Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Von Auswanderern für Auswanderungswillige! Alle Fragen zu Planung und Durchführung, zu Umzug, Integration und Umgang mit den Behörden. Interessante Erlebnisse und Tipps der Expats.
Link zum Portal: http://www.schwedentor.de/auswandern-leben
Fhre Schweden: Mit Stena Line nach Skandinavien: Sassnitz-Trelleborg

Benutzeravatar
Hanjo
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 522
Registriert: 13. August 2005 09:17
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon Hanjo » 12. Juni 2014 19:31

Speedy hat geschrieben:...und nun stellt sich mir die Frage, was ist der Vorteil der schwedischen Staatsbuergerschaft?
Ist die Solidarität mit dem Land wo man lebt, ist es nur das Papier, ist das Gefuehl anders oder wird man mehr anerkannt wenn man die Staatsangehörigkeit hat?
Fragt sich Speedy
Nun ja,
ich denke der Grund für einen solchen Schritt ist - da praktisch weder Vor- noch Nachteile zu erwarten sind - sehr individuell und wohl auch eher einer persönlichen Mentalität geschuldet.

Auch wir haben damals viel darüber mit Leuten unterschiedlichster Meinungen diskutiert. Letztlich war der Schritt, die schwedische Staatsangehörigkeit zu beantragen, für mich der Ausdruck meines Gefühls der Zugehörigkeit zu den Menschen dieses Landes, zu dem Land selber - mit all seinen zu kritisierenden Umständen :wink: .

Und nur wenn dieses Gefühl der Zugehörigkeit vorhanden ist macht es Sinn darüber nachzudenken, denke ich.
Hejdå
Hanjo
Wer seine Träume erfüllen will, muss erst einmal aufwachen

Benutzeravatar
HeikeBlekinge
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 2069
Registriert: 4. Januar 2008 20:20
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon HeikeBlekinge » 12. Juni 2014 20:33

Volker geschrieben:
Ich bin kein Schweden-Fan. Schweden ist ein Teil meiner Identität


Klingt interessant. Wärest du so nett das näher zu definieren? Tack!

Ansonsten kann ich Hanjo bei dem Thema zustimmen.
www.lilla-koksgarden.se


>Wer wenig weiß redet viel, wer Wissen hat wird neugierig, wer viel Wissen hat schweigt<

Benutzeravatar
Infosammler
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 929
Registriert: 2. Oktober 2007 11:57
Schwedisch-Kenntnisse: gut

Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon Infosammler » 12. Juni 2014 20:38

Man sollte nicht nur das Gefühl haben dazu zu gehören und sich in Schweden wohl und akzeptiert fühlen, man sollte auch dafür sorgen der Sprache mächtig zu sein. Dann sollte das alles kein Problem sein.
Var inte för optimistisk, ljuset i slutet av tunnel kan vara ett tåg. Franz Kaffka

Benutzeravatar
tjejen
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 967
Registriert: 8. April 2008 15:31
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon tjejen » 12. Juni 2014 20:52

Volker hat geschrieben:Ist die Registrierung dieses permanenten Aufenthaltsrechts geglückt, dann ist der Online-Antrag auf die schwedische Staatsbürgerschaft fast nur noch eine Formsache. Die Sachbearbeiter holen sich nur noch Erkundigungen ein, ob Einträge beim Gerichtsvollzieher vorliegen, ob Vorstrafen existieren und ob der Geheimdienst einen auf der Liste hat. Wie lange die ganze Abwicklung dauert, ist vollkommen unterschiedlich.

Leider nicht so ganz, Volker ;). Ich hatte das permanente Aufenthaltsrecht vom MV bekommen, hab alles ordnungsgemäss eingeschickt und hab dennoch eine Ablehnung bekommen. Da ich damals beim Einwandern Student war, wollte mir das MV bei der Statsbürgerschaft den Hemvist nicht anerkennen und argumentierte dass ich den Hemvist frühestens seit Erhalt des permanenten Aufenthaltrecht habe. Ich habe das Ganze daraufhin beim Migrationsdomstol einklagen müssen, die meiner Argumentation recht gaben und den Fall zurück zur weiteren Bearbeitung an das MV schickten.

Von Beantragung bis zur Statsbürgerschaft vergingen daher 14 Monate.

Den Thread zum Thema hier finde ich super: aktuelle-bearbeitungszeit-fuer-die-einbuergerung,23507.html (ûbrigens vom Volker gestartet ;) )

Speedy hat geschrieben:...und nun stellt sich mir die Frage, was ist der Vorteil der schwedischen Staatsbuergerschaft?

Ist die Solidarität mit dem Land wo man lebt, ist es nur das Papier, ist das Gefuehl anders oder wird man mehr anerkannt wenn man die Staatsangehörigkeit hat?

Für mich waren die Hauptgründe das Wahlrecht (ich will mitbestimmen können) und die "vollständige" soziale Sicherheit (naja, also zumindest könnte man mich nicht mehr aus Gründen der Statsbürgerschaft ausschliessen...)

Allerdings fühlt es sich immer noch komisch an zu sagen: "vi i sverige..." Und neulich hab ich mich mit einer frisch eingewanderten Irländerin unterhalten und wusste nicht so recht, ob ich sagen sollte ich sei deutsch oder schwedisch...

Volker hat geschrieben:Ansonsten ist der psychologische Effekt nicht zu unterschätzen als schwedischer Staatsbürger hier in Schweden nicht mehr im Ausland zu leben. Ich bin kein Schweden-Fan. Schweden ist ein Teil meiner Identität. Das ist etwas anderes.

Dem muss ich zustimmen, auch wenn ich es nicht so recht in Worte fassen kann, warum. Aber ich versuchs mal: Mein Leben läuft komplett auf schwedisch ab (ausser diesem Forum eben), ich habe kaum Kontakt zu anderen Deutschen. Ich kann nicht reinen Herzens sagen: Ich bin Deutsche. Ich muss immer hinzufügen: aber ich wohne ich S/habe auch die schwed. Statsbürgerschaft. Ich habe mich menschlich verändert, nach dem Umzug. Veränderungen die unwahrscheinlich wären, wäre ich in Berlin geblieben.
Gnäll suger, handling duger.

Benutzeravatar
HeikeBlekinge
Alter Schwede
Alter Schwede
Beiträge: 2069
Registriert: 4. Januar 2008 20:20
Schwedisch-Kenntnisse: fließend
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon HeikeBlekinge » 12. Juni 2014 21:27

ich krieg das nicht hin euch zu zitieren...tjejen

.. aber genau so gehts mir!

Wobei man wohl festhalten sollte das wir alle aus unterschiedlichsten Konstellationan kommen.

Volker selbständig, selbstversorgend eingewandert (eller?)
Tjejen uebers Studium (eller?)
Ich aus persönlichen Gruenden und dann irgendwann mit viel Ambition selbstständig zu sein
Oder Hanjo beispielsweise als ausgesorgter ;-) Rentner....

Naja - ich seh keinen Nachteil drin.
Ausser man will mit schwedischem Fuehrerschein von Kopenhagen nach London fliegen..
Dat jeht jar nich als schwedischer Staatsbuerger -lol-


..ist aber eine ganz andere Geschichte
www.lilla-koksgarden.se


>Wer wenig weiß redet viel, wer Wissen hat wird neugierig, wer viel Wissen hat schweigt<

Andreas85
Teilnehmer
Teilnehmer
Beiträge: 28
Registriert: 7. Dezember 2010 23:03
Schwedisch-Kenntnisse: Grundkenntnisse
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon Andreas85 » 13. Juni 2014 18:38

tjejen hat geschrieben:[...]
Leider nicht so ganz, Volker ;). Ich hatte das permanente Aufenthaltsrecht vom MV bekommen, hab alles ordnungsgemäss eingeschickt und hab dennoch eine Ablehnung bekommen. Da ich damals beim Einwandern Student war, wollte mir das MV bei der Statsbürgerschaft den Hemvist nicht anerkennen und argumentierte dass ich den Hemvist frühestens seit Erhalt des permanenten Aufenthaltrecht habe. Ich habe das Ganze daraufhin beim Migrationsdomstol einklagen müssen, die meiner Argumentation recht gaben und den Fall zurück zur weiteren Bearbeitung an das MV schickten.

Von Beantragung bis zur Statsbürgerschaft vergingen daher 14 Monate.


Hi tjejen,

hast du dazu zufällig ein Aktenzeichen oder so? Ich könnte in absehbarer Zeit ein ähnliches Problem haben, da kann ein Präzedenzfall nicht schaden :-)

unbekannt

Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon unbekannt » 13. Juni 2014 19:07

Das ist schon komisch. Das permanente Aufenthaltsrecht bekommt man nur, wenn man mindestens 5 Jahre lang legal im Land gelebt hat. Und dies ist auch eine der Voraussetzungen für die schwedische Staatsbürgerschaft. Die Abteilung für Einbürgerung hat also im Grunde das permanente Aufenthaltsrecht in Frage gestellt. Ich hatte schon immer den Verdacht, dass das permanente Aufenthaltsrecht von den Behörden angefochten werden würde, wenn es wirklich hart auf hart kommt, weil man zum Beispiel auf Grund einer schweren Krankheit zum Sozialfall wird. Die schwedische Staatsbürgerschaft ist hingegen nicht anfechtbar, selbt wenn sie durch Falschauskünfte erschlichen worden ist. In anderen Ländern ist das anders. Zum Beispiel kann die unrechtmäßig erworbene kanadische Staatsbürgerschaft zurückgezogen werden.

Warum bin ich kein Schweden-Fan? Da musste ich erst überlegen. Mein Sprachgefühl sagt mir, dass ich nur von etwas ein Fan sein kann, was eigentlich Nebensache ist. Es gibt ja zum Beispiel die Fußballfans, für die Fußball die schönste Nebensache der Welt ist. Ich kann aber kein Krankenhaus-Fan sein, denn Krankenhäuser sind sehr wichtig. Ein Fan seiner eigenen Kinder zu sein, klingt sicherlich auch unpassend. Das klingt so, als ob Kinder Spaßobjekte oder Spielzeug sind, zu denen das Verantworungsgefühl fehlt. Aus diesem Grund bin ich auch kein Schweden-Fan, weil mir das Land, in dem ich hier lebe, dafür einfach viel zu wichtig ist.

Ja, und wenn ich in Deutschland bin, dann spreche wie ein Deutscher und kann mich fast wie ein Deutscher benehmen mit dem deutschen Hintergrundwissen, aber niemand ahnt, dass diese Situation die große Ausnahme für mich ist, der aus einer ziemlich anderen Welt kommt. Ich fühle mich in Deutschland nicht als Deutscher, sondern nur als jemand, der so tun kann als ob.

Benutzeravatar
Freddy
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 427
Registriert: 15. März 2008 13:28
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon Freddy » 14. Juni 2014 12:41

Ich habe meine schwedische Stattsbürgerschaft im Juli letzten Jahres beantragt.

Im Zuge des Verfahrens bekam ich im Januar ein Brief in dem Stand, dass ich für die Staatsbürgerschaft auch den permanent uppehållstillstånd (PUT) benötige und um diesen bislang nicht ersucht habe.Damit das nachgeholt werden kann mußte ich einige Nachweise einreichen:

Arbeitsvertrag oder Arbetsgivarintyg für die letzten fünf Jahre
Unterlagen vom Arbeitsamt, falls man seit sechs Monaten oder mehr arbeitslos war
Unterlagen von der Försäkringskassa, falls man aufgrund einer Krankheit oder Unfalles nicht in der Lage war sechs Monate oder mehr zu arbeiten

EuraGerhard
Schwedenfreund
Schwedenfreund
Beiträge: 930
Registriert: 28. Juli 2010 11:51
Schwedisch-Kenntnisse: gut
Lebensmittelpunkt: Schweden

Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon EuraGerhard » 16. Juni 2014 15:43

Hallo,

beim Migrationsverket weiß offenbar des öfteren die eine Hand nicht, was die andere tut. Tatsache ist, dass ein EU-Bürger, der in Schweden studiert, arbeitet oder sich aus eigenen Mitteln versorgt, ganz automatisch ein Aufenthaltsrecht hat. Und wenn er fünf Jahre ununterbrochen in Schweden gewohnt hat und in dieser Zeit Aufenthaltsrecht hatte, so geht dieses vorübergehende Aufenthaltsrecht ganz automatisch in ein unbefristetes Aufenthaltsrecht über! Ausgenommen sind lediglich solche EU-Bürger, die weder arbeiten noch studieren noch sich aus Eigenmitteln versorgen, sondern z.B. als Familienmitglied eines EU-Bürgers mit Aufenthaltsrechts nach Schweden gezogen sind. Diese haben kein automatisches Aufenthaltsrecht, benötigen also eine Aufenthaltsgenehmigung. (Auf die sie aber in den meisten Fällen einen Rechtsanspruch haben.)

Bei dem ganzen Papierkrieg dürfte es also bei EU-Bürgern, abgesehen von den oben erwähnten Ausnahmen, eigentlich gar nicht um einen Uppehållstillstand, also eine Aufenthaltsgenehmigung gehen, sondern lediglich um den Nachweis, dass das unbefristete Aufenthaltsrecht auch tatsächlich erworben wurde. Denn wer ein Recht ohnehin hat, braucht keine Genehmigung mehr, um es auszuüben. Es scheint mir aber beim Migrationsverket noch eine Reihe von Sachbearbeitern zu geben, die das nicht auf die Reihe kriegen. (Oder vielleicht nicht auf die Reihe kriegen wollen ...)

MfG
Gerhard

unbekannt

Re: Nachteile schwedischer Staatsbürgerschaft?

Beitragvon unbekannt » 16. Juni 2014 16:30

Ich glaube, die wollen das einfach erschweren oder sie sind nicht kompetent. Vielleicht gibt es eine interne Quotenregelung, nach der ein bestimmte Anzahl von Anträgen abgelehnt werden müssen.

Vor etwa 9 Jahre habe ich im Internet einen Fall von einem Schweizer gelesen, der, nachdem er über 10 Jahre lang braver und eifriger Steuerzahler in Schweden war, die Staatsbürgerschaft beantragt hatte. Diese hatte man ihm dann verweigert, weil er ganz zu Anfang vergessen hatte die Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Nicht genug damit hat man ihm vorgeworfen die ganze Zeit sich illegal im Land aufzuhalten. Damals war wohl die Rechtslage noch etwas anders. Trotzdem ein dicker Hund.


  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag

Zurück zu „Auswandern“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast