauch wechselweise in zwei großen Tanks für mindestens 13 Tage lagern. Alle diese Methoden haben Vor- und Nachteile, man muss im Einzelfall entscheiden, welche man anwendet.

Auch radonbelastete Häuser lassen sich sanieren, und zwar je nach Bauweise manchmal schon mit relativ einfachen Mitteln: Manchmal reicht es schon, Bodenfugen abzudichten und/oder einen kleinen Ventilator zu montieren, der die Luft unter dem Fundament absaugt. Oder man installiert eine permanent laufende Belüftungsanlage im Haus, idealerweise mit Wärmetauscher. Aber gerade wenn radonabgebende Baumaterialien - z.B. bestimmte Betonsorten - verwendet worden sind, kann es auch schwierig und teuer werden.

Und wichtig: Da Radonbelastung ein allgemein bekanntes Problem in Schweden darstellt, gilt sie nicht als "versteckter Baumangel" ("dolt fel")! Das bedeutet, dass der Käufer eines Hauses selbst dafür verantwortlich ist, Messungen zu machen und ggfs. Sanierungen durchzuführen. Es gibt allerdings die Möglichkeit, eine entsprechende Klausel in den Kaufvertrag mit aufzunehmen, um ggfs. den Verkäufer auch nachträglich an den Mess- und Sanierungskosten beteiligen zu können. (Das setzt natürlich voraus, dass dieser mitspielt ...)

MfG
Gerhard

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Re: Radon und Hauskauf

Beitragvon vibackup » 4. April 2017 19:19

EuraGerhard hat geschrieben:...komplettiert...

Stimme Gerhard zu was das meiste betrifft; die Methoden mit Aktivkohle und Umkehrosmose waren mir nicht bekannt, THX.

//M


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