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Hallo Jana,
leider verschweigst du uns die konkreten Probleme mit deiner Wohnung, so dass ich dazu nichts konkretes sagen kann. Der Schwede mag keine detailgenauen Vorschriften, wie Ruhezeiten, am Sonntag darf nicht Rasen gemäht werden, und von 12 bis 15 schon garnicht, Putzwoche und was weiß ich alles. Das sind alles Erfindungen deutscher mikrodetailgenauer Regelungswut. Ich habe fast die Vermutung, dass du den Hebel an der völlig falschen Ecke ansetzt, um was zu bewirken.
Mir ist nur aufgefallen, dass man als gelernter Deutscher es gewohnt ist, übers Ohr gehauen zu werden oder über den Tisch gezogen zu werden. Bei Reklamationen hat man sich dann auch eine entsprechend harte Gangart angewöhnt und nicht selten hat bei mir der Hinweis auf die bestehende Rechtslage Wunder gewirkt.
In Schweden kann man das so nicht machen. Meiner Ansicht nach gibt es noch "den svenska ärligheten". Die meisten Schweden wollen aus einer christlich geprägten Tradition heraus ihre Mitmenschen zufrieden stellen. Kundenzufriedenheit als reines Marketinginstrument wird als viel zu anonym verstanden. Abgesehen davon will man als Mensch und nicht als Kunde oder umgekehrt als Dienstleister behandelt werden. Ich betrachte das allerdings nur aus dem Blickwinkel einer Kleinstadt. In einem Ballungszentrum sieht die Lage sicher wieder anders aus.
Wie gesagt, ist der Schwede konfliktscheuer als der Deutsche, was bis zum Abbruch der Kommunikation führen kann. Es passiert dann überhaupt nichts mehr. Am besten man lässt Probleme nicht als Probleme erscheinen sondern stellt die Frage, ob man da nicht was machen kann. Aber doch nicht per SMS! Hilfsbereit ist der Schwede ja eigentlich. Mit Heiterkeit, einem Lächeln und Freundlichkeit geht hier alles viel viel einfacher. In Deutschland funktioniert das so nicht. Im Gegenteil. Da muss man eine ernste Miene aufziehen, denn manchmal wird Freundlichkeit als Unsicherheit missverstanden, die gerne ausgenutzt wird. Deshalb bin ich in Deutschland als mürrischer, aber fairer Hotelgast, der weiß, was er will, immer bestens gefahren "Ihr sollt mich nicht lieben aber fürchten", sagte schon Nero. Gefallen tut mir diese Unkultur nicht, da sie nur Miesepeter produziert. Die Konsequenzen daraus habe ich ja schon daraus gezogen, denn ich lebe ja nicht mehr in Deutschland "som är mycket tuffare än Sverige".
Also mehr Gelassenheit zeigen. Als Frau den Männern beim sprechen interessiert in die Augen schauen und ab und zu lächeln. Es wird aber nie als Anmache missverstanden. Alles andere wird eher als unfreundlich gesehen.
Der Schwede lässt sich nicht unter Druck setzen und bringt es fertig keine Überstunden zu machen, auch wenn er in Arbeit erstickt. Und wenn man mit einem Schnupfen zur Arbeit erscheint, sieht man das auch nicht gerne, weil man ja seine Kollegen anstecken könnte. Vorgesetzte bringen es fertig, auf die langfristigen, gesundheitlichen Gefahren übermäßigen Arbeitseinsatzes hinzuweisen.
Die Uhren ticken hier einfach langsamer. Viele Probleme lösen sich von selbst. "Det reder sig nog med tiden." Deshalb lebe ich ja hier.
_________________ viele Grüße Volker
"Om något kan gå sönder kommer det att göra det, vid sämst tänkbara tidpunkt." (Murphy´s lag)
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