Privatschul-Boom

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Privatschul-Boom

Beitragvon svenska-nyheter » 18. Dezember 2007 12:28

Bei der Schulbehörde sind in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Anträge auf Privatisierung von kommunalen Schulen eingegangen. Die meisten der insgesamt 55 Schulen liegen in der Provinz Stockholm. Nach Angaben der Behörde wird etwa einem Drittel der Anträge stattgegeben. Grund für das große Interesse sind deutliche Signale der bürgerlichen Regierung, die einen Ausbau der privaten Schulen befürwortet.

(Mit freundlicher Genehmigung von Radio Schweden)

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Auswanderer
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Re: Privatschul-Boom

Beitragvon Auswanderer » 20. Dezember 2007 10:46

Radio_Schweden hat geschrieben:Bei der Schulbehörde sind in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Anträge auf Privatisierung von kommunalen Schulen eingegangen. Die meisten der insgesamt 55 Schulen liegen in der Provinz Stockholm. Nach Angaben der Behörde wird etwa einem Drittel der Anträge stattgegeben. Grund für das große Interesse sind deutliche Signale der bürgerlichen Regierung, die einen Ausbau der privaten Schulen befürwortet.


Worum geht es hier? Nicht neue Privatschulen, sondern Privatisierung
von staatlichen Schulen?

Geht denn ganz Schweden den Bach herunter, jetzt mit der Allianz für
Schweden? "Allianz gegen die Sachen, die uns einst zum besten Land
der Welt gemacht hatten" wäre ein besserer Name.

Ich warte die nächste Wahl ab, schaue mir aber auch nach Dänemark
und Norwegen um. :-(

Wie sehen die Prognosen für die nächste Reichstagswahl aus?
Alla dessa dagar som kom och gick, inte visste jag att det var livet.

---Stig Johansson

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Re: Privatschul-Boom

Beitragvon Skogstroll » 20. Dezember 2007 11:37

Wenn man die letzte PISA-Studie so betrachtet (ich glaube es war Platz 22 zwischen Polen und Ungarn), bekommt man eine Vorstellung davon, was mit dem schwedischen Schulsystem so passiert. Allerdings muss ich Reinfeldt & Co doch etwas in Schutz nehmen, die können nicht unbedingt was dafür, die Misere ist viel älter. Verändert haben sie bis jetzt aber auch nicht sehr viel. Immerhin will man vielleicht doch schon etwas früher Zeugnisse einführen und die Qualität des Unterrichts verbessern.

Dass die gerade herrschende politische Strömung nicht soo viel dafür kann, zeigt auch das Beispiel des straff linken Malmberget. Das Gymnasium dort ist schon lange keine Vorzeigeschule mehr, aber seit Beginn dieses Schuljahres spielt sich um dieses Gymnasium herum in der Kommune Gällivare eine unerträgliche (sozialdemokratische!) Politposse ab, bei der unfähige, dafür aber umso machtgeilere Funktionäre versuchen, sich gegenseitig abzuschiessen oder ihre besten Kumpels (bzw. sich selbst) in attraktive Pöstchen zu heben. Dabei rotiert das Personalkarussell lustig, immer auf dem Rücken der Schüler und Lehrer. Wer kann, flieht von der Schule. Skolverket war zur Inspektion da und hätte die Schule geschlossen, wenn es eine Privatschule gewesen wäre.

Eine generelle Krankheit ist der recht geringe Anteil ausgebildeter Lehrer, selbst in Stockholm liegt er kaum über 80% und ist an Privatschulen eher noch niedriger als an den staatlichen Schulen.

Was die Privatisierung betrifft, so muss es sich nicht unbedingt um die Privatisierung bestehender kommunaler Schulen handeln, tatsächlich kenne ich keinen einzigen solchen Fall (was nicht heisst, dass es keinen gibt). Die mir bekannten Privatschulen haben alle neu eröffnet, teilweise allerdings in (z.T. seit Jahren) stillgelegten kommunalen Schulen. Das ist vielleicht etwas missverständlich.
Die Eröffnung einer Privatschule ist nicht ganz leicht und wird auch nicht immer genehmigt. Voraussetzung sind ein Konzept sowie Untersuchungen z.B. über zu erwartende Schülerzahlen. Das muss dan sowohl vom skolverket als auch von der Kommune abgesegnet werden, sogar die Nachbarkommunen haben ein Einspruchsrecht.

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Storstadstjej

Re: Privatschul-Boom

Beitragvon Storstadstjej » 20. Dezember 2007 12:15

Skogstroll hat geschrieben:Eine generelle Krankheit ist der recht geringe Anteil ausgebildeter Lehrer, selbst in Stockholm liegt er kaum über 80% und ist an Privatschulen eher noch niedriger als an den staatlichen Schulen.


Ich denke es ist eher ein Symptom. Der Krankheitserreger ist die Stellung des Lehrers - während sie in Deutschland auch gern mit Füssen getreten werden, aber wenigstens in vielen Fällen (z.B. auf Grund des Beamtenstatus, der aber auch mittlerweile ausstirbt) über ein recht gutes Gehalt verfügen, empfinde ich das schwedische Lehrergehaltsdurchschnitt als einen höhnischen Witz. Es scheint nicht bis zu jedem durchgedrungen zu sein, dass gute (Grund-) Bildung der erste Grundstein für eine gesunde Gesellschaft ist und man daher wohl ein Gutes daran täte den Ausbildern eine gute Plattform für Wissensvermittlung zu geben und dazu gehören nicht nur Immaterielles, sondern auch schlicht und ergreifend eine entsprechende Entlohnung. Andererseits - eine Schafherde lässt sich ja besser lenken :evil:

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Re: Privatschul-Boom

Beitragvon Skogstroll » 20. Dezember 2007 13:33

Storstadstjej hat geschrieben:Ich denke es ist eher ein Symptom. Der Krankheitserreger ist die Stellung des Lehrers - während sie in Deutschland auch gern mit Füssen getreten werden, aber wenigstens in vielen Fällen (z.B. auf Grund des Beamtenstatus, der aber auch mittlerweile ausstirbt) über ein recht gutes Gehalt verfügen, empfinde ich das schwedische Lehrergehaltsdurchschnitt als einen höhnischen Witz.


Das ist natürlich richtig. Jeder Grubenarbeiter hier lächelt nur müde über ein Lehrergehalt. Aber generell wird in Schweden hochqualifizierte Arbeit lausig bezahlt, von Ärzten vielleicht abgesehen. Nicht umsonst wandern viele junge und gut ausgebildete Schweden aus.
Das Gehalt allein macht's aber auch nicht. Die gesellschaftliche Anerkennung stützt sich auf mehr. Und auch in Deutschland kommen populistische Witzchen über Lehrer immer wieder gut an. Hat ein Politiker sonst nix zu sagen, kann er damit immer noch punkten.

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