Nochmal Bullerbü-Syndrom

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unbekannt

Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon unbekannt » 24. Februar 2009 09:52

Hallo zusammen,

das Thema Bullerbü wurde ja vor einigen Monaten anlässlich der Ausstrahlung der Inga-Lindström-Filme im SVT (staatliches schwed. Fernsehen) hier im Forum ausführlich diskutiert. Aber jetzt habe ich unter http://www.svd.se/kulturnoje/understrec ... 671003.svd eine schöne Zusammenfassung gefunden, warum scherzhaft ausgedrückt deutsche Touristen die Elchschilder abschrauben und daheim in ihren Garagen aufhängen.

Im Ernst hat der Artikel wirklich Tiefgang. Allerdings kenne ich keinen Deutschen der Elchschilder geklaut hat. Nach dem Artikel sind deutsche Einwanderer in Schweden auf der Suche nach einem besseren Deutschland, das ihren Sehnsüchten entspricht. Auch die Kommentare zu dem Artikel sind interessant. Offenbar hat man mit den deutschen Touristen Mitleid.

hansbaer

Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon hansbaer » 24. Februar 2009 10:19

Schöner Artikel - danke für den Tipp!

Volker hat geschrieben:Allerdings kenne ich keinen Deutschen der Elchschilder geklaut hat.


Ich auch nicht, aber es scheint zu einem Klischee geronnen zu sein, dass Elchschilder vornehmlich von Deutschen geklaut werden.

nysn

Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon nysn » 24. Februar 2009 11:51

Danke für den Link. Den Artikel finde ich auch spannend. Leider hat der Artikelverfasser wohl auch ziemliche Scheuklappen auf - er sieht meiner Meinung nach alles von einem schwedischen Standpunkt und zwar mit der typisch schwedischen Arroganz:

Am "dümmsten" finde ich diesen Abschnitt:

Vad gäller Sverige kan det vara på sin plats att våga en jämförelse med en annan kärlek, tyskarnas kanske största kärlek till ett land och en kultur, nämligen den till Italien. Italien har för tyskarna, från Goethe till medelturisten, stått för det som är annorlunda: södern, skönheten, trädgården, konsten, det lättjefulla och ljuva livet under solen, en sorts motbild till den grå tyska tillvaron, som förgiftats av alltför mycket möda och vardag.

Natur, kultur och livsstil utgör här den raka motsatsen till den tyska verkligheten.

Was soll das? Seit wann hat Deutschland keine Kultur und das "Leben ist grau"?

Die Sehnsucht nach Italien hat wohl eher damit zu tun, dass große Teile Deutschlands (bis zum Limes zumindest) geschichtlich enger mit Italien verbunden sind als mit Nordeuropa. In München ist man Italien einfach näher als im kalten, protestantischen Stockholm!

S-nina

hansbaer

Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon hansbaer » 24. Februar 2009 11:55

S-nina hat geschrieben:Danke für den Link. Den Artikel finde ich auch spannend. Leider hat der Artikelverfasser wohl auch ziemliche Scheuklappen auf - er sieht meiner Meinung nach alles von einem schwedischen Standpunkt und zwar mit der typisch schwedischen Arroganz:


Ähm, dir ist bewusst, dass der Artikel von einem Deutschen geschrieben wurde?

nysn

Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon nysn » 24. Februar 2009 12:12

Ähm, dir ist bewusst, dass der Artikel von einem Deutschen geschrieben wurde?


Ja, das hatte ich schon gesehen, dass der Autor einen deutschen Namen hat.

Für mich klingt das eben sehr "simpel" und entspricht doch ein bisschen dem Klischee, das die Schweden gerne von Deutschland zeichnen - grau, humorlos, zerstörte bis nicht vorhandene Natur (nur Braunkohlehalden überall), Autobahn usw. - dazu im krassen Gegensatz: Schweden, das gelobte Land ...

Ein Bayer ist er auf jeden Fall nicht - der Autor - wenn, dann ein Deutscher aus einer Region, wo sicher KEIN Wein mehr wächst ... :D

S-nina

hansbaer

Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon hansbaer » 24. Februar 2009 12:18

Der sieht das ganze kulturwissenschaftlich, und ich finde, er hat da nicht ganz unrecht. Die Deutschen haben einfach ein Problem mit sich selbst, und der Artikel beschreibt da weniger die Realität, sondern das, was viele Deutsche als Realität sehen.

Wenn ich mir überlege, was man hier schon von vermeintlich Auswanderwilligen so lesen musste. Da war Deutschland die letzten Bananenrepublik, voller unfreundlicher Menschen, einem zusammengebrochenen Staat, in dem die Ausbeutung regiert und keine Hoffnung mehr herrscht. Die Eigenwahrnehmung vieler Deutscher ist leider so, und da kommt ein Land mit einem rundum positiven Image gerade recht als Projektionsfläche.

nysn

Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon nysn » 24. Februar 2009 12:27

Nun gut, ich muss zugeben, ich war etwas voreilig mit meinen Schlussfolgerungen. Hätte vielleicht schon vorher auf die Idee kommen können und nachschauen, wer dieser Bertold Franke eigentlich ist.

Der ursprüngliche Artikel auf Deutsch wurde in einer Zeitschrift MERKUR im März 2008 veröffentlicht. Das oben genannte Zitat ist ja aus der schwedischen Übersetzung.

Leider habe ich das deutsche Original nicht auf Internet gefunden.

http://www.online-merkur.de/seiten/lp200803b.php

Wäre auf jeden Fall interessant zu sehen, wie der Originalartikel geschrieben ist.

S-nina

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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon Aelve » 24. Februar 2009 12:38

Hallo Hansbaer,

Du vergißt, dass Deutschland tatsächlich eine Bananenrepublik ist wie sie im Buche steht. Meine Erfahrungen sind genau die, dass es in Deutschland nicht mehr wie evtl. früher mal, korrekt und zuverlässig zugeht. Was einen Tag wichtig ist, ist am nächsten Tag schon überholt. Durch laufende Gesetzesänderungen, ohne jegliche Kontrolle, sind die Bürger Deutschlands derart verunsichert worden, dass niemand mehr den Politikern oder Wirtschaftswissenschaftlern Glauben schenken kann.

Mir geht es nicht alleine so, sondern wenn man sich hier mit anderen Personen austauscht, dann erfährt man, dass die meisten Bürger in Deutschland unzufrieden sind. Es kommt auch dadurch, dass sich politisch keiner mehr verantwortlich fühlt, dass Politiker nur kurzfristig denken und nur das durchziehen, was für sie selber persönlich am besten ist. Sie bestimmen über die Köpfe der Bevökerung hinweg. Es ist einfach kein Verantwortungsgefühl mehr vorhanden, denn jeder will nur sein Schäfchen ins Trockene bringen. Das Vertrauen der Bevölkerung in die politischen Entscheidungen ist fast auf Null gewachsen, da man sich auf gar nichts mehr verlassen kann.

Grüße Aelve
Es ist nicht genug zu wissen, man muss auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muss auch tun.
( Goethe)
http://www.traumhausschweden.de

hansbaer

Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon hansbaer » 24. Februar 2009 13:11

Wenn es nicht so ein fürchterlicher Unsinn wäre, müsste man es eigentlich als Paradebeispiel für das Bullerbü-Syndrom stehen lassen. Aelve, in Neapel liegt der Müll auf der Straße, und du stellst Deutschland hier mit Somalia in eine Reihe - ich fasse es nicht.

Als Bananenrepublik werden Länder bezeichnet, in denen Korruption und Bestechlichkeit bzw. allgemein staatliche Willkür vorherrschen oder denen diese Eigenschaften zugeschrieben werden.


Deutschland ist:
- die viertgrößte Volkswirtschaft weltweit (mit gerade einmal 80 Mio. Einwohnern!)
- Platz 35 im BIP pro Kopf (und da sind "Länder" wie die Isle of Man oder die Kaimaninseln enthalten)
- Platz 14 im Transparency Index und damit eine der niedrigsten Korruptionsraten weltweit
- Platz 13 im Democracy Index und damit eines der demokratischsten Länder weltweit

Ich sage nicht, dass Deutschland perfekt ist - es ist weit entfernt davon. Aber dieses elende Selbstmitleid der Deutschen ist zum K... . Man könnte fast meinen, als wären die Leute hilflos den Vertretern ausgeliefert, die sie selbst gewählt haben.

Aelve, die Deutschen waren noch NIE zufrieden. Wenn die Leute in Deutschland nicht nur jammern, sondern auch mal politisch partizipieren würden, würde das auch alles besser gehen. Gesetze sind nämlich dazu da, verändert zu werden - insbesondere dann, wenn sie nicht gut sind.

Man kann Petitionen einreichen und seinem Abgeordneten seine Ansichten mitteilen. Wenn der sein Job richtig macht, kann man ihn auch erreichen. Meine Wahlkreisabgeordnete macht das jedenfalls, und ich konnte mich schon mit meinen Anliegen an sie wenden.

Gerüchteweise sind Parteien keine exklusiven Clubs, sondern nehmen sogar neue Mitglieder auf. Ich als ehemaliger Aktiver kann dir sagen, dass die um jeden froh sind, der sich beteiligt. Man kann etwas verändern, aber sicher nicht dadurch, dass man sein Leid klagt.

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Sápmi
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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon Sápmi » 24. Februar 2009 13:33

hansbaer hat geschrieben:Aelve, die Deutschen waren noch NIE zufrieden.


3. Person heißt, Du bist selbst nicht Deutscher, oder?
"Keiner, der nur einen Sommer Lapplands Sonne trank, kann anderswo glücklich sein."
(aus A.O. Schwede: Lars Levi Laestadius - Der Lappenprophet)


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