Pflegegeld für Oma?

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Andy
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Re: Pflegegeld für Oma?

Beitragvon Andy » 6. August 2008 23:50

Also ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass der schwedische Staat Pflegegeld für eine Ausländerin zahlt, die in Schweden nie ein eigenes Einkommen hatte und somit noch nicht eine Krone an Steuer in das schwedische Rentensystem eingezahlt hat.
Die Pflegeeinstufung würde also nach deutschen Maßstäben erfolgen. Ist nur die Frage, wann denn mal ein deutscher Beamter in Schweden ist, um die "Begutachtung" vorzunehmen, nach der dann die Pflegestufe vergeben wird. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die kaum mehr transportfähige Oma dann zur Begutachtung bis ins Heimatland transportiert werden müsste.

In der Richtung sind die Systeme in Deutschland ja wirklich eine Katastrophe - hab das halbwegs live bis zum letzten Jahr erlebt, als es um die Einstufung meines an Alzheimer erkrankten und mittlerweile verstorbenen Opa ging.


Ein anderer Ansatz wäre natürlich, wenn die Oma schwedische Staatsbürgerin wird, bevor das Thema Pflege wirklich angesprochen werden muss. Wie ich bislang gelernt habe, muss man aber zur Staatsbürgerschaft eine gewisse Zeit in Schweden gelebt (und Steuern gezahlt?) haben.
Dazu können dir andere Forenmitglieder aber sicherlich mehr schreiben.

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Re: Pflegegeld für Oma?

Beitragvon Imrhien » 7. August 2008 15:21

Hallo,

erstens denke ich mal, dass man Pflegeheime hier und da nicht vergleichen kann. Auch in Deutschland gibt es da große Unterschiede... Hier in Schweden gibt es so viele (allein bei uns im Ort eines und so groß ist der nicht..., wer weiss wieviele in der Stadt?), da sieht es wirklich so aus, als würden die meisten älteren dann in so einer Einrichtung leben. Von der hier im Ort weiss ich, dass sich die Leute da sehr wohl fühlen. Wir machen hin und wieder mit der öppna förskola und dem Pfelgeheim was zusammen. Das ist immer ganz lustig. Ich könnte mir aber vorstellen, dass man das sicherlich auch daheim machen kann.
Es wird doch sowas wie Pflegedienste geben?
Was die Bezahlung angeht, da hat Jörg ja schon geschrieben, dass es keine Fristen gibt, bisher. Ich denke auch, dass in so einem Fall der Solidarausgleich zwischen den Ländern der EU greift. Das gilt ja auch für andere Sachen wie Krankenkasse, Rente und so weiter. Sicherheitshalber würde ich einfach bei der försäkringskassan anfragen. Und sparen schadet nie :)
Aber wenn Deine Mutter (um die geht es?) Rente bekommt, bekommt sie die auf alle Fälle auch nach Schweden ausgezahlt. Davon (keine Ahnung wieviel sie haben wird) kann sie ja einen Teil ihrer Lebenskosten und eben auch Pflegekosten übernehmen. Ich nehme schon an, dass, sobald sie mal hier gemeldet und registriert ist, auch anrecht auf Hilfe hat. Sie ist schliesslich normal krankenversichert. Schlau wäre es vermutlich, wenn sie schon hier wohnt, bevor sie Pflegebedürftig wird. Dann kann sie ganz normal als Rentnerin hier leben (machen andere auch) und geniesst alle normalen Rechte der eingewanderten. Bei so einer Einwanderung im Rentenalter kann man sicherlich auch mal ganz formlos fragen wie das denn so wäre, in ein paar Jahren, falls, sollte, man weiss ja nie...
Ach ja, ich weiss, ich kenne sie nicht und das muss eh jeder für sich selbst entscheiden. Aber ich fänd ein Notfallplan, falls es ihr nicht gefällt, trotzdem sie bei Dir lebt, eine sinnvolle Lösung. Mein Opa hat es schon nicht in Süddeutschland ausgehalten, obwohl er eh nie vor das Haus konnte und bei Tochter und Familie lebte. Er wollte, als klar war, dass er stirbt, lieber wieder alleine nur mit meiner Oma in die alte Heimat. Niemand wollte ihm den Wunsch verwähren und da starb er dann auch ein Jahr später. Meine Oma lebt da zwar jetzt allein, aber sie findet es so auch besser als woanders. Nur so als Tipp. Überlegt rechtzeitig vorher was man machen könnte...

Grüße
Wiebke

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Re: Pflegegeld für Oma?

Beitragvon janaquinn » 8. August 2008 11:55

Hej Hej,
es gibt für dich und deine Mutter 2 Möglichkeiten, die beide absolut rechtens und legal sind. Solange deine Mutter in Deutschland pflichtversichert in der Pflegeversicherung ist und in Deutschland der Medizinische Dienst der Krankenkassen einen Pflegebedarf und somit einen Anspruch auf Pflegegeld festgestellt, kann sie es auch in Schweden beziehen. Dazu gibt es auch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 5.03.1999 (kann ich dir gerne raussuchen). Allerdings müsstest du dann recherchieren, wie es mit der Pflegeperson ist. Am besten deine Krankenkasse anrufen. Wichtig ist auch, da du ja in Österreich lebst, wie die Regeln bei euch im Lande sind. Dies sind erstmal ausschliesslich Info´s zum deutschen Pflegegeld.

2. Das schwedische Pflegegeld beantragen: Dafür sind dringend notwenig ALLE vorhandenen Arztbriefe vorlegen zu können. Ihr müsst einen Termin beim zuständigen Vårdcentral machen, damit ihr auch einen schwedischen Arztbrief habt. Am besten bereits im Vorfeld einen Termin zur Begutachtung des Pflegebedarfes mit der F-Kasse ausmachen und natürlich den Antrag nicht vergessen. Den findet ihr auf der Homepage der F-Kassa.
Ein persönlicher Assistent wird deiner Mutter nicht mehr zugesprochen werden, da die Beantragungsfrist mit dem 60 oder 65. Geburtstag ausläuft. Außerdem soll gerade bei den Persönlichen Assistenten erheblich gespart werden.

Stellt die F-Kassa einen Pflegebedarf und damit den Anspruch auf Pflegegeld fest, bekommt ihr einen Bescheid zugeschickt, in dem euch die Höhe des monatlichen Pflegegeldes mitgeteilt wird. Außerdem wird es rückwirkend zur Beantragung gezahlt, also den Antrag möglichst schnell einreichen.
Generell gibt es keinen Grund, warum ihr in Schweden kein Pflegegeld für eure Mutter bekommen solltet, da Schweden ebenso wie Deutschland an das Sozialversicherungsabkommen gebunden ist.
Dies sind Informationen zum heutigen Stand der Dinge.
Solltest du weitere Fragen haben, melde dich am besten per PN.

LG JANA,
achja, klick den Link in meiner Signatur, da habe ich einiges zusammengetragen :wink:
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