Ohne Sprachkenntnisse nach Schweden?

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Re: Ohne Sprachkenntnisse nach Schweden?

Beitragvon Aelve » 19. Februar 2008 10:55

Hallo,

ja, leider wird es immer einige geben, die das Sozialsystem ausnutzen wollen. Ausgewanderte Deutsche, die an dem SFI teilnahmen, berichteten uns, dass einige Teilnehmer gar keinen Ehrgeiz an den Tag gelegt haben, ein besseres Schwedisch sprechen zu können. Es ging denen tatsächlich nur um die finanzielle Versorgung. Wenn man bei den Überprüfungen berücksichtigt, dass einer sprachbegabter ist als der andere, dann finde ich es richtig, dass diesen Auswüchsen Halt geboten wird. Manche müssen eben Druck von außen bekommen, andere können sich selbst unter Druck setzen.
Sozialschmarotzer, die wirklich nur darauf aus sind, die anderen Bürger auszunutzen, benötigt kein Land.
Grüße Aelve
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Re: Ohne Sprachkenntnisse nach Schweden?

Beitragvon Imrhien » 19. Februar 2008 10:57

Aelve, ich finde man kann das nicht pauschalisieren. Es gibt auch hier in Schweden z.B: Schulen in denen finnisch gesprochen wird und Schulen in denen deutsch gesprochen wird. In Frankreich findet man auch Schulen die eine andere "Amtssprache" als französisch haben. Warum nicht auch in Deutschland? Eine türkische Schule heisst noch nicht, dass alle die da ihren Abschluss machen kein deutsch können und böse Menschen sind die Integrationsunwillig sind. Wenn deutsche überlegen ob sie ihr Kind in Schweden in eine deutsche Schule bringen wird das meist (wenn auch nicht immer) verstanden. Ich sehe das so, beide Sprachen sind wichtig. Und dass man Kinder von Einwanderern unterstützen will hat noch nichts damit zu tun wie die deutschen Schulen sonst sind. Ausser vielleicht, dass man damit dem Pisavorwurf, dass gerade die Einwandererkinder es in Deutschland so schwer haben, entgegenkommt und daran was macht.
Irgendwie verstehe ich das nicht. Alle wollen, dass sich ausländer integrieren. Aber dazu gehört auch, dass sie sich und ihren Ursprung nicht verleumden müssen. Türisch in der Schule zu sprechen heisst noch nicht kein deutsch zu können. Aber man muss sich die Kinder mal anschauen. Die können manchmal keine der Sprachen überhaupt noch richtig. Da ist es doch gut, wenn mal einer versucht eine Änderung zu bringen. Wie wäre es mit einer Schule die den Unterricht in beiden Sprachen ermöglicht?
Und was spricht gegen türkisch als 2. Fremdsprache? Was unterscheidet sie von französisch oder spanisch? Das lernen deutsche Kinder doch auch und keiner regt sich drüber auf.

Grüße Wiebke

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Re: Ohne Sprachkenntnisse nach Schweden?

Beitragvon Aelve » 19. Februar 2008 11:35

Hallo Wiebke,

ich habe grundsätzlich nichts dagegen, dass jemand seine Heimatsprache auch im Einwandererland spricht im privaten Kreis. Man muß nur aufpassen, dass es nicht dazu führt, dass man sich von dem Einwanderungsland abgrenzt und eigene Gettos bildet, das finde ich für Deutschland, für Schweden, ja für jedes Land wichtig. Man muß auch berücksichtigen, dass es verschiedene Kulturkreise gibt, Deutschland und Schweden haben den gleichen Kulturkreis. Die Türkei und Deutschland haben verschiedene Kulturkreise, das muß man dabei auch bedenken.
Es kann ja nicht so kommen, dass ein Land durch seine Einwanderer seine Identität und seinen Kulturkreis verliert. Wenn ich in Schweden bin, dann passe ich mich dort an, dann feiere ich die Feste, die es dort gibt, dann halte ich mich an die schwedischen Traditionen.
Es gibt in jeder Bevölkerungsschicht Personen, die wollen sich nicht anpassen, die möchten, dass die anderen sich anpassen sollen.
Die Gefahr besteht, wenn die Eingewanderten ihre Dinge beibehalten wollen, dass sich dann ein Land verändert. Wenn ich alles im Ausland so haben möchte, wie bei mir im Heimatland, dann muß ich dort bleiben und kann nicht versuchen, das Land meiner Wahl total zu ändern.
Die Übergänge sind fließend, wenn ich also den Eingewanderten immer mehr nachgebe, dann muß damit gerechnet werden, dass soviel Negatives entsteht, was anfangs nicht angedacht war.
Es würde hier zu politisch werden, alles abzuwägen und alle Argumente aufzuzählen, die für oder gegen Multikulti sprechen. Aber die Tatsache, dass man sich nicht mehr mit seiner eigenen Heimat identifizieren kann, hängt auch damit zusammen, dass man merkt, dass den Problemen, die durch Einwanderung entstanden sind, durch die Politik nicht genügend Beachtung geschenkt werden oder wurden.
Grüße Aelve :flagge:
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Re: Ohne Sprachkenntnisse nach Schweden?

Beitragvon Imrhien » 19. Februar 2008 14:16

Hm, wenn ich es richtig verstehe sind wir nicht grundsätzlich anderer Meinung :)
Nur die Ausprägung und vielleicht ein klein wenig die Blickrichtung unterscheiden sich.
Von daher (und weil es den Rahmen des Forums sprengt) brauchen wir ja nicht drüber zu streiten :)

Grüße
Wiebke

Aurora

Re: Ohne Sprachkenntnisse nach Schweden?

Beitragvon Aurora » 20. Februar 2008 21:55

in Bezug auf Aelve muss ich sagen, dass ich seiner Meinung ( so wie geschrieben ohne wenn und aber ) nur zustimmen kann.
Wenn ich in meinem Heimatland nicht klar komme oder andere Probleme habe und mich entscheide auszuwandern, muss ich mich allen Gegebenheiten des neu gewählten Landes anpassen - ohne Diskussion.
Die eigene, alte Sprache pflegen, kann ich auch zu Hause. Dass Kinder bilingual aufwachsen, finde ich gut. Kenne Schweden, die das so handhaben.
Vielleicht kann ich jetzt auch die Probleme aus einem anderen Beitrag verstehen, in welchem es den Kindern so schwer fällt, sich im "neuen Land" zu Hause zu fühlen.Aber das würde jetzt zu weit führen.

Aurora

Re: Ohne Sprachkenntnisse nach Schweden?

Beitragvon Aurora » 20. Februar 2008 22:22

Booooooooooo!
Habe mir jetzt mal die Zeit genommen, um auf die zurückliegenden Seiten zu schauen. Das liest sich ja wie ein Krimi!
Aber mal ehrlich. Zwar bewundere ich die Auswanderer, die es angeblich geschafft haben, sich in Schweden oder auch Norwegen ein neues wohliges zu Hause zu schaffen, aber die kann man ja wohl an einer Hand bestimmt abzählen, oder?
Irgendwie ist mir die Diskussion zu ....Da fällt mir nur ein: "Vom Tellerwäscher zum Millionär in Amerika" .Good Luck!
Ist doch klar, dass die Beherrschung der Sprache Vorraussetzung ist, sonst wäre ich schon lange dort.
Aber zum Glück gibt es ja noch die "rosarote Brille".

nysn

Re: Ohne Sprachkenntnisse nach Schweden?

Beitragvon nysn » 21. Februar 2008 09:57

Aelve hat geschrieben:Wenn ich in Schweden bin, dann passe ich mich dort an, dann feiere ich die Feste, die es dort gibt, dann halte ich mich an die schwedischen Traditionen.


Ich bin ein Verfechter des "Individualismus" - d. h. es gibt viele Gründe, warum Menschen auswandern, dies oder jenes tun, genauso wie es viele verschiedene Art und Weisen gibt, das zu machen.

Deshalb finde ich, dass man grundsätzlich nicht sagen kann - ohne Sprachkenntnisse geht es nicht und man muss sich unbedingt den Traditionen des neuen Landes anpassen. Wenn ich keine Lust habe, um einen Julgran (Weihnachtsbaum) zu tanzen oder als "kleiner Frosch" um einen Mittsommerbaum zu hüpfen und nach jedem Hering einen Schnaps zu trinken, dann mache ich das nicht und dann erkläre ich das einfach, dass das nicht meinem Wesen entspricht und ich das lieber nicht mache. Ich gehe dann davon aus, dass kultivierte Menschen das akzeptieren und bisher hat es in meinem Fall auch funktioniert.

Ich bin nach 13 Jahren in Schweden immer noch Ausländer und werde es vermutlich auch so lange sein, wie ich hier lebe und ich wüsste keinen Grund, warum ich versuchen sollte, "schwedisch" zu werden.

Die Sprache habe ich auch erst gelernt, nachdem ich hier schon gewohnt hatte - und das ging dann eigentlich ziemlich schnell. Zu Hause sprechen wir Deutsch und schauen auch deutsches Fernsehen, wir haben deutsche und schwedische und andere europäische und nicht-europäische Freunde -alles ganz gemischt und wir wohnen nicht in einem "Ghetto". Das Spannende im Ausland ist doch gerade die "Vielfalt" - und in Bayern erwarte ich ja auch nicht von einem Ostfriesen, dass er in Lederhosen und Gamsbart rumgeht - im Gegenteil, das findet man eher "lächerlich" - oder?

:D

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Re: Ohne Sprachkenntnisse nach Schweden?

Beitragvon Imrhien » 21. Februar 2008 10:11

S-nina hat geschrieben:und in Bayern erwarte ich ja auch nicht von einem Ostfriesen, dass er in Lederhosen und Gamsbart rumgeht - im Gegenteil, das findet man eher "lächerlich" - oder?
:D


Danke, darauf wollte ich auch schon hinaus.
Auch insgesamt kann ich Dir nur zustimmen. Schön, dass das bei Dir so klappt, denn ich stelle mir mein Leben in Schweden ebenso vor. Ich kenne Ausländer in Deutschland die es so geschafft haben. Auch wenn Schweden nicht Deutschland ist, ich hatte/habe die Hoffnung, dass es mir hier auch gelingt mich soweit zu integrieren wie es mir gelingt und gefällt, gleichzeitig aber nicht meine Wurzeln zu vergessen.
Es ist vielleicht manchmal eine Gradwanderung. Manche Schweden werden es vielleicht nicht verstehen, wenn man nicht alles mitmachen will. Aber das gibt es doch in Deutschland auch. Ich kenne Bayern, die mich nicht mögen weil ich die Weisswurst zu früh oder zu spät und immer falsch esse. Ausserdem verdünne ich mein Bier... bäh :)
Aber ich lebe trotzdem glücklich. Nicht alle Deutschen müssen mich mögen und ebenso wenig müssen mich alle Schweden mögen.
Wenns ein paar tun und der Rest mich einfach in Ruhe lässt, dann wäre ich glücklich. Egal in welchem Land :)

Grüße
Wiebke

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Re: Ohne Sprachkenntnisse nach Schweden?

Beitragvon Aelve » 21. Februar 2008 10:39

Hallo,

bei meiner Aussage ging es ja nicht darum, dass man sich bedingungslos anpassen soll und alles mitmachen muß, sondern es ging darum, dass man als Eingewanderter das Land nicht umkrempeln kann, deshalb habe ich diese Aussage gemacht. Wenn man nicht alles mitmachen will, dann läßt man es sein. Umgedreht darf man dann aber nicht sagen, die Schweden laden mich nicht ein oder ich stehe abseits, darum ging es mir auch bei meiner Aussage. Ich denke mal, dass mich kein Schwede zwingen würde, an deren Feste teilzunehmen oder deren Traditionen zu leben, aber so habe ich die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen. Oft sagen mir deutsche Ausgewanderte, ich habe hier keine Freunde gefunden, die Schweden sind mehr unter sich usw. Es stimmt auch bestimmt, dass die Schweden die Deutschen nicht so schnell einladen, ist mir schon oft berichtet worden, aber wenn ich Kontakte haben will, dann muß ich selbst auch was dafür tun und die Möglichkeit schaffen, dass ich eingeladen werde oder dass ich dazu gehöre. Das ist nicht nur in Schweden so, das ist überall so, entweder will ich irgendwo dazu gehören oder ich möchte für mich alleine sein, aber der Anstoss muß doch von mir selber kommen.
Dieses gilt auch für soziales Engagement. Ich kann nicht erwarten, dass mir andere helfen, wenn ich selbst für die Gemeinschaft nichts tun will.
Z.B. habe ich mir sagen lassen, dass die Eltern in Schweden in den Schulen sehr viel helfen müssen, es ist jeder mal dran, etwas für die Schule und die Schüler zu erledigen. Wenn sich einer nun dagegen stellt, dann stellt er sich gegen die Gemeinschaft und erfährt beim nächsten Mal auch keine Hilfe. Wenn man sich dieses mal zu Gemüte führt, dass es ein Geben und Nehmen ist und dass ohne Zutun auch von dem anderen nichts kommt, dann denke ich, dass man überall Freunde und Anerkennung findet, egal ob mit Landsleuten, mit den Nachbarn des Einwanderlandes , in der Schule oder Dagis oder auf seiner Arbeitsstelle.
Grüße Aelve :flagge:
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Re: Ohne Sprachkenntnisse nach Schweden?

Beitragvon nysn » 21. Februar 2008 11:25

Auf die Gefahr hin, dass ich nun etwas vom Thema abweiche:

Heute ist der "Internationale Tag der Muttersprache" - und mein Sohn hat mir gestern eine Einladung auf den Tisch gelegt mit den schönen Worten:

Der Muttersprachentag dient dazu:

- att främja språklig mångfalt och språkundervisning
(Förderung sprachlicher Vielfalt und des Sprachunterrichts)
- att höja medvetenhet om språkliga och kulturella traditioner
(Bewusstseinsstärkung über sprachliche und kulturelle Traditionen)
- att främja förståelse, tolerans och dialog
(Förderung von Verständnis, Toleranz und Dialog)

In unserer Kommune (Kungsbacka) gibt es ca. 300 Kinder mit verschiedenen Muttersprachen und die größte Gruppe davon ist lt. Info der Kommune - DEUTSCH !
:)

In diesem Sinne möchte ich Euch allen noch einen schönen Tag wünschen und auch verraten, welches "landestypische Traditionsgericht" heute auf dem Speiseplan der Schule steht, nämlich : "Minestronesoppa" 8)


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