Neues von Wolf, Bär & Co.

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amarok
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Neues von Wolf, Bär & Co.

Beitragvon amarok » 14. Februar 2009 19:50

In den letzten zwei Tagen war ich auf einer "Wolfs-Tagung", die in Berlin von einer namhaften Naturschutzorganisation veranstaltet wurde. Dabei war auch ein Gastreferent vom WWF aus Schweden, um u.a. über das Thema "Wolf in Schweden" zu berichten. Der Biologe Tom Arnbom aus Schweden ist u.a. in der allgemeinen Öffentlichkeit durch folgende Publikationen bekannt geworden:
http://www.mdr.de/tiere/1065166.html
http://www.lernzeit.de/sendung.phtml?detail=627719
http://www.youtube.com/watch?v=Qz7IoxqpGKc

Hier einige Fakten aus Schweden:
- etwa 2.000 Elche werden jährlich von Wölfen gerissen
- etwa 5.000 Elchkälber werden von Bären gerissen
- etwa 10.000 Rehe fallen pro Jahr Luchsen zum opfer
- und dem stehen u.a. ca. 80.000 von Jägern in der Saison geschossene Elche gegenüber

- über 50 % von den getöteten Wölfen in Schweden sind illegal geschossen worden
- etwa 300 große Raubtiere (björn, varg, lodjur, järv) werden jährlich in Schweden illegal gejagt

Die schwedische Wolfspopulation beträgt gegenwärtig 250 Tiere und ist in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. Dies ist u.a. ein Erfolg des konsequenten Schutzprogrammes der letzten Jahrzehnte. Über kurz oder lang wird es in Schweden wohl sog. einzelne Lizenzen für "Schutzjagden" auf Wölfe gegeben. Dies könnte aus bestehenden Rudeln abwandernde (junge) Wölfe und sog. "Problem-Wölfe" betreffen.
Der Wald lebt, er kann atmen und sprechen und erzählt die Sage von der Urmutter allen Lebens. (jakutisch)

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Re: Neues von Wolf, Bär & Co.

Beitragvon Krümel7 » 15. Februar 2009 18:32

Hej amarok,
die Zahlen sprechen ja für sich. Fragt sich nur, ob Sie in Schweden auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden! Das wäre ja eigentlich mal eine große Schlagzeile wert. Da wäre ja mal interessant zu wissen, was die in S lebenden Deutschen zu dem Thema beitragen können.
Grüße Klaudia

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Re: Neues von Wolf, Bär & Co.

Beitragvon amarok » 19. Februar 2009 23:15

Passend zu meinem Eingangspost gibt es folgende aktuelle Meldung des Naturvårdsverket:
Die Bezirksregierungen sollen größere Rechte bekommen, um Einfluss auf die regionalen Raubtierbestände zu nehmen, in dem sie in Abhängigkeit von der Bestandsentwicklung deren Bejagung genehmigen können. Die Einwanderung von neuen Wölfen aus dem Osten soll erleichtert werden, um die Inzucht in der schwedischen Wolfspopulation zu vermindern. Es wird im geringen Umfang Schutzjagden auf "schadenmachende" Wölfe geben.
http://www.naturvardsverket.se/sv/Nedre ... r-rovdjur/
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Re: Neues von Wolf, Bär & Co.

Beitragvon Fanny » 19. Februar 2009 23:29

Kannst du mir vielleicht auch erklären, warum sie in Värmland so scharf drauf sind die Luchse abzuschießen? Ich verstehe das leider nicht.

Ich mag diese Tiere (klar, sind Katzen), auch wenn sie für unsere Katze gefährlich werden könnten.
Was machen sie für Schäden, dass man sie bejagen muss?
Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt. (Albert Schweizer)

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Re: Neues von Wolf, Bär & Co.

Beitragvon amarok » 20. Februar 2009 00:00

Fanny hat geschrieben:Kannst du mir vielleicht auch erklären, warum sie in Värmland so scharf drauf sind die Luchse abzuschießen?

Scharfmacher gibt es überall und ebenso viele Motive. Lies doch mal meinen Eingangsbeitrag, darin könnte ein Motiv für die Jagd auf Luchse zu finden sein.

Der Naturschutzverband, der WWF und der Schwedische Raubtierverband stehen dem aktuellen Vorschlag des Naturvårdsverket vom 18.02.09 zum Raubtiermanagment kritisch gegenüber. Statt zu untersuchen ob eine Jagd auf Raubtiere notwendig ist, wie es beauftragt war, hat das Naturschutzamt untersucht wie eine Verwaltungsjagd erfolgen kann.
http://www.pirab.se/MIMA/standard/getPI ... x=A522380A
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Re: Neues von Wolf, Bär & Co.

Beitragvon Snögubbe » 21. Februar 2009 13:14

Hej Amarok !

Vor einigen Tagen sass ich mit ein paar netten, freundlichen Leuten beim Kaffe zusammen.
Doch dann kam das Gespräch auf die Jagd ...... und mir wurde fast übel.

Obwohl alle vernünftige, liebe Menschen sind - was Tiere anbelangt, sind einige von ihnen Barbaren (in meinen Augen).
Da gibt es keinen Respekt vor der lebenden Kreatur - Tiere werden als Sachen betrachtet, mit denen man tun und lassen kann was man will - Mitleid gibt es (fast) nicht.

Es wurde berichtet von illegal geschossenen Bären, z.B. eines kleinen noch jungen Bärchens, das es gewagt hatte, einen Elch zu verfolgen - aber zu seinem Pech ganz in der Nähe eines Hauses, wo dann der Bewohner flugs zur Flinte griff und ein junges Bärenleben beendete - absolut unnötig, da das Bärchen noch zu klein war, um grossen Schaden anzurichten.

Dann wurde auch über die Wolfsjagd berichtet - über Tricks, wie man verhindert, dass bei illegal geschossenen Wölfen die Spur zurück zum Schützen verfolgt werden kann.
Dass bei dieser Methode der Wolf oft nur verletzt wird und qualvoll verendet, wird hingenommen - scheinbar ohne Mitleid mit der gequälten Kreatur.

Die Menschen hier oben im Norden scheinen grundsätzlich rauher zu sein als anderswo in Schweden.
Sie sehen von Kindesbeinen an die Jagd als die natürlichste Sache der Welt und sind meistens schon als Knirpse mit dabei.
Von daher kann ich von ihnen kein Verständnis für die Rechte der Tiere erwarten.

Als ich vor 10 Jahren hierherkam, hatte ich anfangs noch mit dem einen oder anderen versucht, darüber zu diskutieren, hatte aber nur Unverständnis geerntet.
Und missionieren möchte ich auf keinen Fall - ich verstehe ja in gewisser Weise die Einstellung der Menschen und finde, dass ich ihre Lebensweise respektieren muss - insbesondere als Zugezogener/Auswärtiger.

Dass soviel Hass gegenüber Raubtieren vorhanden ist, hat wohl vielschichtige Ursachen - Profit spielt dabei auch eine grosse Rolle (und die Angst um die Hunde und Kinder natürlich).
Zum Beispiel:
Die Waldbesitzer (insbesondere der schwed. Staat) klagen über die Schäden durch Elche und fordern die schwed. Jagdverbände auf, den Elchbestand zu dezimieren.
Es gibt sicherlich gemässigte Jäger, die 1...2 Elche pro Jahr schiessen, um für die Fleischversorgung der Familie zu sorgen.
Aber es gibt leider auch viele andere, die einfach nur "schiess-geil" sind - und die kommen solchen Aufforderung mit grosser Freude nach und können manchmal garnicht genug davon kriegen.
Und dann gibt es die Profitgeilen, die ausländische Jäger zur Elchjagd einladen - gegen gute Bezahlung natürlich !
Aber nun tauchen plötzlich Wölfe und Bären auf und machen den "menschlichen" Jägern einen Teil von deren Beute streitig.
Da gibts dann ein grosses Geschrei, dass man sich diese lästige Konkurrenz vom Hals schaffen müsse und am besten auf legalem Wege mit behördlicher Zustimmung.
Dagegen protestieren natürlich die Naturschutzverbände - und es wird illegal geschossen.

In den letzten Jahren hatten die mächtigen Jägerverbände einen deutlichen Rückgang der an der Jagd interessierten jungen Leute verzeichnet - aber leider haben sie nun erreicht, dass in Schulen für die Jagd geworben wird und regelrechte Jagdklassen eingerichtet wurden.

Aber es sieht so aus, als ob besonders bei jungen Menschen ein neues Bewusstsein für die Tierwelt ensteht.

Das oben Gesagte ist natürlich meine persönliche Einschätzung - aber gestützt durch viele Medienberichte und Gespräche mit Einheimischen.

Herzliche Grüsse aus Lappland,
Wolfgang

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Re: Neues von Wolf, Bär & Co.

Beitragvon amarok » 21. Februar 2009 17:29

Hej Snögubbe,

vielen Dank für Deinen interessanten und ausführlichen Beitrag. Ich finde darin viele meiner persönlichen Auffassungen wieder. Wald, Naturschutz, das Draußensein, wozu auch das Jagen gehörte, haben bei mir seit meiner Jugend in den 70-er und 80-er Jahren einen wichtigen Stellenwert besessen. In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich aber bzgl. der Jagd hier schrittweise eine m.E. negative Veränderung vollzogen. Du hast ja einige Problem, die es auch in Schweden gibt, in Deinem Beitrag angesprochen. Das Schlimmste daran ist, dass wirtschaftliche Interessen bei der Jagd vieler Orts in den Vordergrund gerückt sind. Das Leben eines Tieres wird in Euro "abgewertet". Mittlerweile habe ich zu diesen Auswüchsen eine sehr kritische und ablehnende Position.
Entscheidend dabei war für mich u.a. die Diskussion zum Thema "Rückkehr des Wolfs nach Deutschland". Wie hat es ein Jäger in einem Interview so treffend formuliert: "Wer den Wolf in Frage stellt, der stellt auch die Jagd in Frage".
Ich habe übrigens auch Informationen, dass die Wilderei von Raubtieren in Schweden z.T. sogar den Status einer inoffiziellen gesellschaftlichen Tollerierung besitzt und teilweise sogar von der Administration gedeckt (gedeckelt) werden soll.

Vänliga hälsingar

Peter
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Re: Neues von Wolf, Bär & Co.

Beitragvon amarok » 28. Februar 2009 18:47

Wolfshasserverbund?

Schweden - Russland??? - Bildzeitung

Kaum zu glauben aber wahr. Geschreibsel der Bildzeitung aus Dresden zu Wolfs-Attacken in Russland wird im schwedischen "Jaktjournalen" veröffentlicht. Das selbe Blatt produzierte in der Vergangenheit im bekannten Stil "Wolfs-Schlagzeilen" über die Lausitzer Wölfe.
http://www.jaktjournalen.se/?avd2=24&av ... 02&id=4264
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Re: Neues von Wolf, Bär & Co.

Beitragvon Krümel7 » 28. Februar 2009 20:07

Hej amarok,
dass es ein Artikel der Bildzeitung mal so weit bringen würde, wär hätte das gedacht :roll:
Aber eigentlich ein Armutszeugnis. Von einem Jagdjournal würde man eigentlich keinen reißerischen Journalismus erwarten. Da ich das schwedische Jagdjournal nicht kenne, kann ich mir jedoch kein weiteres Urteil erlauben.
Grüße Krümel

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Re: Neues von Wolf, Bär & Co.

Beitragvon Sápmi » 28. Februar 2009 22:07

Naja, das ist halt Propaganda. Mit allen Mitteln. :roll:
"Keiner, der nur einen Sommer Lapplands Sonne trank, kann anderswo glücklich sein."
(aus A.O. Schwede: Lars Levi Laestadius - Der Lappenprophet)


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