Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

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Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon tjejen » 17. Juni 2014 08:40

Andreas85 hat geschrieben:Hi tjejen,

hast du dazu zufällig ein Aktenzeichen oder so? Ich könnte in absehbarer Zeit ein ähnliches Problem haben, da kann ein Präzedenzfall nicht schaden :-)

Bin vor einiger Zeit umgezogen und weiss grad nicht wo die Papiere sind... Hast du den Antrag schon eingeschickt?

Kann mich aber daran erinnern, das MV der Meinung ist man seie "tillfällig" im Land (gilt für alle Studenten samt Doktoranden) und ein Teil meiner Argumentation beinhaltete warum es für mich nicht nur vorübergehend ist. Zum Hemvist gibt es keine richtigen Gesetzgebung sondern eine Praxis.
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tjejen
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Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon tjejen » 17. Juni 2014 08:55

Volker hat geschrieben:Das ist schon komisch. Das permanente Aufenthaltsrecht bekommt man nur, wenn man mindestens 5 Jahre lang legal im Land gelebt hat. Und dies ist auch eine der Voraussetzungen für die schwedische Staatsbürgerschaft. Die Abteilung für Einbürgerung hat also im Grunde das permanente Aufenthaltsrecht in Frage gestellt. Ich hatte schon immer den Verdacht, dass das permanente Aufenthaltsrecht von den Behörden angefochten werden würde, wenn es wirklich hart auf hart kommt, weil man zum Beispiel auf Grund einer schweren Krankheit zum Sozialfall wird. Die schwedische Staatsbürgerschaft ist hingegen nicht anfechtbar, selbt wenn sie durch Falschauskünfte erschlichen worden ist.

Korrekt, PUR wird benötigt um Statsbürger zu werden :) PUR ist aber nicht das gleiche wie "viss tid i Sverige" (hemvist), auch wenn die zugrundeliegende Zeit in den meisten Fällen (soll heissen Arbeitnehmer, eigene Mittel) gleich ist.

Mir wurde also nicht PUR streitig gemacht, sondern der hemvist.

MV schreibt auf seiner Seite:
"All tid räknas inte - Om du har haft tillfälligt uppehållstillstånd för bosättning i Sverige, till exempel uppehållstillstånd för besök, gäststudier eller au-pair, räknas inte den tiden som hemvisttid. Så kan det också vara om du arbetar på ett annat lands ambassad eller konsulat i Sverige."

Freddy hat geschrieben:Im Zuge des Verfahrens bekam ich im Januar ein Brief in dem Stand, dass ich für die Staatsbürgerschaft auch den permanent uppehållstillstånd (PUT) benötige und um diesen bislang nicht ersucht habe.

PUT oder PUR? PUR = EU/EES-medborgare, PUT=övriga

EuraGerhard hat geschrieben:beim Migrationsverket weiß offenbar des öfteren die eine Hand nicht, was die andere tut. Tatsache ist, dass ein EU-Bürger, der in Schweden studiert, arbeitet oder sich aus eigenen Mitteln versorgt, ganz automatisch ein Aufenthaltsrecht hat. Und wenn er fünf Jahre ununterbrochen in Schweden gewohnt hat und in dieser Zeit Aufenthaltsrecht hatte, so geht dieses vorübergehende Aufenthaltsrecht ganz automatisch in ein unbefristetes Aufenthaltsrecht über!

Aufenthaltsrecht ja, dies streitet keiner ab, nicht mal das MV. (Aber beantragen/registrieren muss man es eben). Und so haben sie halt den kleinen Haken mit dem hemvist eingebaut. Ein Aufenhaltsrecht bedeutet nicht per Automatik dass man ein RECHT auf die Statsbürgerschaft hat.

Das "Problem" beim MV ist dass sie in ihrer Handhabe sehr "deutsch" sind. Alles wird nach Regelungen (entw. Gesetz oder eben Praxis) entschieden, der Handläggare hat im Prinzip keine Entscheidungsfreiheit sondern guckt nur ob alles ordnungsgemäss ist.

Ich hatte beim Einklagen des Beschlusses Hilfe von einer meiner besten Freundinnen, die selber dort arbeitet und daher die Gesetzgebung gut kennt. Zusammen mit ihrem Wissen und meiner (vereinfacht) "Ich bin nicht hierhergekommen um zu studieren, sondern habe hier studiert um hierherzukommen"- Argumentation haben wir den Migrationsdomstol überzeugen können.
Gnäll suger, handling duger.

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Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon unbekannt » 17. Juni 2014 10:08

Das ist hochinteressant. PUR ist, wenn ich mich recht entsinne, EU-Recht. Nach welchen Regeln die Staatsbürgerschaft vergeben wird, ist jedoch unberührt vom EU-Recht weiterhin nur eine Angelegenheit des jeweiligen Staates. So kann ich mir jetzt erklären, dass "hemvist" anders definiert wird.

Bei uns war es umgekehrt. Die Abteilung für Einwanderung war der Auffassung, dass wir für die Einbügerung schon lange genug in Schweden leben, während die Abteilung für das Aufenthaltsrecht dies anders sah.

Die Zeiten haben sich auch geändert. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass wir damals einfach so in die Steuerbehörde reinspaziert sind und ohne Vorlage von Einkommensnachweisen, Vermögensnachweisen oder Arbeitsverträgen unsere personnummern bekommen haben, die dann ein paar Tage später in unserem schwedischen Briefkasten waren. Gleich dabei war die Bestätigung des landsting, dass wir krankenversichert sind. Es waren richtige personnummern, keine samordningsnummern. Wir hatten nur unsere deutschen Pässe vorgelegt und unsere schwedische Adresse angegeben. Die Sache war in 5 Minuten erledigt. Beeindruckt war ich noch von dem bequemen Sofa in der kuscheligen Warteecke. Von deutschen Steuerbehörden war ich nur harte Holzstühle für die Untertanen gewohnt.

Es ist verständlich, dass durch die vielen neuen wirtschaftlich schwachen EU-Mitgliedstaaten die Regelungen einfach strenger ausgelegt werden. Auf der anderen Seite kann ich vor diesem Hintergrund nicht ganz verstehen, dass anerkannte Flüchtlinge aus Syrien eine permanente Aufenthaltsgenehmigung bekommen ( http://www.migrationsverket.se/Om-Migra ... stand.html ). Vorher war die Aufenthaltsgenehmigung für diese Gruppe immer auf drei Jahre befristet und wird natürlich verlängert, so lange der Konflikt in Syrien andauert. Dabei ist es immer Auslegungssache, ab wann die Sicherheitslage in Syrien als ausreichend für eine Rückreise angesehen wird.

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Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon EuraGerhard » 17. Juni 2014 10:28

tjejen hat geschrieben:Das "Problem" beim MV ist dass sie in ihrer Handhabe sehr "deutsch" sind. Alles wird nach Regelungen (entw. Gesetz oder eben Praxis) entschieden, der Handläggare hat im Prinzip keine Entscheidungsfreiheit sondern guckt nur ob alles ordnungsgemäss ist.

Aber gerade in Deinem Fall scheint das ja wohl nicht so gelaufen zu sein. Deswegen wurde ja auch das MV vom Migrationsdomstol zurechtgepfiffen.

Hemvist bedeutet ja, wenn ich das richtig verstehe, dass man eben die verlangte Zeit tatsächlich in Schweden gewohnt hat, und zwar legal. EU-Bürger, die die Voraussetzungen für das Uppehållsrätt erfüllen, und dazu zählen auch Studenten, wohnen aber automatisch legal in Schweden, und zwar vom Tag des Einzugs an. Hat Dir denn das MV unterstellt, dass Du während der Studienzeit oder danach Schweden wieder verlassen hättest?

MfG
Gerhard

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Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon tjejen » 17. Juni 2014 11:18

EuraGerhard hat geschrieben:Aber gerade in Deinem Fall scheint das ja wohl nicht so gelaufen zu sein. Deswegen wurde ja auch das MV vom Migrationsdomstol zurechtgepfiffen.

Hemvist bedeutet ja, wenn ich das richtig verstehe, dass man eben die verlangte Zeit tatsächlich in Schweden gewohnt hat, und zwar legal. EU-Bürger, die die Voraussetzungen für das Uppehållsrätt erfüllen, und dazu zählen auch Studenten, wohnen aber automatisch legal in Schweden, und zwar vom Tag des Einzugs an. Hat Dir denn das MV unterstellt, dass Du während der Studienzeit oder danach Schweden wieder verlassen hättest?


Hemvist ist eine Praxisregelung. Das heisst irgendwann einmal hat ein Domstol ein Urteil gefällt dass nun als Praxis auf ähnliche Fälle angewandt wird. Deshalb konnte es eingeklagt werden, weil es eben nicht rgesetzlich geregelt ist.

Das MV hat mir gar nichts unterstellt sondern war der Meinung das mein hemvist erst mit dem Tag der Anerkennung des PUR beginnt (wie es ein Regeringsbeslut 1981 mal ohne Begründung für einen indischen Statsbürger festlegte).

So, hab jetzt mal ein wenig gesucht und den Beschluss gefunden. Den wichtigen Teil als Bildanhang:
Dateianhänge
2014-06-17 11.52.20b.jpg
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EuraGerhard
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Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon EuraGerhard » 17. Juni 2014 12:31

tjejen hat geschrieben:Das MV hat mir gar nichts unterstellt sondern war der Meinung das mein hemvist erst mit dem Tag der Anerkennung des PUR beginnt (wie es ein Regeringsbeslut 1981 mal ohne Begründung für einen indischen Statsbürger festlegte).

Dann liegt da vermutlich der Hase im Pfeffer: Denn erstens gab es 1981 noch gar kein PUR, denn Schweden war noch kein EU-Mitglied. Zweitens gab und gibt es für indische Staatsbürger sowieso kein PUR, denn da Indien kein EU-Mitglied ist, benötigen indische Staatsbürger ein PUT, um sich legal in Schweden aufhalten zu können. Drittens erwerben EU-Bürger bei Vorliegen der nötigen Voraussetzungen das PUR ganz automatisch, da gibt es für das MV nichts an- oder abzuerkennen.

Allerdings erlaube ich es mir, hier auf die Vorgehensweise des MV einen meiner Lieblingssprüche anzuwenden: "Vermute niemals böse Absicht, wenn etwas auch durch Dummheit erklärt werden kann." :wink:

MfG,
Gerhard

tommy2

Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon tommy2 » 13. Juli 2014 10:07

Bei mir ging das dieses Jahr sehr einfach: Antrag online aufüllen, Geld überweisen, fertig. Einkommensnachweise oder anderes brauchten die nicht. Den deutschen Pass musste ich och hinschicken. Aber weil ich den für die Arbeit brauche, kriegte ich den schnell zurück. Etwas Verzögerung gab es noch, weil diese arroganten Deppen bei MV (ja, so waren die) meine Bezahlung nicht richtig verbucht hatten.


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