Neuanfang in Schweden mit Kind u Kegel?

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Neuanfang in Schweden mit Kind u Kegel?

Beitragvon elisabeta » 12. Oktober 2011 14:55

Hallo Ihr Lieben!

Ich lese schon seit mehreren Monaten immer wieder mal im Forum und habe mich heute endlich registriert und möchte mich hier vorstellen und erhoffe mir, dass ich auf diesem Wege neue Denkanstöße, Hilfestellungen bekommen werde.
Wir haben vor bis Herbst 2012 in Schweden angekommen zu sein, dort zu leben und einen Neuanfang zu schaffen.

Wer bin ich / wer sind wir?
Ich, Elisabet, Mitte 30, verheiratet mit einem sehr lieben Ehemann, wir haben 3 Kinder unter 8 Jahren und leben in einer sehr ländlichen Gegend. Durch fehlende Kinderbetreuung ist es für mich derzeit, aber auch in Zukunft unmöglich, eine Arbeitsstelle zu bekommen (trotz abgeschlossener Studien). Wir haben auch keine Verwandten, die uns unterstützen können.

Wir suchen gleichgesinnte Familien, die sich ebenfalls mitten in diesem Prozess befinden und mit denen wir uns austauschen können, über Planung, Durchführung der Auswanderung, Jobsuche, wie geht's den Kindern dabei, etc.
Wir haben vor allem das Problem, dass niemand hier davon erfahren darf, da sich hier alles herumspricht und mein Mann die größten Schwierigkeiten im Beruf bekommen würde. Außerdem können wir nicht mit viel Verständnis von Freunden und Verwandten erwarten. Und das ist für die Psyche schon schwer auszuhalten. Man kommt sich irgendwie wie ein Verräter vor.

Bitte meldet euch bei mir,
ich würde gerne mit jemanden über PN in Kontakt treten.

Tschüß,
Elisabet


P.S. Ich weiß schon, dass es in S nicht alles besser ist als in D, für uns spielen mehrere Gründe eine wichtige Rolle, nach Schweden ziehen zu wollen, die dort objektiv gesehen, erfüllt werden.

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Re: Neuanfang in Schweden mit Kind u Kegel?

Beitragvon janaquinn » 12. Oktober 2011 15:31

Hej Elisabet,
deine/eure Situation ist nicht schön, bescheiden trifft es wohl eher, wenn man sowas liest. Traurig, denn ich kann man an viel Unterstützung erinnern, als wir vor 5 Jahren angefangen haben zu planen usw. Man trifft natürlich teilweise auf Unverständniss, aber sowas? Nein, sowas haben wir nicht erlebt.

Wichtig ist, dass ihr euch im klaren werdet, wo ihr eigentlich genau leben wollt hier in Schweden. Es wurde ja oft genug betont, dass es ländlich natürlich schön ist, aber die Jobs liegen halt in den Städten Stockholm, Malmö, Goteborg ect. Dazu kommen dann natürlich die bedeutend höheren Lebenskosten, Miete ect.
Die Kinderbetreuung in Schweden ist gut ausgebaut, man bekommt zeitnah Plätze, aber ob die Kindergärten und Schulen dann auch eine dementsprechende Qualtität haben, dass steht wieder auf einem anderen Blatt.
Zuerst solltet ihr euch wirklich darüber informieren, welche realistischen Jobchancen ihr im Land wirklich habt: Handwerker, Köche., IT-Leute werden immer gesucht, alle anderen können wirklich Probleme bekommen, es sei denn es sind wirklich Spezialisten. Dazu kommt die Sprache, natürlich gibt es kostenlose Sprachkurse in Schweden, aber auch da stimmt die Qualität nicht immer, also sollte Vorarbeit geleistet werden. Mit 3 Kindern werdet ihr beide arbeiten müssen, damit ihr über die Runden kommt, sonst wird es wahrlich eng, auch dies gilt wieder für die Ballungsräume, wie es auf dem Land aussieht...keine Ahnung, kann nur von Stockholm sprechen.

Das wichtigste überhaupt, lasst euch Zeit, niemand hetzt oder jagt euch, gerade mit Kindern sollte man sich Zeit lassen. Wie stehen die überhaupt zu der Geschichte? Sind sie einverstanden? Meine Kinder waren damals 18 Monate und 6 Jahre alt, als wir nach Schweden kamen. Jetzt sind sie fast 6 und 11 Jahre alt, meine Tochter kennt Deutschland, aber nur als Urlaubsland, sie ist in Schweden aufgewachsen und kennt praktisch nichts anderes als dieses Leben hier.
Suche am besten ein wenig im Forum, es wurden viele viele Fragen bereits mehrfach beantwortet. Sollte es tiefergehende Fragen geben, dann kannst du sie gerne jederzeit stellen und bestimmt wird dir geholfen,
Grüsse JANA
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Re: Neuanfang in Schweden mit Kind u Kegel?

Beitragvon Angelica » 13. Oktober 2011 02:58

Hej Elisabeth,

ich kann Jana nur zustimmen. Wichtig!!!! sind Sprachkenntnisse. Mein Mann und ich leben jetzt seit einem Jahr in Schweden, haben beide einen Job. Wir haben VOR unserer Einwanderung schwedisch gelernt. (Und lernen immer noch) Viel Glück!

Hejdå, Angelica

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Re: Neuanfang in Schweden mit Kind u Kegel?

Beitragvon elisabeta » 13. Oktober 2011 11:01

Hej Jana och Angelica!

Tack för våra svar.

Danke für eure rasche Antwort. Heute traue ich mich auch, etwas mehr von mir preiszugeben.

Wir wollen beide arbeiten, vor allem, da wir hier ziemliche finanzielle Probleme haben, da nur einer arbeiten kann. Dass die Lebenshaltungskosten in S höher sind, weiß ich, aber auch die Gehälter sind ja vermutlich etwas höher. Daher geh ich davon aus, dass sich das etwa die Waage halten wird.

Für uns kommt eigentlich nur der Großraum Uppsala, Stockholm in Frage, da ich schon in vielen Quellen gelesen habe, dass es am Land wirklich deutlicher ländlicher als in D ist, und die z.T. fehlende Infrastruktur problematisch sein kann. Durch die Stoffwechselerkrankung einer unserer Kinder ist es aber z.B. wichtig, dass wir zumindest potentiell ein Krankenhaus in der Nähe haben. Bitte hier keinen Vortrag übers schwedische Gesundheitssystem - da wo wir wohnen, ist das nächste Krankenhaus, wo auch Kinder behandelt werden, 1 Stunde entfernt. Wennst einen Kindernotfall hast, ist es besser, du kannst selber Erste Hilfe, weil für die Ausdehnung von 100 km gibt es nur einen Notarzt.
Außerdem denken wir an die Jobchancen für uns, die in einer Stadt doch deutlich besser einzuschätzen sind. Wir haben auch die "Landmentalität" einfach satt.
Wir würden uns wünschen in Zukunft zumindest hin und wieder einen Babysitter in Anspruch nehmen zu können (Hier unmöglich, weil hier keine jungen Leute wohnen etc.), dh. die Nähe zu einer Stadt, wo z.B. Studenten etc. sind, ist schon wichtig. Mein Mann und ich waren in den letzten sieben Jahren 1 x 2 Tage alleine weg, bzw. 2-3 Mal i konnten wir am Abend essen gehen, weil Bekannte auf die Kids aufgepasst haben. Das ist halt auf Dauer für eine funktionierende Ehe (wobei wir uns wirklich gut verstehen) zu wenig. Nur zur Erklärung warum städtisch schon wichtig ist.

Wir haben Bekannte in der Gegend Uppsala/Stockholm und hoffen, dass wir dadurch Informationen bekommen, wo Jobs vakant sind. Mein Mann hofft, dass er auf der Uni in Uppsala arbeiten kann, das würde fachlich sehr gut passen. Wir knüpfen gerade Kontakte in diese Richtung. Wir sind in zwei Wochen in Uppsala und "schauen uns mal um". Treffen Leute, die wir kennen, die uns ihre Hilfe angeboten haben, schauen uns 2 Schulen an und haben ein inoffizielles Bewerbungsgespräch an der Uni, wobei wir uns aber glaub ich,f nicht viel erhoffen dürfen. Die Schweden sagen ja nicht Nein, sondern vielleicht. Der Kollege hat gemeint, we can discuss it - was wahrscheinlich heisst - da ist nichts zu machen.

Ich würde gerne im Tourismus arbeiten, da ich BWL studiert habe und neben Englisch auch Französisch fließend spreche und natürlich dann hoffentlich schon gutes Schwedisch. Ich bin sehr kommunikativ und würde gerne z.B. als Fremdenführerin oder für eine Airline oder aber auch in der Gastronomie arbeiten. Mir ist schon klar, dass ich ziemlich weit unten anfangen müsste.

Punkt Schwedisch lernen: Natürlich ist mir das klar, dass die Sprach das Um und auf ist. Ich sitze seit ca. 2 Monaten jeden Tag 2-3 Stunden (wenn die Kids in Schule und Kiga sind und abends) und lerne eifrigst. Ich finde, ich kann für diese kurze Zeit mich schon recht gut verständlich machen und verstehe zumindest Geschriebenes recht gut. Ich hoffe, dass ich bis Dezember ausreichende Kenntnisse habe, um mich zumindest einmal auf Schwedisch so bewerben zu können, dass ich auch ein ev. Jobinterview gut überstehen würde.
Ist es eigentlich sinnvoll eine Schwedisch-Prüfung abzulegen, um seine Kenntnisse bestätigen zu lassen?

Wie schon oben geschrieben, haben wir finanzielle Probleme, da unsere Ausgaben monatlich unsere Einnahmen bei weitem übersteigen. Wir haben vor Jahren einen Kredit aufgenommen für den Hausbau, der auf 2 fixe Gehälter ausgelegt war. Dieser ist in unserer heutigen Situation einfach zu hoch gewesen. Auch haben wir 2 schlimme familiäre Schicksalsschläge hinter uns.

Wir wollen unbedingt unser Haus verkaufen und mit dem Erlös den Kredit tilgen und mit dem Rest in Uppsala (Umgebung) ein kleines Haus kaufen. Das sollte sich laut unserer Rechnung ausgehen.
Die Frage ist nur, wie gestaltet man das zeitlich? Ich kann ja schlecht das Haus verkaufen, wenn ich in S noch keinen Job habe. Ich kann aber auch mich schlecht oben bewerben, um dann z.B. in 2-3 Monaten anfangen zu arbeiten, wenn ich das Haus noch nicht verkauft habe und den Kredit weiterhin tilgen muss. Weil so schnell wird das mit dem Hausverkauf nicht gehen. Außerdem kann ich den Hausverkauf auch noch nicht so richtig publik machen, die Gründe habe ich in meinem ersten Statement eh schon geschildert.
Vielleicht hab ich da einen Denkfehler, aber wie macht man sowas richtig? Hat da jemand Erfahrungen?

Unsere Kids sind übrigens dem Ganzen recht aufgeschlossen und bestellen jetzt bei jedem Essen ein Bulle med skinka (ja, ich weiß komische Kombination Milchbrötchen mit Schinken). posting.php?mode=reply&f=8&t=24009# Ich glaube, die würden gut klarkommen. Vor allem die Aussicht auf Schule mit Essen und weniger Hausübungen gefällt ihnen. In den Urlauben in S hat es ihnen immer gut gefallen, vor allem weil sie Schnee lieben und ihnen das Essen schmeckt. Die Erkrankung, (Zöliakie), die meine Tochter hat, ist in Schweden sehr häufig und wie wir auf unseren Reisen erleben durften, ist es dort überhaupt kein Problem damit zu leben. Sie hat es genossen, endlich mal was "Gscheites" essen zu können.

Ich bin für jeden Denkanstoß dankbar, der uns weiterbringt. Bitte uns nicht zu sehr niedermachen, wir sind emotional eh schon ziemlich am Sand und müssen unbedingt etwas verändern.

Liebe Grüße an alle Mitleser,
Elisabet

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Re: Neuanfang in Schweden mit Kind u Kegel?

Beitragvon janaquinn » 13. Oktober 2011 11:48

Hej Elisabeta,
nein, die Gehälter sind im Vergleich zu Deutschland bedeutend geringer, mein Mann verdient für schwedische Verhältnisse sehr gut, aber im Vergleich zu Deutschland wenig für seine derzeitige Position. Trotzdem sind die Gehälter im Grossraum Stockholm über Landesniveau. Die Gehälter sind einfach daraus ausgelegt, dass beide arbeiten und mind.2 gehälter vorhanden sind, bei uns sind es 2.5 gehälter.
Wir haben ebenfalls ein behindertes Kind, leben seit 4 Jahren mit dem schwedischen Gesundheitssystem, in unserer Stadt hat es sich aktuell gebessert, aber vorher wurde ich auch mit diesem Kind im VC telefonisch abgewimmelt, traurige Wahrheit. Allerdings kann ich über unser behandeltes Krankenhaus nur postives berichten, das Karolinska in Huddinge ist top und wir bekommen die Termine in der Neurologie zeitnah. Nur das Rezepterneuern ist manchmal recht nervendaufreibend und klappt nicht immer, aber ich lasse neuerdings alle über Internet und Järna-VC laufen, da geht es schneller und reibungsloser.

Ich lese zwischen deinen Zeilen, nicht böse sein, sehr viel Verklärung des wahren Schwedens, aber so haben viele von uns anfangs gedacht, sind aber schnell in der Realität gelandet.
Einen Babysitter können mein Mann und ich uns bis heute nicht leisten, was aber auch durch die besondere Situation unseres Sohnes kommt, hätten wir nicht meine Schwester in der Nähe, würden wir nicht wegkommen, abends zusammen essen, dass waren wir vor Jahren, ab und an können wir uns mal einen 4h-Trip nach Stockholm, aber selbst das mit schlechtem Gewissen. Aber ich drücke euch die Daumen, dass die Wünsche in Erfüllung gehen.
Nun, der Hausverkauf...irgendwann wird es sowieso rauskommen, dass ihr nach Schweden wollt und realistisch wäre, wenn dein Mann vor der Familie nach Schweden geht und alles regelt. Dazu sollte aber zumindest das Haus schon verkauft sein, dass ihr Eigenkapital für das neue Haus habt, aktuell für Ausländer liegt es wohl bei ca. 25% des Kaufpreises und die Hauspreise im Speckgürtel Stockholm sind utopisch hoch, hier in Järna ist nichts unter 2 Millionen Kronen zu bekommen.
Hier wird auch niemand niedergemacht, aber man schreibt die Wahrheit, auch wenn sie manchmal weh tut, aber die musste bisher jeden schlucken, auch wenn es nicht einfach war.
Ich habe vor 5 Jahren extrem viel Unterstützung in diesem Forum erfahren, aber eben auch die Wahrheit. Die Realität habe ich allerdings erst im Land gelernt. Weniger Hausaufgaben sind klasse, aber bringt es den Kindern auch was?? Selbst die Schweden an sich schimpfen mittlerweile offen über das Schulsystem.

Eine schwierige Situation für euch, aber ihr müsst euch im klaren sein, ob ihr dies alles wollt oder vielleicht erstmal innerhalb von D. umzieht, dass kann manchmal eine bessere Lösung sein als ein kompletter Landeswechsel.

Grüsse JANA
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Re: Neuanfang in Schweden mit Kind u Kegel?

Beitragvon elisabeta » 13. Oktober 2011 16:08

Liebe Jana!

Wieso bist du/ihr nach Schweden gegangen? Welche Gründe haben euch dazu bewegt?
Wurden denn viele deiner Erwartungen nicht erfüllt? Welche schon, welche nicht?
Ist es wirklich nicht gut in Schweden zu leben, wie ich aus deinem Text herauslese (Gesundheitssystem, Schulen, Hauspreise, schlechte Gehälter)? Also doch alles besser in D? Warum leben dann viele D in S?

Wie seid ihr zum ersten Job gekommen, bzw. was arbeitet ihr jetzt?

Wir hätten 2 Mio Kronen zur Verfügung für ein Haus. Das heißt wir würden keinen Kredit mehr aufnehmen. Dieser finanzielle Ballast würde wegfallen. Ein Haus zu mieten ist ws. utopisch, oder?

Das mit den Hausaufgaben habe ich aus Kindersicht gemeint. Die verstehen das besser, als wenn ich ihnen sage, dass die Arbeitswelt für uns vielleicht Perspektiven eröffnet. Ich versuche ihnen damit nur etwas Abstraktes näher zu bringen. Ich schätze mal wie überall auf der Welt gibt es gute und schlechte Schulen in S.

Ein Umzug innerhalb Ö übrigens, haben wir schon oft überlegt, für 200.000 Euro kriegt man in Ö aber leider nichts mehr, dass in der Nähe einer Stadt ist, wo es auch Jobperspektiven gibt. Hatten auch Vorstellungsgespräche etc., leider war aber nie das "Gesamtpaket" so, dass es für uns als Familie eine Verbesserung gebracht hätte. Es ist auch viel Abenteuerlust dabei, den Schritt in ein fremdes Land zu wagen. Natürlich soll es nicht auf Kosten der Kinder gehen, oder uns in den Ruin treiben. Ich versuche wirklich mich möglichst gut darauf vorzubereiten, auch mit Hilfe dieses Forums.

Wir haben übrigens auch schon vor ein paar Monaten mit dem Raphaelswerk Kontakt aufgenommen, die beraten Auswanderungswillige. Die Dame hat uns damals überzeugt, dass wir an unserer jetzigen Situation unbedingt etwas ändern müssen, egal in welche Richtung es geht, weil wir hier beide einfach ziemlich unglücklich sind. Geht es den Eltern gut, geht es den Kindern gut, hat sie damals gesagt. Und ich glaub, da liegt ein bisschen Wahrheit drinnen.

Wir mögen bisher das, was wir an Schweden kennen, obwohl das noch nicht so viel ist. Und das es auch dort nichts geschenkt gibt, ist klar. Ich glaub, es gilt herauszufinden, ob wir mit den Widrigkeiten, die es in Schweden gibt, zurechtkommen oder nicht.

Was hat sich für deine Familie konkret verbessert? Was verschlechtert? Würdest du noch mal nach S gehen?

Vielen Dank für die Zeit, die du dir für meine Postings nimmst.
Liebe Grüße
Elisabet

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Re: Neuanfang in Schweden mit Kind u Kegel?

Beitragvon janaquinn » 13. Oktober 2011 16:54

Hej Elisabeta,
bitte verstehe mich nicht falsch, ich habe nicht geschrieben, dass nicht alles gut in Schweden ist, aber es aber auch nicht alles besser.
Wir sind damals aus verschiedenen Gründen gegangen, nicht aus Frust oder ähnlichem, wir wollten mehr Familienleben haben, was in D. mit einem Partner in der Gastronomie kaum möglich ist, aber auch hier ist es nicht immer einfach, aber immer noch besser. Dazu kam unser behinderter Sohn, weil die Behindertenpolitik in S. doch anders, stellenweise bedeutend besser ist als in D. und auch die Akzeptanz in der Gesellschaft ist besser, obwohl auch dieses gerade am kippen ist, zumindest hier in Stockholm ist es anders geworden.
Unsere Erwartungen wurden erfüllt, aber nur deswegen, weil wir keine grossartigen Erwartungen hatten, nicht lange zumindest. Wir wollten nur in Ruhe leben und ein Familienleben haben, dass haben wir auch.
Alles andere haben wir uns, so wieviele andere auch, hart erarbeitet und kämpfen täglich drum.

Der 1. Job kam schnell, sehr schnell sogar, wenn ich mich recht erinnere, knapp 4 Wochen nach den 1. reelen Gesprächen, hat mein Mann seinen 1. schwedischen Arbeitsvertrag unterschrieben. Ich arbeite seit September 2007 als Persönliche Assistentin für meinen Sohn. Mein Mann ist aus der damaligen Firma raus, arbeitet mittlerweile in gehobener Position, für ca. 50% von dem Gehalt, welches er in D. dafür bekommen würde. Da wir aber besagte 2,5 Gehälter haben, ich auch überdurchschnittliche verdiene, für eine Persönliche Assistentin, können wir uns einen gewissen Lebensstil leisten und geniessen es auch.
Warum soviele Deutsche in Schweden leben? Nun gib die Frage ins Forum weiter, einige sind klassisch ausgewandert, andere wurden durch den Job nach Schweden versetzt und sind hängen geblieben, wieder andere geniessen den Ruhestand hier und andere durch die Liebe zu einem schwedischen Partner. Aber man darf nicht vergessen, dass viele auch wieder nach D. zurückkehren und mit ihrer Entscheidung überglücklich sind und es genauso wenig bereuen wie damals den Schritt nach Schweden.

Das schul-und Gesundheitssystem ist ein Reizthema, weil die Sicht immer eine andere ist, je nachdem welche Erfahrungen man gemacht hat. Bis vor einiger Zeit wurde man in Järna tatsächlich am Telefon des VC abgewimmelt, wenn man wegen eines Kindes mit Fieber angerufen hat, man solle dem Kind Alvedon geben und dann in 2 Tagen nochmal anrufen. Es war Standard, so hat man meist gesagt, das Kind hat bereits 2 Tage Fieber, dann hat man sofort einen Termin bekommen. Mittlerweile ist es nicht mehr so, aber die Erinnerungen sind frisch. Ich kann mich dagegen an Kinderärzte in D. erinnern, wo man einen Termin am gleichen Tag bekommen hat, spätestens am nächsten Morgen.

Der Mietmarkt in Stockholm ist hoffnunglos überlastet, man kann Glück haben und ein Haus finden, welches vermietet wird, aber eher selten langfristig, sondern mittelfristig, weil die Familie ins Ausland geht. Wohnungen sieht es noch schlimmer aus, teuer und schwer zubekommen, vorallem die begehrten Langzeitverträge. Die Kommunen haben teilweise ewig lange Wartelisten für billige kommunale Wohnungen. Ein Sechser im Lotto ist wahrscheinlicher in Stockholm.

"Geht es den Eltern gut, geht es den Kindern gut"...mmmhhh.. ich weiss nicht, ob man sowas so allgemein sagen kann. Ich würde eine solch weitgreifende Entscheidung nicht zu Ungunsten der Kinder austragen, denn auch sie sind betroffen. Sie müssen eine neue Sprache lernen, sie müssen ihre Freunde verlassen und sie müssen an eine vollkommen andere Mentalität gewöhnen. Kinder, auch schwedische Kinder, können sehr sehr grausam sein und wenn man die Sprache nicht versteht und sich nicht wehren kann, dann wird aus Lust schnell Frust und dann sind die Kinder eben nicht mehr glücklich. Auch dies müssen Kinder wissen und sich darauf vorbereiten können. Natürlic gibt es Vorbereitungsklassen für die Kinder, wo sie die Sprache lernen können, aber es wird schwer werden und dies sollten sie wissen. Nicht böse sein, wenn ich schonungslos offen bin, hat nichts mit Frust zu tun, wir sind glücklich hier und JA wir würden wieder nach Schweden gehen, aber nur deswegen, weil wir einfach so verflixt viel Glück hatten und Unterstützung, zudem eine geöffnete Tür nach Deutschland.

" Ich glaub, es gilt herauszufinden, ob wir mit den Widrigkeiten, die es in Schweden gibt, zurechtkommen oder nicht" siehe meinen Absatz zu den Kindern, mit dem Beispiel, dass die Kinder komplett integriert sind, glücklich in Schule und Freundeskreis, aber ihr, als Eltern, Paar und Arbeitnehmer, euren Platz nicht findet und zurück nach Ö. geht. Dann werden die Kids ein weiteres mal aus allem liebgewonnenen rausgerissen und müssen bei Null anfangen. Schäden an der Seele dürften vorprogrammiert sein. Ich versuche es aus der Sicht meiner Kinder, gerade meiner Tochter zu sehen, die nichts über das Leben in D. weiss, und die ihr bekanntes und vertrautes Leben in Schweden aufgeben müsste. Sie würde es nicht verkraften.

So, ich muss mal wieder in den Alltag abtauchen.
Lasst euch meine Worte mal durch den Kopf gehen.

Grüsse JANA
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Re: Neuanfang in Schweden mit Kind u Kegel?

Beitragvon Synne » 13. Oktober 2011 17:26

hej Elisabet

Jana hat ja schon ausführliche und sehr gute (wie ich finde) Tipps und Überlegungen geschrieben, denen ich mich anschließen kann.

Vielleicht könnte es hilfreich sein, in diesem sehr guten Link zu stöbern:

http://inschweden.se/

ferner die Arbeitsvermittlung/Pool für Jobsuche (auch auf Englisch umschaltbar):

http://www.arbetsformedlingen.se/platsbanken

Eindrücke und Übersicht über alle Immobilien und deren Preise in Schweden kannst du hier sammeln:

http://www.hemnet.se/


Ich bin sicher, wenn du Fragen oder Übrsetzungswünsche hast, helfen dir alle gerne!!

Ich wünsche euch viel Kraft und Mut!!

(Bei mir ist alles umgekehrt, mich hat die Liebe nach D geführt ;) )

hälsningar, Synne

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Re: Neuanfang in Schweden mit Kind u Kegel?

Beitragvon Imrhien » 13. Oktober 2011 19:43

Hej,

ich will schon den ganzen Tag schreiben, schaffs aber nie, wegen der Arbeit und der Kinder.
Erst mal: Jana hat schon viele wichtige Dinge angesprochen und vieles davon stimmt und würde ich unterschreiben.

Aber mal ganz kurz :smt064 Was ist denn mit Dir los Jana? Du hast im Grunde recht, aber eigentlich klingt das doch alles recht vernünftig und überlegt. Auch der Zeitrahmen stimmt. Wir hatten schon andere hier :) Und Ihr hattet damals, wie wir auch, ebenso Euer Bullerbü Bild im Kopf, oder? Trotzdem hast Du natürlich recht wenn Du all die Dinge ansprichst und sagst wie es hier eben so ist. :) Klingst nur gerade weniger positiv als sonst, was los bei Euch? Sollte vielleicht ne PN schreiben...

Also, wir sind vor 4 Jahren her. Mit einem Job. Und damals 2 Kindern. In der Zwischenzeit haben wir viel schwedisch gelernt, ich habe mittlerweile 3 Arbeitgeber und nun seit einem Jahr auch 3 Kinder. Ich würde sagen, wir sind integriert und haben so von fast allem was erlebt, was man so tagtäglich eben braucht und macht.
Kindergarten, Schule, Krankheit, Arbeit, Stellenwechsel... das ûbliche :)
Ihr plant ja schon zu zweit zu arbeiten, was es Euch wirklich leichter macht. Denn die Gehälter sind hier tatsächlich meist niedriger. Wobei das auch stark von der Branche abhängt. Handwerker bekommen recht gut Gehalt. Lehrer eher schlecht. Ich bekomme ähnlich wie damals in Deutschland, was man aber nicht vergleichen kann... ich arbeite berufsfremd. Und eben an verschiedenen Stellen.
Was macht Dein Mann? Vielleicht gibt es da ja interessante Stellen? Er programmiert nicht zufällig? Je nach Branche könnte ich Euch noch das Västmanland, also Västerås ans Herz legen. Das ist recht nah noch an Uppsala und Stockholm, liegt aber eben nicht mehr im Speckgürtel. Und es gibt viele Arbeitgeber. Hängt natürlich wirklich von der Branche ab. Man wohnt recht ländlich, ist aber doch nah an der Stadt, mit Krankenhaus und so.
Vom Gesundheitssystem bin ich echt sehr enttäuscht und ich würde manches dafür geben, dass wir hier mal einen guten Arzt haben. Sicher gibt es die. Ich habe den leider noch nicht getroffen. Das fand ich in Deutschland leichter und dort war ich gar nicht so wählerisch. Aber hier wurde ich bisher nur mässig bis gar nicht beraten. Zum Glück haben wir auch nie was ernstes gehabt. ABer es war teilweise sogar recht gefühlskalt... Naja, ist Geschmackssache und bisher möchte ich deswegen auch nicht weg.
Schule: Sie hat Vor- und Nachteile. Obwohl ich echt unsicher und besorgt bin, dass meine Kinder am Ende eine schlechtere Ausbildung haben, bin ich doch froh, dass sie erst mal hier zur Schule gehen. Vom Vergleich bei Freunden in Deutschland sehe ich, dass es hier deutlich leichter ist. Also, entspannter. Weniger Hausaufgaben sind halt schon nett, wenn man dann nicht jeden Mittag Krieg daheim hat. Wie gesagt, ich bin auch besorgt, dass es dann am Ende nicht reicht. Aber da weiss ich nicht ob da nur die Deutsche rausspricht, die es eben nicht anders kennt. Oder ob das objektiv wirklich schlechter ist. Manches ist hier wirklich nicht so gut. Gerade, dass die Kinder so wenig gefordert werden. Körperliche Teilnahme ist schon duktig. Naja, wir werden es sehen und wir versuchen eben viel daheim auszugleichen und zu fördern/fordern. Bisher sehe ich aber, dass es Spass macht und das Lernen daher auch noch spielerisch und leicht funktioniert. Das ist gut.

Babysitter: Gibt es. Wir haben einen und das ging über den Kindergarten. In der Zwischenzeit hätte ich noch 3 weitere haben können. Und es gibt sowas wie Kleinanzeigen, wo man das suchen kann. grannar.se
Die sind recht teuer, meist jedenfalls. Und da kann man dann nicht soooo viel machen. Aber ab und an mal abends zu zweit aus gehen, das geht schon noch. Wir haben recht häufig Personalfeste, und da mein Mann und ich den gleichen Arbeitgeber haben, bietet sich das auch immer an um mal rauszukommen. Ende des Monats machen wir für die Kollegen ein Oktoberfest. Wir haben schon fleissig eingekauft und freuen uns alle drauf.

Mehr fällt mir nicht ein, war ja auch schon ein Roman :)

Bis dann und liebe Grüsse
Wiebke

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Re: Neuanfang in Schweden mit Kind u Kegel?

Beitragvon janaquinn » 14. Oktober 2011 06:22

Ich möchte mich entschuldigen, wenn ich mich allzu negativ angehört habe :oops: .
Elisbeta, ich wünsche Dir und Deiner Familie viel Glück bei den Planungen und der Ausführung eurer Auswanderung, es wird schon alles schief gehen:-)

Grüsse JANA
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