Nochmal Bullerbü-Syndrom

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Aelve
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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon Aelve » 24. Februar 2009 13:58

Hallo Hansbaer,

warum sitzt Du in Schweden, wenn es Dir in Deutschland so wunderbar gefällt und Du in Deutschland soviel zum Besten verändern könntest?
Ich selber habe Petitionen eingebracht, die Rechte stehen nur auf dem Papier, die eingerichteten Stellen sollen Bürger nur abwimmeln. Ich bekomme seit Jahren den Bericht der Beauftragten für soziale Fragen in Schleswig-Holstein. Aus den Berichten der Beauftragten geht hervor, dass die Beanstandungen an behördlicher Willkür seit Jahren ständig zunehmen, die Bürgerbeauftragte ist dagegen machtlos. Sie kann Ratschläge geben, kann aber gegen die Willkür der Behörden nichts groß ausrichten. Beim Arbeitsamt kannst Du niemanden telefonisch mehr erreichen, es läuft alles über eine zentrale Stelle, weil die Mitarbeiter Angst haben, ihre ungerechten und ungerechtfertigten Bescheide zu vertreten und dem Bürger zu erklären. Mitarbeiter der Behörden werden angehalten, den Bürgern Lügen zu erzählen und sie nicht über ihre Rechte aufzuklären.

Wenn Du so wie ich, erstmal in diese Dinge Einsicht genommen hättest, dann würdest Du mit Sicherheit nicht mehr so locker sein, wie Du jetzt, da Du im sicheren Schweden sitzt, sein kannst.

Grüße Aelve
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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon hansbaer » 24. Februar 2009 14:08

Sápmi hat geschrieben:3. Person heißt, Du bist selbst nicht Deutscher, oder?


Dass ich von "den Deutschen" als Gesamtheit spreche, hat damit wohl gar nichts zu tun. Ich bin Deutscher.

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Sápmi
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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon Sápmi » 24. Februar 2009 14:43

hansbaer hat geschrieben:Dass ich von "den Deutschen" als Gesamtheit spreche, hat damit wohl gar nichts zu tun. Ich bin Deutscher.


Naja, "die Deutschen" heißt "alle", d.h. Du gehörst auch dazu, oder? :wink:
Was mir seit geraumer Zeit immer wieder auffällt, ist die Tatsache, dass es unglaublich viele Deutsche gibt, die irgendwas Negatives über "die Deutschen" oder "typisch Deutsch" sagen, so als ob sie gar nicht dazugehören würden. Wie soll ich als in Deutschland geborene und aufgewachsene Deutsche denn sonst sein außer typisch deutsch? Es gibt hierzulande auch viele Dinge, mit denen ich unzufrieden bin, und es gibt auch einige Verhaltensweisen und Eigenschaften, die sich in Deutschland (aber in anderen Ländern vermutlich auch) bei einer immer größer werdenden Mehrheit der Bevölkerung durchsetzen, wo ich ganz klar sagen muss: So bin ich nicht und will ich nie werden. Aber deshalb bezeichne ich diese Mehrheiten doch nicht als "die Deutschen", da es ja nicht alle sind.

Sorry, bitte nicht falsch verstehen, ich will hier niemanden anpöbeln, aber diese Ausdrucksweise fiel mir gerade mal wieder auf. Hat sich irgendwie schon so eingebürgert, die Sache mit der Benutzung der 3. Person für die eigene Gesellschaftsgruppe.

Der Inhalt des schwedischen Textes würde mich auch interessieren, aber mit meinen Schwedisch-Kenntnissen sieht's eher mau aus. Hab ihn mir aber mal ausgedruckt und gucke ihn mir später in Ruhe an.
Zuletzt geändert von Sápmi am 24. Februar 2009 15:28, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon hansbaer » 24. Februar 2009 15:20

Aelve hat geschrieben:warum sitzt Du in Schweden, wenn es Dir in Deutschland so wunderbar gefällt und Du in Deutschland soviel zum Besten verändern könntest?


Warum nimmst du denn an, ich sei nach Schweden gekommen, weil es mir Deutschland nicht gefallen hat?
Irgendwie scheinen viele zu glauben, die Deutschen in Schweden seien alle aus Frustration geflüchtet.
Meine Motive waren ganz anders gelagert - weder habe ich Deutschland verlassen, weil es dort so schlecht ist, noch bin ich nach Schweden gegangen, weil es hier so toll ist.

Ich selber habe Petitionen eingebracht, die Rechte stehen nur auf dem Papier, die eingerichteten Stellen sollen Bürger nur abwimmeln. Ich bekomme seit Jahren den Bericht der Beauftragten für soziale Fragen in Schleswig-Holstein. Aus den Berichten der Beauftragten geht hervor, dass die Beanstandungen an behördlicher Willkür seit Jahren ständig zunehmen, die Bürgerbeauftragte ist dagegen machtlos. Sie kann Ratschläge geben, kann aber gegen die Willkür der Behörden nichts groß ausrichten. Beim Arbeitsamt kannst Du niemanden telefonisch mehr erreichen, es läuft alles über eine zentrale Stelle, weil die Mitarbeiter Angst haben, ihre ungerechten und ungerechtfertigten Bescheide zu vertreten und dem Bürger zu erklären. Mitarbeiter der Behörden werden angehalten, den Bürgern Lügen zu erzählen und sie nicht über ihre Rechte aufzuklären.


Habe ich behauptet, in Deutschland sei alles im Reinen? Ich beschwere mich auch liebend gerne über die deutsche Politik, den Mangel an brauchbaren Persönlichkeiten und die Ideenlosigkeit. Der soziale Verfall ist ein Problem, und das Bildungswesen immer noch mit schweren Mängeln behaftet.

Der Tenor bei dir ist jedoch, dass es nicht nur schlecht ist gar nicht besser werden kann. Genau diese Einstellung verurteile ich.

Eine Petition kann natürlich abgelehnt werden, aber deswegen ist sie nicht sinnlos. Wir wählen immer noch die Leute, die diese Petitionen lesen, und ein Petitionsausschuss befasst sich mit jeder Petition. Dieser Tage ist es zum Beispiel gelungen, für eine Petition für ein bedingungsloses Grundeinkommen mehr als 50.000 Stimmen zu sammeln https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=1422 - es wird also eine öffentliche Anhörung vor dem Deutschen Bundestag dazu stattfinden. Die Leute nehmen meist gar nicht wahr, wie so ein Gesetz entsteht und wieviele Kräfte dabei mitwirken. Da werden nicht nur von oben irgendwelche Anweisungen nach unten diktiert. Ich habe mir dieser Tage die Drucksache zum neuen Personalausweis durchgesehen. Der Gesetzesentwurf wurde in zahlreichen Punkten verändert und hat hierdurch Änderungswünsche von vielen Seiten berücksichtigt. Beispielsweise hat der Bundesrat vorgeschlagen, man möge alte Menschen über 75 nicht mehr dazu zwingen, ihren Ausweis zu verlängern. Eine sinnvolle Sache, und ich glaube, dem wurde auch stattgegeben. Das alles hat wenig mit Willkür zu tun, sondern es ist das Austarieren der einzelnen Kräfte. Manche nennen es Demokratie.

Die zunehmende Anzahl von Beschwerden ist übrigens noch lange kein Beweis dafür, dass wirklich mehr Behördenwillkür passiert. Jahrelang hat das damalige Arbeitsamt die Arbeitslosigkeit verwaltet. Jetzt, da die Beamten dort mehr Entscheidungen selbst treffen müssen, ist natürlich auch die Gefahr größer, dass die Betroffenen sich dabei ungerecht behandelt fühlen.
Eine Anklage ist noch kein Urteil...

Wenn Du so wie ich, erstmal in diese Dinge Einsicht genommen hättest, dann würdest Du mit Sicherheit nicht mehr so locker sein, wie Du jetzt, da Du im sicheren Schweden sitzt, sein kannst.


Schweden ist also viel besser?
Was ist denn mit dem Fall, dass ein 17-jähriges Mädchen nach Kroatien abgeschoben werden soll, obwohl der Vater ihr mit dem Tod gedroht hat, falls sie zurückkäme? Oder dass die Polizeihochschule sich selbst angezeigt hat, als herauskam, dass sie Polizeischüler mit Migrationshintergrund diskriminiert haben solle?
Schweden ist im Grunde viel mehr gefährdet für Behördenwillkür, denn die Behörden sind unabhängig und ihre Beschlüsse kann man nur vor Gericht anfechten - nichtmal die Regierung kann einschreiten. Deutschland wie Schweden sind Rechtsstaaten, in denen man garantierte Rechte hat und sie einklagen kann.

Im Übrigen ist Politikverdrossenheit kein rein deutsches Phänomen. Die Sozialdemokraten haben in Schweden in den letzten 20 Jahren rund die Hälfte ihrere Mitglieder verloren. Die Wahlbeteiligung ist auch schon seit langer Zeit rückläufig.
Der Unterschied ist, dass man in Deutschland so etwas gleich zu einem Totalversagen des Staates macht. Irgendwie scheint man das eigene Land nur dann mit anderen vergleichen zu wollen, wenn man Missstände sieht. Dass wir immer noch eine echte Hausnummer sind, auf die andere Länder insgeheim auch neidisch sind, vergisst man dabei allzu gerne.

@Sápmi: vollkommen richtig. Die ganze Sache ist aber so symptomatisch für die deutsche Mentalität (und auch passend zu dem Thema des Threads), dass ich mich berufen fühlte, dies in der Art zu verallgemeinern. Im Übrigen muss ich mich auch ein bisschen mit einschließen - auch ich kann mich mit großem Eifer über Deutschland beschweren :-)

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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon Aelve » 24. Februar 2009 15:44

Lieber Hansbaer,

ich bin schon ein paar Jahre älter als Du. Ich habe an vielen Stellen versucht, Verbesserungen zu erreichen, besonders im Bildungswesen und dort für benachteiligte Schüler. Denn meine Meinung ist, dass jedes Kind, welches nicht die Chancen erhält, die ihm zustehen, zum Versager werden kann. Und jedes Kind, welches nicht seinen Möglichkeiten gemäß gefördert wird, ist für mich ein Kind zuviel. Gerade Deutschland benötigt gute Fachkräfte, gutes know how, denn Deutschland hat ja nicht viel anderes anzubieten als Wissen und Können, was jahrelang Deutschland ausgezeichnet hat.
Ich bin der Meinung, dass in den letzten Jahren hier sträfliche Vernachlässigung an der Tagesordnung war, das bisherige gute know how auch weiterhin zur Verfügung zu stellen. Deutschland gibt erheblich weniger für Bildung aus als andere Länder, kann es sich das leisten? Und warum muß es erst dazu kommen, dass Kinder so vernachlässigt werden, dass daraus ein volkswirtschaftliches Problem wird?
Ich kann mit der Familienpolitik sowie Bildungspolitik Deutschlands nicht mehr konform gehen. Und jeden Tag zu sehen, welche Auswüchse die eilends herbeigeführten Gesetze nehmen, nein das geht mir an die Substanz. Jedes System ist irgendwann am Ende, ich befürchte dieses für Deutschland, wenn das Rumgeeiere so weiter geht.
Wenn Du meinst, dass es hier etwas zum Positiven zu ändern geht, dann bist Du herzlich eingeladen, dazu beizutragen. Ich habe wie gesagt, im Bereich Bildung feststellen müssen, dass die Strukturen zu verkrustet sind, dass keine Bereitschaft besteht, ein für viele Kinder gerechtes System zu schaffen. Stattdessen stelle ich immer wieder fest, dass einige es geschafft haben, sich als besser oder hochwertiger anzusehen als sie anderen Bevölkerungsschichten zugestehen. Das soziale Gefüge stimmt meines Erachtens nicht mehr. Schweden hat es irgendwie besser geschafft, allen arbeitenden Leuten einen guten mittleren Lebensstandard zu bieten, nicht so extreme Unterschiede wie es in Deutschland gang und gäbe ist.

Grüße Aelve
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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon hansbaer » 24. Februar 2009 15:57

Aelve hat geschrieben:Ich bin der Meinung, dass in den letzten Jahren hier sträfliche Vernachlässigung an der Tagesordnung war, das bisherige gute know how auch weiterhin zur Verfügung zu stellen. Deutschland gibt erheblich weniger für Bildung aus als andere Länder, kann es sich das leisten? Und warum muß es erst dazu kommen, dass Kinder so vernachlässigt werden, dass daraus ein volkswirtschaftliches Problem wird?


In den letzten Jahren ist hierbei noch eine Untertreibung. Das deutsche Schulsystem kommt in seinen Grundzügen noch aus der Kaiserzeit.
Dass Deutschland erheblich weniger für Bildung ausgibt, stimmt in meiner Erinnerung nicht - zu Zeiten der PISA-Diskussion hieß es immer, man gebe mit am meisten pro Schüler aus, und für das Geld bekomme man ziemlich wenig.

Allerdings sollte man hier auch nicht den Teufel an die Wand malen. Seit der PISA-Diskussion hat sich schon etwas getan. In der letzten Studie lag Sachsen auf einem Spitzenniveau.
Ich hoffe, du willst nicht Schweden als leuchtendes Gegenbeispiel bringen. Zwar bin ich als Sozialdemokrat ein großer Freund der Gesamt- und Ganztagsschule, aber der Erfolg des schwedischen Bildungssystems ist so überragend nicht. Bei der letzten PISA-Studie war Schweden gerade noch so Mittelmaß. Finnland ist das große Vorbild - nur frage ich mich da, wo genau der Unterschied zum schwedischen System liegt.

Ich kann mit der Familienpolitik sowie Bildungspolitik Deutschlands nicht mehr konform gehen. Und jeden Tag zu sehen, welche Auswüchse die eilends herbeigeführten Gesetze nehmen, nein das geht mir an die Substanz. Jedes System ist irgendwann am Ende, ich befürchte dieses für Deutschland, wenn das Rumgeeiere so weiter geht.


Die Familienpolitik der letzten Jahre würde ich als ausgesprochen positiv bewerten. Was die Frau von der Leyen da auf die Beine gestellt hat, ist beachtlich - ich hätte es ihr nicht zugetraut, schon gar nicht, weil sie von der Union kommt. Die Elternzeit und der Ausbau von Kindergartenplätzen sind jedenfalls sehr zu begrüßen.

Verkrustung ist jedenfalls ein gutes Stichwort. Die deutsche Politik ist leider träge. Die dynamische Rente hat Adenauer eingeführt, und obwohl man schon seit 30 Jahren weiß, dass das keine gute Idee ist, hat man sie immer noch. Das heißt aber noch lange nicht, dass alles in Stein gemeißelt ist.

nysn

Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon nysn » 24. Februar 2009 16:10

Im Übrigen ist Politikverdrossenheit kein rein deutsches Phänomen. Die Sozialdemokraten haben in Schweden in den letzten 20 Jahren rund die Hälfte ihrere Mitglieder verloren. Die Wahlbeteiligung ist auch schon seit langer Zeit rückläufig.


... in Schweden würde ich sogar sagen, dass die Leute mittlerweile nur noch die Partei wählen, die kurz vor den Wahlen die besten Versprechungen macht.

z. B. Meine Generation ist in Schweden wie auch in Deutschland eine sehr große Gruppe. Die meisten haben in den letzten 15 Jahren ihren Nachwuchs bekommen. Vor Göran Persson waren Kindergärtenplätze (Dagis) in Schweden sehr teuer (abhängig vom Bruttoeinkommen). Kurz vor den Wahlen kam der Vorschlag, die Gebühren zu deckeln (max. taxa) - somit bekamen viele Leute aus meiner Generation ein richtiges Steuergeschenk - bei uns waren das ca. 2.000 SEK netto mehr - einfach so. Viele, die vorher vielleicht "blau" gewählt hatten, haben damals "rot" gewählt ...

Inzwischen sind die meisten meiner "Generationsgruppe" auch Hauseigentümer geworden - bei der letzten Wahl hatten die bürgerlichen Parteien dann versprochen, die Immobiliensteuer (fastighetsskatt) würde abgeschafft ...

Wer hat gewonnen?

So, das war nun vielleicht etwas "off topic".

Im Großen und Ganzen stimme ich hansbaer zu.

Ich bewundere auch seine Sachkenntnis und bin schon sehr beeindruckt!

S-nina

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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon Aelve » 24. Februar 2009 16:30

Hallo Hansbaer,

leider habe ich gerade in Schleswig-Holstein mit den Sozialdemokraten sehr schlechte Erfahrungen sammeln müssen, deshalb sind wir beide schon in der Wahl der Partei gegensätzlich. Gerade die Schulpolitik unter der Bildungsministerin Ute Erdsiek Rave ist eine reine Katastrophe. Insofern stimmt es, dass mit Harry Carstensen schon eine leichte Verbesserung eingetreten ist, die für uns allerdings zu spät kam, denn wir mußten unter der Gesamtschul-Situation leiden, dass nämlich nur die Gesamtschulen hofiert wurden und dort Geld reingepumpt wurde. Ich habe an vielen Foren teilgenommen, wo die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis diese geförderten Schulen als Musterbeispiele präsentierte. Ihr kam es entgegen, dass die Gymnasien unter ihrer Regierung die Schüler nach deren schwache finanziellen Mitteln aussortierte anstatt zu fördern.

Und dass den Sozialdemokraten in Deutschland die Wähler weglaufen, das wundert ja nun wirklich niemanden bei deren Verhalten. Sozial ist für mich anders als das was die SPD vollbracht hat.

Grüße Aelve
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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon hansbaer » 24. Februar 2009 16:36

Aelve hat geschrieben:leider habe ich gerade in Schleswig-Holstein mit den Sozialdemokraten sehr schlechte Erfahrungen sammeln müssen, deshalb sind wir beide schon in der Wahl der Partei gegensätzlich. Gerade die Schulpolitik unter der Bildungsministerin Ute Erdsiek Rave ist eine reine Katastrophe. Insofern stimmt es, dass mit Harry Carstensen schon eine leichte Verbesserung eingetreten ist, die für uns allerdings zu spät kam, denn wir mußten unter der Gesamtschul-Situation leiden, dass nämlich nur die Gesamtschulen hofiert wurden und dort Geld reingepumpt wurde. Ich habe an vielen Foren teilgenommen, wo die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis diese geförderten Schulen als Musterbeispiele präsentierte. Ihr kam es entgegen, dass die Gymnasien unter ihrer Regierung die Schüler nach deren schwache finanziellen Mitteln aussortierte anstatt zu fördern.


Keine Sorge - ich bin nicht parteiblind. Daher lobe ich auch gerne die Frau von der Leyen. Ich hatte es in den letzten Jahren wahrlich nicht einfach mit meiner Partei.
Die bisherigen Gesamtschulmodelle in Deutschland sind nichts halbes und nichts ganzes. Der Übergang zu so einem Modell macht keinen Sinn, wenn man einfach nur drei Schulen in ein Gebäude stopft. Ein guter Ansatz scheint mir zu sein, wenn man erstmal die Grundschule verlängert und die Hauptschule abschafft. Das ist ein Schritt zu einer echten funktionierenden Gesamtschule, in der man den Kindern mehr Zeit gibt, sich zu entwickeln.

@S-Nina: Danke für das Lob!

Versprechungen ziehen immer. Die letzte Wahl haben die Sozis ja nicht wegen erfolgloser Politik verloren. Die Leute hatten einfach keine Lust mehr auf Göran Persson, und da kam Fredrik Reinfeldt mit seinem Punkteplan ganz recht.

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Re: Nochmal Bullerbü-Syndrom

Beitragvon Imrhien » 24. Februar 2009 22:55

S-nina hat geschrieben:Im Großen und Ganzen stimme ich hansbaer zu.

Ich bewundere auch seine Sachkenntnis und bin schon sehr beeindruckt!

S-nina


Dem stimme ich voll und ganz zu. Danke sehr.

Aelve: Wieso gehst Du davon aus, dass alle Deutschen die in Schweden leben Deutschland nicht mögen?
Ich mag Deutschland. Ich habe mich in Deutschland sehr wohl gefühlt. Ich finde Deutschland toll.
Es hat seine Macken, wie jedes andere Land auch. Das heisst nicht, dass ich über seine Macken nicht reden will aber auch nicht, dass ich plötzlich in Schweden nur noch Gold auf der Strasse finde.
Nur weil Du schlechte Erfahrungen gemacht hast kannst Du das nicht verallgemeinern. Andere mögen das Land vielleicht. Du fragtest zwar Hansbaer aber die Frage kam nun schon öfter und ich nehme sie jedes Mal genervt zu Kenntnis. Du (und andere) fragst: Wieso bist Du denn in Schweden wenn Du Deutschland so toll findest? Die Frage ist dreist denn jeder hat seine Gründe und nur weil Du weisst wie es Deiner Meinung nach richtig ist, heisst das nicht, dass es für andere auch so ist.
Daher die gleiche dreiste Gegenfrage: Warum bist Du noch in Deutschland und noch nicht in Schweden wenn Du es in Deutschland so schlecht findest und in Schweden alles so viel besser ist?
Ach? Du hast auch Gründe? Vermutlich sogar. Die hat nämlich jeder und nicht immer heisst das automatisch, dass man unzufrieden war.
Ich betone es: Ich bin nie aus Deutschland weg weil ich unzufrieden war. Höchstens über die Musik von Xaviar Naidoo... :)

Grüße
Wiebke


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