Nochmal Bullerbü-Syndrom

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unbekannt

Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon unbekannt » 27. Juni 2009 21:14

Hallo zusammen,

wer die Faszination, die für Deutsche von Schweden ausgeht, verstehen möchte, sollte http://www.goethe.de/mmo/priv/3526386-STANDARD.pdf über das Bullerbü-Syndrom lesen. Ich habe bisher keine Zusammenfassung gefunden, die treffender und amüsanter geschrieben worden ist. Unter http://www.goethe.de/ins/se/sto/pre/pech/de3129909.htm gibt es noch mehr Beiträge zu der Frage, warum es so viele Deutsche nach Schweden zieht.

Heute war wieder so ein wunderschönes Bullerbü-Wetter. Allerdings haben die Seen noch keine Bullerbü-Bade-Temperatur erreicht. Trotzdem empfehle ich jetzt schon ein Bad. Nach der Überwindung fühlte ich mich wie neugeboren und vor allen Dingen schwedentauglich. Vielleicht bin ich deshalb wieder auf das Thema gekommen. Falls die Links hier bereits schon aufgeführt worden sind, bitte ich um Nachsicht, wenn ich bei dieser Flut von Beiträgen etwas übersehen haben sollte.

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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon vinbär » 28. Juni 2009 06:05

Herzlichen Dank Volker für den Artikel.
Trevlig söndag :)

McGarry14101976
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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon McGarry14101976 » 2. Juli 2009 21:24

Bin der Meinung dass das Bullerbüsyndrom irgendwie eine Art von Weltfremdheit ist.

Natürlich ist die schwedische Landschaft schön. Das wissen wir alle. Dass es in der Arbeit lockerer runtergeht ist auch Faktum. Aber es kann nie alles in einem anderen Land besser sein als sonstwo.

Es wird auch in Schweden nicht alles besser sein als in Deutschland. Vor allem wenn einer das erste Mal fortgehen möchte, und für sein geliebtes Bier dann gleich mal das Doppelte berappt oder?

Nachdem ich oben war, sehe ich Schweden als nettes Urlaubsland an, aber das ich jetzt gleich umziehen würde, nein, es gibt einiges was mich an Österreich total stört, es geht mit Österreich stark bergab, soviel ist bekannt, aber es gibt immer auch noch viele Sachen die sehr gut sind und die man vielleicht dann auch nicht missen möchte. Reines Wasser, dennoch schöne nette Hügeln und man kann immer noch fortgehen ohne wirklich komplett pleite zu gehen. Das die soziale Situation mies ist, die Bildung unter jeder Kritik sind andere Probleme.

Manchmal vermisse ich den Hang zur Realität, ich wandere aus und alles wird besser. Erst danach kommen dann die angeblichen Probleme oder die 'Sehnsucht, zu Hause wars auch nicht soo schlecht. Das sollte man tunlichst vorher wissen. Soviel kann ich zu dem Thema mal sagen.

Und nur die guten Seiten von beiden Ländern dann in einem Land haben zu wollen geht nicht ganz.

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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon janaquinn » 3. Juli 2009 09:13

Nunja, man kann sich drüber streiten ob es mit einem Bullerby-Syndrom zutan hat, wenn sich jemand ein bestimmtes Bier oder einem bestimmten Lebensmittel aus Deutschland kauft, weil er ausgewandert ist. Vielmehr ist es Gewohnheit und auch mit Geschmack. Da ich kein Bier trinke und wenn ich es denn mal koste, für mich alles gleich schmeckt, kann ich dazu nichts sagen.
Ich habe dagegen wirklich ein Problem mit dem Brot oder der Wurst, die mir einfach nicht wirklich schmeckt....da ich Thüringerin bin und wir bekannterweise die beste Wurst der Welt haben :lol: :lol: , bin ich diesbezüglich einfach verwöhnt.
Nach über 2 jahren habe ich aber auch beim schwedischen Brot meines Favoriten gefunden, Spiessbröd z.B., ansonsten kaufen wir auch gerne mal Brot beim Lidl, weil es einfach, besser, schmeckt und man nicht das Gefühl hat nur Watte im Mund zu haben.

Daran kann man, meiner Meinung nach, kein Bullerby-Syndrom festmachen.

Aber du hast in einem Punkt recht, es wird sich nicht alles zum besseren wenden, nur weil eine Landgrenze überschreitet, aber es ist möglich, wenn man hart dran arbeitet, den Blick für die Realtität nicht verliert und immer klar vor Augen hat, was man aufgegeben und gleichzeitig aber gefunden hat.
Jeder hat einen eignen "Wohlfühlfaktor" und jeder definiert ihn anders. Was sich für meine Familie und mich richtig und gut anfühlt, kann für jemand anders schon wieder ein Minuspunkt sein und ein Grund eben nicht auszuwandern oder sich zumindest eine andere Gegend zu suchen.
Wir fühlen uns hier, im Speckgürtel Stockholms, sehr sehr wohl, haben eine Heimat gefunden und würden nicht wieder nach Deutschland zurückkehren. Aber wir fahren gerne mal nach München, zu meiner Schwiegermama, lassen uns bekochen mit bayrischen und estnischen Spezialitäten, gehen gerne in den Biergarten oder stöbern durch die Buchläden....aber genauso gern fliegen wir wieder heim und geniessen die Ruhe in Järna. Im Schnitt sind wir ca. 2,5 Wochen im Jahr in Deutschland, für uns absolut ausreichend.. mehr wollen und brauchen wir nicht.
Andere wollen öfter in Deutschland sein, weil die Familiensitutation einfach eine andere ist, weil die Familie vielleicht über ganz Deutschland verteilt ist und alle besucht werden wollen. Oder weil sie vielleicht die Zeit in Deutschland einfach geniessen, was wiederrum für uns nur bedingt gilt. Wir sind letzte Woche erst aus München zurückgekommen und ich konnte nachts einfach nicht schlafen, weil mich der ständige Autoverkehr auf der Strasse vor unserem Fenster wahnsinnig gemacht hat, sowas kenne ich einfach nicht mehr bzw. hatten wir in Deutschland eigentlich immer sehr ruhige Wohnungen...ausser in der letzen Wohnung, wo der gesamte Zugverkehr von NRW vorbeifuhr....aber daran kann man sich gewöhnen.

Ein Bullerby-Syndrom liegt meines Erachtens nur dann vor, wenn wirklich ein absolut unrealistisches Bild von einem Land hat, egal ob es nun Schweden, Amerika oder welches Land auch immer hat und sich auch von Ausgewanderten nicht erklären lassen will, dass es nunmal Probleme gibt.
Und ja, auch bei mir, kommt in manchen Situationen und nach 21/2 jahren Schweden immer wieder gerne ansatzweise ein Bullerby-Syndrom hoch, wenn ich z.B. meine Kids durch unseren Garten toben sehe und weiss, dass ich ihnen sowas in Deutschland nicht hätte bieten können bzw. nicht in diesem Umfang.
Genau dann, weiss ich, warum und weshalb ich nunmal lieber in Schweden lebe und nicht in Deutschland.

LG JANA
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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon Aelve » 3. Juli 2009 15:02

Hallo,

ich kann es auch nicht als Bullerby Syndrom ausmachen, wenn ich viele Dinge, die mir mehr liegen, in Schweden vorfinde und ich deshalb Schweden auch gut finde. Wir mögen auch gerne die Ruhe, wir mögen nicht, wenn uns der Nachbar ins Fenster gucken kann, wir finden es gut, dass man in Schweden mehr Freiraum hat. Auch dass nicht alles so hektisch in Schweden gehandhabt wird, gefällt uns, obwohl ich selber auch schnell mal hektisch werde. Trotzdem weiß ich und ist mir bewußt und immer bewußt gewesen, dass man in keinem Land der Welt nur alles Gute zusammen hat. Überall gibt es auch Nachteile, die nimmt man ja auch in Kauf, wenn man aber insgesamt das Gefühl hat, dass die Vorteile überwiegen und einen die meisten Sachen besser gefallen. Das eine gute Sache auch schlechte Seiten nach sich zieht, das weiß ich entweder oder ich weiß es nicht. Ich kenne im Grunde niemanden, der glaubt, dass in Schweden alles nur rosarot ist. Ich kenne nur Leute, die arbeitsam sind, die ein wenig Glück suchen für ihre persönliche Situation und die auch die vorhandenen Nachteile mitnehmen.

Grüße Aelve
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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon McGarry14101976 » 4. Juli 2009 08:33

Ok Aelve das hast du gut erklärt, ich unterstelle dir ja sicher auch nichts, und verstehe deinen Standpunkt genau. Du bist nicht der einzige Deutsche der so denkt und sein Land am liebsten gar nicht mehr erwähnt haben will. Es ist echt traurig, wie es mit Deutschland wirklich bergab geht.

nysn

Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon nysn » 6. Juli 2009 12:18

Hier habe ich einen - so finde ich zumindest - sehr guten Artikel gefunden, der die Wirklichkeit in Schweden sehr gut beschreibt - also ganz anderes als Bullerbue: "Schweden ist krank"

http://www.cicero.de/97.php?ress_id=6&item=1283

Der Artikel stammt zwar aus dem Jahre 2006 - duerfte aber heute in der globalen Wirtschaftskrise sicher wieder an Aktualität gewinnen. Viele befuerchten ja auch, dass sich in Schweden die wirtschaftlich kritische Situation fuer eine lange Zeit halten wird - und viel schlimmer als die Krise der 90er-Jahre sein wird.

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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon McGarry14101976 » 6. Juli 2009 12:53

Nina was mich an dem Artikel besonders stört, ist die US-Verherrlichung des Autors, jedesmal wenn man ein Sozialmodell versucht zu kritisieren, wird einfach die USA herangezogen um zu zeigen es geht besser.

Kritik ist erlaubt und durchaus auch richtig, auch Schweden muß hier sicherlich einiges ändern. Aber was haben die USA so gut gemacht? 2 Wochen Urlaub, Krankheit usw wird kaum bezahlt, Arbeitslosigkeit in seltenen Fällen, der Schusswaffengebrauch ist noch viel höher. Aber Hauptsache er konnte sagen, dass 800 Somalis Unternehmen gegründet haben. Welche Unternehmen? Etwa die Sub-Sub-Subfirma einer Dönerbude oder Ähnliches?

Von daher kann ich den Artikel leider nicht als sehr gute Empfehlung weitergeben.

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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon Imrhien » 6. Juli 2009 13:07

Ich finde den Artikel sehr interessant und sehr auch keine USA-Verherrlichung. Im Gegenteil! Wenn in den Staaten, die nun beileibe kein Vorbild sind, etwas besser funktioniert, dann ist das doch interessant und wert genauer angeschaut zu werden.
Welche Läden die Somalis da eröffnet haben, ist doch egal. Sie haben zu einem grösseren Prozentsatz ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Mehr von ihnen fanden Arbeit als in Schweden. Das ist ist entscheident. Dass er die USA als Beispiel nennt, liegt einerseits daran, dass die USA ebenso ein grosses Einwanderungsland ist und andererseist gerne als Vorbild und auch als Abschreckung dient.

Ich finde den Artikel gut. Danke.

Grüsse
Wiebke


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