Nix wie weg aus Deutschland Forum

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janaquinn
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Re: Nix wie weg aus Deutschland Forum

Beitragvon janaquinn » 28. Oktober 2007 09:04

Hej Smultron,
die Konfliktscheuheit der Schweden! Das macht mich wahnsinnig. Ich bin ein Mensch, der sich Problemen stellt und versucht sie zu lösen. Hier bekommt man entweder ein Lächeln, was ja ganz nett ist, aber keine konkreten Lösungsvorschläge für das oder die bestehenden Probleme. Wir versuchen seit einem halben Jahr mit unserem Vermietern eine Lösung für die bestehenden Probleme zu finden, aber nix passiert. Wenn ich unseren Vermieter direkt anspreche oder eine SMS schicke, antwortet er nicht direkt, sondern schickt erstmal eine PN an meinen Mann, mit einem total sinnlosen Wortlaut, obwohl der garnicht weiss, um was es eigentlich geht, weil er arbeitet. Erst nach mehrmaligen SMS.Kontakt zwischen Christian und meinem Mann, bekomme ich dann eine Antwort, allerdings ohne eine Lösungvorschlag, denn es gibt ja kein Problem.
Mit dieser Sache werde ich mich nicht anfreunden können, denn erst dadurch entstehen aus kleinen Missverständnissen richtige Probleme.

LG JANA
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unbekannt

Re: Nix wie weg aus Deutschland Forum

Beitragvon unbekannt » 28. Oktober 2007 11:12

Hallo Jana,

leider verschweigst du uns die konkreten Probleme mit deiner Wohnung, so dass ich dazu nichts konkretes sagen kann. Der Schwede mag keine detailgenauen Vorschriften, wie Ruhezeiten, am Sonntag darf nicht Rasen gemäht werden, und von 12 bis 15 schon garnicht, Putzwoche und was weiß ich alles. Das sind alles Erfindungen deutscher mikrodetailgenauer Regelungswut. Ich habe fast die Vermutung, dass du den Hebel an der völlig falschen Ecke ansetzt, um was zu bewirken.

Mir ist nur aufgefallen, dass man als gelernter Deutscher es gewohnt ist, übers Ohr gehauen zu werden oder über den Tisch gezogen zu werden. Bei Reklamationen hat man sich dann auch eine entsprechend harte Gangart angewöhnt und nicht selten hat bei mir der Hinweis auf die bestehende Rechtslage Wunder gewirkt.

In Schweden kann man das so nicht machen. Meiner Ansicht nach gibt es noch "den svenska ärligheten". Die meisten Schweden wollen aus einer christlich geprägten Tradition heraus ihre Mitmenschen zufrieden stellen. Kundenzufriedenheit als reines Marketinginstrument wird als viel zu anonym verstanden. Abgesehen davon will man als Mensch und nicht als Kunde oder umgekehrt als Dienstleister behandelt werden. Ich betrachte das allerdings nur aus dem Blickwinkel einer Kleinstadt. In einem Ballungszentrum sieht die Lage sicher wieder anders aus.

Wie gesagt, ist der Schwede konfliktscheuer als der Deutsche, was bis zum Abbruch der Kommunikation führen kann. Es passiert dann überhaupt nichts mehr. Am besten man lässt Probleme nicht als Probleme erscheinen sondern stellt die Frage, ob man da nicht was machen kann. Aber doch nicht per SMS! Hilfsbereit ist der Schwede ja eigentlich. Mit Heiterkeit, einem Lächeln und Freundlichkeit geht hier alles viel viel einfacher. In Deutschland funktioniert das so nicht. Im Gegenteil. Da muss man eine ernste Miene aufziehen, denn manchmal wird Freundlichkeit als Unsicherheit missverstanden, die gerne ausgenutzt wird. Deshalb bin ich in Deutschland als mürrischer, aber fairer Hotelgast, der weiß, was er will, immer bestens gefahren "Ihr sollt mich nicht lieben aber fürchten", sagte schon Nero. Gefallen tut mir diese Unkultur nicht, da sie nur Miesepeter produziert. Die Konsequenzen daraus habe ich ja schon daraus gezogen, denn ich lebe ja nicht mehr in Deutschland "som är mycket tuffare än Sverige".

Also mehr Gelassenheit zeigen. Als Frau den Männern beim sprechen interessiert in die Augen schauen und ab und zu lächeln. Es wird aber nie als Anmache missverstanden. Alles andere wird eher als unfreundlich gesehen.

Der Schwede lässt sich nicht unter Druck setzen und bringt es fertig keine Überstunden zu machen, auch wenn er in Arbeit erstickt. Und wenn man mit einem Schnupfen zur Arbeit erscheint, sieht man das auch nicht gerne, weil man ja seine Kollegen anstecken könnte. Vorgesetzte bringen es fertig, auf die langfristigen, gesundheitlichen Gefahren übermäßigen Arbeitseinsatzes hinzuweisen.

Die Uhren ticken hier einfach langsamer. Viele Probleme lösen sich von selbst. "Det reder sig nog med tiden." Deshalb lebe ich ja hier.

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Re: Nix wie weg aus Deutschland Forum

Beitragvon janaquinn » 28. Oktober 2007 11:17

Hej Volker,
klickst du hier, und du kannst lesen, was wir seit einem halben Jahr TÄGLICH mitmachen!
http://www.schwedentor.de/forum/unzumut ... ,7960.html

Und eines kannst du mir glauben, es ist NICHT schön, ganz im Gegenteil! Es iist zermürbend und frustrierend, wenn deine Kinder abends nicht schlafen können, deine Tochter Angst hat, in ihrem Zimmer zu schlafen und dein Autistischer Sohn, der eh einen Schlafrythmus hat, der praktisch nicht vorhanden ist, ständig geweckt wird.

LG JANA
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Re: Nix wie weg aus Deutschland Forum

Beitragvon unbekannt » 28. Oktober 2007 16:27

Hallo Jana,

das tut mir echt Leid. Unser Nachbar hat auch keine Probleme abends um 22:00 den Rasen zu mähen, natürlich nie ohne seinen Gehörschutz aufzuziehen.

Nehmt das Haus und stellt die leerstehende Wohnung freundlicherweise einer Hardrockband als Übungsraum zur Verfügung. Tit for tat. http://de.wikipedia.org/wiki/Tit_for_tat . Der Rest regelt sich dann schon fast von selbst.

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Re: Nix wie weg aus Deutschland Forum

Beitragvon katrinfischer » 16. Juni 2011 11:35

Hallo liebes Schweden Forum,

ich hab diesen Beitrag bei der Suche in Google gefunden und wollte kurz meine Meinung zum Auswandern schreiben. Nachdem ich jetzt eine 3/4 Jahr mit meinem Mann in Stockholm war bin ich grad für ein paar Wochen wieder in Dtl. um meine Familie zu besuchen. Ich finde das Auswandern an sich hat schon einige interessante Aspekte. Allerdings merke ich auch, dass Deutschland auch sehr schön sein kann, grad wenn man mal einige Zeit nicht da ist.

Wir überlegen derzeit wieder von Stockholm zurück nach Hamburg oder an einen ruhigeren Ort zu ziehen, da wir das Land schon vermissen (ich glaub aber im Sommer halten wir es noch in Schweden aus :D). Wollte dies bloss kurz als meine Meinung schreiben.

Viele Grüße,

Katrin


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